Wie MEEDIA erfahren hat, steckt die Internetfirma Onlinekosten.de GmbH, Betreiberin des berühmten Blogs Basicthinking.de, hinter dem Schleichwerbesumpf. Onlinekosten.de-Geschäftsführer Christoph Berger bestätigte gegenüber MEEDIA, dass "wir eine Vermittlerrolle zwischen Bloggern, die Linkbuildingmaßnahmen durchführen möchten, und Unternehmen, die sich für Linkbuilding interessieren, eingenommen haben." Das bezeichnen einige als Schleichwerbung, andere nennen es Suchmaschinenoptimierung. Das Prinzip dabei: Blogger werden dafür bezahlt, dass sie Links zu Webseiten von großen Unternehmen platzierten.
Offenbar hat Onlinekosten.de Verträge mit Bloggern und Unternehmen über bezahlte Links abgeschlossen. Unternehmen, die solche Praktiken anwenden, führen oft an, dass es sich um "ganz normale Vorgänge" in der Blogger-Szene handele. Viele Agenturen für Suchmaschinenoptimierung (SEO) böten vergleichbare Dienste an. Von "Skandal" oder "Schleichwerbesumpf", argumentieren Betreiber von derartigen Websites oft, könne keine Rede sein.
Laut Sascha Pallenberg, der Unterlagen und Verträge von einem betroffenen Blogger zugeschickt bekam, seien im Fall von Onlinekosten.de die Autoren zuerst telefonisch und anschließend per Email mit dem Titel "Kooperation mit Basic Thinking" kontaktiert worden. Der Inhalt der Mails, die er in seinem Blog veröffentlicht hat, habe wie folgt gelautet:
"Hallo xxxx,
ich habe heute xxxx entdeckt und wollte dich wegen einer möglichen Kooperation mit Basic Thinking soeben anrufen.
Leider hab ich dich aber nicht erreicht. Ich würde mich über deinen Rückruf freuen.
Danke.
Viele Grüße,
Christoph"
MEEDIA liegt zudem der Vertrag, den Onlinekosten.de an die Blogger schickte, vor. Darin steht, dass "die Links nicht als Werbeanzeige oder ähnliches gekennzeichnet" werden sollten. Iin der Verschwiegenheitsklausel heißt es: "Die Parteien verpflichten sich, den Inhalt der Gespräche im Vorfeld der Vertragsschließung sowie die Details dieses Vertrages und die gegenseitig in diesem Zusammenhang mitgeteilten Erkenntnisse und Informationen geheim zu halten. Sie treffen alle erforderlichen Maßnahmen, um deren Kenntnisnahme und Verwertung durch Dritte zu verhindern. Mitarbeiter und Angestellte sind, soweit sie hierzu nicht bereits aufgrund ihres Arbeitsvertrages angehalten sind, ebenfalls zur Geheimhaltung zu verpflichten."
Weiter steht dort: "Die Parteien verpflichten sich jeweils im Falle eines eigenen Verstoßes gegen diese Vereinbarung an die andere Partei eine Vertragsstrafe in Höhe von 5.001 € zu zahlen. Die Berufung auf die Einrede des Fortsetzungszusammenhangs ist ausgeschlossen."
MEEDIA ließ den Vertrag vom Medienanwalt Markus Kompa überprüfen. Dieser sagte, dass die Vertragsstrafe in Höhe von 5.001 Euro zwar ungewöhnlich sei, das Dokument sich aber im rechtlichen Rahmen bewege. "Die vereinbarte Werbung könnte jedoch wettbewerbsrechtlich als 'Verschleierung des Werbecharakters von geschäftlichen Handlungen' nach § 4 Abs. 3 UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb) angesehen werden. Das würde dann über § 6 Absatz 1 im Telemediengesetz auch für das Internet gelten", fügte er hinzu.
Letzte Kommentare
29.01.11 21:00
Frank Waldmann Web-Site
Leute. Es ist doch nun wirklich nichts neues.
Gute Blogs versuchen immer Backlinks irgendwo her zu besorgen. Wenn es sein muss, werden diese auch gekauft, denn das gute Ranking und die daraus resultierenden Mehreinnahmen bei Werbung rechtfertigen das. Schon lange.
Wenn ich es will, bekomme ich sogar auf meedia einen Backllink. Wenn ich's richtig mache, auch mit einem Artikel. (Das bedeutet jetzt nicht, dass Meedia Links verkaufen würde.) Nun regt sich einer auf und irgendwer wurde "mit den Fingern in der Keksdose" erwischt.
Na und?
Es gibt wichtigeres auf der Welt als sich darüber aufzuregen. Solange die Artikel einzigartig sind würde das auch Google nicht auffallen. Es fällt erst auf, wenn 10x ein identischer Artikel gepingt bzw. gebloggt wird. Und wer einen vorgeschriebenen Artikel für Geld verwendet ist auch irgendwie selbst schuld.
Mahlzeit.
