<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?>
<rss version="2.0" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/">
	<channel>
		
		<title>Georg Altrogge</title>
		<link>http://meedia.de/</link>
		<description>Nachrichten von meedia.de</description>
		<language>de</language>
		<image>
			<title>Georg Altrogge</title>
			<url>http://meedia.de/uploads/pics/galtrogge2.jpg</url>
			<link>http://meedia.de/</link>
			<width></width>
			<height></height>
			<description>Nachrichten von meedia.de</description>
		</image>
		<generator>Medien20</generator>
		<docs>http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss</docs>
		
		
		
		<lastBuildDate>Wed, 29 Aug 2012 20:40:00 +0200</lastBuildDate>
		
		
		<item>
			<title>Krach in der Rot-Rot-Koalition</title>
			<link>http://meedia.de/background/meedia-blogs/georg-altrogge/georg-altrogge-post/article/krach-in-der-rot-rot-koalition_100042079.html </link>
			<description><![CDATA[Bei Gruner + Jahr liegen derzeit, kein Wunder, die Nerven blank. Erst die Abwatsche für Vorstandschef Bernd Buchholz via manager magazin (bei dem G+J Gesellschafter ist), dann die kolportierten Endzeit-Szenarien für die Wirtschaftsmedien des Verlags. Verständlich, dass da auch Führungskräfte auf der Zinne sind. Aber wie kurzsichtig und, Entschuldigung: peinlich ist das denn? Ausgerechnet die seit Anbeginn hoch defizitäre Financial Times Deutschland meldet heute: "Handelsblatt schreibt rote Zahlen".]]></description>
			<image>
				<imageurl></imageurl>
				<imagecaption></imagecaption>
				<imagealttext></imagealttext>
				<imagetitletext></imagetitletext>
			</image>
			<content:encoded><![CDATA[<b>Bei Gruner + Jahr liegen derzeit, kein Wunder, die Nerven blank. Erst die Abwatsche für Vorstandschef Bernd Buchholz via manager magazin (bei dem G+J Gesellschafter ist), dann die kolportierten Endzeit-Szenarien für die Wirtschaftsmedien des Verlags. Verständlich, dass da auch Führungskräfte auf der Zinne sind. Aber wie kurzsichtig und, Entschuldigung: peinllich ist das denn? Ausgerechnet die&nbsp;seit Anbeginn hoch defizitäre Financial Times Deutschland meldet heute: &quot;Handelsblatt schreibt rote Zahlen&quot;.</b>
Die in Düsseldorf erscheinende Tageszeitung sei &quot;in die Verlustzone gerutscht&quot;, frohlockt der Hamburger Rivale auf der Website&nbsp;ftd.de,&nbsp;zitiert genüsslich aus einem Interview des Fachmagazins Wirtschaftsjournalist mit&nbsp;Dieter von Holtzbrinck-Intimus Michael Grabner und&nbsp;<b><link http://www.ftd.de/it-medien/medien-internet/:medien-handelsblatt-schreibt-rote-zahlen/70083098.html - - "Opens external link in new window">orakel</link><link http://www.ftd.de/it-medien/medien-internet/:medien-handelsblatt-schreibt-rote-zahlen/70083098.html - - "Opens external link in new window">t</link></b> über mögliche Auswirkungen:
<i>&quot;Ob die wirtschaftliche Lage und Grabners öffentliches Eingeständnis Folgen für die Redaktion und damit die journalistische Qualität haben, ist unklar. Die vor einem Jahr im Fachmagazin &quot;Kontakter&quot; angekündigte Online-Offensive verläuft aber offensichtlich nicht wie geplant. Damals hatte es geheißen, die Online-Redaktion des &quot;Handelsblatts&quot; werde mittelfristig von 50 auf 100 Journalisten verstärkt. Laut Impressum sind bei &quot;Handelsblatt Online&quot; derzeit aber nur 23 Journalisten tätig.&quot;</i>
Seltsam nur, dass eine der Kernaussagen des Verleger-Vertrauten Grabner hier unerwähnt bleibt: Der Holtzbrinck-Mann hatte auf die Frage, ob sein Haus an einer Übernahme der FTD interessiert sei,&nbsp;<link http://meedia.de/print/holtzbrinck-berater-ftd-nein-danke/2012/08/29.html - - "Opens external link in new window"><b>dankend&nbsp;abgewunken</b></link>, und erklärt:
<i>&quot;Ich bin sicher, dass Gruner + Jahr sehr genau überlegen wird, wie sie die Wirtschaftspresse künftig steuern werden, und auch, ob das Zusammenlegen der Redaktion wirklich ein Erfolg ist. Ich hätte das nicht gemacht. Als Wirtschaftsmedium sind Sie kein Autohersteller, der einfach mehrere Marken auf ein Chassis baut. Medienmarken müssen ein kreatives Eigenleben führen. Das spürt auch der Nutzer.&quot;</i>
Tatsache ist: Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart, ein erfolgshungriger langjähriger Spiegel-Mann, hat sich&nbsp;in Düsseldorf eingegrooved und seine Linie gefunden. Steingart macht einen sehr&nbsp;achtbaren und in der Branche sichtbaren Job, sein täglicher Newsletter Morning Briefing sorgt für Furore und beschert dem Holtzbrinck-Wirtschaftsweisen über die eigene Leserschaft hinaus Aufmerksamkeit. Von FTD-Oberchef Steffen Klusmann hört man eigentlich nur, wenn es – wie so oft – um eine Blattdiät seines Tagestitels geht. Gerade hat die News die Runde gemacht, dass die FTD unter der Woche schmaler wird und freitags eine magazinigere Ausgabe bekommen soll. Das Handelsblatt hat letzteren Schritt längst vollzogen. Während für Lachsrosa die Luft immer dünner wird, scheinen die Düsseldorfer aus dem Vollen schöpfen zu können, auch dank eines klugen und weitsichtigen Verlegers.
<br />Über die wirtschaftliche Lage des Segments mag man streiten; der Aufmerksamkeitswert, den Steingart seinem Handelsblatt verschafft hat, ist beachtlich. Und weil er Profi ist, nimmt er die Einladung, die erneut in die Diskussion geratenen Wirtschaftsmedien herablassend zu behandeln, allzu bereitwillig an – in Form einer Gratis-Abo-Aktion für abtrünnige FTD-Leser. Ein <link http://meedia.de/print/steingart-will-ftd-leser-abwerben/2012/08/29.html - - "Opens external link in new window"><b>unmoralisches Angebot</b></link>, aber publizistisch effektiv und zugleich eine Steilvorlage zum Eigentor für den so kühl belächelten Konkurrenten. Umso erstaunlicher, dass man diese&nbsp;in Hamburg so willig annahm. Zumal man hier Steingarts Sticheleien ja allzu gut kennt, hatte der Handelsblatt-Chefredakteur doch bereits zum Diensteintritt Gruner + Jahr&nbsp;empfohlen, die FTD wegen Perspektivlosigkeit <link http://meedia.de/print/steingart-fordert-einstellung-der-ftd/2010/03/10.html - external-link-new-window "Opens external link in new window"><b>vom Markt zu nehmen</b></link>.
Man kann ebenso streiten, ob dies ein guter Stil unter Wettbewerbern ist. Aber Steingart hat in diesem Duell objektiv&nbsp;Oberwasser, er kann agieren, wo sein Konterpart Steffen Klusmann, der Multikulti-Oberchefredakteur der unterschiedlichen G+J-Wirtschaftstitel nur blindwütig austeilen kann. Und schon deshalb sollte der Hamburger sich zurückhalten, weil der vielfach&nbsp;kolportierte insgesamt dreistellige Millionenverlust seines Blattes für ihn stets zum Bumerang wird. Stattdessen ist heute&nbsp;auf ftd.de zu lesen:
<i>&quot;Offenbar zwingt die angespannte wirtschaftliche Lage den Verlag bereits zu ungewöhnlichen Mitteln: Um seiner Vertriebstruppe zur Seite zu springen, verschickte der Chefredakteur des Handelsblatts am Mittwoch eine Massen-E-Mail mit dem persönlichen Angebot, seine Zeitung für 100 Tage 'frei Haus' zu liefern - auch wenn man bei ihm 'keinen Grill und keinen Tankgutschein' bekomme.&quot;</i>
Das wirkt&nbsp;ungeschickt und kläglich, nicht nur mit Blick auf die Auflagenverhältnisse, die das Handelsblatt klar vorn sehen. Klusmann verkeilt sich hier in eine Auseinandersetzung, die er nur verlieren kann. Der Gegner spielt seine Karten geschickt: Grabner ist Österreicher, und ausgerechnet die von seinen Landsleuten kontrollierten Medien sind derzeit bemüht, die G+J-Wirtschaftsmedien sturmreif zu schießen. Am Ende könnte genau das Ziel der Holtzbrinck-Truppen sein, was der Strippenzieher Grabner via Interview&nbsp;gerade so kategorisch ausschließt.
<b>Nachtrag:</b> Am Donnerstag macht Steingart sein &quot;100 Tage Care-Paket&quot; noch einmal zum Thema. Mit diesem will er bekanntlich Leser der Financial Times Deutschland beglücken, &quot;die unter der Ausdünnung ihrer Lieblingszeitung leiden&quot;. Angeblich hätten 1000 Menschen &quot;beherzt zugegriffen&quot;. Der Chefredakteur verspricht, dass sein Angebot garantiert kostenlos sei&nbsp;und &quot;ohne jeden Verlängerungsautomatismus&quot; erfolge. Am Ende gibt's noch die E-Mail-Adresse vom Chef persönlich, verbunden mit der Aufforderung zur Leserkritik – auch diese PR-Runde geht an Düsseldorf.]]></content:encoded>
			
			<author>georg.altrogge@meedia.de</author>
			<pubDate>Wed, 29 Aug 2012 20:40:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Pocket-Prinz: Sorry, aber so wird das nichts</title>
			<link>http://meedia.de/background/meedia-blogs/georg-altrogge/georg-altrogge-post/article/pocket-prinz--sorry--aber-so-wird-das-nichts_100036597.html </link>
			<description><![CDATA[Einst war der Prinz ein Held, der sein Reich zwischen Städte-Guide, Entertainment- und Lifestyle-Zeitschrift gefunden hatte. Und anders als viele Metropolen-Magazine war Prinz bundesweit eine Macht. Das Konzept mit Mantel-Themen plus regionalem Service ging über Jahre bestens auf - doch das ist lange her. Je schneller das Internet wuchs, umso steiler ging es für das gedruckte Heft bergab. Nun positioniert es der Jalag neu, aber mit dem Format schrumpfen auch die (Überlebens-)Chancen.]]></description>
			<image>
				<imageurl></imageurl>
				<imagecaption></imagecaption>
				<imagealttext></imagealttext>
				<imagetitletext></imagetitletext>
			</image>
			<content:encoded><![CDATA[<b>Einst war der Prinz ein Held, der sein Reich zwischen Städte-Guide, Entertainment- und Lifestyle-Zeitschrift gefunden hatte. Und anders als viele Metropolen-Magazine war Prinz bundesweit eine Macht. Das Konzept mit Mantel-Themen plus regionalem Service ging über Jahre bestens auf - doch das ist lange her. Je schneller das Internet wuchs, umso steiler ging es für das gedruckte Heft bergab. Nun positioniert es der Jalag neu, aber mit dem Format schrumpfen auch die (Überlebens-)Chancen.</b>
Es ist schon der dritte (oder vierte?) Relaunch des Stadtmagazins in wenigen Jahren. Beim Prinz läuft es seit langem nicht rund, was man den verantwortlichen Jalag-Managern nicht wirklich zum Vorwurf machen kann. Kein Segment wurde so eiskalt vom Internet erwischt wie das, in dem der Prinz so große Erfolge hatte. Lokale Gastro-, Shopping- oder Ausgeh-Tipps – das Internet ist voll davon; es braucht nur Google und ein paar Klicks. Und wäre das nicht genug, kamen&nbsp;danach die webfähigen Smartphones, die diesen Service auch mobil erledigten und schließlich die Social Networks wie Facebook, die solche Inhalte im Schneeballsystem quasi in Echtzeit gratis auf den ganz großen Verteiler hieven. Ehrlich: Wer braucht da noch eine Monatszeitschrift, die man sich am Kiosk gegen Geld abholt?
