Axel Springers Vorstandschef Mathias Döpfner hatte einen bemerkenswerten Auftritt in der Talkshow des US-Star-Journalisten Charlie Rose. Döpfner stimmte eine wahre Lobeshymne auf Apples iPad an, das er gerade in Miami gekauft hatte: "Jeder Verleger sollte sich einmal am Tag hinsetzen, beten und Steve Jobs dafür danken, dass er mit diesem Gerät die Verlagsindustrie rettet." Den Schritt hin zu Bezahlmodellen im digitalen Journalismus bezeichnete Döpfner in dem Interview als unausweichlich.
Döpfner outete sich bei dem US-Talker als glühender iPad-Fan der ersten Stunde. Bereits am Samstag, als das iPad Verkaufsstart hatte, habe er ein Gerät zusammen mit seinem Sohn in Miami gekauft. "Das iPad startet eine neue Ära", jubelte Döpfner in dem Interview. Das Gerät liefere alles, worauf er bisher gewartet habe: "Es visualisiert Inhalte in einer sehr emotionalen Weise. Es ist einfach zu bedienen, der Verkaufspreis ist für den Massenmarkt gemacht und es hat ein bereits eingebautes Pay-Modell. Es ist einfach cool, auf diesem Gerät, Journalismus zu lesen."
Döpfner zeigte Charlie Rose daraufhin die Springer-eigene iPad-App der Welt-Gruppe. Der Vorteil des iPad sei offensichtlich, so Döpfner. Man bekomme die News früher als mit der Papier-Zeitung aber genauso attraktiv aufbereitet wie auf Papier. Das iPad sei zudem das erste digitale Lean-Back-Medium, das man entspannt zum Konsum nutzen könne.
Bei aller Begeisterung, eine kleine Einschränkung machte Döpfner dann doch. 30 Prozent Umsatzbeteiligung für Apple bei Verkäufen aus dem App Store seien zu viel. "Da müssen wir uns mit den Vertretern von Apple noch einmal zusammensetzen", sagte er. Er setze bei den Konditionen aber auf die aufkommende Konkurrenz. "Es wird ein Tablet von Microsoft geben und eines von Google. Das ist der Wettbewerb, das ist großartig."
Döpfner übte sich zudem erneut in Branchen-Optimismus: "Ich weiß nicht, warum die Geschäftsmodelle von Journalismus bedroht sein sollen in der digitalen Ära. Im Gegenteil. Man kann die Intelligenz der Nutzer integrieren. Professioneller Journalismus und Nutzer-Beteiligung schließen sich nicht aus, sondern bereichern sich gegenseitig. Wir sollten viel optimistischer sein, was Journalismus im Web betrifft."
Den Schritt hin zu Bezahl-Modellen verteidigte er abermals als unausweichlich. Künftig würde es auf Mischmodelle hinauslaufen, bei denen ein großer Teil der journalistischen Inhalte bezahlt werden müsse. Er sei da ganz auf einer Linie mit Rupert Murdoch, der ebenfalls ein starker Befürworter von Bezahl-Inhalten ist.
Letzte Kommentare
10.04.10 17:20
Andreas May Web-Site
Ich habe Verständnis für Herrn Döpfner - ein bischen Selstdarstellung muß schon sein... Fakt ist: die Produktion von Nachrichten kostet, die Produktion von guten Nachrichten und gutem Jornalismus kostet mehr... (sollte Herr Döpfner eigentlich wissen). Fakt ist weiterhin: Steve Jobs ist nicht angetreten um die Verlagsbranche zu retten, (welch eine Verirrung vom Springer CEO)sondern um seine Interessen zu verfolgen bzw mit Apple's Inovation Geld zu verdienen - um nichts anderes geht es bei Steve Jobs (was ja O.K. ist). Wie sich die Verlagsindustrie auf die Tools des 21. Jahdts. einstellt ist eine andere Sache. Bisher hat man es nicht gut gemacht. Print ist O.K. und Online Ausgabe auch - der Konsument entscheidet, was er nimmt. Schade nur, dass große Verlagshäuser nicht den nötigen Weitblick haben und die Qualität des Journalismus durch neue Medien runtergezogen wird. Das müsste nicht sein. Das Ausgabe-Medium wird durch den Zeitgeist und die heutigen Möglichkeiten definiert. Es ist völlig egal ob man ein Print- oder Online-Fan ist. (ich bin print fan bei der Tageszeitung und Büchern und absoluter online fan bei allem anderen). Das einzige was für die Verlagsbranche zählt, ist: wie schaffen sie es, gelesen zu werden und dafür etwas bezahlt zu bekommen. Völlig unmöglich, dass über das Ausgabemedium zu beeinflussen, Herr Döpfner.
08.04.10 19:04
Reiner aus SB
@Christian Röös
Hervorragende Analyse. Da kann man nur zustimmen. Ganz meine Gedanken übrigens.
Durch dieses Gehype rund um das iPad ("das kann sogar meine Oma benutzen") graben sich die klassischen Medien sozusagen ihr eigenes Grab. Wenn die Einstiegsschwelle ins Internetzeitalter wirklich sinkt (z.B. durch iPad & Co) steigt gleichzeitig die Möglichkeit des Gratiskonsums von Medieninhalten. Gerade für diese nicht internet-affine Benutzergruppe.
Ich möchte einmal an eine längst vergangene "Medienkrise" erinnern.
Im Jahre 1956 gab es 817 Millionen Kinobesuche.
Im Jahre 1961 nur noch 650.
Im Jahre 1968 nur noch 250 Millionen.
Im Jahre 1975 dann der absolute Tiefpunkt: 125 Millionen.
Eine bestimmte technologische Entwicklung namens TV war Schuld daran. Der Bestand an Fernsehern in bundesdeutschen Wohnstuben stieg damals exponentiell. Das könnte sich bei iPad & Co durchaus wiederholen.
08.04.10 15:40
Truthwell Told
Genau, Herr Röös. Da die User bereits für Hardware und Zugang bezahlen (wie bei TV für Kiste und GEZ), dürfte sich die Bereitschaft in sehr engen Grenzen halten, für Content regelmäßig im Bereich Large plus zu berappen.
Die bunjdesweite desaströse Entwicklung von Pay TV zeigt, dass die User auch nach endlosen Marketing-Missionen nicht vom Glauben des freien Empfangs abfallen. Da wird auch Moritz Bleibtreu nix dran ändern (der Nachname scheint Programm).
Ich schließe mich der Meinung an, dass das iBrett für Verlage kurz- bis mittelfristig das Tablett ist, auf dem abserviert wird. Und Überraschung: Gekonnt gemachtes Print ist auch 2010 ein richtig profitables Geschäft siehe ZEIT, OK! oder LANDLUST.
08.04.10 15:09
Stefan Schulz
Herr Döpfner outet sich als iPad-Fan? Völlig unnötig: Sein BILD-Online trommelt ja seit Tagen in schon alberner Auffälligkeit dafür.
08.04.10 14:32
uwe seeler
mal sehen was laufen wird: aktuell werden ja im ipad shop eher work programme und games gekauft.... Platz 27 Time Magazine zu 4,99 USD als EINIZGE publisher app (ausser National Geo atlas).....
wann wird springer eigentlich die apps regelmässig gegen geld anbieten: bild app hat einmal 79 cent gekostet, bei 100.000 downloads sind das für springer ganze 55.000 euro umsatz (bei 70% anteil)....
ich fürchte da hat das kleinste kartenspiel mehr umsatz gemacht...