Der nächste Aufreger aus der scheinbar unendlichen Trial- and Error-Serie "Wie verhalten sich Unternehmen im Social Web richtig?". So ist der Autokonzern Daimler – nach Informationen von Golem.de – gegen die kritische Facebook-Gruppe "Daimler-Kollegen gegen Stuttgart 21" vorgegangen, weil Firmenchef Dieter Zetsche beleidigt worden sein soll. Zudem wurden offenbar Angestellte, die auf den "Gefällt mir"-Button drückten, zu einem Gespräch mit der Personalabteilung gebeten.
Gegenüber Golem bestätigte das Unternehmen das Abschalten der Gruppe. Allerdings soll es dem PS-Konzern nicht um die Meinungsbekundungen zu Stuttgart 21, sondern nur um die Beleidigung gegangen sein. Nach einem Bericht von der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD) wurden Dieter Zetsche, Stefan Mappus und Angela Merkel als „Spitze des Lügenpacks“ bezeichnet.
"Wir haben einen Hinweis auf diese Facebook-Gruppe erhalten. Wir suchen nicht selbst gezielt nach so etwas. Weil dort unser Vorstandsvorsitzender beleidigt wurde, haben wir uns dazu entschlossen, mit den Mitarbeitern, die dies durch Zustimmung auch zum Ausdruck gebracht haben, das Gespräch zu suchen", zitiert Golem.de eine Sprecherin des Autobauers.
Laut MLPD wurden fünf Mitarbeiter von der Personalabteilung im Beisein eines Betriebsratsmitgliedes befragt. Interessant ist die Frage, woher Daimler die Informationen hatte, welche Gruppen-Mitglieder den "Like"-Button drückten.
Zudem ist noch unklar, ob der Autobauer die Facebook-Gruppe tatsächlich löschen lies. Auf die Golem-Anfrage antwortet der Konzernsprecher: "Wir haben Facebook darauf hingewiesen, dass es aus unserer Sicht problematische Inhalte gibt". Kurz darauf war die Site offline.
Letzte Kommentare
25.05.11 16:45
Max Müller
Ja, Herr Braatz, da stimme ich Ihnen zu:
rechtsstaatliche Maßstäbe gelten überall.
Tatsache ist: Die Gruppe mit Meinungsäußerungen ist abgeschaltet worden. Offensichtlich ein Akt von Willkür.
Tatsache ist: Alle Meinungsäußerungen sind damit ebenfalls gelöscht. Das Recht zur Meinungsäußerung scheint massiv eingeschränkt.
Vermutet wird: eine Beleidigung. Hier hätte durch entfernen der möglichen Beleidung kurzfristig Abhilfe bis zur Klärung geschaffen werden können.
Eine Intervention von Daimler gegen die Gruppe hätte ebentuell wegen einer Markenzeichen-Verletzung erfolgen können.
Eine Intervention durch die Personalabteilung bei einer solch globalen Aussage erscheint "eigenartig".
Das Verschaffen von (vermutlich) öffentlich nicht zugänglichen Daten durch einen deutschen Konzern erscheint noch eigenartiger.
Wer hat da die größeren Defizite: Die (mutmaßlichen) Beleidiger oder der tatsächlich handelnde Konzern?
25.05.11 12:33
Jürgen Braatz
Mein Gefühl ist, dass Daimler richtig gehandelt hat. Auch der Vorstandsvorsitzende ist ein Angestellter des Unternehmens den diese genauso vor öffentlichen Beleidigungen schützen muss wie jeden anderen. Die Personalabteilung hat mit den Mitarbeitern, die sich auf Facebook geäußert haben ein Gespräch geführt.
Was ist das aber für eine Art von Journalismus, die aus einem Gespräch ein "Verhör" macht, eine notwendige Terminvereinbarung "zum Rapport bestellen" nennt. Damit suggerieren Sie, Daimler sei irgendwie im Unrecht oder übe illegitim Macht aus. Im Gegenteil wäre der Fall ein guter Anlass gewesen, auf jedermanns Recht hinzuweisen, sich gegen Beleidigungen zu wehren. Das haben glücklicherweise andere getan.