Deutliche Antwort des Marktes: immer weniger. Gerade 39 Tausend Käufer findet Prinz laut aktueller IVW noch im harten Einzelverkauf. Eine Zahl, die wohl so deprimierend niedrig ist, dass für die 13 Regionalausgaben erst gar&nbsp;keine separaten Auflagenzahlen ausgewiesen sind. Hinzu kommen ca. 30 Tausend Abos und mehr als 100 Tausend Sonderverkäufe, was jedem Vertriebler klar macht, dass die Auflagenstruktur alles andere als gesund ist. Logisch, dass ein Verlag da handeln und alles daran setzen muss, einen Turnaround herbeizuführen.
Doch das, was am Mittwoch als &quot;Rettungspaket&quot; vorgestellt wurde, beruht auf einem realitätsfernen Wunschdenken, das der Markt vermutlich brutal bestrafen wird. Bei einer Printmarke, die für ein junges, lebenshungriges Leserpublikum einmal so selbstverständlich und gelernt war, macht es wirklich keinen Spaß, über die Existenzberechtigung zu spekulieren. Aber das, was der Jahreszeiten-Verlag nun als Zukunftskonzept präsentiert, sollte auch nicht unkommentiert bleiben – es basiert auf einer Fülle von&nbsp;Fehleinschätzungen und produziert so zwangsläufig Fehler. Die schon jetzt zum Beginn der Neustart-Offensive zu benennen, ist unangenehm, aber vielleicht muss es einfach mal einer sagen: Sorry dafür.
<b>Fehler Nummer eins:</b> <b>Der Versuch, den Erfolg mit dem Rechenschieber zu erzwingen</b><br />Genau genommen bewirkt die Schrumpfkur zum Pocketformat, dass der Prinz nur noch rund die Hälfte des zuvor bedruckten Papieres mitbringt. Die ärmere Ausstattung spart Kosten und wird - das nimmt man offenbar in Kauf, auch wenn man es nicht laut sagt - Auflage kosten. Aber selbst das reicht nicht: Gleichzeitig wird der Coypreis fast verdoppelt (von 1,50 auf 2,90 Euro). In der Theorie ein genialer Schachzug, dummerweise lässt die Rechnung die entscheidende Größe außer Acht: wie die Leser darauf reagieren. Auch die Anzeigenkunden werden die Formatverkleinerung kaum mit Luftsprüngen vor Freude begrüßen.
<b>Fehler Nummer zwei:</b> <b>Die Annahme, Gutscheine wiegen die Preisexplosion auf</b><br />Auch hier klingt die Formel für Ahnungslose vielleicht schlüssig: Was sind schon knapp drei Euro &quot;Eintrittsgeld&quot;, wenn das Heft &quot;Gutscheine im Wert von über 60 Euro&quot; mitbringt? Die Frage ist, wer diese Gutscheine braucht, oder genauer, wer (auch oder vor allem) deswegen die Zeitschrift erwirbt. Coupons gibt es in den Rubriken &quot;Gratis&quot;, &quot;Rabatt&quot; oder &quot;2 für 1&quot;, dazu gibt es noch Sammel-Gutscheine für besondere Events (z.B. für den Hamburger Budenzauber &quot;Alstervergnügen&quot;). Solche Aktionen kennt man auch von der regionalen Presse, wo etwa die Bild-Zeitung regelmäßig Gutscheine für den Hamburger Dom unters Volk bringt. Bei genauerem Hinsehen ist der Anreiz aber oft nicht ganz so doll: Was bringt das Gratis-Dessert beim Italiener, wenn man dafür zugleich ein Menü bezahlen muss? Couponing-Ansätze gibt es auf dem Printmarkt reichlich, und selbst bei kostenlosen Magazinen führt dies nicht notwendig dazu, dass sie dadurch attraktiver werden. Ob das Modell in Kombination mit der Webseite prinzdeal.de zur Killerapplikation wird, muss sich zeigen. Wenn nicht, dann hat der Prinz ein Riesenproblem.
<b>Fehler Nummer drei:</b> <b>Der Journalismus tritt in den Hintergrund</b><br />Zwar bietet der Prinz weiterhin den üblichen Content, der sich auf zehn Ressorts verteilt - das alles aber in Minischrift und versteckt hinter den perforierten Bögen mit 24 Gutscheinen. Wer das Pocketheft in die Hand nimmt, muss blättern, um den Prinz zu entdecken – riskant, vor allem angesichts des aufdruckten Preises.
<b>Fehler Nummer vier:</b> <b>Die redaktionelle Formel ist nicht griffig genug</b><br />Bei all den Änderungen an der Blattausstattung und im Vermarktungsbereich scheint man es versäumt zu haben, auch das redaktionelle Produkt einer Intensivprüfung zu unterziehen. Hier scheint das derzeitige Konzept nicht stimmig: zu viele Info-Schnipsel, zu viel Beliebigkeit, zu viele &quot;alte&quot; Themen (Singlebörsen, Fitness-Trends etc.). Beim als Highlight gepriesenen Pizzaboten-Test gewinnt &quot;Joey's&quot; vor &quot;Smiley's&quot;: fade Kost, die nicht gerade Appetit aufs Blatt macht. Gerade bei einer so gravierenden Preiserhöhung braucht es exzellente Redaktion, um die Leser bei der Stange zu halten. Der September-Prinz bringt da eher einen müden Mix ohne originelle Ansätze.
<b>Fehler Nummer fünf:</b> <b>Das Cover zum Relaunch</b><br />Nichts auf dem Titel erklärt, warum der Prinz sich dünne gemacht hat. Wer als großen Eye-Catcher einen Gutscheine-Button in den Mittelpunkt stellt, sollte besonders darauf achten, dass das Magazin nicht wie Reklame wirkt: Tut es aber, weil die seitenfüllende Optik zum Singlebörsen-Test wirkt wie von Parship oder Elitepartner gesponsert (tatsächlich kommt das Bild von Getty Images, aber das steht kleingedruckt im Inhaltsverzeichnis). Keiner der Zusatz-Anrisse (über den x-ten Singlebörsen-Vergleich mag man streiten) scheint stark genug, Kaufinteresse zu wecken, und die Headline der Hamburger Metropol-Ausgabe (&quot;Zum Mitnehmen: Das Alstervergnügen auf einen Blick&quot;) lässt reichlich Raum für Deutungen.
<b>Fehler Nummer sechs:</b> <b>Durch die Offensive mit Coupons, &quot;Deals&quot; und Prinz-Testern (Leser sollen Produkte vor der Markteinführung &quot;checken&quot;) verschwimmt die gefühlte Grenze zwischen Redaktion und Vermarktung immer mehr</b><br />Die Anzeigenkunden erscheinen (ebenfalls gefühlt) als Partner, wogegen bei einem Service-Magazin wie Prinz nicht einmal besonders viel spräche, wäre da nicht der hohe Copy-Preis, den die Leser für eine redaktionelle Leistung zahlen, und nicht für eine Sonderangebots-Sammlung. Kein Mensch würde am Kiosk ein Gutscheinheft kaufen. Der (abermals: gefühlten) Entwertung des Produkts durch ein Überangebot an Schnäppchen und &quot;Gelegenheiten&quot; hat der Jalag kein starkes journalistisches Gegengewicht mitgegeben - ein weiterer schwerwiegender Mangel. 

Bei aller Vorsicht, die bei einer Prognose über Chancen des neuen&nbsp;Konzepts geboten ist, fällt es schwer, etwas anderes als ein schnelles Scheitern vorherzusagen. Aber dieser Prinz ist völlig von der Rolle und erwartet wohl schon den nächsten Relaunch.


]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Wed, 24 Aug 2011 15:11:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Die Entzauberung des Web-Hypes </title>
			<link>http://meedia.de/background/meedia-blogs/georg-altrogge/georg-altrogge-post/article/die-entzauberung-des-web-hypes-_100034442.html </link>
			<description><![CDATA[Viele waren enttäuscht vom Media Coffee in Hamburg; ich nicht. Zwar lief die Veranstaltung ganz anders als gedacht, aber gerade deshalb lieferte sie eindrucksvolle Einblicke an der Schnittstelle Web und klassische Medienhäuser. Tatsächlich saßen zwei Fraktionen auf dem Podium zum Thema "Expedition ins Ungewisse": Chefredakteure von Print-Flaggschiffen auf der einen Seite, drei Vertreter der 2.0-Kultur auf der anderen – und leider sahen letztere argumentativ alt aus.]]></description>
			<image>
				<imageurl></imageurl>
				<imagecaption></imagecaption>
				<imagealttext></imagealttext>
				<imagetitletext></imagetitletext>
			</image>
			<content:encoded><![CDATA[<b>Viele waren enttäuscht vom Media Coffee in Hamburg; ich nicht. Zwar lief die Veranstaltung ganz anders als gedacht, aber gerade deshalb lieferte sie eindrucksvolle Einblicke an der Schnittstelle Web und klassische Medienhäuser. Tatsächlich saßen zwei Fraktionen auf dem Podium zum Thema &quot;Expedition ins Ungewisse&quot;: Chefredakteure von Print-Flaggschiffen auf der einen Seite, drei Vertreter der 2.0-Kultur auf der anderen – und leider sahen letztere argumentativ alt aus.</b>
Sicher lief die Sache zunächst mal etwas aus dem Ruder. Moderator Thomas Knüwer, einst Handelsblatt-Redakteur und inzwischen wie es scheint im Hauptberuf Web-Euphoriker und nebenbei freischaffender Medienberater, ging seine Gäste mit einer unerwarteten Biestigkeit an und &quot;triggerte&quot; zuerst Katharina Borchert als Geschäftsführerin der Spiegel Net GmbH mit Spitzen gegen eine seiner Meinung nach zu große Boulevardlastigkeit von Spiegel Online.
