Die Telekom und die Journalisten: Das ist eine Geschichte mit bewegter Vergangenheit. Jüngstes Kuriosum für Pressevertreter: Wer das neue iPhone 4 als Bestandskunde zu Journalistenkonditionen beziehen wollte, wird gegenüber Normalkunden benachteiligt – Vorbestellungen sind nicht möglich. Doch das ist nicht alles: Auch beim iPad haben Journalisten gegenüber Normalkunden das Nachsehen – bestimmte Tarife werden nicht angeboten. Die Online-Tochter kündigt unterdessen bereits die Journalisten-Angebote.
Es ist so eine Sache mit den Pressekonditionen. Viele deutsche und internationale Konzerne gewähren sie als eine Art Gentlemen’s Agreement. Ein paar Prozent sind für Pressvertreter, die hauptberuflich dem journalistischen Handwerk nachgehen, oft drin – sei es bei der Bahncard, bei manchen Flugverbindungen, beim PC- oder sogar Auto-Kauf. Ob die gängige Praxis moralisch seine Richtigkeit hat, ist eine Geschmacksfrage. Fakt aber auch: Viele Journalisten nehmen die Vergünstigungen in Anspruch.
Seltsam mutet die Sache allerdings an, wenn sich für den Journalisten aus dem scheinbaren Privileg faktische Nachteile ergeben. So geschehen jüngst bei der Deutschen Telekom in gleich zwei Fällen. Betroffen sind Journalisten als Bestandskunden, die das Apple-Smartphone zu Pressekonditionen nutzen.
Journalisten, die zu diesen Konditionen zum Vorbestellungsstart am vergangenen Donnerstag bei T-Mobile den Versuch unternahmen, das iPhone 4 zu ordern, erlebten eine Überraschung: Bestandskunden mit Pressetarif wurden nicht berücksichtigt. Ob und zu welchem Preis das Apple-Smartphone zum Verkaufsstart am 24. Juni zu Journalistenkonditionen erworben werden kann – völlig offen. Klar ist damit nur: Normalkunden sind gegenüber Journalisten damit im Vorteil.
Telekom-Empfehlung: Von Pressekonditionen zurücktreten und einen normalen Vertrag abschließen
Erstaunlicherweise ist das Vorgehen der Deutschen Telekom, die in der Vergangenheit pikanterweise durch die Bespitzelungsaffäre von Journalisten erst vor zwei Jahren einen veritabeln PR-Gau erlitten hat, beim neuen iPhone kein Einzelfall. Journalisten, die ihr Apple Smartphone zu Pressekonditionen nutzen, werden vom Dax-Konzern von bestimmten Datentarifen des iPads sogar ausgeschlossen.
Das gilt etwa für den Tarif "CombiCard Connect L", der iPhone-Kunden angeboten wird: Für 19,90 Euro können iPhone-Besitzer, die bei T-Mobile im Complete-Tarif surfen, auf dem Apple Tablet bis zu 3 GB nutzen – es sei denn, sie sind als Journalisten Telekom-Kunden. Als Bezieher von Pressekonditionen wird Journalisten dieses Angebot von T-Mobile nämlich vorenthalten.
Die Kundenberatung hat aber gleich Abhilfe parat: "Sie können gerne von den Pressekonditionen zurücktreten und einen normalen Vertrag abschließen. Dann bekommen Sie auch das CombiCard-Angebot", lautete das Kulanz-Angebot in einem Hamburger Telekom-Shop. Merke: Wer von Journalistenkonditionen zurücktritt, kommt in den Genuss einer regulären Kundenbehandlung.
Pressekonditionen werden zur Pressebenachteiligung
Im Online-Bereich besteht diese Wahl gar nicht mehr. Hier kündigte das Unternehmen Journalisten, die etwa den Tarif Surf Eco Classic nutzen, Verträge zu Ende Mai auf: "Für einen nahtlosen und reibungslosen Übergang empfehlen wir Ihnen daher, rechtzeitig zu einem aktuellen Produkt zu wechseln!" Wird so der möglichst geräuschlose Abschied von den Pressekonditionen bei der Telekom formuliert?
Das Bonner Unternehmen, das durch systematisches Ausspionieren von Wirtschaftsjournalisten (Wirtschaftswoche, FTD, Capital und manager magazin) 2008 erst in einen der größten Skandale der vergangenen Jahre verwickelt war, setzt mit den jüngsten Tarif- und Bestell-Benachteiligungen für Journalisten ein bemerkenswertes Zeichen: Pressekonditionen werden in der Praxis zur veritablen Pressebenachteiligung. Auf eine Anfrage, warum Journalisten bei iPad-Tarifen und dem Bezug des iPhone 4 ausgeschlossen wurden, reagierte der Konzern nicht.
