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Wie aus einer Medien-App eine erfolgreiche App werden kann

Die 5 Goldenen Regeln für Medien-Apps

Bei MEEDIA haben wir in einem Detailtest zehn bemerkenswerte Medien-Apps von Tageszeitungen und Zeitschriften vorgestellt. Dabei ergab sich eine gewaltige Bandbreite: Von Apps, die multimedial aufwendige Digital-Ausgaben anboten, bis hin zu reinen PDF-Versionen der Print-Originale. Auf Basis der Erfahrungen aus diesen Detail-Tests, haben wir versucht, fünf allgemeine Regeln für eine gute Medien-App herauszufiltern - von Konzept über Pricing bis hin zu Service und Technik.

1. Auf das Konzept kommt es an!

Sie sind auf den Geschmack gekommen und wollen für Ihr Medium eine App starten? Fein! Dann überlegen Sie zu allererst ganz genau, was Sie damit erreichen wollen. Soll die App die Inhalte einer Zeitung oder Zeitschrift möglichst originalgetreu und lesefreundlich abbilden, so dass Leser und Abonnenten die Inhalte auch unterwegs auf Tablets konsumieren können, wie beim Spiegel? Oder wollen Sie ein mediales Feuerwerk zünden, mit Spielen, Rätseln, Videos und klickbaren Infografiken, um einen Mehrwert gegenüber dem Print-Produkt zu schaffen, wie bei Rolling Stone oder Frankfurter Rundschau? Beides sind gangbare Wege, die unterschiedliche Strategien bei der Umsetzung erfordern. Den einmal beschrittenen Weg sollte man dann aber auch konsequent gehen.

2. Pricing ist wichtig!

Das Pricing wird gerade von deutschen Medienhäusern leider sehr oft sträflich vernachlässigt. Da werden Abonnenten einer teuren Zeitung oder Zeitschrift für eine iPad-Ausgabe mit exakt denselben Inhalten gerne doppelt zur Kasse gebeten. Und dann hält man sich auch noch für großzügig, weil man die Digitalausgabe nicht zum vollen Preis an die Abonnenten abgibt. Es mag sein, dass ein Medienunternehmen bei einer App zunächst einmal wenig Einnahmen aber viele zusätzliche Kosten hat. Das ist der Kundschaft im Zweifelsfalle aber egal. Der Kunde sieht, dass hier Druck- und Vertriebskosten gespart werden und der Abonnent denkt sich, dass er für das Medienprodukt doch sowieso schon teuer bezahlt. Seien sie großzügig! Das bedeutet: Abonnenten einer Print-Ausgabe bekommen alle (!) Digital-Produkte ohne Mehrkosten obendrauf. Die reine Digital-Ausgabe sollte deutlich günstiger verkauft werden, als die Print-Ausgabe.

3. Service ist mehr als nur ein Wort!

Der App-Store von Apple quillt über mit frustrierten Nutzerkommentaren bei Medien-Apps. Sehr viele Nutzer beklagen sich, dass der Download nicht geklappt hat, dass Geld abgebucht wurde, aber keine Lieferung erfolgt ist, dass eine App ständig abstürzt und man bei Nachfragen beim Medienhaus niemanden erreicht. Für so etwas hagelt es miese Bewertungen im App-Store. Und miese Bewertungen sind Gift für den Erfolg einer App. Die Nutzerkommentare sind ihre beste Werbung und Visitenkarte. Stellen Sie sicher, dass sich jemand um Beschwerden kümmert und E-Mails und Anrufe zeitnah beantwortet werden. Ein zufriedener Kunde im Internet ist viel wert. Ein enttäuschter Kunde ist die Pest.

4. Die leidige Sache mit der Technik!

Im Print-Geschäft ist die Technik über Jahrzehnte gereift und funktioniert in der Regel. In der Digitalen Welt geht alles ein bisschen schneller. Es geht aber auch schneller etwas kaputt. Da bricht ein Download aus unerfindlichen Gründen ab. Da ist eine App mit Videos und Interaktiv-Klimbim derart überladen, dass der Download gefühlt Tage dauert. Da hängt sich die App mit schöner Regelmäßigkeit auf und stürzt ab. Das kann alles mal passieren, sollte sich aber in Grenzen halten. App-Verleger sollten immer auch ein Auge auf die Technik haben. Funktioniert alles wie es soll oder gibt es Schwachstellen? Eine funktionierende Technik trägt bei den Apps genauso zum positiven Nutzer-Erlebnis bei, wie gut geschriebene Artikel.

5. Wenn schon, denn schon!

Wenn Sie eine App von ihrer Zeitung oder Zeitschrift machen, dann bitte richtig! Am besten, es wird eine eigene Abteilung für die Digital-Ausgabe gegründet. Eine App braucht im haus Verantwortliche, die sich für die neue Technik begeistern. Sie müssen sich darüber klar sein, dass Geld für Technik, Kundenpflege und Leserkontakte in die Hand genommen werden muss. Vielleicht braucht man auch noch zusätzliche Mitarbeiter, die sich um das Thema Social Media kümmern und Kommentare und Bewertungen im Auge behalten. Nur mal eben schnell eine App programmieren lassen, die das PDF der Zeitschrift in pixeliger Qualität auf das iPad hievt und dafür denselben Preis zu verlangen wie für das Print-Produkt, ist Digital-Kamikaze. Rechnen Sie vor (!) dem Startschuss genau nach, ob Sie das wirklich wollen. Keine App zu haben, ist besser als eine schlechte App.

Stefan Winterbauer

07.02.2012
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Letzte Kommentare

Anzeige: 1 - 1 von 1

07.02.12 18:41

Matthias Krage Web-Site

Dem ist nichts hinzuzufügen - es wäre vor allem toll, wenn nicht gleich (oft nur der IVW geschuldet) der volle Preis der Print Version auch für die App verlangt wird. Eine gut gemachte App stützt schließlich auch die Print Marke. TV Spielfilm macht es vor...

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