Rund 25 Millionen Euro hat der geplante Sprung aus 36 Kilometern Höhe von Felix Baumgartner den Getränkehersteller Red Bull mittlerweile gekostet. Und doch war der abgebrochene Start am Mittwochabend das Beste, was dem Medienimperium des Dietrich Mateschitz passieren konnte. Spätestens jetzt ist die Aktion in aller Munde, das Interesse im Netz war enorm: über 340 Millionen Videoabrufe (!) konnte das Video-Angebot allein auf YouTube generieren. Der Launch eines globalen Senders der Österreicher rückt näher.
Erwartete man von der Live-Übertragung der Stratos-Mission, dem Sprung aus rund 36 Kilometern Höhe, eine Red-Bull-Roadshow, war man zumindest im Live-Stream von ServusTV, dem Sender für die Alpen-Donau-Region, angenehm überrascht. Der Sender überzeugte ohne sensationslüsterne Moderationen, sondern mit seriöser, beinahe im Stile öffentlich-rechtlicher Berichterstattung von der AirForce-Base in Roswell, New Mexico, und komplettierte die Live-Berichterstattung mit hochkarätigen Experten im Salzburger Studio.

TV-Experten im Studio: Ulrich Walter (li.), Clemens Lothaller (re.) mit iPad
Tatsächlich lieferten Prof. Dr. Ulrich Walter, selbst D-2-Astronaut und Diplom-Physiker an der Technischen Elite-Universität München, zusammen mit dem Arzt Dr. Clemens Lothaller und dem Moderator Andreas Gröbl einen hervorragenden Job ab. Technische Fragen von Zuschauern wurden ohne Geschwafel auf den Punkt beantwortet und dennoch für unwissende Zuschauer verständlich erklärt. Das war nicht Dokutainment, sondern Bildungsfernsehen im besten Sinne. Ohne High-Tech-Studio, dafür mit gut gemachten Animationen und einem iPad als Zeichenbrett konnte auch auch wirklich jeder verstehen, warum das Unterfangen des Extremsportlers Baumgartner der pure Wahnsinn ist. Parallel besuchten 780.000 User die Online Seite von ServusTV und verfolgten dort live das Geschehen. Online wurden hier über den gesamten Tag bis zu 604.000 Videos abgerufen. Die Live-Sendung holte in Österreich 157.000 Zuschauer ab 12 Jahren und sorgte für einen Marktanteil von 14,4 Prozent. Gegen 19.30 Uhr erreichte ServusTV in der Zielgruppe 12-49 sogar 19,2 Prozent Marktanteil.
So verwundert es kaum, dass das Thema am Mittwoch auch die sozialen Medien weltweit beschäftigte. “Felix Baumgartner” und “Red Bull Stratos” lagen über etliche Stunden in den globalen Twitter-Trends auf den vorderen Rängen, Baumgartner selbst gewann rund 120.000 Facebook-Fans dazu, der Live-Stream auf YouTube erreichte über 300 Millionen Videoabrufe. Zum Vergleich: Während der Olympischen Spiele 2012 gab YouTube nach eigenen Angaben rund 231 Millionen Live-Streams aus. Damit dürfte dem Team von Red Bull also noch ein weiterer Rekord gelungen sein.
Ein Grund für den Erfolg dürfte auch die Tatsache sein, dass sich Red Bull und seine Tochter ServusTV für das Event aller verfügbaren Kanäle bedienten. Sicherte der Live-Stream über YouTube schon eine enorme Reichweite, wurden die Vorbereitungen seitens Servus TV mit gut gemachter Fernsehberichterstattung ergänzt, “Feld-Reporter” Andreas Jäger bloggte aus Roswell, das globale Marketingmagazin “Red Bulletin” mit einer Auflage von rund fünf Millionen Exemplaren plus iPad-Leser, brachte monatliche Specials.
Eine Multi-Kanal-Strategie, die aufging. Vor allem für Gründer Dietrich Mateschitz, der allem Anschein nach einen globalen TV-Sender plant. Mit dieser Aktion dürfte der 68-Jährige der Welt bewiesen haben, dass Red Bull das Zeug zur weltweiten Medienmarke hat. Dank der sozialen Medien ist Red Bull dieser Tage in aller Munde. Wer die Übertragung aufmerksam verfolgt hat, der wird auch in den nächsten Tagen dranbleiben. Der nächste Starttermin ist für Donnnerstag angesetzt. Dann dürften die Abrufzahlen für den kleinen Alpensender und auf den vielen Red-Bull-Kanälen einmal mehr in die Höhe schnellen.