Damit hätte er bei den anderen Teilnehmern wie bei den Besuchern noch durchkommen können, aber bei der Befragung von Giovanni di Lorenzo überspannte Knüwer den Bogen deutlich: Statt beim Zeit-Chef nach digitalen Ängsten oder Konzepten zu fragen, zettelte der Moderator eine Inhaltsdiskussion an: hier ein zu zahmes Interview mit dem gefallenen Ex-Topmanager Middelhoff, da die umstrittene berufliche Verquickung der Zeit-Gerichtsreporterin Sabine Rückert mit dem Anwalt im Kachelmann-Prozess. Das war deplatziert, wenig elegant und seltsam unangemessen für einen Mann mit der Erfahrung Knüwers. Und als dieser anschließend stern-Chefredakteur Thomas Osterkorn mehr oder weniger fragte, ob sein Magazin nicht bald tot sei, entglitt dem Moderator der Talk vollends, sodass der printferne Gast Sascha Lobo für die Chefredakteure geradezu in die Bresche sprang und die Gesprächsrunde vorm nahenden Eklat bewahrte.
Das kann man Knüwer nun furchtbar ankreiden, aber die Beinah-Entgleisung hatte einen interessanten Effekt: Die Gäste waren emotionalisiert und mehr als bei vergleichbaren Veranstaltungen bemüht, ihre Antworten auf die Frage der Veranstaltung zu geben: &quot;Welche neue Medienwelt entdecken Verlage, Web und Social Media?&quot;
Dass in der Folge vor allem die &quot;geballte Ratlosigkeit&quot; der Podiums-Teilnehmer offenkundig wurde, ist vielleicht nicht an sich bemerkenswert. Zumindest von di Lorenzo und Osterkorn, den Vertretern der großen Print-Häuser, war kaum zu erwarten gewesen, dass diese den Schlüssel für die digitale Zukunft im Gepäck gehabt hätten. Aber dass die Vertreter der Generation Web ebenfalls nur nebulöses und weder inhaltlich noch vom Geschäftsmodell her Überzeugendes beizutragen hatten, war eine Überraschung. 
Mag man Sascha Lobo, der wahlweise als Publizist oder schlicht als &quot;Berater&quot; eingeführt wird, sowie den Freiberufler Knüwer noch als Exoten abtun, so wundert es, dass eine Managerin wie Katharina Borchert ebenfalls im strategisch luftleeren Raum zu stochern schien. Die als Alpha-Bloggerin bekannt gewordene Geschäftsführerin der Online-Aktivitäten des Spiegel Verlags hatte genau genommen weder eine Vision noch ein konkretes Projekt anzubieten. Schon in ihrer Zeit als verantwortliche Kraft des WAZ-Portals DerWesten wurde Borchert eine durchwachsene Bilanz bescheinigt. Viele Ideen, aber unterm Strich wenig Meßbares und nachhaltig Erfolgreiches. So wie sie die Lage skizzierte, herrscht auch beim Spiegel, der als wohl einziges deutsches Medienhaus ein einigermaßen profitables Newsportal vorzuweisen hat, weiterhin die Phase des Experimentierens. Auch Borchert, von der man in dieser Runde einfach mehr erwarten durfte, irrlichterte zwischen harter Vermarktungsrealität und fehlendem Gesamtentwurf für die digitale Zukunft. Thomas Knüwer, der sich für Flipboard-Apps sowie das Kuratieren von News stark machte, wie auch Lobo, dessen Entwurf eines Echtzeitjournalismus-Modells im Ungefähren stecken blieb, mögen kreative Köpfe in Einzelfragen sein. Die Verantwortung für einen geschäftsrelevanten Medienbereich würde ihnen wohl kein Verlagsmanager zutrauen.
Hierin zeigt sich das wesentliche Ergebnis der ersten media coffee-Veranstaltung des Jahres 2011: Die lange Zeit so gefeierten Helden des Web 2.0 wissen auch nicht, wie  es mit den Medien weiter- und im Internet vorangehen soll. Nun kann niemand erwarten, dass diese Vertreter der digitalen Euphorie auch gleich das Patentrezept für die Lösung der Probleme der Printhäuser mitbringen. Aber es relativiert auch die Häme, die in Kommentaren dieser Web-Protagonisten oft zu spüren ist und die von deren zahlreichen Anhängern im Web geteilt und verbreitet wird. Wenn es um die schlichte Frage geht, wie Menschen künftig Zeitungen oder Magazine oder diesen Medienangeboten entsprechende Formen im Internet oder Mobil nutzen werden, dann ist auch von diesen Experten nichts Klares zu hören. Und wenn es um die ebenso schlichte Frage geht, wie all das, was wir heute unter Qualitätsjournalismus kennen, in der digitalen Zukunft flächendeckend refinanzierbar sein soll, dann erntet man von dieser Front nur Schweigen.&nbsp;     
Das kann jetzt als alarmierendes Signal verstanden werden –  oder aber als beruhigende Erkenntnis, dass die Webwelle, die die traditionellen Medienangebote umspült, auch irgendwann brechen wird. Denn Journalismus, das ist eine Erkenntnis aus Jahrhunderten, ist durch nichts zu ersetzen, ganz unabhängig von der Frage nach der Plattform auf der dieser den Weg zum Konsumenten findet.
Am Ende wunderte es nicht, dass ausgerechnet Giovanni di Lorenzo, dessen gedruckte Zeit in allen Belangen so etwas wie der komplette Gegenentwurf zum nervösen und umtriebigen Internet ist, den souveränsten Eindruck machte. Er verweigerte sich dem Lagerkampf, propagierte die redaktionellen Tugenden der Neugier, der Leidenschaft und der Qualität. Wenn diese in neuen Angeboten zu finden seien, sagte di Lorenzo, dann gibt es auch eine Zukunft für den Journalismus. Und in diesem Punkt widersprach ausnahmsweise niemand.&nbsp; 
P.S.: Was auf dem Podium schon spürbar war, entlud sich nach der Veranstaltung. Giovanni di Lorenzo machte seinem Ärger Luft, ebenso stern-Chef Osterkorn. Am Donnerstagnachmittag bloggte media coffee-Veranstalter news aktuell quasi eine Entschuldigung und versprach, für künftige&nbsp;Events vorzusorgen. Moderator Thomas Knüwer durften unangenehme Gespräche ins Haus stehen. Offenbar wird man bei news aktuell aber weiter mit&nbsp; Knüwer zusammenarbeiten, der für alle media coffee-Veranstaltungen in diesem Jahr gebucht ist.    ]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Thu, 21 Apr 2011 11:37:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Der Charme der Selbstkannibalisierung</title>
			<link>http://meedia.de/background/meedia-blogs/georg-altrogge/georg-altrogge-post/article/der-charme-der-selbstkannibalisierung_100033597.html </link>
			<description><![CDATA[Bilanzpressekonferenzen bei Axel Springer sind spätestens seit der großen Krisendämmerung 2008 inzwischen stets mehr als der Einblick ins aktuelle Zahlenwerk. Der Vorstand nutzt solche Gelegenheiten, sich in der Philosophie von anderen Medienhäusern abzugrenzen und zu betonen, dass der Erfolg im Verlagsgeschäft darin liegt, im digitalen Wandel zu alten Tugenden zu stehen. So war es auch diesmal, und der Erwerb des jungen Start-ups kaufDA passte da bestens ins Bild.]]></description>
			<image>
				<imageurl></imageurl>
				<imagecaption></imagecaption>
				<imagealttext></imagealttext>
				<imagetitletext></imagetitletext>
			</image>
			<content:encoded><![CDATA[<b>Bilanzpressekonferenzen bei Axel Springer sind spätestens seit der großen Krisendämmerung 2008 inzwischen stets mehr als der Einblick ins aktuelle Zahlenwerk. Der Vorstand nutzt solche Gelegenheiten, sich in der Philosophie von anderen Medienhäusern abzugrenzen und zu betonen, dass der Erfolg im Verlagsgeschäft darin liegt, im digitalen Wandel zu alten Tugenden zu stehen. So war es auch diesmal, und der Erwerb des jungen Start-ups kaufDA passte da bestens ins Bild.</b>
Nach der Bilanz-PK in der Endetage des Berliner Springerhochhauses geht es mit dem Fahrstuhl ein paar Stockwerke bergab – Gespräch mit denen, die den Deal eingetütet haben. Auf Seiten des Verlagshauses ist dies an erster Stelle Andreas Wiele. Der immer noch jugendlich wirkende Zeitschriftenvorstand ist sichtlich stolz auf die Akquisition, weiß er doch, dass fast alle großen Verlage Schlange gestanden haben, um das Start-up zu übernehmen. Das überrascht nicht, denn das Geschäftsmodell ist ebenso genial simpel wie nah am klassischen Verlagsbusiness: ein Online-Prospekte-Portal, das Werbeflyer der großen Handelsketten digital verfügbar und nach Region und Angebot verfügbar macht.
Der Mann, der es in kaum mehr als zwei Jahren aufgebaut und geschafft hat, dass der große Verlag jetzt ein Investment im &quot;niedrigen zweistelligen Millionenbereich&quot; (Wiele) für mehr als gut angelegtes Geld hält, ist gerade 25 Jahre alt. Christian Gaiser heißt er, und er spricht hier und andernorts für die dreiköpfige Gründer-Crew, die die 25,1 Prozent Sperrminorität hält, die nach der Mehrheitsübernahme von Springer übrig blieb. Als &quot;Unternehmer im Unternehmen&quot;, so hatte Vorstandschef Mathias Döpfner vorher gesagt, sollen sie kaufDA langfristig weiter führen. Und auch Wiele ist überzeugt, dass diese Variante der Firmenentwicklung die beste ist. Und er ist auch sicher, dass man diese Gründer nicht &quot;eingemeinden&quot; und in die Verlagsstrukturen integrieren darf, wenn man den unbedingten Erfolg will. Ein Herr Gaiser als Abteilungsleiter ist für den Vorstand ein No-Go.