Konsequent wäre es wohl, die speziellen Pressekonditionen gar nicht mehr anzubieten sowie diese aus Sicht der Journalisten prinzipiell nicht in Anspruch zu nehmen – das würde Zeichen setzen, und zwar von beiden Seiten.
Letzte Kommentare
05.07.10 00:47
Andreas C.
Liebe Journalisten,
einige wenige von Ihnen leisten tagtäglich hervorragende Arbeit und hätten solche Rabatte sicher verdient, doch leider gestalltet sich der tägliche Journalismus vergleichbar kindisch, wie solcherlei -man muss schon sagen dumme Artikel.
Diejenigen, die wertvolle Arbeit leisten, scheren sich herzlich wenig um wegfallende Rabatte, als viel mehr um eine Berichterstattung, deren Präsenz zum nachdenken und weniger zum spotten anregt. Diese Disskusion ist der beste Beleg für ganz miesen Journalismus!
Und nun Kinder nehmt euch bei der Hand und streitet euch nicht um den einzigen Eimer im Sandkasten.
Wenn wir in der Forschung solch ein Wesenzug (die Gier nach Rabatten) in beruflicher hinsicht vorzögen, wäre dieses Neiden (in welche Richtung auch immer) kein Thema, denn es würde nicht mal den Akku geben um das iPhone4 zu betreiben.
Schönen Gruß an die Journalisten und Medienhuren mit eurem Big Brother & Co.
Das ist die Sorte, deren Antrieb der Rabatt und die Sucht nach sozialem Ansehen ist.
In diesem Sinne; besinnt euch endlich dem Kern des Journalismus -Aufklärung und Bildung in unterhaltsamer Form.
Vielen Dank!
02.07.10 21:50
Tom Bauer
Was für eine verlogene Debatte von scheinheiligen, selbsternannten Gutmenschen hier. Was ist so schlimm an Presserabatten, die die journalistische Unabhängigkeit nicht gefährden? Glaubt einer im Ernst, dass dies Bestechungsrabatte sind? 99 Prozent aller Presserabatte sind klassische Firmenrabatte, die Siemens, der Bahn oder jedem x-beliebigen Beamten (BSW) über die einschlägigen Programme der entsprechenden Berufsgruppe ebenfalls angeboten werden. Ich will den sehen hier, der noch nie einen Rabatt angenommen hat! Einfach lächerlich, wie sich hier manche aufspielen... Vom tag täglichen Geschäft eines Journalisten haben hier, wie man liest, die wenigsten eine Ahnung.
Traurig ist, das Bestandskunden (in dem Fall Journalisten) im Gegensatz zu Neukunden benachteiligt werden. Um mehr ging es dem Autor offenbar nicht. Und das kann man doch darstellen.
27.06.10 10:23
Alex Mayer
Ich denke es wird genauso ein Iphone4 bei Vodafone zu bekommen sein wie es das 3Gs gibt. Es wird über Vodafone Italien nach Deutschland kommen weil dort meines Wissens Vodafone der Vertragspartner von Apple ist, hier der artikel: iPhone 4
25.06.10 00:15
Der Sportfreund
eigentlich werden doch alle Bestandskunden benachteiligt! Ich war heute im Telekom Shop und wollte eine Bestellung über ein iPhone 4 + Vertragsverlängerung abschließen und wurde direkt nach Hause geschickt. Ich solle es auch nicht an der Hotline probieren.
In UK ist es - soweit ich weiß - umgedreht, dort werden die Bestandskunden vor Neukunden von O2 bevorzugt. So so muss es auch sein!
Ich werde daher meinen Telekom Vertrag im nächsten Jahr kündigen.
Ich sehe nicht, dass der Autor etwas einfordert - er ist auch im Tarifwirrwar der Telekom hängen geblieben: wie es aussieht, sind diese Journalistenkonditionen Lockangebote um Neukunden -hier also Journalisten - zu bekommen um dann diese doch zu einem normalen Vertrag zu zwingen. Hätte er das aber vor Vertragsabschluss gewusst, wäre er sicherlich gleich zu einem anderen Anbieter gegangen.
24.06.10 14:19
Heinz Rüdiger
Ist schon interessant, wie sich hier einige Leute künstlich aufregen. Un natürlich sind hier nur Gralshüter des ethischen Journalismus unterwegs, die zum Beispiel VW oder Audi sagen würden: "Die 15% Presserabatt, die nehme ich aber nicht an!" Der Rest ist neidisch. Die ganze Nummer mit den Presserabatten ist eh meist uninteressant, weil viele Produkte online billiger zu haben sind und jeder Fuzzi heute gut handeln kann. Zum Beispiel 15% beim Kauf eines neuen Audis. Also: Ganz locker bleiben...