Für viele ist der ARD-Experte Ranga Yogeshwar dieser Tage ein Leuchtturm in der Flut von Information über die Ereignisse in Japan. Spiegel Online nannte Yogeshwar ein "Ein-Mann-Kompetenzzentrum", das "eine Art Singsang der Vernunft" liefere. Doch der Journalist pflegt seit Jahren enge Beziehungen zur Kraftwerksbranche. Yogeshwar rechtfertigt gegenüber MEEDIA seine Tätigkeit für die Atomindustrie: "Meine Position in Sachen Kernenergie ist seit 25 Jahren unverändert kritisch."
In den Jahren 2007 und 2008 engagierte E.ON Yogeshwar als Moderator für den E.ON Future Award, bei dem auch das CDU-geführte Bundesforschungsministerium aktiv ist. Im Jahr 2008 war Yogeshwar nicht nur Moderator, sondern auch Gastredner. Außerdem moderierte Yogeshwar, der gleich bei sechs Redneragenturen gelistet ist, den E.ON International Research Award 2008. Yogeshwar teilte mit, im letzten Jahr auch an "einer Strategiesitzung von E.ON zum Thema Energie" teilgenommen zu haben. Er sei "dankbar" für die Gelegenheit gewesen, auch hier seine "Position sehr deutlich zu artikulieren."
E.ON betreibt vier der derzeit acht in Deutschland betriebenen Atomkraftwerke. Im Vorfeld der Strategiesitzung habe er seine "Kollegen beim WDR darüber informiert", sagt Yogeshwar. "Ich bin und bleibe unabhängig in meiner Position." Yogeshwar führt als Argument eine Folge der Talksendung "Maybrit Illner" aus dem Jahr 2009 an. Dort habe er "neben dem Umweltminister und dem EON-Vorstand an der Runde" teilgenommen und sich "sehr klar gegen Kernenergie" ausgesprochen. "Des Weiteren gibt es viele TV-Sendungen ('Quarks & Co') und Talkshows, in denen ich diese Position beharrlich vertrete", so Yogeshwar.
Im Januar 2009 hat Yogeshwar außerdem die Verleihung des Innovationspreises der deutschen Wirtschaft moderiert. Ein Teil des Preises wurde vom AKW-Betreiber EnBW gestiftet, bei der Veranstaltung gab es auch eine eigene EnBW-Lounge. "Meine Position in Sachen Kernenergie ist seit 25 Jahren unverändert kritisch, wobei ich mit konkreten Argumenten vorgehe, die oft auch von anderen Fachleuten geteilt werden", stellt der ARD-Wissenschaftsexperte gegenüber MEEDIA klar.
Allerdings wurde Yogeshwar vor einigen Jahren auch für ThyssenKrupp tätig. ThyssenKrupp baut an Kernkraftwerken mit und ist zur Zeit am Bau des finnischen AKW Olkiluoto, bei dem es Pannen gab, beteiligt. Im Juli forderte der ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz längere Laufzeiten für Atomkraftwerke, im August war er einer von 40 Personen, die den "Energiepolitischen Appell" mitunterzeichneten. In einer „Anzeigen-Sonderveröffentlichung“ aus dem Jahr 2004 heißt es: "Der bekannte Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar ist an allen drei Tagen mit einer eigenen Show im IdeenPark" in der Arena Auf Schalke, der Teil der ThyssenKrupp-Initiative "Zukunft Technik entdecken" ist. Damals nahm Yogeshwar auch an einer "IdeenPark Show" mit "Kindern und Eltern aus der ThyssenKrupp Image-Kampagne" teil.
Im Juni soll Yogeshwar für den Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. eine Veranstaltung moderieren, auf der Angela Merkel eine Keynote hält. Yogeshwar soll dort ein Gespräch mit dem Chef des Kraftwerksbauers Siemens, Peter Löscher, führen. Die Äußerungen des Wissenschaftserklärers in der ARD könnten für den ein oder anderen Zweifel an der Ausgewogenheit seiner Einschätzungen wecken, auch wenn Yogeshwar in der Vergangenheit mehrfach auch Standpunkte eingenommen hat, die der Atomenergie kritisch gegenüberstanden.
