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Produkt-Show "bestenfalls eine Absichtserklärung"

Fachwelt spottet über WePad-Präsentation

Am Tag nach der Präsentation der "Wunderwaffe" WePad vor rund 300 Journalisten mehren sich kritische Stimmen in der Fachwelt. Denn der Anbieter Neofonie konnte weder ein funktionierendes Gerät vorführen noch die Zweifel in Bezug auf die Tablet-Komponten ausräumen. Besonders peinlich: Statt des versprochenen Linux-Systems lief auf dem Dummy ein Endlos-Video, das auf Windows 7 basiert. Inzwischen fragt man sich, ob hinter der Ankündigung überhaupt ein marktreifes Produkt steht.

Entdeckt wurde das falsche Betriebssystem von US-Blog androidpads.com. Die Experten hatten auf einem Video entdeckt, dass während der wePad-Vorstellung auf einmal eine Windows-Fehlermeldung auf dem Bildschirm des Tablets auftauchte. Neofonie-Boss Helmut Hoffer von Ankershoffen versuchte daraufhin peinlich berührt den Prototypen samt Fehlermeldung zu verstecken.

Auf dem wePad läuft Windows

Mittlerweile gab das Unternehmen auf Anfrage von Handelsblatt Online zu: "Das Gerät war auf Windows gebootet, es lief ein Video der Software in Endlosschleife." In der finalen WePad-Version soll allerdings eine Linux basierte Software laufen, wobei viele rätseln, ob diese möglicherweise allerdings noch nicht einmal in einer Testversion fertig programmiert ist.

Peinlicher Dialog: Ein Neofonie-Mitarbeiter
weigert sich, den Touchscreen zu präsentieren


Für Martin Heller und Matthias Kremp von Spiegel Online bleibt das WePad vorerst "ein Phantom". Sie halten den Prototypen "bestenfalls" für "eine Absichtserklärung": "Erst wenn daraus endlich ein echtes Produkt wird, das man anfassen und ausprobieren kann und das die Produktmanager auch aus der Hand geben mögen, wird das WePad vielleicht wirklich zu dem, als was es gern gesehen wird, zum Anti-iPad."

Andrea Rungg von der FTD notiert: "Als Neofonie am der Ende der WePad-Präsentation Äpfel mit dem Schriftzug wePad verteilen lässt, wirkt das überreizt – zumal das Gerät vor Ort nicht getestet werden kann. Denn es muss erst aufgeladen werden und zeigt nur eine filmische Präsentation. Das wäre dem Meister aus Kalifornien bei der iPad-Präsentation niemals passiert."

Beobachter vor allem aus den an der Tablet-Entwicklung besonders interessierten Medienhäusern registrieren den "Budenzauber" der Berliner Web-Schmiede, die in Bezug auf ihr Kerngeschäft, die Entwicklung von Online-Portalen und Such-Technologien, einen tadellosen Ruf hat, mit wachsender Sorge. Ursprünglich sollte das WePad bereits im April gelauncht werden. Jetzt haben viele eher den Eindruck, dass das attraktive Konzept nicht ansatzweise betriebsbereit ist.

Als "oberskurril" bezeichnet ein Verlagsentscheider die PR-Show in der Hauptstadt, andere sprechen mit Blick auf die Vorführung unverhohlen von einem "Fake". Viele fühlten sich bei der Präsentation an die Hochzeiten der New Economy erinnert, in der oft genug die bloße Ankündigung einer Applikation zum Hype und Multimillionen-Investment wurde.

Viele fragen sich auch, warum die sonst seriös auftretende Firma jetzt so offenkundig vorschnell agiert und nicht wenigstens so lange wartet, bis ein einwandfrei funktionierendes Testgerät überprüfbar vorgestellt werden kann. Auch das Business-Modell ist umstritten: Dem Vernehmen nach verlangt Neofonie von Verlagskunden eine hohe Einstands-Fee, damit diese ihre Produkte auf das WePad bringen können.

Neofonie hat zu den offenen Fragen eine Erklärung angekündigt. Feststehen dürfte allerdings: Die als großer Auftakt-Coup einer WePad-Kampagne gedachte Vorstellung in Berlin, bei der Firmenchef Helmut Hoffer von Ankershoffen alle Register zog, ist in der Bilanz ein PR-Schuss, der nach hinten losging.

 

ax / ga

13.04.2010
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MEEDIA RÜCKBLICK

  • 03.10.2010 Ankershoffen und die "WeDepp"-Debatte
  • 02.06.2010 Mister WeTab: "Wir bereuen nichts"
  • 07.05.2010 Markenstreit: WePad heißt jetzt WeTab
  • 26.04.2010 Was die Tester über das WePad schreiben
  • 26.04.2010 WePad, die zweite: es toucht
  • 16.04.2010 Martin Sonneborn als WePad-Tester
  • 13.04.2010 Ein Medienphantom namens WePad
  • 12.04.2010 WePad macht Apple heftig Konkurrenz

Letzte Kommentare

Anzeige: 1 - 5 von 9 1 2 weitere Einträge >

14.04.10 13:58

Norbert P

1. Dies ganze Sache ist eine einzige Verarsche und damit einfach nur kriminell. Fragt sich nur was diese Schwuchtel von Neofonie Chef mit dem roten Affenschaal eigentlich will. Sich selbst ins Rampenlicht setzen? Ein Fall für den Psychiater.

2. Dieser Amateurfirma fehlt es hinten und vorne an allen Ecken. Einfach nur peinlich.

3. Wie blöd ist eigentlich die deutsche Presse? Lässt sich aber auch alles andrehen. Man sieht doch aus 5000 Meilen Entfernung das dies nur ein Fake ist.

4. Konkurrenz für Apple? Schlechten Shit geraucht? In Cupertino macht man sich nicht einmal die Mühe diesen Schrott auch nur anzuschauen. Schon mal mit nem VW Käfer ein Formel 1 Rennen gewonnen?

14.04.10 12:47

Frank Reinhardt

Wieso muss ein US-Blog feststellen, dass die Präsentation ein Fake war.
Das ist ein Armutszeugnis für alle Journalisten vor Ort! Schämt euch!

14.04.10 11:03

Patrick H.

Peinlich ist allerdings auch, dass die Kollegen von der Presse erst viele Stunden, nachdem ihre jubelnden Artikel schon online waren, skeptisch wurden.
Vielleicht wollte man sich den Aufmacher "iPad-Jäger aus D." nicht kaputt machen. Trotzdem ist es peinlich, wenn man bei einer derart schwachen Präsentation (keine Vorführung, kein Anfassen!) keine skeptischen Fragen stellt und die Marketingversprechen 1:1 ins Blatt oder online hebt.

14.04.10 10:38

Silke Springens

Jeder macht mal Fehler, das ist doch nicht SOOO schlimm. Ich finde jedes neue Pad gut, denn Konkurenz belebt ja das Geschäft und vielleicht ist es ja sogar besser als das von Apple.

14.04.10 10:20

Sönke Westmann

Was hat denn diese peinliche Präsentation damit zu tun, dass man persönlich möglicherweise lieber Apple mag? Ich selbst bin garantiert kein Apple-Jünger oder jemand, der nicht mehr schlafen kann, wenn ein neues Gerät vor der Markteinführung steht, aber es kann doch nicht sein, dass hier ein (vermeintlich heilsbringendes) Produkt angepriesen wird, das sich Verlage ernsthaft als neuen Vertriebsweg angucken, das dann aber in einer geradezu skurril dilettantischen Weise von den Verantwortlichen vorgeführt wird!

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