Der Augsburger Verleger Andreas Scherer hat die am Mittwoch beginnenden 23. Medientage München mit einem Appell für Online-Bezahlung und staatliche Unterstützung angeheizt. "Wir sind gerne bereit, unseren Zeitungsabonnenten unsere Online-Dienste ohne zusätzliche Kosten zur Verfügung zu stellen", erklärte Scherer. "Es ist aber nur fair und richtig, diejenigen Online-User, die unsere Qualitätsinhalte kostenfrei genutzt haben, an unseren Aufwendungen zu beteiligen."
Die von Bayerns Landesmedienanstalt organisierten Medientage München (28. bis 30. Oktober) stehen unter dem Titel "MUT - Medien und Transformation". Scherer, Geschäftsführer der Presse-Druck- und Verlags-GmbH ("Augsburger Allgemeine") sagte in einem dpa-Interview, die stark steigende Zahl der kostenfreien Online-Nutzer und der stete Rückgang der Zeitungsabonnenten zwinge die Zeitungsverlage dazu, den lange hinausgezögerten Weg der Gebühr für die Nutzung der Online-Angebote nun einzuschlagen.
Zudem forderte er die Ausweitung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes (7 Prozent) vom Print- auf den Online-Bereich. Zeitungshäuser böten umfangreiche Qualitätsauftritte, sagte der Vorsitzende des Verbandes Bayerischer Zeitungsverleger (VBZV), "und deshalb müssen wir versuchen, das Ganze jetzt zu refinanzieren".
Letzte Kommentare
26.10.09 18:30
Hans-Werner Lindgens
Es ist eine Schande für die intellektuelle Welt des Verlegertums, daß Vernunft in dieser Branche - im Wortsinn - offensichtlich erst dann einkehrt, nachdem man nahe daran war und weiterhin ist, sich selbst umzubringen.
Der fahrlässige, über ein Jahrzehnt lange Umgang mit einem nicht trag- und damit zukunftsfähigen Geschäftsmodell zeigt vor allem eines: wie gut es den Verlagen seit einem halben Jahrhundert ging.
Egal, was in Sachen 'Bezahlinhalte' auch passiert: der angerichtete Schaden ist irreparabel. Mindestens zwei Studentengenerati- onen schon sind auf kostenlos konditioniert. Bald wird es auch die dritte sein.
Wenn es nicht um den deutschen (und europäischen) Kulturstandort ginge, könnte man sich ruhig zurücklehnen und den Lauf getrost den Märkten überlassen.
Besser spät als nie ? Nachdenken kann und darf, nein, muss früher anfangen. Gerade in dieser Branche.
Hans-Werner Lindgens
Gründer der STUDENTEN-PRESSE