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Fehlermeldungen, Abstürze und Userfrust bei Tatort+

Fünf Fragen zum verpatzten Web-"Tatort"

“Never change a running system”. Diese Weisheit unter IT-Fachleuten trifft auf den Web-”Tatort” vom Sonntag wohl sprichwörtlich zu. Ist die Krimi-Reihe doch ein Quotengarant, hatte der SWR es auf die junge Zielgruppe abgesehen. Das Experiment aus unaufgelöstem TV-Krimi und anschließender Web-Spielerei mündete im Debakel. Es war ein TV-Experiment, das gehörig nach hinten losging: Es hagelte Fehlermeldungen, Kritik und Frust. MEEDIA beantwortet die fünf wichtigsten Fragen zum Chaos-"Tatort".

Es sollte ein crossmedialer Mitmach-Krimi sein, der wenig später im Shitstorm endete. Am Sonntag rief Das Erste während des Odenthal-”Tatorts” im TV dazu auf, unter Tatort.de gemeinsam nach dem Mörder zu suchen. Die Nutzer kamen in Scharen.

Warum regen sich die "Tatort"-Fans so auf?
Doch offenbar war man nicht auf den Userandrang gefasst. Geschätzt rund 20.000 Web-Ermittler meldeten sich für die Tätersuche im Web an. Nicht gerade viel für ein Millionenpublikum. Doch statt gemeinsam auf Twitter und Facebook den Fall zu lösen, klickten die Nutzer aber größtenteils auf Fehlermeldungen oder ägerten sich über lange Ladezeiten. Der Frust machte sich auch auf der "Tatort"-Facebook-Seite breit. Die ARD reagierte und versprach Besserung. Doch offenbar war der Nutzeransturm immer noch zu hoch für die bereigestellten Server. So erklärte der Sender am Montag, nochmals die Serverkapazitäten zu verdoppeln, um die Probleme beim Laden der Inhalte gering zu halten. Der Schaden in der sonst so treuen Fangemeinde war schon längst angerichtet.  "Es war doch logisch, dass man VORHER bei so einem Erstversuch die Servcer-Performance verbessert!!!", ärgert sich ein Nutzer. Ein anderer schrieb: " Die Idee find ich ja gut, die Umsetzung sehr aber enttäuschend."

Wer ist der Mörder?
Auch die anvisierte Auflösung des Falls am Samstag misslang. Unter der gelungenen Unterzeile “Bild sprach zuerst mit dem Toten” verriet die Springerzeitung am Dienstagmorgen, wer denn nun der Mörder ist: Es war Murat. Auch auf der Facebook-Seite gratuliert man zu ersten erfolgreichen Fallabschlüssen. Die Meinungen der Nutzer zum Web-Projekt gehen allerdings weit auseinander. Während sich einige durchaus für das Onlinespiel begeistern konnten, wünschen sich viele Nutzer einen normalen TV-”Tatort”. Einige Fans monieren, dass die ARD bei dem Online-Experiment ältere Zuschauer ohne Internetzugang ausgeschlossen hätte. Andere Nutzer beschwerten sich über Probleme mit unterschiedlichen Browsern.

Lohnt sich der Online-Spielspaß?
Hatte man es in den vergangenen Tagen einmal geschafft, sich für die Online-Ermittlungen zu registrieren, hatte das Point-and-Click-Adventure durchaus Charme. Völlig unaufgeregt kann man Beweise sammeln und Verdächtige verhören, um schließlich den Täter zu überführen. Unterstützung bekommt man dabei auf Wunsch via Twitter und Facebook. Die Entwicklung des Browsergames war fraglos aufwändig und gut durchdacht. Nur die technische Umsetzung war ein Desaster.

Wer war schuld am Server-Chaos?
Der Kreativität des SWR kann man keinen Vorwurf machen. Dennoch den Projektverantwortlichen, die mit einem garantierten Run auf die Server der ARD hätten rechnen müssen, wenn man einem Millionenpublikum den Mörder vorenthält. Der Sender argumentiert auf Facebook, es handle sich um ein Pilotprojekt. Dafür hätte man die Zuschauer allerdings vorab einbeziehen müssen. So hätte das Publikum entscheiden können, ob es am Experiment teilnehmen oder auf einen TV-”Tatort” ohne Mörder verzichten will. Die Online-Redaktion verantwortete in diesem Fall der SWR. Wenn schon so viel Zeit in die inhaltliche Umsetzung geflossen ist, hätte man auch die Technik in die Planung eines solchen Vorzeigeprojektes miteinbeziehen müsssen. Letzten Endes hätten Nutzer sich schon vorab anmelden sollen. So hätte der Sender vor der Ausstrahlung besser auf den Ansturm reagieren können. 

Ist ein Fortsetzung wahrscheinlich?
Doch alles kam anders. Das Pilotprojekt “Tatort+” entwickelte sich zur Pilot-Panne. Unsere Prognose: Nach dem verpatzten Auftakt dürfte sich die ARD zweimal überlegen, ob man mit den ehernen "Tatort"-Regeln noch einmal brechen sollte. Und falls man es doch plant, wäre die ARD gut beraten, auch entsprechende Serverkapazitäten bereitzustellen. 

dis

15.05.2012
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    Letzte Kommentare

    Anzeige: 1 - 1 von 1

    15.05.12 15:19

    P. Rezzo

    Das Schlimme an solchen SAchen ist ja, dass zum einen der TATORT sowieso riesige Zuschauerzahlen haben und das Geld, das sie für dieses Tatort+ ausgeben, anderswo fehlt. Produktionen müssen für weniger arbeiten, Leute am Set zum Hungerlohn beschäftigt, die Diskussionen, wie viel junge Darsteller bekommen sollen am Tag, sind unsäglich. Alle Sender haben weniger Geld und diktieren Dumpingpreise. Aber für Marketing, Anzeigen, Computerspiele, Events - um nur einige Abteilungen zu nennen - haben sie Kohle ohne Ende. Was alleine das ZDF für die Mediathek Geld hinlegt oder jetzt die ARD für alles rund ums Onlinespiel, dafür könnten viele Leute anständig bezahlt werden. Ich bin nicht gegen Innovationen aber wo sie augenscheinlich - weil die Leute sowieso schauen - völlig sinnlos und dann auch noch erfolglos und imageschädlich sind, sind sie mehr als total überflüssig.

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