In solchen Äußerungen schwingt die Akzeptanz und der Respekt mit, mit dem sie hier im Verlag die jungen Gründer behandeln. Dies beruht auf Gegenseitigkeit. Christian Gaiser ist so etwas wie die Personifizierung des Traums eines branchenfremden Mehrheitsgesellschafters: ruhig, konzentriert, höflich. Er trägt eine Krawatte zum schwarzen Anzug. Undenkbar für frühere Generationen von - sagen wir es ruhig - großkotzigen Twens, die alles durcheinander brachten und einen Haufen betriebswirtschaftlichen Sondermülls hinterließen. Gaiser ist anders. Er sagt so nette Sachen wie: &quot;Springer war unser Wunschinvestor.&quot; Oder: &quot;Nach meinem ersten Termin mit Herrn Wiele wusste ich, dass wir hier richtig aufgehoben sind.&quot;
Aber viel entscheidender ist: Gaiser und seine Kollegen haben ihre Hausaufgaben gemacht. Was er hier vorträgt, hat Hand und Fuß. Es gibt keine Luftschlösser oder vagen Erlösmodelle. Alles ist so real wie die Prospekte, die noch beim Blättern aus den Zeitungen fallen, aber bei kaufDA für immer mehr Leser auf Computern oder mobilen Endgeräten aufbereitet werden. Die Geschäftsidee ist bestechend: Gaiser, der selbst aus dem kleinen Dorf Baiersbronn im Schwarzwald stammt, war aufgefallen, welche ungeheuren Mengen an Prospekten im Land vertrieben werden. &quot;Dieser Markt muss sich doch irgendwie digitalisieren lassen&quot;, sagte er sich.
Das Modell beschreibt der junge Gründer angesichts der grellbunten Zettelwirtschaft der Prospektwirtschaft beinahe poetisch: &quot;Es ging uns darum, die Schönheit des Printprodukts mit den digitalen Möglichkeiten zu verbinden.&quot; Sein Talent, die profanen Dinge so nett zu verpacken, ist wohl einer der Erfolgsfaktoren in Gaisers Auftreten und ein Grund, warum es ihm gelang, die &quot;sehr konservative Handelswelt&quot; von den Vorzügen seines Portals rasch zu überzeugen. So hatte er auch für argwöhnische Kunden, die dem Cost per Click-Prinzip der Web-Branche kritisch gegenüberstanden, eine beruhigende Nachricht: Bei kaufDA zahlen Sie jetzt eine &quot;Prospektöffnungsgebühr&quot;. Das ist zwar im Grunde das Gleiche, half aber Misstrauen zu überwinden. Überhaupt sagt der 25-Jährige lauter&nbsp;Dinge, die Musik in den Ohren potenzieller Auftraggeber sein müssen. &quot;Werbeverweigerer sind keine Konsumverweigerer&quot;, etwa. Er spricht auch nicht von Werbung, sondern von &quot;zielgerichteter Information&quot;. Gaiser gleitet mit einem Lächeln durch die Wand des Widerstands, und das gefällt den Kunden, die es im konkurrenzreichen Geschäft schon schwer genug haben.
Die Idee zu kaufDA war kaum geboren, als Seed-Finanziers schon Interesse bekundeten. Die Telekom stieg ein, ebenso die Otto Group. Beide brachten Know How mit ins Unternehmen. Rasch stiegen Angebot und Reichweite des Portals. 12.000 Städte und gemeinden deckt kaufDA mittlerweile ab, und auch wenn das Portal noch nicht IVW- oder AGOF-ausgewiesen ist, so gibt doch die Zahl der Unique Visitors beim Google Ad Planner einen Anhalt für den Klickerfolg: Eine Million User weist das Research Tool bereits aus. Da inzwischen 25 Prozent des Traffics auf mobilen Endgeräten, hauptsächlich iPad und iPhone, stattfindet, dürfte die tatsächliche Kernreichweite sogar höher liegen. Und über die Partnerseiten von t-online sowie meinestadt.de erreicht das Portal insgesamt sogar elf Millionen Nutzer.
 Wie in einem Online-Kiosk können Nutzer die Prospekte der Handelsketten aus dem virtuellen Regal nehmen und blättern. Wichtigste logistische Leistung ist dabei, dass die einzelnen Prospekte mehrerer tausend Filialen passgenau den jeweiligen Regionen zugeordnet werden. Deshalb haben Gaiser und sein Team besonderen Wert darauf gelegt, die Technologie der Prospektverwaltung zu entwickeln und zu verfeinern. Von den 70 Mitarbeitern ist rund ein Drittel im Bereich Programmierung und Entwicklung tätig, die restlichen kümmern sich um Reichweitenaufbau und Marketing sowie um Vertrieb und Auftragsabwicklung.
Anders als viele Start-ups ist kaufDA keine Copycat eines Portals, das anderswo schon Erfolg hat. Und erst recht kein abgewandelter Preisvergleichsdienst. &quot;kaufDA ist keine Preissuchmaschine&quot;, sagt der CEO, &quot;sondern ein Scout für lokale Angebote.&quot; Deshalb glaubt Gaiser sich auch im Vorteil, wenn es Nachahmer geben würde. Der technologische Vorsprung, der Aufbau eines Kundenstamms wird nicht so leicht gelingen. Bei kaufDA ist man längst weiter, derzeit geht es darum, die Abläufe zu automatisieren und die Prospekte digital gleich am Druckstandort abzufischen. So hält man den eigenen Aufwand wie den der Auftraggeber gering. Der Markt, den es zu erschließen gilt, ist riesig. Discounter wie Aldi, Lidl &amp; Co. sowie Elektronikmärkte sind erst der Anfang, langfristig hat kaufDA 300.000 Handelstreibende im Visier.
Anfang 2011 ist man davon noch weit entfernt, und es ist eher untypisch, dass ein stets auf Größe und Marktführerschaft zielendes Unternehmen wie Axel Springer sich so früh als Mehrheitsgesellschafter engagiert. Überzeugt hat das Haus die Entwicklungsgeschwindigkeit und das große Potenzial, das dem Markt bescheinigt wird, der im Print um 2,8 Milliarden Euro liegt. Nationale Key Accounts spielen bei den Überlegungen ebenso eine Rolle wie regionale Anbieter, die derzeit mit Gedrucktem eine Klientel bedienen, die als &quot;später digitalisierte&quot; Zielgruppe gilt. Im Wechselspiel zwischen Print und Digital liegt auch hier der kaufmännische Charme der Akquisition: Was die Zeitungen an gedruckten Prospektbeilagen auf Sicht verlieren, kann kaufDA im Web wieder auffangen. Selbstkannibalisierung, so die moderne Verlagsphilosophie, ist allemal besser als von anderen gefressen zu werden.]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Fri, 04 Mar 2011 14:56:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>AOL und HuffPo: die Lose-Lose-Situation</title>
			<link>http://meedia.de/background/meedia-blogs/georg-altrogge/georg-altrogge-post/article/aol-und-huffpo--die-lose-lose-situation_100033074.html </link>
			<description><![CDATA[Das aktuelle Geschäftsgebaren von AOL mit dem Kauf der Huffington-Post erinnert an einen unheilbar Kranken, der noch einmal auf Großwildjagd geht, um sein Wohnzimmer mit ein paar Trophäen erlegter Exoten zu schmücken. Es ist ein Armutszeugnis, dass es der Company trotz des Startvorteils im seinerzeit jungen Internet in all den Jahren nicht gelungen ist, ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu etablieren. Dass CEO Tim Armstrong nun auf Shoppingtour geht ist teuer - und für die Gekauften gefährlich.]]></description>
			<image>
				<imageurl></imageurl>
				<imagecaption></imagecaption>
				<imagealttext></imagealttext>
				<imagetitletext></imagetitletext>
			</image>
			<content:encoded><![CDATA[<b>Das aktuelle Geschäftsgebaren von AOL mit dem Kauf der Huffington-Post erinnert an einen unheilbar Kranken, der noch einmal auf Großwildjagd geht, um sein Wohnzimmer mit ein paar Trophäen erlegter Exoten zu schmücken. Es ist ein Armutszeugnis, dass es der Company trotz des Startvorteils im seinerzeit jungen Internet in all den Jahren nicht gelungen ist, ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu etablieren. Dass CEO Tim Armstrong nun auf Shoppingtour geht ist teuer - und für die Gekauften gefährlich.</b>
Wie lang ist es her, dass Boris Becker mit seinem &quot;Ich bin drin&quot; Werbung für den Webprovider AOL machte? Das war Ende der 90er Jahre, als die New Economy auf Hochtouren lief.&nbsp;Doch schon dieses Business lief für AOL&nbsp;in Deutschland zäh, und die damalige Strategie, den Kunden den AOL-Account mit – angeblich exklusivem – Allerwelts-Content schmackhaft zu machen, war ein Rohrkrepierer. Das Internet war bereits damals voll von Gratis-Inhalten jeder Güteklasse, zudem fehlte den US-Amerikanern und ihren Statthaltern in Deutschland von Anfang an&nbsp;jegliche redaktionelle Kompetenz. Wer damals zu den üblichen Warm-up-Terminen mit den häufig wechselnden CEOs für Deutschland und/oder Europa in die Konzernzentrale kam, verließ das Gebäude meist ratlos: Die vom jeweils neuen&nbsp;Boss&nbsp;formulierte Abkehr vom vormaligen (gefloppten) Geschäftsmodell war stets richtig, die als Zukunftsstrategie formulierte neue Zielsetzung erschien aber ebenso hoffnungslos.
Es ist ein erbärmliches Stück Wirtschaftsgeschichte, das AOL auch in Deutschland geschrieben hat. Während die Stimmung bei den Mitarbeitern in den Keller ging, wurde das Logo etliche Male überarbeitet, Bereiche wurden&nbsp;aufgebaut und wieder abgestoßen, Units nach Belieben neu &quot;gebranded&quot;. Über allem lastete unheilschwer der ebenfalls häufig wechselnde &quot;Spirit&quot; der Mutter-Gesellschaft. Als das hiesige Geschäft schließlich gänzlich abgewickelt wurde, war das deutsche AOL längst klinisch tot.
In den USA ist es (noch) nicht so weit. Da kann es CEO Tim Armstrong, mit wessen Geld auch immer, noch krachen lassen. Doch weder der Kauf des Blogs TechCrunch von Michael Arrington für geschätzte 25 bis 40 Millionen Dollar, das wie sein Gründer und Betreiber die besten Tage wohl hinter sich haben dürfte, noch der Erwerb der Huffington Post werden am Zustand des Patienten AOL nachhaltig etwas ändern. Besonders enttäuschend ist, dass die ebenso&nbsp;vermögende wie international hofierte Arianna Huffington nun ausgerechnet bei diesem Partner Kasse macht und sich ihr Portal mit 315 Millionen Dollar und einem dubiosen Chef-Chef-Titel vergolden lässt. Künftig wird sie in ihrer neuen Funktion die Bekanntschaft mit einer neuen Spezies von Redakteuren machen: Angestellten der Armstrong-Content-Farm, die nach aktueller Vorgabe des CEO fünf bis zehn Texte pro Tag produzieren müssen und deren Gehalt zum Teil von den Vermarktungserlösen abhängt. Vorbild ist Demand Media, deren Geschäftsprinzip es ist, Lesern mit eilig heruntergehauenen Artikeln nach dem Mund zu schreiben. Für beide Seiten ist dieser Deal eine echte Lose-Lose-Situation.
