Wer in den vergangenen Jahren über Gaby Köster berichten wollte, rief schnell Anwälte auf den Plan. Die unterdrückten Berichte über eine mögliche Krankheit des früheren RTL-Comedy-Stars mit Unterlassungsverfügungen und juristischen Drohungen. Nun ist alles anders: Gaby Köster, so scheint es, will ins Rampenlicht zurück. Kommende Woche ist die 49-Jährige laut Kölner Stadt-Anzeiger gleich in zwei TV-Sendungen zu Gast, um ihr Buch "Ein Schnupfen hätte auch gereicht - Meine zweite Chance" zu promoten.
Kräftiges Trommeln für eine Buchveröffentlichung ist nichts Ungewöhnliches, und doch hat die Rückkehr der offenbar über Jahre schwer erkrankten Kabarettistin einen seltsamen Beigeschmack. Wenn all das über lange Zeit als Privatsache geschützt wurde, warum soll nun plötzlich und quasi auf Knopfdruck alles wieder von öffentlichem Interesse sein?
Der Fall Gaby Köster erinnert an den Fall Monica Lierhaus: Lange Zeit war unklar, an welcher Krankheit die Sportmoderatorin litt. Den Medien wurde durch juristische Schritte ein Maulkorb verpasst. Niemand sollte über das Schicksal von Lierhaus berichten und wer es doch tat, wurde verklagt. Die Hamburger Morgenpost musste wegen ihrer detaillierten Berichterstattung über Lierhaus Krankheit und Rehabilitation ein Schmerzensgeld in Höhe von 25.000 Euro zahlen, zuzüglich Anwalts- und Prozesskosten. Ein Strafverfahren gegen einen Reporter der Zeitung wegen illegaler Informationsbeschaffung im behandelnden Universitätsklinikum Eppendorf war ergebnislos eingestellt worden.
Dass eine womöglich sehr schwere Erkrankung von Gaby Köster nicht verschwiegen werden konnte, lag daran, dass die Kabarettistin 2008 ihre Tour unterbrechen musste und auch die Ankündigung, diese im Herbst fortzusetzen, nicht einhalten konnte. Danach war nichts mehr von Köster zu sehen, hören oder lesen. Das Management sagte alle Termine ab. Der Gesundheitszustand der Kölnerin wurde verschwiegen. Gegen die Bild-Zeitung wurden zwei einstweilige Verfügungen erwirkt, weil das Springer-Blatt über den Krankenhausaufenthalt berichtete. Die Anwälte von Köster ermahnten die Medien von einer entsprechenden Berichterstattung Abstand zu nehmen.
Auch der Presserat beschäftigte sich mit dem Fall Köster. Die Zeitschrift die aktuelle hatte verkündet, dass Gaby Köster angeblich im Rollstuhl sitze. Sieben Ausgaben später vermeldete der WAZ-Titel "ein Wunder", weil der Comedy-Star wieder laufen könne. In Verbindung mit dem "traurigen Fotobeweis" sprach der Presserat eine öffentliche Rüge wegen der Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte aus. "Körperliche und psychische Erkrankungen oder Schäden fallen grundsätzlich in die Geheimsphäre des Betroffenen. Mit Rücksicht auf ihn und seine Angehörigen soll die Presse in solchen Fällen auf Namensnennungen und Bild verzichten und abwertende Bezeichnungen der Krankheit oder der Krankenanstalt, auch wenn sie im Volksmund anzutreffen sind, vermeiden", hieß es in der Begründung.
Im vergangenen Jahr trat Köster dann zum ersten Mal wieder in der Öffentlichkeit auf. Die Kabarettistin kam zu einer Theaterpremiere nach Düsseldorf, sprach dort auch mit einer Journalistin der Rheinischen Post darüber, dass es ihr wieder gut gehe. Doch auch der Bericht über den offensichtlichen Heilungsprozess wurde von Kösters Anwälten nicht geduldet. Auch MEEDIA hatte darüber berichtet und wurde aufgefordert, die Meldung von der Seite zu nehmen. Zur Begründung hieß es damals, dass Gaby Köster durch ihre Bühnenabstinenz keine Person des öffentlichen Interesses mehr sei.
