Kaum ein Tag vergeht in der großen weiten Web-Welt ohne neue Hypes, neue Dienste und neue Megatrends. Jeder ist auf der Suche nach "dem nächsten großen Ding". Die meisten Hypes aber sind nach ein paar Wochen oder Monaten schon wieder vergessen und machen Platz für die nächste kurzlebige Trendwelle. MEEDIA hat sich aktuell fünf angesagte Web-Hypes angeschaut, die wohl bald wieder verschwunden sein werden. Aber natürlich lassen wir uns auch gerne eines Besseren belehren.
1. FourSquare
So genannte ortsbezogene Dienste sind der Hype der Stunde. Man kann seinen "Freunden" jederzeit via GPS-Telefon mitteilen wo man gerade ist und diese Information auch über die üblichen Kanäle wie Twitter und Facebook verbreiten. Das ganze hat einen gewissen spielerischen Charakter, da man zum "Bürgermeister" einer Location ernannt werden kann, wenn man sich zuerst dort eincheckt oder sich durch häufiges Einchecken irgendwelche Plaketten verdienen. Das ist ganz nett für einige Nerds, aber mal im Ernst: Was soll das? Dass ortsbezogene Infos nützlich sein können, steht außer Frage, aber warum sollte man dafür schon wieder einen eigenen Dienst brauchen? FourSquare ist genauso überflüssig wie Friendfeed und wird darum innerhalb überschaubarer Zeit bedeutungslos geworden sein. Wenn die Macher Glück haben, können sie den Hype noch ein bisschen anstacheln und werden für ein paar Millionen aufgekauft. Ansonsten werden ortsbezogene Dienste in Facebook, Google Buzz, Twitter oder dem Web ganz Allgemein integriert sein.
2. Formspring
Das ultimative Ego-Spielzeug für alle, die nach Twitter, Facebook, Google Buzz, Posterous usw. noch immer nicht genug online gequatscht haben. Das anonyme Frage-Antwort-Spielchen hat so ein bisschen den Charme von Online-Flaschendrehen oder altertümlichen Brettspielen wie "Tabu". Man stellt sich den anonymen Fragen der "Community" und schaut was dabei herauskommt. Meisten nicht viel, aber davon jede Menge. Es gibt keinen Sinn, keinen Mehrwert und kein Geschäftsmodell. Außer vielleicht irgendwann aus Versehen von Twitter gekauft zu werden.
3. Posterous
Die Tütensuppe unter den Social-Media-Diensten. Schnell, billig und wenig nahrhaft. Eine Art Instant-Weblog, für alle... ja für wen eigentlich? Ein Blog zu starten ist heutzutage wahrlich kein Hexenwerk mehr. Und wer twittern will, kann dies bei Twitter oder mit Hilfe mannnigfaltiger Zusatzprogramme erledigen. Dann gibt es noch (ebenfalls nutzlose) Über-Aggregatoren wie Friendfeed, die den ganzen Kram in wieder einen neuen Feed packen, und jetzt auch noch Posterous. Der Dienst will alles einfacher machen. Keine Anmeldung, nur 'ne E-Mail und schon wird gepostet. Leider fehlt der so entstehenden Instant-Website auch der Charme und die Individualität eines eigenen Blogs. Posterous ist im Prinzip nur eines: überflüssig.
4. Chatroulette
Wieder ein neuer Gaga-Hype am Horizont. Bei Chatroulette (lustigerweise von einem Russen erfunden, die haben's ja mit dem Roulette) werden per Zufall zwei Leute mit Webcam zueinander geschaltet und können via Text oder Ton chatten. So lange, bis einer den anderen wegklickt und man zur nächsten Zufalls-Bekanntschaft weitergereicht wird. Das endet dann oft in einer wüsten Wegklick-Orgie. Meistens trifft man auf ganze Gruppen angetrunkener Teenie-Jungs auf der Suche nach heißen Web-Schnitten, verstörte Chinesen oder Typen mit Masken. Das ist für zehn bis fünfzehn Sekunden ganz lustig. Danach wird's öde. Selbiges gilt wohl auch für das ganze Phänomen.
5. Demand Media
Demand Media ist so etwas wie der zur Firma gewordene Antichrist für klassische Medienunternehmen. Das US-Unternehmen ist angetreten, um die Kosten der Inhalte-Produktion auf das Niveau von Google-Adsense Einnahmen runterzudrücken, also in den Lousy-Penny-Bereich. Eine Software ermittelt, welche Themen wieviel an Google-Werbung einbringen und vergibt danach Aufträge an ein Heer an Hobby-Schreibern und Amateur-Video-Produzenten. Die erstellen dann für eine handvoll Dollar ein Video oder einen Text. Die Idee von MySpace-Gründer Richard Rosenblatt und Shawn Colo ist aus rein kapitalistischer Sicht zwar nicht so gaga wie sonstigen hier vorgestellten Modelle, wird sich als Web-Trend aber (hoffentlich) doch bald überholen. Derzeit fürchten zwar viele Journalisten und Medienhäuser Demand Media und Konsorten als den potenziellen Untergang des journalistischen Abendlandes, die Sorge ist aber unbegründet. Gar nicht mal wegen der angeblich minderen Qualität der Hobby-Content-Lieferanten oder der angeblichen superduper Qualität der klassischen Medien. Aber wenn Demand Media die Google Suchtreffer erst einmal richtig verstopft, in Ansätzen ist das in den USA bereits zu sehen, werden sich Nutzer wieder nach Abwechslung und Beständigkeit sehnen und verstärkt erkennbaren Medienmarken mit erkennbaren Autoren zuwenden. So jedenfalls die Theorie.