Während Armstrong – wohl unter dem Druck von Banken und Investoren – nach dem letzten Strohhalm zu greifen scheint, handelt Arianna Huffington aus freien Stücken. Sie sollte sich ein Beispiel an weit jüngeren Unternehmern&nbsp;nehmen: Mark Zuckerberg etwa, der schon vor Jahren eine Milliardenofferte für Facebook ausschlug. Oder aktuell Groupon-Gründer Andrew Mason, der Google trotz eines 6-Milliarden-Dollar-Angebots einen Korb gab. Beide begründeten dies mit dem Glauben an das Wachstumspotenzial ihres Unternehmens. Huffington griff beim wohl ersten unmoralischen Angebot zu – und gibt damit der ganzen Branche unterschwellig zu verstehen, wie es um ihr Blog-Business tatsächlich stehen dürfte. Vom künftigen Renommee ganz zu schweigen. Und für den Erwerber gilt: Wenn Tim Armstrong oder sein(e) Nachfolger so weiter machen, steht AOL wohl bald für America Offline.]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Mon, 07 Feb 2011 10:17:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Der Tunnelblick des Medienanwalts Höcker</title>
			<link>http://meedia.de/background/meedia-blogs/georg-altrogge/georg-altrogge-post/article/der-tunnelblick-des-medienanwalts-hcker_100032189.html </link>
			<description><![CDATA[Wenige Gerichtsverfahren sind so vielschichtig wie der Prozess gegen Jörg Kachelmann, kaum eine Justizsache emotionalisiert die Republik so sehr wie die Frage, ob der ehemalige ARD-Moderator ein Vergewaltiger ist. Und wohl kein Fall ruft so viele Kritiker der Medienbranche auf den Plan. Jüngstes Beispiel: Kachelmanns Medienstratege Ralf Höcker im SZ-Interview. Was der 39-Jährige dort sagt, markiert einen Tiefpunkt und offenbart eine geradezu erschreckende Verachtung des journalistischen Pluralismus.]]></description>
			<image>
				<imageurl></imageurl>
				<imagecaption></imagecaption>
				<imagealttext></imagealttext>
				<imagetitletext></imagetitletext>
			</image>
			<content:encoded><![CDATA[<b>Wenige Gerichtsverfahren sind so vielschichtig wie der Prozess gegen Jörg Kachelmann, kaum eine Justizsache emotionalisiert die Republik so sehr wie die Frage, ob der ehemalige ARD-Moderator ein Vergewaltiger ist. Und wohl kein Fall ruft so viele Kritiker der Medienbranche auf den Plan. Jüngstes Beispiel: Kachelmanns Medienstratege Ralf Höcker im SZ-Interview. Was der 39-Jährige dort sagt, markiert einen Tiefpunkt und offenbart eine geradezu erschreckende Verachtung des journalistischen Pluralismus.</b>
Machen wir uns nichts vor: Der Anwalt Ralf Höcker hat einen Job zu erledigen. Er wird dafür bezahlt, dass er in der Angelegenheit Partei ist. Er wird daran gemessen, dass er Ergebnisse vorweisen kann. Das ist im Prinzip in Ordnung, und niemand würde den Kölner dafür kritisieren, dass er bemüht ist, mit rechtlichen Mitteln die öffentliche Diskussion in den Medien in Schranken zu halten, die&nbsp;Schaden von seinem Mandanten und Auftraggeber fern halten, soweit das angesichts der Umstände und im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben möglich ist.
Doch Höcker, der im Interview für Medienanwälte und damit für  sich in Anspruch nimmt, &quot;sehr erfolgreich im Revier der PR-Agenturen zu wildern&quot;, geht weit darüber hinaus. Er sagt: &quot;Der alte Satz, dass die Presse die 'vierte Gewalt' sei, ist ... anmaßender Quatsch.&quot; Er sagt auf die Frage der SZ-Redaktion, wie Akten und Ermittlungsdetails an Focus, Spiegel oder Zeit 'durchsickern' können: &quot;Das fragen Sie besser die Staatsanwaltschaft&quot; - obwohl jeder, der sich mit Gerichtsverfahren in dieser Größenordnung auskennt, weiß, dass praktisch alle Beteiligten in der Regel den Grundsatz des Gebens und Nehmens im Kontakt mit Journalisten sehr wohl kennen und nutzen, auch wenn sie dies schon aus rechtlichen Gründen weit von sich weisen. Im Fall Kachelmann ist unklar, wer was an wen durchgesteckt haben könnte, aber es ist unredlich, diesen Verdacht auf Ermittler und Staatsanwaltschaft zu reduzieren.
Die Berichterstattung über Verhaftung, Anklage und Prozess erfolgt auf allen Kanälen. Wer dies im Kern verhindern wollte, würde sich gegen höchstrichterliche Rechtsprechung stellen, die im Kern klar regelt, was ein Prominenter an Berichterstattung zu dulden hat und was nicht. Es wäre ein Ammenmärchen, Medien zu unterstellen, sie würden eine &quot;beispiellose Kampagne gegen Herrn Kachelmann führen&quot;. Genau dies tut der Anwalt Ralf Höcker, der auch behauptet, dass die Staatsanwaltschaft sich &quot;zum Komplizen von Focus und Bunte&quot; gemacht habe. Er unterstellt diesen Medien eine &quot;pervertierte Prozessberichterstattung&quot; und wittert, dass das &quot;Haus Hubert Burda eine offensichtliche Kampagne gegen Jörg Kachelmann fährt&quot;.
Dabei unterschlägt Höcker, dass ähnliche Vorwürfe durchaus auch Medien wie dem Spiegel und der Zeit gemacht worden sind, und er unterschlägt dies wohl deshalb, weil die Berichterstattung dort für Jörg Kachelmann wesentlich günstiger und freundlicher ausgefallen ist. Dass er überdies das Konstrukt in den Raum stellt, Magazine würden quasi von ganz oben ferngesteuert, zeigt aber nur, wie weit der Jurist weg ist von der Realität in Zeitschriftenredaktionen und wie bedenklich sein Verständnis vom Recht auf unterschiedliche Akzentuierungen bei der Prozessberichterstattung ist.
Bricht man die Artikel auf das der Marke am nächsten liegende Thema herunter, so ist es doch nachvollziehbar, dass sich ein Blatt wie die Bunte vor allem auf das Thema der Affären des Moderators, auf sein Verhältnis zu Frauen konzentriert. Diese menschliche Seite ist für ein People-Magazin am Ende wahrscheinlich zentraler als die juristische Klärung der Schuld, die erst in Monaten (vorläufig) abgeschlossen sein dürfte. Man kann das anstößig finden, man muss diese Berichte nicht lesen oder mögen, aber daraus eine Kampagne zu konstruieren, wirkt weit hergeholt und durch nichts begründet. Dass Höcker dies tut und auf dieser wackeligen Basis eine Durchsuchung der Burda-Redaktionen für legitim und zwingend hält, erscheint eher als Teil einer Einschüchterungskampagne als Ergebnis einer rechtlichen Abwägung. Es ist davon auszugehen, dass die Reporter des Magazins ihrem journalistischen Impuls, – oder wenn man so will – ihrem Jagdinstinkt auf der Suche nach einer packenden exklusiven Story folgen, kaum aber einer Weisung von &quot;ganz oben&quot;.&nbsp; 
Dass dabei Verträge mit Zeuginnen aus dem Verfahren geschlossen wurden, mag man anrüchig finden, es entspricht aber der weit verbreiteten Praxis im Magazin-Journalismus, Leitmedien inbegriffen. In solchen Fällen, ist die Zahlung von Honoraren ebenfalls nicht unüblich und sie dient, anders als Anwalt Höcker weis machen will, nicht der Beeinflussung von Aussagen, sondern der Sicherung des Exklusivitätsanspruchs.&nbsp;  
Ebenso kühn wirkt Höckers Forderung, das Buchmanuskript vorab &quot;zu prüfen&quot;, bevor es veröffentlicht werden dürfe. Hier geht es nicht um Prüfung, Zensur wäre wohl ein angemesseneres Etikett. Man darf ja nicht vergessen, wer hier mit welchem Interesse &quot;prüfen&quot; will. Diese Forderung zeigt nur, wie weitreichend der Anspruch &quot;moderner&quot; Medienanwälte bei der Kontrolle von Publiziertem inzwischen ist. Das ist bedenklich, genauso wie die Forderung einer Razzia in Redaktionsräumen. Hier ruft der Anwalt nach dem Staatsanwalt, den er sonst so erbittert bekämpft. 
Es geht dabei nicht um die Frage, ob Artikel von einzelnen Medien ausgewogen oder seriös sind. Es geht auch nicht um die Frage, welchen Standpunkt man im Fall Kachelmann einnimmt, ob man ihn für schuldig hält oder nicht. Es geht vielmehr darum, dass die Freiheit immer auch die Freiheit des Anderen, der anderen Meinung ist. Dies gilt auch für die Pressefreiheit. Natürlich hat dies Grenzen. Diese abzustecken, ist Sache von rechtlichen Instrumentarien wie Gegendarstellung, Richtigstellung, Widerruf  oder Unterlassungserklärung – auch im Wege der einstweiligen Verfügung –, die Jörg Kachelmann und seinen Anwälten wie allen offen stehen. Doch das scheint den Rechststrategen nicht zu genügen. Jurist Höcker betrachtet die Pressewelt durch einen Tunnel und er versucht erkennbar, die Bandbreite der Berichterstattung einzugrenzen. Man kann in ihm einen engagierten Streiter für einen möglicherweise zu unrecht beschuldigten prominenten Mandanten sehen. Oder aber einen &quot;Auftragskiller&quot; von Transparenz und freier Berichterstattung.]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Fri, 17 Dec 2010 12:00:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Warum die Auto-Diskussion nicht &quot;gaga&quot; ist</title>
			<link>http://meedia.de/background/meedia-blogs/georg-altrogge/georg-altrogge-post/article/warum-die-auto-diskussion-nicht-gaga-ist_100031951.html </link>
			<description><![CDATA[Ein MEEDIA-Artikel über das Unfall-Drama bei "Wetten, dass..?" hat gestern für heftige Reaktionen gesorgt. Die meisten Kommentare waren negativ, was zwei Schlüsse nahelegt: Entweder hat der Verfasser gründlich daneben gelegen, oder er wurde falsch verstanden. Nach dem Branchen-Prinzip, dass der Leser immer recht hat, liegt das Problem so oder so beim Autor. Von daher hier ein zweiter Anlauf: Ist es wirklich "gaga", Sponsoring und Productplacement in der ZDF-Show in der Sache zum Thema zu machen?]]></description>
			<image>
				<imageurl></imageurl>
				<imagecaption></imagecaption>
				<imagealttext></imagealttext>
				<imagetitletext></imagetitletext>
			</image>
			<content:encoded><![CDATA[<b>Ein MEEDIA-Artikel über das Unfall-Drama bei &quot;Wetten, dass..?&quot; hat gestern für heftige Reaktionen gesorgt. Die meisten Kommentare waren negativ, was zwei Schlüsse nahelegt: Entweder hat der Verfasser gründlich daneben gelegen, oder er wurde falsch verstanden. Nach dem Branchen-Prinzip, dass der Leser immer recht hat, liegt das Problem so oder so beim Autor. Von daher hier ein zweiter Anlauf: Ist es wirklich &quot;gaga&quot;, Sponsoring und Productplacement in der ZDF-Show in der Sache zum Thema zu machen?</b>
Sicherlich wäre es verkürzt und unsinnig, davon auszugehen, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen einem Autohersteller und kommerziellen Partner und einem Wett-Szenario gibt. Niemand behauptet, dass ein (Groß-)Kunde den Ablauf vorgibt, die Präsenz eines eigenen Produktes – wie am Samstag dem Audi A8 – im Wettgeschehen erwartet oder sonstwie direkten Einfluss auf die Show-Gestaltung nimmt. Aber es wäre auch naiv anzunehmen, dass ein um Marktanteile kämpfender Konzern viel Geld für eine Sendung zahlt, weil der Moderator und Show so beliebt sind.