Dass Köster nun ein Buch auf den Markt bringt und dieses nach Informationen des Kölner Stadt-Anzeigers bei "stern TV" (7.9), "Kölner Treff" (9.9), "Volle Kanne" (12.9), "Tietjen & Hirschausen" (16.9) und "Riverboat" (11.11.) promotet, dürfte zumindest bei den Medien für Verwunderung und Diskussionen sorgen, die zuvor Unterlassungserklärungen im Zusammenhang mit der Krankheit Kösters abgegeben haben. Und mancher wird sich fragen, ob die juristische Unterdrückung der Berichterstattung nicht vor allem dazu gedient haben könnte, die Ware Information in dieser Sache über einen langen Zeitraum künstlich zu verknappen, damit anschließend der Aufmerksamkeits- wie Vermarktungswert der Story umso größer ist.
Letzte Kommentare
27.09.11 15:22
J N
Ist zwar schon länger her und wird jetzt vermutlich kaum noch jemand lesen, trotzdem: Interessant ist hier auch, wie sogenannte Fans reagieren.
Solange Informationen erhältlich sind, ist alles gut, man kann ja mitleiden. Wenn sich jemand aber abschottet, kippt plötzlich die Stimmung und die angeblichen Fans werden nahezu aggressiv.
Ähnliches ist im Fußball zu beobachten. Gerade jene, die sich als große Fans ansehen, reagieren persönlich beleidigt, wenn die "Scheiß Millionäre" mal längere Zeit zu wenig leisten.
13.09.11 14:04
Sven Döring
Meine Meinung zu diesem "Artikel" versuche ich erst gar nicht zu formulieren. Müsste ich mich dazu auf ein Niveau begeben, das unter meiner Würde liegt? Müsste ich mit dem Versuch gegen geltendes Recht verstoßen? Offene (lesen Sie: rhetorische) Fragen sind ein so schönes und perfides Mittel...
Erschreckender jedoch, als den Artikel an sich, finde ich die Kommentatoren, die sich hier unter diesem Artikel sammeln. Meine Negative Meinung zum Wesen "Mensch" bestätigt sich mit jeder Zeile, die ich hier lese.
Nehmen wir mal das Beispiel einer Argumentation eines "ehemaligen Fans": Gaby Köster "hat Fans, die ihr die finanzielle Sicherheit ermöglicht haben, gerade diesen Menschen wäre sie verpflichtet gewesen, eine Erklärung zu geben."
Wirklich? Hat sie eine Verpflichtung diesen sogenannten Fans gegenüber?
Was genau ist denn passiert in dem Augenblick, in dem Geld der Fans geflossen ist?
Gaby Köster war eine Dienstleisterin. Sie bot, ähnlich einem Friseur, oder einer Autowerkstatt, etwas an, für das offensichtlich andere Menschen bereit waren Geld zu bezahlen. Also muss diese Dienstleistung in deren Augen einen entsprechenden Wert gehabt haben. Ein Geschäft wurde abgeschlossen und die "Ware" wurde übergeben (eine gute Zeit, viele Lacher, Endorphin-Ausschüttung, et al.).
Wieso sollten die Kunden der Dienstleisterin nun ein Anrecht darauf haben, in die intimsten(!) Bereiche des Lebens einer Gaby Köster blicken zu dürfen. Wieso hat diese Dienstleisterin kein Anrecht auf ihre ureigenste Menschenwürde? Die, nebenbei bemerkt, laut unserem Grundgesetz... naja Sie wissen schon... unantastbar... und so...
Mein Fazit:
1: Die Menschen, die sich Fan nennen und hier in dieser Art und Weise kommentieren, sind für mich nicht besser, als die Autorin dieses Textes. Das, was Menschlichkeit ausmacht, haben sie, wie auch ein großer Teil der sogenannten "Journalie" längst verlernt.