Vergangenen Dienstag etwa erklärte Yogeshwar im ARD-Brennpunkt reichlich optimistisch, die kurzfristig nach unten zeigende Kurve der Strahlungsbelastung in der Umgebung von Fukushima zeige, dass man alles im Griff habe. Ein am vergangenen Donnerstag auf tagesschau.de veröffentlichter Artikel über die Lage in Fukushima mit dem Titel "Letztes Aufgebot oder sinnvolle Taktik?" zitierte ebenfalls einen äußerst optimistischen Yogeshwar: "ARD-Experte Ranga Yogeshwar bezeichnete die Lage am AKW Fukushima gegenüber tagesschau.de dagegen als 'nicht ausweglos'. Die nun eingeleiteten Maßnahmen seien 'in Ordnung'". Dabei schrieb die ARD selbst im gleichen Artikel, dass die "Lage am AKW Fukushima außer Kontrolle" sei und eine Kernschmelze drohe.
In der Sendung "Anne Will" vom 13. März hielt es Yogeshwar für möglich, dass sich in sechs Wochen schon wieder Menschen in der Gegend des Reaktors in Fukushima ansiedeln würden. In einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit dem Berliner Kurier sprach Yogeshwar dann von einem Sarkophag und davon, dass die Gegend um das AKW Fukushima überwacht werden müsse. Auf Anfrage erklärte Yogeshwar nun, am Tag der Sendung "Anne Will" sei es "noch nicht zu einer großflächigen Kontamination mit radioaktiven Spaltprodukten gekommen." Nach einer genauen Prüfung der jeweiligen Ortsdosis sei "auch heute noch vorstellbar, dass viele Menschen in ihre Häuser zurückkehren können. Wie groß der Radius einer zukünftigen Sperrzone sein wird, kann ich nicht sagen, da hierfür genaue Messdaten erstellt werden müssen. Das unmittelbare Areal der Anlage wird hingegen sehr aufwändig saniert werden müssen."
Im Dezember 2008 moderierte Yogeshwar die Verleihung des Minerva-Preises, ein Preis, den Yogeshwar 2006 auch selbst erhielt, an den Physiker Peter Grünberg vom Forschungszentrums Jülich. In dem Forschungszentrum steht ein alter Hochtemperaturreaktor. Dieser ist nach einer Studie eines Kernenergie-Experten, der jahrelang in Jülich gearbeitet hat, ebenfalls nur knapp an einer Katastrophe vorbeigeschlittert. Das Öko-Institut hat den Reaktor als einen der "problematischsten Reaktoren weltweit" eingestuft. Nach Angaben der Alumni des Forschungszentrum Jülich führte Yogeshwar selbst rund "drei Jahre lang" Experimente an einem anderen Forschungsreaktor des Forschungszentrums durch. "An die Zeit denkt er gerne zurück", so die Alumni. Diese schreibt, seit der Gründung hätten im Forschungszentrum Jülich gestandene Forscher und hoffnungsvolle Nachwuchswissenschaftler gearbeitet, der "Physiknobelpreisträger Peter Grünberg", dessen Preisverleihung Yogeshwar moderierte, "Burckhard Bergmann, E.ON-Vorstandsmitglied, oder der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar" seien nur einige Beispiele. "Die Verbindungen nach Jülich hat er nie abreißen lassen", schreibt die Alumni über Yogeshwar.
Yogeshwar selbst sieht seine Nähe zum Forschungszentrum Jülich als Vorteil: "Meine konkrete Erfahrung während meiner Arbeit am Forschungsreaktor war in den letzten Tagen sehr hilfreich, da mir die Kenntnis von Prozessen der Reaktorphysik bei der Einordnung der Ereignisse sehr half. In dem Zusammenhang habe ich übrigens auch viele ehemalige Kollegen konsultiert um die Lage in Japan besser bewerten zu können." In einer Publikation lobt das Forschungszentrum den ARD-Mann: "Ranga Yogeshwar macht sich stets für das Forschungszentrum stark, auch gegenüber der Politik". Auf Anfrage bestritt Yogeshwar, sich als Lobbyist für das Forschungszentrum stark gemacht zu haben.
Yogeshwar erklärte, er sehe im Zusammenhang mit seinen diversen Tätigkeiten für die Atomindustrie "keinen Interessenkonflikt", zumal er "seit vielen Jahren eine kritische Position in Sachen Kernenergie einnehme, welche sich auch in vielen Sendungen widerspiegelt". Beim E.ON-Forschungspreis würden Universitäten und Forschungsinstitute gefördert, die sich um die Entwicklung von alternativen Energien bemühen.
Letzte Kommentare
24.02.12 14:06
christoph pauli Web-Site
hallo gideon rugay,
ich kann mich deiner meinung nur zu 100% anschließen. ich empfinde das genauso.
solange die kinder seine sendung quarks&co. toll finden ist es ja noch o.k., aber als erwachsener sollte man dieser person eher skeptisch sein!
zweifel sind ausdrücklich erlaubt...