Die von Dolce Media, der Firma von Thomas Gottschalks Bruder Christoph vermittelte Form des Sponsoring ist kein Charity-Modell, sondern eine Sache des Gebens und Nehmens. Bei Audi beziehungsweise den vom Autobauer beauftragten Agenturen wird man sehr genau darauf achten, in welcher Form die Marke im Rahmen der Show sichtbar ist. Das ist der Rahmen, den natürlich auch die Produzenten kennen. &quot;Wetten, dass..?&quot; hat in der Vergangenheit ein zunehmendes Wohlfühl-Klima für das Thema Automobil geschaffen.
Autos und Auto-Wetten gehören zu &quot;Wetten dass..?&quot; wie die Promi-Couch und bis vor zwei Jahren die Gummibärchen eines bekannten Werbepartners des Moderators auf dem Beistelltisch. Das hat zum einen wahrscheinlich den Grund, dass das Auto ganz elementar zur Lebenswirklichkeit der Zuschauer gehört. Es ist einfach &quot;prickelnder&quot; und spannender anzuschauen, wie jemand mit Sprungfedern über echte Autos hüpft statt über Schaumstoff-Blöcke auf einem Förderband. Gleichzeitig dürften Auto-Hersteller auch nichts dagegen einzuwenden haben, wenn ihre Fahrzeuge in Wett-Situationen dynamisch ins rechte Licht gerückt werden. Könnte es nicht sein, dass bei dem Gemisch aus Produktions-Beihilfen, Sponsoring und Product-Placement, dem ganzen Gekuschel zwischen Auto-Industrie und Spektakel-TV so ein bisschen das Gefühl dafür verloren gegangen ist, was noch machbar ist?
Vor diesem Hintergrund ist es sicher nicht völlig aus der Luft gegriffen, dass unter zu Tausenden eingehenden Wett-Ideen möglicherweise solche (neben vielen anderen Kriterien) wohlwollend geprüft werden, bei denen Fahrzeuge über die Bühne rollen.
Dass dies beim Konstrukt der Wette, die zu dem schweren Unfall führte, ein zusätzliches hohes Risiko bedeutete, war den Verantwortlichen bewusst. Thomas Gottschalk hat sich in einem Kommentar zum gestrigen MEEDIA-Bericht unter anderem wie folgt geäußert: &quot;Michelle und ich haben Samuel noch während der Probe geraten, ausschließlich über Smarts zu springen, was er von sich gewiesen hat.&quot; Michelle Hunziker sagt im <link http://www.bild.de/BILD/unterhaltung/TV/wetten-dass-mit-thomas-gottschalk/2010/12/07/wetten-dass-michelle-hunziker/der-unfall-von-kandidat-samuel-veraendert-alles.html - external-link-new-window "Opens external link in new window"><b>Interview mit Bild</b></link>: &quot;Thomas und ich haben Samuel vor der Sendung öfter gefragt, ob es nicht  besser wäre, wenn wir kleinere Autos nähmen. Wir haben ihn gefragt, ob  es denn so große Wagen sein müssen. ... Aber Samuel ist ja über 18, da kann man das ja auch  nicht verhindern.&quot;
Auch das ist richtig. Der Kandidat wollte springen, und sicher wollte er auch die Großraumlimousine und den Geländewagen im Programm. Aber keiner sollte sagen, dass die Chance des Scheiterns nicht schon im Vorfeld im Raum gestanden hätte. Und es ist interessant, was Michelle Hunziker gegenüber Bild über den Ablauf des Dramas sagt, das sie aus nächster Nähe beobachtete: &quot;Ich habe sofort gemerkt, dass etwas ganz Schlimmes passiert ist. Ich  konnte aus meiner Perspektive genau sehen, wie Samuel  sich schon beim  Sprung am Auto verletzt hat. Deshalb war mir sofort klar, dass es ein  ganz<b> </b>schlimmer Unfall ist. Aber ich hoffte, dass er in Ohnmacht gefallen ist und sich gleich  danach wieder besser fühlt. Aber dann habe ich gespürt, dass etwas ganz  Schlimmes geschehen ist. ... Deshalb  habe ich sofort nach einem Arzt gerufen.&quot;
Der Aufprall des Springers aufs Auto könnte danach eine entscheidende Bedeutung beim Unfall-Hergang haben, ein Moment im Stunt ohne Netz und doppelten Boden. Der Medienjournalist Peer Schader <b><link http://www.medienpiraten.tv/blog/?p=1976 - external-link-new-window "Opens external link in new window">zitiert</link></b> in seinem Blogbeitrag zum Unglück einen Leser-Beitrag aus&nbsp;<b><link http://www.faz.net/s/Rub510A2EDA82CA4A8482E6C38BC79C4911/Doc%7EE768974DAEA3C42EB93E8E07DA6A8AAB8%7EATpl%7EEkom%7ESKom.html#503307 - liexternal>FAZ.NET</link></b>: &quot;Kommentator Christian K.: 'Da springt jemand mit Sprungfedern an den Füßen live im Fernsehen über  fahrende Autos und die Teilnehmer der Show WETTEN darauf, ob er es  schafft, oder nicht. Wie sollte das NICHTSCHAFFEN denn anders aussehen,  als ein Unfall?'&quot; Und jeder Unfallforscher weiß, dass die hochentwickelte Sicherheitstechnologie der modernen Autos vor allem die schützt, die drinnen sitzen. Dass ein 23-Jähriger das Risiko eingehen will, ist eine Sache, die die Frage aber nicht obsolet macht, ob ihn in einem solchen Fall und angesichts der Vorfälle bei den Proben nicht vor der eigenen Courage schützen muss. Samuel Koch war auch aus Sicht der Beteiligten hinsichtlich seines Vorhabens ein Wackel-Kandidat.<br /><br />Über die Fahrzeugwahl schreibt Thomas Gottschalk: &quot;Der Vater des Kandidaten hat sich aus einer langen Liste von Fahrzeugen die ausgesucht, über die sein Sohn springen wollte.&quot; Auch das  ist sicher richtig. Hier haben weder die &quot;Wetten, dass..?&quot;-Macher noch der Sponsor irgendwelchen Einfluss ausgeübt. Die Diskussion der Frage, ob eine Autowette wie diese in die Sendung gehört hätte, bleibt davon unbenommen. Ganz sicher wird sie auch von den Verantwortlichen intensiv geführt. Für diese Diskussion gibt es viele Gründe, und wenn man ehrlich ist: Um das Sponsoren-Modell geht es auch.

<b>Nachtrag, 15.48 Uhr:</b> Thomas Gottschalk hat gegenüber MEEDIA bestätigt, dass die Anmerkungen im Kommentar unter dem gestrigen Artikel von ihm selbst stammen. Die zurückhaltende Formulierung der entsprechenden Passage wurde deshalb abgeändert.]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Tue, 07 Dec 2010 09:38:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Die ungewisse Zukunft von Spiegel TV</title>
			<link>http://meedia.de/background/meedia-blogs/georg-altrogge/georg-altrogge-post/article/die-ungewisse-zukunft-von-spiegel-tv_100031372.html </link>
			<description><![CDATA[Für schlechte Nachrichten gibt es keinen guten Zeitpunkt. Doch die Mitteilung der Spiegel TV-Geschäftsführer, Dutzende von Stellen zu streichen und die Berlin-Redaktion faktisch aufzulösen, kam im ungeeignetsten Moment. Während alle großen Medienhäuser aufatmen, TV-Konzerne wie RTL oder ProSiebenSat.1 Rekordzahlen präsentieren, bricht in Hamburg die Krise aus: Massenentlassungen und eine rabenschwarze Bilanz im laufenden Geschäftsjahr. Die Zukunft von Spiegel TV ist ungewiss, die Krise auch hausgemacht.]]></description>
			<image>
				<imageurl></imageurl>
				<imagecaption></imagecaption>
				<imagealttext></imagealttext>
				<imagetitletext></imagetitletext>
			</image>
			<content:encoded><![CDATA[<b>Für schlechte Nachrichten gibt es keinen guten Zeitpunkt. Doch die Mitteilung der Spiegel TV-Geschäftsführer, Dutzende von Stellen zu streichen und die Berlin-Redaktion faktisch aufzulösen, kam im ungeeignetsten Moment. Während alle großen Medienhäuser aufatmen, TV-Konzerne wie RTL oder ProSiebenSat.1 Rekordzahlen präsentieren, bricht in Hamburg die Krise aus: Massenentlassungen und eine rabenschwarze Bilanz im laufenden Geschäftsjahr. Die Zukunft von Spiegel TV ist ungewiss, die Krise auch hausgemacht.</b>
In einer Mitteilung des Spiegel-Verlags heißt es, die TV-Tochter plane &quot;neue Strukturen und den Abbau von Stellen&quot;. Die Redaktion solle am Standort Hamburg &quot;gebündelt&quot; werden, eine vielsagende Anspielung auf die Hauptstadt-Dependance des Unternehmens, die künftig wohl lediglich Produktionsstätte sein wird. Sender wie Phoenix oder Deutsche Welle buchen das dortige Spiegel TV-Studio für Berichte aus Berlin. Noch arbeiten dort 25 Angestellte.
Von den derzeit insgesamt 261 Mitarbeitern des Unternehmens werden etliche gehen müssen. 15 Prozent der Stellen sollen eingespart werden, dies entspräche etwa 39 Vollzeitstellen. Aufgrund von Teilzeitverträgen ist dies nach MEEDIA-Informationen jedoch eine rechnerische Größe. Tatsächlich werden wohl 50 Mitarbeiter gehen. Über Einzelheiten will die Geschäftsführung laut Verlag &quot;in den kommenden Wochen&quot; mit Betriebsrat und Angestellten reden. Erste Gespräche sollen am Mittwoch stattfinden.