Letzte Kommentare
27.09.11 02:03
herbert zehner
hmmm..
Noch so ne Sache die niemand braucht:
YASNI
HEHEHe, auf gut deutsch: ihr seid überflüssig wie ein Kropf!
:D
19.02.10 16:45
Stefan Winterbauer
@ Harald Müller
In ihrem Kommentar ist mir vieles zu hoch: Ping, myMiki, Whitelabel Answers. Ringidingding. Keine Ahnung.
Der Artikel entstand nur aus dem Gefühl heraus, dass das Tempo an so genannten Neuerungen und Verheißungen mal wieder rapide zunimmt, ohne dass Sinn und Zweck hinterfragt werden. Wie immer gilt in solchen Fällen: Irrtum stets möglich.
Ich wollte die hier genannten Dienste auch eher mal zur Diskussion stellen, statt automatisch einen Hosianna-Chor anzustimmen nur weil es bei mir jetzt Pling Pling in der Hose macht, wenn ich irgendwo einchecke.
Beste Grüße
SW
19.02.10 15:12
Tom Krueger
Hallo Hans,
danke für die antworten. ich habe insgeheim ja mit kulinarischen Beispielen gerechnet ;)
gemessen an meinem eigenen umfeld - und somit subjektiv - sehe ich derzeit nicht mehr viel spielraum für komplett neue plattformen. das sättigungsgefühl ist doch sehr groß - und in meinem umfeld sind viele technikaffine leute. buzz fällt dort quasi schon komplett durch.
der advertiser-sicht stimme ich voll und ganz zu. ob sich ausreichend nutzer finden, damit sich der einsatz auch lohnt, ist eine andere frage.
19.02.10 14:27
Harald Mueller Web-Site
Was für ein wenig, praxis-erprobter Artikel!
@Foursquare:
Logge mich ein, wenn ICH möchte und gebe Standort mit. Ping und ein Kontakt in HH meldet sich "Du in der Stadt, cool, lass uns treffen".
Das soll untauglich sein?
Zu recommendations wurde vorher schon was gesagt.
Ich sage hierzu: MEEDIA #fail
@Formspring:
es mag ja für "Experten" einfach sein ein Frageformular aufzusetzen. Aber für ein whitelable "Yahoo Answers" für jede Webseite ist hilfreich und ergänzt Kommentarfelder ...
@Posterous:
Ein Blog aufzusetzen in dem YouTube und my-MIKI links etc. sooo easy wie dort funktionieren, möchte ich mal sehen. Einen Blogbeitrag per iPhone auf Wordpress zu schreiben - vergiss es! Ein Blogbeitrag = e-mail mit iPhone auf Posterous super einfach.
@DemandMedia
Wird immer wieder gesagt, das seien nur Schrott-Videos. Vieles ist Schrott aber vieles ist auch gut. Es mag sein, dass ein Geschäftsmodell mit 20 USD für Videoredakteur "unfair" ist, braucht aber keiner mitmachen oder ansehen - nur tun dies MILLIONEN z.B. auf deren YouTube channel. Es gibt schon nen Grund warum sie weit über 200 Mio. VC eingesammelt haben.
JA, es gibt etliche unsinnige "Apps", nur sind die leider eher aus der Berliner Startup-Szene (sorry for that - gibt ja auch einige gute da!), aber dieser Artikel ist für mich nur HYPE in Form "wir müssen mal was Negatives über diese Startups in aller Munde schreiben".
Sorry: MEEDIA in diesem Fall #FAIL
19.02.10 14:25
Harald Mueller Web-Site
Was für ein wenig, praxis-erprobter Artikel!
@Foursquare:
Logge mich ein, wenn ICH möchte und gebe Standort mit. Ping und ein Kontakt in HH meldet sich "Du in der Stadt, cool, lass uns treffen".
Das soll untauglich sein?
Zu recommendations wurde vorher schon was gesagt.
Ich sage hierzu: MEEDIA #fail
@Formspring:
es mag ja für "Experten" einfach sein ein Frageformular aufzusetzen. Aber für ein whitelable "Yahoo Answers" für jede Webseite ist hilfreich und ergänzt Kommentarfelder ...
@Posterous:
Ein Blog aufzusetzen in dem YouTube und my-MIKI links etc. sooo easy wie dort funktionieren, möchte ich mal sehen. Einen Blogbeitrag per iPhone auf Wordpress zu schreiben - vergiss es! Ein Blogbeitrag = e-mail mit iPhone auf Posterous super einfach.
@DemandMedia
Wird immer wieder gesagt, das seien nur Schrott-Videos. Vieles ist Schrott aber vieles ist auch gut. Es mag sein, dass ein Geschäftsmodell mit 20 USD für Videoredakteur "unfair" ist, braucht aber keiner mitmachen oder ansehen - nur tun dies MILLIONEN z.B. auf deren YouTube channel. Es gibt schon nen Grund warum sie weit über 200 Mio. VC eingesammelt haben.
JA, es gibt etliche unsinnige "Apps", nur sind die leider eher aus der Berliner Startup-Szene (sorry for that - gibt ja auch einige gute da!), aber dieser Artikel ist für mich nur HYPE in Form "wir müssen mal was Negatives über diese Startups in aller Munde schreiben".
Sorry: MEEDIA in diesem Fall #FAIL