Ab 2010 will M. DuMont Schauberg im Internet kostenpflichtige Inhalte einführen. Denn nur mit digitaler Werbung allein sei Qualitätsjournalismus nicht zu finanzieren, verriet Konstantin Neven DuMont der dpa. Besonders interessant ist dabei der Micropayment- Modus, der dem Vorstand von Deutschlands drittgrößtem Zeitungsverlag vorschwebt: "Der Vorspann ist noch kostenlos; für den ganzen Artikel werden aber zum Beispiel 30 Cent über die Telefonrechnung abgebucht."
Der Verleger glaubt, dass die größte Hemmschwelle für ein erfolgreiches Paid-Content-Modell noch die bislang ungenügenden Abrechnungs-Systeme sind: "Der Bezahlvorgang ist technisch noch zu kompliziert", zitiert die dpa Neven DuMont. "Wir machen Druck, dass die Provider ein Modell finden, und haben die große Hoffnung, dass wir das schon 2010 anwenden können." Damit schiebt der Kölner den schwarzen Peter geschickt zu T-Online, Vodafone & Co.
Der Vorstand gesteht allerdings auch ein, dass neben den technischen Vorraussetzungen auch die Online-Inhalte noch attraktiver werden müssen. Doch auch hier will Neven DuMont schnell nachrüsten. So soll beispielsweise beim Berliner Verlag kräftig in die Digitalisierung investiert werden, damit auch die "Berliner Zeitung" 2010 einen zeitgemäßen Internetauftritt hat.
Die Bezahl-Offensive soll offenbar für alle Titel des Hauses gelten. Also für Ksta.de ("Kölner Stadtanzeiger"). FR-Online.de ("Frankfurter Rundschau"), berlinonline.de/berliner-zeitung ("Berliner Zeitung") Mz-web.de ("Mitteldeutsche Zeitung") oder Netzeitung.de.
Selbst wenn das geplante Paid-Content-Modell funktioniert, sind die fetten Medienjahre laut Neven DuMont vorbei "Die Verlage müssen in Zukunft - unter anderem auch durch die Digitalisierung und rückläufigen Märkte - eher mit weniger Renditen rechnen als in der Vergangenheit."
Letzte Kommentare
07.10.09 20:16
Bombina Variegata
Ist doch Klasse: man zahlt dann nur für das,was man wirklich lesen will - ob die Werbung
am Rande dann mit zwangsübertragen wird ......?ohne 30c, mit 10c ....???
Dann kostet der gesamte K-Stadtanzeiger inclusive
Todesanzeigen endlich wohl so an die 50 Euro....
Aber:
Ungeahnte Chance für alle:Endlich dank Artikelzahlung ein echtes Zahl- und Zählinstrument,wessen Artikel-Nachricht per Abstimmung mittels Geldbeutel am besten sind! Endlich kann man die Luschen,die sich bisher jeder Verlag leisten musste,klar entlarven.Auch Werbetreibende fragen jetzt nach MPCs (Micropayerclicks), IVW und dieses ganze Faktenverschleierungssystem der "Werbekontakte" der Verlage und teure "Meinungsforschung" verschwindet und besonders die körperlichen Abos könnten dann ganz entfallen, der verbrauchende Leser will ohnehin die >50% Werbeinhaltsseiten nicht und auch vom Rest der Artikel interessieren ihn doch nur 3 bis 4 wirklich - dann braucht auch keiner mehr den Kleinanzeigen Teil, die kommen dann woanders (eben online und kostenfrei).Aber wie soll man bei solchen An-/Aussichten noch die Reste einer fetten Räuchermakrelen-Mahlzeit entsorgen, wenn man keinen körperichen Express mehr zum Einpacken hat und wie Erpresserbriefe fabrizieren,wenn man keine Frankfurter Ru in corpore zum Schnipseln vorliegen hat? Der Traum der gebeutelten Verleger ist papierlos elektronisches Geld zu machen ......zu Beginn der PC Zeit vor 40 Jahren träumten auch die Großväter schon...
denn eines ist bedenklich:unter Deutschlands Milliardären gibts zwar noch unverhältnismäßig
viele, aber deutlich weniger......also Papier und Druck weg,Grosso weg,Einzelhandel weg
die meisten Journalisten weg (3 gute genügen und ein wenig dpa, der Rest wird kostenfrei vollgezwitschert und getubet)---dann stimmt die Verleger-Marge wieder und Werbung....siehe oben.
07.10.09 16:52
Peter Römer
Ein guter Vorspann reicht zur Info.
Ein schlechter Vorspann verleitet nicht zum Weiterklicken.
Großartiges Mikropayment.
07.10.09 15:05
Peter Berger Web-Site
Eine gute und richtige Idee - mit einem Haken. Neven DuMont schweben 30 Cent pro Artikel vor. Wer etwas klickt, ist schnell bei 2 bis 3 Euro. Und das ist viel zu teuer. Dann lieber auf den "Spiegel" oder "Stern" warten.
Die Verlage müssen mit schmaleren Gewinnspannen kalkulieren - wie Lebensmittel-Discounter. Sonst scheitert Paid Content.