Shitstorms, also Empörungswellen, die sich online rasend schnell verbreiten, sind derzeit in aller Munde. Gerade Politiker werden in jüngerer Zeit immer öfter Ziel solcher Shitstorms, zuletzt Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU), die wegen ihres Buchs “Danke, emanzipiert sind wir selber!” einigen Zorn auf sich zog. Die Social-Media-Experten Barbara Schwede und Daniel Graf von der Schweizer Agentur Feinheit haben nun eine Skala für die Schwere eines Shitstorms entwickelt.
Die Shitstorm-Skala basiert auf der bekannten Beaufort-Skala zur Messung von Windgeschwindigkeiten. Die Beaufort-Skala reicht von 0 (Windstille) bis 6 (Orkan). Entsprechend wurden die Windstärken nun an die Heftigkeiten eines Shitstorms im Internet angepasst. Der reicht nun ebenfalls von 0 (keine kritischen Rückmeldungen, keine Medienberichte) bis 6 (Ungebremster Schneeballeffekt mit aufgepeitschtem Publikum, Tonfall mehrheitlich aggressiv, beleidigend, bedrohend, Top-Thema in Online-Medien, intensive Berichterstattung in allen Medien).
Vorgestellt haben die beiden diese Shitstorm-Skala im Rahmen eines Vortrages bei der Social Media Marketing Konferenz 2012 in Zürich. Der Vortrag ging über die reine Skalierung der Shitstorm-Heftigkeit hinaus und gab auch eine Lösungsansätze, wie man mit Shitstorms umgehen sollte: Ruhe bewahren, Fakten liefern und proaktiv intervenieren. Die kompletten Slides zu dem Vortrag gibt es hier.
Letzte Kommentare
30.04.12 10:12
Christian Salzborn Web-Site
Hallo,
zunächst ist zu loben, dass versucht wird, dass Phänomen Shitstorm praktisch zu fassen. Jedoch muss ich meinen Vorgängern recht geben und darauf verweisen, dass die Skala sehr gekürzt ist und eine stringent kausale Abfolge voraussetzt, die aber nicht sein muss. Ebenso wie die Phasen der klassischen Krisen, können auch Shitstorms Phasen auslassen, oder plötzlich in eine vorherige zurückspringen, etc. Als Doktorand, der genau über Shitstorms promoviert, greift mir diese Skala zu kurz. Außerdem vernachlässigt sie Shitstorms, deren Thema aus den Medien ins Netz getragen werden (WWF!). Dementsprechend ganz andere Herausforderungen an die PR-Abteilung stellen. Umso komischer finde ich die Laudatinones des Netzes. Ohne anzugeben, doch grüble ich einmal die Woche derlei Skalen und Theorien aus, die ich aber meistens wieder verwerfe, da sie unausgegoren sind.
Aber ein guter Ansatz ist es dennoch, zeigt er doch auch, wie begierig die PR-Welt nach Shitstorms und ihrer Auseinandersetzung dürstet.
Grüße
27.04.12 00:30
Jan-Markus Rupprecht Web-Site
6 Beaufort ist "starker Wind". Damit kann man noch sehr gut segeln. "Orkan" ist 12 Beaufort.
26.04.12 19:00
M. Cohrs
Das nervt mich immer wieder, wenn meedia PR-Meldungen gänzlich ungeprüft abdruckt.
Einmal kurz checken, ob das mit der Bft-Skala stimmt, ist doch nicht zuviel verlangt.
Wie kann man die Medien kritisch begleiten wollen und selber nicht mal Minimal-Standards einhalten?
Nö, Leute, so verliert man echt das Renommee und das Vertrauen der Leser!
26.04.12 16:07
Alex P.
Nicht nur keine Segler, scheinbar auch keine Leser. In verlinktem Artikel ist ja schon von "stürmischem Wind Stufe 8" die Rede. Schließt 0-6 also schon mal aus.
26.04.12 14:18
G. B. Web-Site
Hm, Segler haben Sie bei Meedia nicht? Denn solche fahren bei Ihrem "Orkan" eigentlich noch gerne raus. Eine Wiki-Suche hätte Aufschluss über Beaufort gebracht..