06.05.11 21:32
Ruth Gerheimer
Habe vor ein Paar Wochen schon mal diesen Käse hier gelesen und bin jetzt noch mal hierhin zurück, nachdem ich vor ein paar Tagen die Quarks und Co. Sendung zu Tschernobyl und Fukushima gesehen habe und dann an diese Seite hier denken musste.
Wenn man bedenkt, dass das Material hauptsächlich schon für die Sendung zum 25ten Jahrestag der Tschernobylkatastrophe vorbereitet wurde, hört wie kritisch Yogeshwar die ganze Sache berichtet und dann zuletzt mit ein Plädoyer für eine neue Energiepolitik schließt, dann sollte auch dem verquarztesten Hirn klar werden, was für ein Unfug dieser konstruierte Skandal hier ist.
Also schämen Sie sich Herr Oppong!
Achso, die hervorragende Sendung kann man auch hier nochmal nachsehen:
http://medien.wdr.de/m/1303840800/quarks/wdr_fernsehen_quarks_und_co_20110426.mp4
- - - -
An Jana Keller
Also das war mal eine gelunge Satire auf die Argumentationsstruktur von Oppong und den anderen Yogeshwar-Kritikern. Ich musste herzlich Lachen.
20.04.11 21:57
Jana Keller Web-Site
Leider ist Yogeshwar nicht wirklich objektiv, was sich auch einem weiteren Detail zeigt.
Tabak nimmt die radioaktiven Substanzen aus der Luft sehr gut auf. So gut, dass er sich als Luftfilter eignet. So sind im Tabak - und damit auch im Zigarettenrauch - beispielsweise Polonium und Plutonium enthalten. Diese Substanzen werden beim Rauchen inhaliert und gelangen in die Lunge. Die dabei aufgenommene Radioaktivität entspricht im Jahr einer Strahlendosis von 250-mal Röntgen. Diese Radioaktivität im Tabak ist dafür verantwortlich, dass 90 bis 95 Prozent aller Lungenkrebsfälle durch das Rauchen verursacht werden.
Das alles weiß auch Ranga Yogeshwar. Aber er äußert sich dazu nicht öffentlich. Nicht nur, weil er selbst raucht und dadurch seine Objektivität beeinträchtigt ist. Nein, er pflegt auch gute Beziehungen zur Tabakindustrie - unter anderem zur Körber-Stiftung, die als Alleininhaber des weltgrößten Zigarettenmaschinenherstellers Hauni AG 90 Prozent der Weltproduktion an Zigaretten abdeckt.
Ist es also wirklich nur Zufall, dass Yogeshwar das Thema Radioaktivität im Zusammenhang mit Rauchen und Tabak ganz einfach "vergisst"...?
31.03.11 14:48
Arnold Nuehm
@Mechthild Rogers
Sie schrieben:
"Herr Yogeshwar hat seine Kampangne bei Anne Will am 12.3. gestartet, was offenbar wurde als er forderte, man dürfe seriöserweise Dekontaminationstrupps nicht bei ihrer Strahlenmess-Tätigkeit fotografieren, weil sie vermummt sind, was ja wohl der Situation nicht angemessen sei."
Ihre Darstellung der Aussagen Yogeshwars ist nachweislich falsch. Hier ist das Video der Anne Will Sendung vom 13.3 (am 12. gab es keine):
http://daserste.ndr.de/annewill/videos/annewill2773.html
Die Stelle, die sie wohl meinen, liegt bei 19:55.
Yogeshwar sagt nicht, dass die "Vermummung" der Situation nicht angemessen sei. Er kritisiert, dass die Bilder von Strahlenschutzteams in Schutzbekleidung, die die Bevölkerung mit Geigerzählern ausmessen, suggerieren, dass die Bevölkerung verstrahlt worden wäre. Im Speziellen geht er auf das vielgezeigte Bild eines kleinen Jungen ein. Tatsächlich gäbe es bisher aber nur Angaben über neun Personen, bei denen eine "erhöhte Dosis" gefunden worden sei, was dann von den Medien als "verstrahlt" kolportiert werde. Dass Sie wiederum von "Dekontaminationstrupps" sprechen, suggeriert ebenfalls fälschlicher Weise, dass große Anteile der Bevölkerung von strahlendem Material befreit werden mussten.