29.01.11 06:53
klaus heine Web-Site
jetzt muss auch mal gefragt werden dürfen warum denn nur solchen Unternnehmen wie Spiegel und Co mit Redaktionell geschiebenen Texten Geld verdienen dürfen?
28.01.11 11:13
Hans Altmeyer Web-Site
Zum Erstkommentar: „frisch, authentisch, ehrlich“ kann ja ohne weiteres stimmen – es wurden nur eben mit den Koventionen des traditionellen Journalismus auch gleich dessen bewährte Schutzmechanismen über Bord geworfen. Oder, besser ausgedrückt, sie wurden gar nicht erst gelernt.
Es gibt wohl kaum einen Print-Journalisten, der nicht schon mit Anfragen nach dem Schema „Was kostet ein redaktioneller Beitrag bei Ihnen?“ konfrontiert wurde. Der weiß dann genau, dass Redaktion unverkäuflich ist. Und er weiß auch, dass er erst einmal aus der Leser-Perspektive prüfen muss, ob eine Story wirklich eine Story ist.
Ich glaube nicht, dass die gewollte Unprofessionalität etlicher Blogger zwingend die sorglose Vermischung von Redaktion und Werbung mit sich bringt, aber etliche aus guten Gründen etablierte Verhaltensregeln des „alten“ Journalismus müssen einfach erst in die Köpfe der Schreiber dringen. Dann würden sie auch nicht unverhofft von der Realität überrollt, wie kürzlich der Nerdcore-Betreiber – ein erfahrener Profi hätte auch in einer solchen Situation aus dem Effeff gewusst, wie er sich zu verhalten hat, um das eigene Objekt nicht zu gefährden.
28.01.11 08:12
Sebastian Komander Web-Site
Ein meinen Vorschreiber: Gut und absolut treffend formuliert. "Mit den Händen in der Keksdose..." - Klasse!
Auch bei Blogs ist nicht immer alles eitel Sonnenschein. Allein schon die ganzen bezahlten Posts uber Produkte... Ich habe das in Geocaching-Blogs vor kurzem mitbekommen. Überall positive Blogposts über eine Taschenlampe. Und was gab es für den Post (der gaaaanz unten als bezahlter Post angegeben wurde)? Eine Taschenlampe zum testen.
Komisch, dass sämtliche Testergebnisse positiv ausfielen. ;)
28.01.11 03:00
Aus Verkauf
Ich finde diese Story rundheraus bemerkenswert, noch mehr aber das rotglühende Stimmungsbild im Kommentar-Sud.
Hier haben wir also eine aufgeregt ihre verbalen Pfauenräder schlagende Auswahl (wie heißt es so schön?) enthusiastischer, leidlich schreibbegabter junger Menschen, die angeblich was wuppen wollen; die keine Gelegenheit auslassen, der Welt zu erklären, dass sie ganz anders sind als der transusige, etablierte Journalismus: frisch, authentisch, ehrlich, nicht eingebunden in die Old-Boys-Networks etc. blabla.
Und dann kommt ein Whisteblower (von der Sorte, die man klasse findet, so lange sie einem nicht in den eigen *rsch pfeifen) des Weges - und deckt auf, dass knapp hundert dieser sensationell progressiven White Knights einer neuen Schreibergeneration mit den Händen in der Keksdose erwischt wurden; bei einem ganz erbärmlichen Manöver: der fröhlichen Vermengung von redaktioneller Berichterstattung und Werbung.
Ein Tatbestand, für den man jedem öffentlich-rechtlichen oder freien Journalisten alter Schule - völlig zu Recht, übrigens! - ins Gesicht spucken (und damit mächtig Klicks generieren) würde.
Aber nix da:
Wenn man in die Kommentare schaut, mit denen die Young Turks sich nun gegenseitig in ihren "500 bis 2000 Leser"-Blogs Mut machen, "weiß das doch jeder". Seit langem. Und Spott gebührt allenfalls demjenigen, der darüber berichtet.
Ist das so?
Na gut, Leute.
Dann macht es ja eigentlich auch nichts, wenn der Rest der Welt jetzt auch erfährt, wie "authentisch" und "hard-hitting" Ihr *wirklich* seid.
Es ist eine Sache (und war eine ziemlich erbärmliche), sich mit zweistelligen Beträgen abspeisen zu lassen, damit irgendein Reiseverticker bei Google von Platz 11 auf 10 im Ranking hochrutscht. "Betriebskostendeckungsbeihilfe" kann man das euphemistisch nennen, oder " Steigbügelhalterei", und es gibt noch ein paar andere Bezeichnungen dafür, die aber teilweise justiziabel sind.
Aber es ist noch mal eine ganz andere Sache, diesen jämmerlichen Ausverkauf behaupteter Ideale vor sich und der Welt schönzureden.
Aber gut.
Nur Ihr müsst Euch ertragen, wenn Ihr Euch nach getaner "Arbeit" ins Bettchen legt; sonst keiner.
Viel Spaß dabei.