Anfang Juli will sich der Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer einem Streitgespräch mit Spiegel-Redakteur Markus Grill für das Netzwerk Recherche stellen, berichtet Kai-Hinrich Renner im Abendblatt. Einer fühlt sich jetzt düpiert: Christoph Lütgert, der in drei ARD-Reportagen über die fragwürdigen Methoden des Finanzoptimierers AWD und seinen Firmenchef berichtete. Nur ohne ihn will Maschmeyer bei der Jahrestagung auftreten. Lütgert droht jetzt mit dem Austritt, falls er nicht miteinbezogen werde.
Seit Anfang des Jahres haben der NDR-Reporter und der Finanzunternehmer eine ganz besondere Beziehung zueinander. Anfang Januar lief im Ersten der Film “Der Drückerkönig und die Politik”. Es ging es um Carsten Maschmeyer, den Gründer des Finanzdienstleisters AWD. Der Film beleuchtet kritisch die Arbeitsweise von AWD und legt Maschmeyers Beziehungen zu Politikern wie Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundespräsident Christian Wulff offen. Maschmeyer hatte über Medienanwalt Matthias Prinz gewaltige Mittel in Bewegung gesetzt, um die Ausstrahlung zu behindern. Ohne Erfolg. Im Gegenteil: Lütgert legte nach.
Im März brachte der NDR einen Nachdreh zur Doku: "Neues vom Drückerkönig". Lütgert und sein Team berichteten über eine interne Liste des Finanzdienstleisters, die bei rund 30.000 Anlegern eine Fehlberatung beweisen sollte. Maschmeyer hatte die Journalisten seit Januar mit Unterstellungen überzogen, was die Rechercheure "nicht auf sich sitzen lassen" wollen, sagte Lütgert gegenüber NDR.de. Bis dato schlugen alle Versuche Lütgerts, Maschmeyer zu einer Stellungnahme zu bewegen, fehl.
Umso größer scheint der Verdruß darüber zu sein, dass sich Maschmeyer nun den Fragen von Markus Grill stellen will. Vor allem, weil Grill ursprünglich ein Streitgespräch zwischen Lütgert und Maschmeyer vorgeschlagen hatte, dieser aber abgelehnt hatte. Wie Renner berichtet, konnte Maschmeyer sich aber vorstellen, ohne Lütgerts Teilnahme Rede und Antwort zu stehen.
Lütgert hält es für unverantwortlich, dass sich das Netzwerk Recherche die Bedingungen von einem Mann wie Maschmeyer diktieren ließe, so Renner weiter. Wenn es dabei bleibe, sehe er sich gezwungen, aus dem Verein auszutreten.
Letzte Kommentare
19.05.11 20:22
dr. strangelove
Lütgert wird es am Ende noch schaffen, Michael Moore an Peinlichkeit zu überbieten...
19.05.11 13:59
Jana Schulz
Super Artikel, da fiel mir passend zu Lütgerts Verhaltensweisen noch folgender ein, den ich irgendwann mal gelesen und im Netz wieder gefunden habe.
Gruß,
Jana
"Panorama-Reporter Christoph Lütgert Unter dem Unstern
KOLUMNE VON Georg Löwisch
Der Panorama-Reporter Christoph Lütgert macht Filme über die miesen Seiten der Mächtigen. Über den “Drückerkönig” Carsten Maschmeyer. Über die Atommüllvergangenheit von Angela Merkel.
In manchen Filmen ist NDR-Mann Christoph Lütgert selbst zu sehen, wie er versucht, die Mächtigen zu stellen. Spontaninterview, Überfallkamera. Frau Bundeskanzlerin! Morsleben! Sie schüttelt ihn ab. In der nächsten Einstellung zeigt die Kamera Christoph Lütgert wütend und traurig, aus seinem Mund fährt ein Laut, der wie “So!” klingt. Aber vielleicht auch wie “Sau”.
Der Panorama-Reporter Lütgert kommt gut damit klar, sich unbeliebt zu machen. Mir fällt das schwer. Als Journalist muss man zu Veranstaltungen, wo man nicht hingehört. Hinterher schreibt man Unfreundliches über Menschen, die einem vertraut haben.
Christoph Lütgert arbeitet für “Panorama”. Das ARD-Magazin feiert Ende Mai 50. Geburtstag. Im Grunde hat sich die Panorama-Redaktion fünfzig Jahre lang unbeliebt gemacht. “Es schwebt ein Unstern über der Sendung Panorama”, zitieren sie Franz Josef Strauß auf der Einladungskarte zu ihrer Geburtstagsparty. Die Panorama-Redakteure haben keine Probleme mit ihrer Unbeliebtheit. Wie machen sie das?
Christoph Lütgert meldet sich am Telefon aus einem Ferienhaus in Dänemark. Vor seiner Abreise hat NDR-Reporter Lütgert noch mal dafür gesorgt, dass ihn Schröder, Steinmeier und Maschmeyer garantiert noch weniger leiden können. Stört ihn das nicht?
“Das wird ja mit Liebe ausgeglichen.” Mit Zuschauerpost, mit Mails, mit Einladungen. Ärger der Mächtigen gegen Zuneigung der Bürger – und schon traut man sich einfach alles? Sogar die Überfallkamera?
“Das ist mir unangenehm. Da hinzugehen, wo man nicht eingeladen ist. Da klopft mir das Herz.” Ich denke: So sensibel wirst du schon nicht sein. Stelle eine Suggestivfrage zur Berliner Bussi-Gesellschaft, wo Politiker mit Journalisten kuscheln. Findet der NDR-Mann Christoph Lütgert bestimmt grauenhaft.
Stattdessen erzählt Lütgert, wie er früher gern mit Schröder beim Italiener war und mit Johannes Rau im Urlaub. “Es war immer mein Traum, Sprecher zu werden.” Pressesprecher? Genau. Ich stutze. Lütgert redet weiter, als wollte er sich bei mir in Misskredit bringen. Als wollte der Panorama-Reporter im Dienste des NDR bloß nicht der große, alte, vorbildliche Journalist sein. Christoph Lütgert ruft ins Telefon, dass ihn auch die Werbebranche immer gereizt habe. Dass er Journalistenrabatte abgreife, wo er sie kriegen könne. “Schreiben Sie, dass ich klein, untersetzt und glatzköpfig bin.”
Großartig."
15.05.11 22:09
Ulrich Schulze
Lütgerts eher peinliche Versuche, mit Maschmeier irgendwie ins Gesprüch zu kommen und die fatalen Ergebniss zu zeigen, sind das Eine. Zu Schröders Kanzlerzeiten, das stimmt wohl, haben sich die sonst so aufklärerischen Blätter still verhalten und manchmal von der Kampa geschwärmt. Maschmeyer kann man, glaube ich, keine fünf Euro anvertrauen. Aber skurill ist jetzt, wie sich das Netzwerk Recherche gibt. Netzwerk sicher. Recherche? Wo? Nein, mir scheint Herr Grill vom Spiegel will nicht Maschmeyer grillen, er sucht ein Stellpult. Na denn.
15.05.11 11:04
Peter Wütend
Wo waren denn die Öffentlich-Rechtlichen Heldenaufklärer, als Schröder noch Bundeskanzler war?
Wären die rund 8 Milliarden Euro pro Jahr für ARD/ZDF usw. gut angelegtes Geld, dann wäre doch niemand auf schlechte Finanzberater hereingefallen, oder?
14.05.11 17:29
Felix Disselhoff
Der Vertipper ist geändert