Anbetracht der Tatsache, dass die Lage und der Informationsstand am 13. völlig andere waren als heute, ist Yogeschwars Einschätzung hingegen einfach nur sachlich korrekt und seinen Wunsch das Ausmaß der Katastrophe nicht noch dramatischer darzustellen, als es tatsächlich schon ist, finde ich nur redlich.
Und im Übrigen, wann wäre es Ihnen denn genehm gewesen, dass Herr Yogeshwar über die kritische Situation in den Abklingbecken berichtet? Bevor die Situation überhaupt bekannt wurde, oder lieber zu einem Zeitpunkt, an dem Yogeshwar überhaupt nicht auf Sendung war?
Und bevor ich jetzt auch als Atom-Lobbyist verschrieen werde: Ich bin für die Abschaltung aller Atomkraftwerke, vielleicht mit Ausnahme weniger Kleinreaktoren zur Bereitstellung von Stoffen für die Nuklearmedizin und Ähnlichem, und denke, dass nicht nur die Laufzeitverlängerung rückgängig gemacht werden sollte, sondern, dass der Ausstieg sogar schneller durchführbar ist, als einst von Rot-Grün vorgesehen.
31.03.11 12:31
Mechthild Rogers
Verschwörungstheorien aufzustellen ist hier kaum angebracht und auch gar nicht nötig, denn an ihren Früchten kann man auch die Berichterstatter erkennen.
Ich meine, es ist inzwischen gut belegbar, dass Herr Yogeschwar in der Summe seiner Darstellungen zum Atom-Unfalls einseitig auswählt, was er mit vereinfachenden Worten als "Lage" hinstellen will. Seine von ihm selbst als kritische Haltung herausgestellten Ansagen betreffen überwiegend Nebenkriegsschauplätze, die allseits als "gut beherrschbar" gelten.
Herr Yogeshwar hat seine Kampangne bei Anne Will am 12.3. gestartet, was offenbar wurde als er forderte, man dürfe seriöserweise Dekontaminationstrupps nicht bei ihrer Strahlenmess-Tätigkeit fotografieren, weil sie vermummt sind, was ja wohl der Situation nicht angemessen sei. Bis heute versucht er sich unter dem Deckmantel unsicherer Informationsquellen an der Begriffsvernebelung und Gefahren-Verharmlosung.
Als ein von vielen Beispiel mag hier seine Verwendung des Begriffs "Super-GAU" dienen. So etwas ist laut Yogeshwar erst dann eingetreten, wenn es so schlimm oder schlimmer wie in Tschernobyl wird. "Das wäre dann der SuperGau" sagte er kürzlich erst zum Szenario des kompletten Versagens des Reaktorschutzbehälters, die Tatsache ignorierend, dass es beim Wort GAU um eine der wenigen klar definierten Begriffe handelt, die nicht von Informationen aus Japan abhängen: Der "größte anzunehmende Unfall" ist von der Kernindustrie erfunden worden als eine Sammlung von Szenarien, die technisch ohne weiteres beherrscht werden können - der GAU ist der "Auslegungsstörfall", den man im Griff hat.
Quellen für die Definition des Wortes GAU gibt es genug, die sich hier einig sind. Obwohl amtliche Fachexperten wie Herr Renneberg dies frühzeitig klarstellten und es inzwischen auch für Laien offensichtlich ist, dass die planmäßige Störfallbehandlung in Daiichi nach 55 Minuten endete mit dem Totalausfall aller Notstromaggregateund damit den Beginn eines Super-GAUs einleutete, hat der ARD-Wissenschaftsjournalist mit jedem Tag die Grenzwerte für das Eintreten einer Super-GAUs hochgesetzt, so dass er bis heute nicht erreicht werden konnte.
Ähnliche Nachweise für Yogeshwars Manipulationsversuche finden sich auch bei seinem Umgang mit den Worten "Kernschmelze" und "Kettenreaktion". Die "Abklingbecken" genannten Nass-Zwischenlager für Atommüll, die nach der Explosion des Daches ungeschützt im Freien lagen, kamen - obwohl für jemand mit seiner Vorbildung unmittelbar als hochkritisch zu erkennen - in Yogeshwars Darstellung erst vor, als das längst in aller Munde war. Bis dahin hat er das Bewässern der Ruinen von außen tagelang auf allen Kanälen erfolgreich als Versuch verkauft, die innere Hülle des Reaktorkerns von außen zu kühlen.
Wer hat ihm denn diese ganzen Bären aufgebunden ?
Das bleibt hier im Bereich der Spekulation. Viel klarer ist jedoch die Frage zu beantworten, wem die einer öffentlich-rechtlichen Aufgabenstellung nicht adäquate Handlungsweise nützt.