Die Mitarbeiter reagierten betroffen auf die Darlegungen des Managements im Spiegel-Pavillon. Dabei waren erstmals auch konkrete Zahlen zur Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr genannt worden. Offenbar wird der Umsatz auf 40 Millionen Euro sinken, statt Gewinnen ein Minus von 6 Millionen&nbsp;Euro zu Buche stehen. Geschäftsführer Cassian von Salomon über die Negativ-Entwicklung: &quot;Der Markt wird enger, die Budgets knapper, die Geschäftsfelder immer kleinteiliger. Und: Informationsfernsehen hat es zurzeit auf allen Kanälen schwer, sich durchzusetzen.&quot; Zudem habe es einen Rückschlag in der langjährigen Kooperation mit der dctp von Alexander Kluge gegeben, die als Partner von Vox 52 Sendeplätze von Spiegel TV habe abgeben müssen. Das Gegenrezept des Geschäftsführers: &quot;Um der für uns wachsenden Bedeutung von Auftragsproduktionen gerecht werden zu können, sind schlankere und flexible Strukturen notwendig.&quot;
An dieser Stelle muss die Frage erlaubt sein, warum eine solche Strukturreform erst jetzt angegangen wird, wo Spiegel TV in vielen Segmenten bereits am wirtschaftlichen Abgrund steht. Der Verlust von Sendeplätzen oder großen Auftragsvolumen ist seit längerem bekannt. Dass die Kreativabteilungen mit der eigentlich ständigen Produktion von Pilotfolgen es dabei nicht fertig brachten, neue lukrative Konzepte am Markt zu etablieren, hätte früh ein Warnsignal sein sollen, dass auch hier vielleicht an der falschen Stelle gebohrt wurde. Verlässliche Geldbringer sind derzeit vor allem das von eher überschaubaren Redaktionseinheiten bediente &quot;Spiegel TV Magazin&quot; auf RTL, die Sat.1-&quot;Spiegel TV Reportage&quot; und (mit Blick auf die Quoten zumindest bis aufs Weitere) die Infotainment-Schiene, die &quot;Kerner&quot; und &quot;Die Oliver Pocher Show&quot; (beide Sat.1) bestückt.
Der in Kürze aus Altersgründen ausscheidende Geschäftsführer Fried von Bismarck verunsicherte die Spiegel TV-Mannschaft zusätzlich, in dem er ankündigte, dass es ohne Ausnahme in allen Bereichen und Abteilungen Kürzungen und einen Stellenabbau geben werde. Bismarck hatte nach Einschätzung von Brancheninsidern seit 2007 die sich damals bereits abzeichnende Notwendigkeit zur nachhaltigen Entwicklung von Neugeschäften als Hauptverantwortlicher praktisch ergebnislos verwaltet – eine Bilanz, die jetzt voll durchschlägt. Denn auch der zeitweise gehypte Aufbau einer Online-Video-Unit geriet zum millionenteuren Flop. Hier gelang es dem Management nicht, sich vom Schatten des umtriebigen Gründers zu befreien, der mit sicherem Gespür für Marktchancen und einem Netz ausgezeichneter Kontakte neue Projekte angebahnt hatte.
Von Verlagsgeschäftsführer Ove Saffe ist bekannt, dass er den TV-Bereich nach dem Abgang von Gründer Stefan Aust früh als Großbaustelle identifiziert hatte. Doch es gab andere Pflichtaufgaben, und Saffe ist als langjähriger Printexperte dem Fernsehgeschäft eher fern. Der Wunsch, den enormen Kostenapparat der TV-Abteilung zu optimieren, führte zur Einstellung etlicher Controller – und letztlich vorerst noch höheren Kosten.
Mit dem Abbau von Stellen fügt sich das Management in quasi letzter Minute den wirtschaftlichen Zwängen und tut, was in solchen Fällen eben getan werden muss. Mehr als eine Pflichtbewältigung ist das nicht. Warum die Krisenbewältigungsstrategie sowie die Neuentwicklungen der Geschäftsführung nicht anschlugen – auch dafür wird man sich  sich irgendwann rechtfertigen müssen. Und nicht alles lässt sich mit Markteinflüssen verargumentieren. Bei Pitches um Aufträge hat Spiegel TV Mühe, kleinere Anbieter wie die Fernsehmacher von Ex-Kerner-Redaktionsleiter Markus Heidemanns aus dem Feld zu schlagen. Und dass das ZDF sein Geschäft mit den Hamburgern deutlich reduziert hat, könnte auch atmosphärische Gründe haben. Wie im Umfeld des Mainzer Senders zu hören ist, war Programmdirektor Thomas Bellut beim Wechsel seines Talkers Johanns B. Kerner zu Sat.1 über das Informationsgebaren der Produktionsfirma Spiegel TV enttäuscht, die schließlich mit dem Moderator die Seiten wechselte.
Einen neuen Auftraggeber hat Spiegel TV allerdings jüngst gewinnen können: Stefan Aust. Ausgerechnet der geschasste Chef beschert seinen Kollegen, von denen er einst verbittert im Unfrieden schied, ein interessantes Neugeschäft: Für seinen Sender N 24 wird sich Aust großflächig aus dem Spiegel TV-Archiv bedienen und seinem alten Arbeitgeber Einnahmen verschaffen. Für die Hamburger ist das aber nur ein Nebenschauplatz. Hier wird es eher darum gehen, ob es mit 15 Prozent Stellenabbau langfristig getan sein wird. Denn auch um die dann verbleibenden rund 210 Mitarbeiter profitabel zu beschäftigen, wird das Unternehmen neue Projekte realisieren müssen. Cassian von Salomon sagt dazu: &quot;Es ist unser Ziel, die starke Position von Spiegel TV im deutschen Fernsehmarkt zu erhalten und weiter auszubauen.&quot; Wie ihm das gelingen soll, sagte er nicht.

<i>Der Autor war 1996 bis 1998 Redakteur bei Spiegel TV.</i>


]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Mon, 08 Nov 2010 15:39:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>&quot;Einige haben mich mit Bellheim begrüßt&quot;</title>
			<link>http://meedia.de/background/meedia-blogs/georg-altrogge/georg-altrogge-post/article/einige-haben-mich-mit-bellheim-begrt_100031168.html </link>
			<description><![CDATA[Es war einer seiner raren öffentlichen Auftritte: Bei der Präsentation der Neuerungen, die das Handelsblatt zuletzt vollzogen oder für den Jahreswechsel geplant hat, saß auch Dieter von Holtzbrinck auf dem Podest des Konferenzraumes in der Frankfurter Zweigstelle des Wirtschaftsblatts. Der 69-Jährige begründete vor Fachjournalisten seine Entscheidung, Jahre nach dem Rückzug aus allen operativen Ämtern wieder als "Jungunternehmer" ins Verlagsgeschäft eingestiegen zu sein. Ein denkwürdiger Auftritt. ]]></description>
			<image>
				<imageurl></imageurl>
				<imagecaption></imagecaption>
				<imagealttext></imagealttext>
				<imagetitletext></imagetitletext>
			</image>
			<content:encoded><![CDATA[<b>Es war einer seiner raren öffentlichen Auftritte: Bei der Präsentation der Neuerungen, die das Handelsblatt zuletzt vollzogen oder für den Jahreswechsel geplant hat, saß auch Dieter von Holtzbrinck auf dem Podest des Konferenzraumes in der Frankfurter Zweigstelle des Wirtschaftsblatts. Der 69-Jährige begründete vor Fachjournalisten seine Entscheidung, Jahre nach dem Rückzug aus allen operativen Ämtern wieder als &quot;Jungunternehmer&quot; ins Verlagsgeschäft eingestiegen zu sein. Ein denkwürdiger Auftritt.</b>
Der Mann, zu dessen großen Erfolgen der Aufbau der Handelsblatt-Gruppe wie die Sanierung des von vielen schon abgeschriebenen Hamburger Zeit-Verlags gehören, beschreibt zunächst die Umstände seines Comebacks als Verleger: &quot;Der Gesellschafterwechsel kam auch für mich überraschend. Ich war immer überzeugt davon, dass die Nachfolge in einem Unternehmen rechtzeitig geregelt werden muss, und ich hatte mir fest vorgenommen, mit 60 aus der Geschäftsführung auszuscheiden und spätestens mit 65 auch den Aufsichtsrat zu verlassen.&quot;
Dass er mit diesem Prinzip gebrochen hat, erklärt er so: &quot;Vor knapp zwei Jahren kam mein Bruder auf mich zu und sagte, dass er Teile des Zeitungs-Portfolios verkaufen will.&quot; Ihn selbst muss das tief getroffen haben. Dieter von Holtzbrinck formuliert es anders, er sagt &quot;Für mich war das ein gewisser Schock&quot;, und man kann die interfamiliäre Dynamik und konträre Bewertung der unternehmerischen Zukunft an dieser Stelle nur ahnen, die schließlich zur Aufspaltung des Unternehmens führte.
Nie würde er öffentlich ein Wort der Kritik über&nbsp;Stefan von Holtzbrinck äußern, aber er verschweigt auch die Unterschiede zu dem eine Generation jüngeren Bruder nicht: &quot;Er wollte auch in der Krise seine Strategie und seine Ziele unverändert weiter verfolgen.&quot; Und diese Ziele lägen für Stefan von Holtzbrinck mehr im Bereich der Wissenschaft und Forschung sowie den Internet-Beteiligungen: &quot;Ich war dagegen, die Handelsblatt-Gruppe an Dritte zu veräußern.&quot; Über die Einigung sagt er lediglich: &quot;Die Familie hält zusammen, und wir haben uns auf ein Tauschgeschäft geeinigt.&quot;
So fiel dem Aussteiger auf Zeit die Düsseldorfer Wirtschaftsgruppe, die operative Führung und ein 50-Prozent-Anteil an der Zeit sowie am Berliner Tagesspiegel zu. Eine Risiko-Entscheidung für einen, der über hohe jährliche Garantiezahlungen aus dem Verlagsgeschäft eigentlich in der Krise abgesichert und fein raus war. &quot;Börsianer hätten mir von dem Deal abgeraten&quot;, sagt Dieter von Holtzbrinck, &quot;selbst Freunde haben mir gesagt, dass ich mir das unsichere Geschäft nicht antun soll.&quot;
Doch vier Jahrzehnte Verlagserfahrung haben ihre eigenen Maßstäbe geschaffen und eine Urteilskraft, die unabhängig von Medienmoden ist. &quot;Meiner Meinung nach&quot;, sagt der 69-Jährige fast bescheiden, &quot;gibt es ein großes Missverständnis im Markt.&quot; Klassische Medienhäuser seien bei den Analysten &quot;eher unterbewertet&quot;. Dass ihn nach seiner Entscheidung &quot;einige mit Herr Bellheim begrüßten&quot;, irritierte ihn nicht: &quot;Ich glaube, es geht nicht um Print gegen Digital, sondern um die Frage, ob es im Markt einen Bedarf an Qualitätsjournalismus gibt, unabhängig vom Kanal, über den dieser vertrieben wird.&quot; Dieter von Holtzbrinck beantwortet diese Frage nicht, für ihn ist sie rhetorisch.