2: Schon die PI (Page Impression, also der Klick auf den Artikel = die Währung, mit der Werbeeinnahmen im Internet berechnet werden) für M**dia, wäre unter normalen Umständen schon eine PI zu viel. Ich würde mich schämen, dass ich sie dem Verlag hinter dieser Veröffentlichung geschenkt habe. Zum Glück war mit dieser PI vielleicht eine kleine "Steigerung" für das Ego der Schreiberin verbunden. Einnahmen für M**dia wusste mein Adblocker zu verhindern.
13.09.11 12:02
Anja Seidemann
Ich war vorher kein Köster-Fan. Ich fand sie "nur" gut. Ich freue mich, dass sie sich auf dem Wege der Besserung befindet und hoffe für sie, dass es weiter vorangeht. Ich habe großen respekt davor, dass sie es trotz Erkrankung geschafft hat nicht nur Pressemarionette zu werden. Und jeder kennt das. Gib den Klatschheinies den kleinen Finger, die nehmen deinen Körper und deine Seele. Daher gab es sicher auch kein Statement. Wer das nicht verstehen kann, ist sicher ein Mensch bei dem es nicht weh tut, wenn der nicht mehr in der eigenen Sphäre rumschwirrt. Ich streiche solche Gehirnamputierten auch aus meinem Leben. Ich war bisher nie in einem Programm von ihr. Aber sollte sie doch den Weg zur Bühne zurück gehen - Frau Köster ich werde kommen. Ich zolle ihnen meinen Respekt...
08.09.11 19:51
Dirk Neumeister
@Anna West:
Ihre Welt scheint entweder schwarz
"der empörten Autorin dieses Machwerks "
oder weiß
"den wunderbaren Artikel von Stefan Niggemeier"
Wie schön für Sie!
08.09.11 15:46
Anna West
Ich empfehle der empörten Autorin dieses Machwerks den wunderbaren Artikel von Stefan Niggemeier: http://www.stefan-niggemeier.de/blog/gaby-koster-und-der-seltsame-beigeschmack/
Ich zitiere da einmal drei Sätze, die Sie sich vielleicht hinter die Ohren schreiben wollen:
"Es scheint für diese beleidigten Journalisten unmöglich, die Wahrheit zu akzeptieren: Gaby Köster darf selbst entscheiden, wann und wie sie die Öffentlichkeit über eine Erkrankung informiert."
"Es ist, auch wenn sie eine Person der Öffentlichkeit war, wenigstens bei etwas so Intimem wie einer Krankheit: ihr Leben. Es gehört nicht “Bild”, nicht ihren Fans und schon gar nicht “Meedia”."
Niggemeier hat recht, wenn er sagt, dass niemand die Medien zwingt, jetzt für Gabi Kösters Buch die Werbetrommel zu rühren. Insofern seien sie doch einfach konsequent und meiden Sie das Thema. Das wäre jedenfalls die bessere Alternative zum demonstrativen "Jetzt bin ich aber beleidigt."
Vielleicht sollten Sie sich den Pressekodex doch noch einmal ganz genau durchlesen, bevor Sie weitere Artikel verfassen. Das Verinnerlichen des Pressekodexes ist meiner Meinung nach Grundvoraussetzung für das Verfassen von journalistischen Texten: http://www.presserat.info/inhalt/der-pressekodex/pressekodex/richtlinien-zu-ziffer-8.html
"Körperliche und psychische Erkrankungen oder Schäden fallen grundsätzlich in die Geheimsphäre des Betroffenen."
Ich gehe nicht davon aus, dass Frau Köster, während sie selbst schwerkrank im Krankenhaus lag, die Berichterstattung hat untersagen lassen, weil sie ganz genau gewusst hat, dass sie ein Buch schreiben will. Nein, die gute Frau wollte einfach nur ihre Ruhe, wie es ihr Recht ist. Oder will einer der hier Mitlesenden seine Krankengeschichte und Gerüchte in der Bild-Zeitung lesen, während er um sein Leben kämpft? Nein? Auch sie nicht, Frau Lübbers? Ja sowas aber auch.