Letzte Kommentare
11.10.12 07:28
Christian Maertin
@ Skep Tisch,
es ist ein riesige (und hochprofessionelle) PR-Schlacht, die Red Bull da für Red Bull veranstaltet.
Herr Mateschitz zeigt da gerade auf bislang einzigartige Weise, wie man aus einem simplen Brausehersteller eine weltweit bekannte Medienmarke macht. Es geht also hier gerade nur um eines: Red Bull.
Insofern halte ich es für einigermaßen normal, dass in einem Bericht, der sich mit der Vermarktungsstrategie dieses Konzerns beschäftigt auch ein paar Mal der Name auftaucht.
Vielleicht nehmen Sie sich das mal zum Vorbild und nennen Ihren eigenen auch. ;-)
10.10.12 17:02
Marcel Dierig
Wünschen wir dem Baumgartner viel Glück:
Diese Kamera hat es zumindest schonmal in die Stratosphäre geschafft:
http://www.youtube.com/watch?v=bQ0Ha2p8GjI
10.10.12 14:09
Skep Tisch
Lieber Herr Disselhoff,
Sie haben mich falsch verstanden. Es geht nicht darum, daß man nicht darüber berichten sollte. Das habe ich gar nicht behauptet, schon gar nicht Ihnen vorgeworfen. Es geht auch gar nicht darum, daß das Getränk genannt wird. Es geht schlicht darum, daß in einem Artikel dieser Länge zehnmal der Unternehmensname fällt (damit der Hersteller- und gleichzeitig der Markenname, worauf Sie jetzt auch noch einmal selbst hinweisen...). Zwar in unterschiedlichen Zusammensetzungen, aber er fällt. Das wäre nicht nötig gewesen. Denn das ist etwa sieben- bis achtmal zuviel.
Ich habe nicht behauptet, daß der Artikel Werbung ist. Ich habe nur bemerkt, daß es so "ein wenig" nach PR röche. Tut mir leid, daß das bei Ihnen wie ein Vorwurf ankam.
Ich weiß aber, daß Online-Artikel darauf angewiesen sind, durch Stichworttreffer gefunden zu werden. Also ist es ein Dilemma: Oft den Namen nennen, aber trotzdem nicht PR schreiben. Doch besonders im letzten Absatz klappte das nicht. Das fällt dem geübten Auge auf, seien Sie mir nicht böse.
Sehen Sie es als konstruktive Kritik an und mir nach, daß ich Anführungszeichen benutzt habe.
10.10.12 13:22
Eric Schneider
Also man kann ja über Red Bull und den Herrn Mateschitz denken was man will, fest steht, dass er die letzten Jahrzehnte dafür gesorgt hat, dass Extremsportler ihren Sport auch ordentlich und mediengerecht ausführen können (in der Regel kostet das nämlich einen echten Haufen Kohle). Er unterstützt diese Leute derart, und sei es nur durch Sponsoring, dass diese Randgruppensportarten, die teilweise extrem verrückt sind, auch dem Otto-Normal-Verbraucher zugänglich werden - und die findens in der Regel cool, geil usw.
Dass sich das dann positiv auf seine Marke auswirkt sei ihm doch in der Tat vergönnt. Die angesprochen 25 Mio Euro sind dabei eher Kleingeld, wenn man die Höhe des Red Bull Werbeetat kennt - nicht zu bezahlen ist sowieso der positive Imagegewinn seitens dem Flügelverleiher.
Also bitteschön - weiter so.
10.10.12 13:10
Felix Disselhoff
Servus, Herr Skep Tisch. Es ist ein Medien-Event, Mateschitz ein Medienmacher. Warum also nicht darüber berichten? Von Werbung kann hier nicht die Rede sein. Nebenbei finde ich solch einen Vorwurf unhaltbar. Die Wertungen bezogen sich auf die Leistung der geladenen TV-Experten und die immensen Abrufzahlen, nicht auf das Getränk Red Bull, von dem hier nicht einmal die Rede ist