Mit Krisen, sagt der Verleger, werde man &quot;mit der Zeit fertig, wenn man sich mit Augenmaß dagegenstemmt und nicht zu viele Fehler macht&quot;. Seine Bilanz nach gut&nbsp;zwölf Monaten der Sanierung ist ordentlich, er spricht von &quot;einem guten Break-Even&quot; im laufenden Jahr und einer Rückkehr in die Gewinnzone 2011. Möglich wurde dies durch eine Kostensenkung, der im Verwaltungs- und Vermarktungsapparat eine deutlich dreistellige Zahl von Stellen zum Opfer fiel. In der Handelsblatt-Redaktion, deren Chefredakteur er austauschte, wurden keine Stellen gekürzt, sondern hier und da sogar die eine oder andere neu geschaffen.
 Die Zukunftsvision des Alt-Verlegers hat viel mit Qualität zu tun, mit dem Wunsch, den &quot;Milliarden von wertlosen Informationen im Internet&quot; etwas Nachhaltiges entgegen zu setzen. Das erfordert hohen Aufwand, und das kostet. Da spart dann auch der Schwabe nicht, der sonst mit Blick auf die Branche stets eine &quot;Wirtschaft der Vernunft&quot; anmahnt. Und der ohne Arroganz, sondern dem Gewicht der Autorität seines Lebenswerks auch Wettbewerber kritisiert, wie an diesem Tag Gruner + Jahr für die Entscheidung, allen Wirtschaftstiteln eine Zentralredaktion zu verordnen: &quot;Ich habe das immer für falsch gehalten. Die Titel verlieren so auf Dauer ihre Identität.&quot;
Ob seine Erwartung und Hoffnung in Erfüllung geht, über Tablet-Computer und neue digitale Vertriebswege dauerhaft lukrative Geschäftsmodelle jenseits des Zeitungs-Business zu finden, ist offen. Dieter von Holtzbrinck jedenfalls glaubt daran, genau so wie an seinen neuen Chefredakteur Gabor Steingart. Den ehemaligen Spiegel-Mann wie seine Geschäftsführer will er behutsam führen: &quot;Ich sehe mich als Sparringspartner, halte ihnen den Rücken frei und ermuntere sie auch, Risikos einzugehen.&quot; Es ist der Runde anzumerken, dass die Chemie in Düsseldorf derzeit stimmt, und auch das abschließende Statement des Verlegers überrascht am Ende im Publikum niemanden: &quot;Ich bin sehr glücklich, dass ich wieder eingestiegen bin.&quot;]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Thu, 28 Oct 2010 10:55:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Konstantingate eskaliert zur Medienaffäre</title>
			<link>http://meedia.de/background/meedia-blogs/georg-altrogge/georg-altrogge-post/article/konstantingate-eskaliert-zur-medienaffre_100031004.html </link>
			<description><![CDATA[Was zunächst nur nach dem Zwist zwischen einem Blogger und einem Verlagsvorstand aussah, ist spätestens seit heute eine handfeste Medienaffäre, die in den Qualitätszeitungen diskutiert wird. Die Süddeutsche Zeitung, die Financial Times Deutschland und die FAZ berichten ausführlich und fragen sich: "Hat der prominente Verlegersohn Konstantin Neven DuMont unter zahlreichen Pseudonymen das Niggemeier-Blog mit Kommentaren überschwemmt?" (SZ) Leider spricht allzu viel dafür.]]></description>
			<image>
				<imageurl></imageurl>
				<imagecaption></imagecaption>
				<imagealttext></imagealttext>
				<imagetitletext></imagetitletext>
			</image>
			<content:encoded><![CDATA[<b>Was zunächst nur nach dem Zwist zwischen einem Blogger und einem Verlagsvorstand aussah, ist spätestens seit heute eine handfeste Medienaffäre, die in den Qualitätszeitungen diskutiert wird. Die Süddeutsche Zeitung, die Financial Times Deutschland und die FAZ berichten ausführlich und fragen sich: &quot;Hat der prominente Verlegersohn Konstantin Neven DuMont unter zahlreichen Pseudonymen das Niggemeier-Blog mit Kommentaren überschwemmt?&quot; (SZ) Leider spricht allzu viel dafür.</b>
Dass die Süddeutsche in ihrer Dienstagsausgabe von <link http://sueddeutsche.de/medien/blog-affaere-um-dumont-quasseln-bis-zum-entsetzen-1.1013774 - external-link-new-window "Opens external link in new window"><b>&quot;hellem Entsetzen&quot;</b></link> schreibt, welches die Unternehmensführung ergriffen habe, ist nach MEEDIA-Recherchen keine Untertreibung. Die Außenwirkung ist bereits katastrophal, bevor die Frage geklärt ist, ob der Verlagsmanager die aberwitzigen Kommentare selbst verfasst oder deren Veröffentlichung von seinem Rechner über Wochen fahrlässig zugelassen hat. Bislang galt Konstantin Neven DuMont, 40, Sohn des Kölner Verlegers Alfred Neven DuMont, in der Branche zwar als Exot. Aber er zählt auch zu den wichtigen und mächtigen Entscheidern: Vorstand im eigenen Konzern, Aufsichtsrat bei der Deutschen Presse-Agentur, Mitglied im Deutschen Presserat, auserkoren als künftiger oberster Chef des drittgrößten deutschen Zeitungshauses.
Dass dieser derzeit Zielscheibe des Spotts im Social Web ist, wird nicht dadurch besser, dass Neven DuMont trotz aller Dementis im Wesentlichen selbst dieses – bei Bloggern &quot;Shitstorm&quot; genannte – PR-Fiasko im Web selbst verursacht hat. Und die Führungsetage in Köln wird es darüber hinaus als äußerst bedenklich einstufen, dass die  Zeitungen der eigenen Führungskraft zumindest unterschwellig eine wenig austarierte Persönlichkeit attestieren.
Wer sich mit dem Fall an sich beschäftigt, ist geneigt, die Lektüre <link http://www.stefan-niggemeier.de/blog/eine-systematische-stoerung/ - external-link-new-window "Opens external link in new window"><b>des Artikels von Stefan Niggemeier über die seltsamen Kommentare</b></link> und die Vielzahl spinnerter Nicknames auf halber Strecke abzubrechen. Denn schon da scheint klar, dass es keine Antwort auf die Frage geben wird, wer sich da mit sich selbst vor den Augen der Web-Öffentlichkeit zu welchem Zweck mit sich selbst unterhält. Die <link http://www.ftd.de/lifestyle/outofoffice/:out-of-office-wer-bin-ich-und-wenn-ja-wie-viele/50184440.html - external-link-new-window "Opens external link in new window"><b>Headline der FTD</b></link> &quot;Wer bin ich und wenn ja, wie viele&quot; nimmt darauf in unbarmherziger Weise Bezug.
Es ist nicht auszuschließen, dass es sich bei dem oder den beiden anonymen Verfassern, wie Konstantin Neven DuMont&nbsp;behauptet, um Menschen aus seinem Umfeld handelt. Es ist aber nicht sehr wahrscheinlich. Schon was der Medienjournalist Stefan Niggemeier in seinem Blog-Artikel akribisch dokumentiert, ist eine Flut von Indizien, die wenig Ausfluchtsmöglichkeiten bieten. Und spätestens nach der <link nc/details-topstory/article/neven-dumont-antwortet-niggemeier_100030979.html - external-link-new-window "Opens external link in new window"><b>Erklärung, die Konstantin Neven DuMont auf MEEDIA-Anfrage abgab</b></link>, ist auch klar, dass hier kein ominöser Hacker am Werke war, der dem Konzernerben Schaden zufügen wollte. Zwei ihm bekannte Personen seien für die anonymen Kommentare verantwortlich: &quot;Sie hatten Zugang zu meinem Rechner. Im Nachhinein war das natürlich ein Fehler.&quot; Und: &quot;Ich habe sie darum gebeten, keine weiteren Einträge unter meiner Mailadresse zu veröffentlichen.&quot;
Ist es wirklich so gewesen? Dagegen spricht die teilweise frappierende Übereinstimmung von Formulierungen in &quot;offiziellen&quot; Web-Kommentaren Neven DuMonts mit denen der anonymen Postings. Ein weiteres Indiz aus eigener Erfahrung: Am 3. September ging es bei MEEDIA um ein Interview mit Konstantin Neven DuMont. Dabei äußerte dieser den Wunsch, dass das Gespräch mit Fernsehkameras aufgezeichnet werden solle und begründete dies so: &quot;Dann hätten auch lesefaule Menschen etwas davon.&quot;
 In der folgenden Nacht, um 0:03 Uhr, <link http://www.stefan-niggemeier.de/blog/ein-sandkasten-fuer-konstantin-neven-dumont/#comment-138427 - external-link-new-window "Opens external link in new window"><b>notierte</b></link> im Blog von Stefan Niggemeier ein anonymer Schreiber (&quot;Medienjournalist&quot;) unter der E-Mail und von der IP-Adresse Neven DuMonts: &quot;Im Januar 2010 führte Georg Altrogge (MEEDIA) ein Interview mit Neven  DuMont durch. Heute einigten sie sich auf ein Gegeninterview. Diesmal  wird das Ganze von einer Kamera aufgezeichnet. Lesemuffel sollen  ebenfalls erreicht werden.&quot; Merkwürdig: Weder hatte ich dem TV-Interview zugestimmt, noch den Vorschlag DuMonts irgendjemandem zur Kenntnis gebracht.
&quot;Lesefaule&quot; und &quot;Lesemuffel&quot; – soll das tatsächlich zwei verschiedenen Personen fast gleichzeitig in den Kopf gekommen sein? Noch verwirrender wird die Sache, dass die anonymen Einträge mit der angeblichen &quot;Enttarnung&quot; der anonymen Verfasser durch den Verlegersohn nicht aufhörten. Auch am Montagabend gab es mehrere neue Kommentare unter der Mail- und IP-Adresse von Konstantin Neven DuMont. Die FAZ schreibt darüber: &quot;Ihr unbekannter Verfasser schlüpfte dabei in die Rolle von DuMonts Kindern.&quot;
Als MEEDIA am Dienstag Konstantin Neven DuMont per Mail u.a. mit der Frage konfrontierte, ob es sich bei den ominösen Account-Nutzern um Menschen aus dem persönlichen statt dem beruflichen Umfeld handele, kam keine Antwort mehr. Eine Unternehmenssprecherin teilte unter Bezug auf die Anfrage mit: &quot;Herr DuMont ist im Urlaub, und er will Ihre Fragen nicht beantworten.&quot; Bei &quot;Konstantingate&quot; (Turi2) gibt es viele offene Fragen, und der Verlegersohn wird sie zumindest intern aufklären müssen. Ob er will oder nicht. ]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Wed, 20 Oct 2010 09:15:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
	</channel>
</rss>