Seit dem heutigen Mittwoch haben aufmerksame Verbraucher eine neue Anlaufstelle für Beschwerden von irreführenden Lebensmittelkennzeichnungen: Die Verbraucherzentrale Hessen und die Verbraucherzentrale Bundesverband haben die Webseite Lebensmittelklarheit.de gelauncht. Aufgrund des großen Andrangs von 20.000 Anfragen pro Sekunde brach das Portal kurz nach dem Start zusammen. Ute Bitter, Sprecherin der Verbraucherzentrale Hessen, sprach gegenüber dapd von einem "echten Überlastungsproblem".
Das Portal solle schnellstmöglich stabilisiert werden, so Bitter weiter.
Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner und die Verbraucherzentralen hatten am Vormittag den Startschuss für die Webseite gegeben. Verbraucher werden darauf dazu aufgerufen, sogenannte "Mogelpackungen" zu melden. Eine Fachredaktion prüft dann die anonym gestellten Fragen zu Aufmachung und Kennzeichnung der Lebensmitteilung und leitet den Fall bei eindeutigen Rechtsverstößen an die Lebensmittelüberwachung weiter. Für den Start wurden rund 20 Produktbeispiele online gestellt. In regelmäßigen Abständen sollen Chats zu wechselnden Themen angeboten werden.
Begleitend zum Internetportal wird es zudem Marktuntersuchungen und Verbraucherbefragungen geben, um die Repräsentativität der im Internet gewonnenen Erkenntnisse zu überprüfen, kündigten die Initiatoren an.
Bereits zum Start wurde Kritik an dem Projekt laut. Industrie und FDP hatten die Webseite als "Internet-Pranger" bezeichnet. Aigner wies dies zurück. "Wir fördern den Dialog, das ist das Gegenteil von Pranger", wird die Bundesverbraucherministerin zitiert. Ihr Ministerium fördert das Portal mit 775.000 Euro im Zeitraum von zwei Jahren.
Letzte Kommentare
21.07.11 23:08
Harald Posny
Diese Einrichtung ist wirklich sinnvoll. Dass am ersten Tag die Seite lahm gelegt wurde, liegt entweder an der hohen Zahl besorgter Verbraucher oder an den interessierten Branchen und Lobbyisten (inkl. FDP), die das Portal zu Fall bringen wollen. Als Verbraucher habe ich mich immer schon gefragt, wieso eine Supermartkett wie REWE es wagt, Produkte zuzulassen, wo auf die Vorderseite der Packung "Geflügelwurst" steht schreiben und im Kleingedruckten auf viel mehr Schwein verwiesen wird. Entweder: es ist Betrug oder der Gesetzgeber hat sich von der Lobby reinlegen lassen.
21.07.11 11:13
heiko hebig Web-Site
> 20.000 Anfragen in der Sekunde
Die Frage ist doch: Was ist hiermit gemeint? 20.000 Sessions? Requests?
Ein Aufruf einer beliebigen HTML-Seite löst, abhängig von der Anzahl der inkludierten Dateien, eine Anzahl von X Requests auf dem Server auf.
Das Zitat "20.000 Anfragen" sollte man also nicht ungefragt übernehmen, sondern man sollte nachfragen beim Betreiber der Website. Erst dann lässt diese Aussage einen Rückschluss auf den Traffic bzw. die Last auf dem System zu.
21.07.11 09:52
Nils Hollander
Die FDP und Industrieverbände sind dagegen: ein klares Zeichen dafür, dass es sich um eine nützliche Einrichtung für die Bürger handelt. ;)
21.07.11 07:40
Matthias Krage Web-Site
So, so - 20.000 Anfragen in der Sekunde. Macht also 1,2 Millionen Anfragen in der Minute. Oder 72 Millionen in einer Stunde, und damit mehr als es in Deutschland Internetanschlüsse gibt. Schade, dass in unserer Branche Angaben zu Nutzerzahlen so oft derat hemmungslos falsch sind.