Es ist nur ein Stimmungsbild, aber es zeigt eine eindeutige Tendenz: In einer ersten n-tv-Umfrage erklärten bis 10:00 Uhr 83 Prozent, dass sie das Kachelmann-Urteil für gerecht halten. Lediglich 17 Prozent antworteten auf die Frage mit "nein". Damit spiegelt die nicht repräsentative Umfrage des Nachrichtensenders auch recht genau die Stimmung unter den Prozessbeobachtern wider. Die meisten anwesenden Gerichtsreporter waren sich einig, dass die Beweislage kaum für einen Freispruch ausreichen würde.
Um neun Uhr am heutigen Dienstag verkündete das Landgericht in Mannheim, dass der Wettermoderator das Gericht als freier Mann verlassen kann, weil die Richter es nicht als ausreichend erwiesen ansahen, dass der 52-Jährige seine ehemalige Lebensgefährtin mit einem Messer bedroht und vergewaltigt hat.
Die im Saal anwesenden Zuschauer applaudierten zum Teil. Mit dem Freispruch endet einer der spektakulärsten deutschen Prozesse der vergangen Jahre. Bereits vor über einem Jahr, am 9. Februar 2010, wurde der Schweizer verhaftet, als er von den Olympischen Winterspielen in Vancouver zurückkehrte, die er für die ARD kommentierte. Anschließend saß er insgesamt 132 Tage in Untersuchungshaft in Mannheim.
Letzte Kommentare
01.06.11 09:56
Ulrich Schulze
Wie kann man ein Urteil begrüssen, wie zum ihm "Guten Tag" sagen? Die Rolle von Bunte, Bild, Zeit und Spiegel - die wird nicht bewertet, aber sie hat dem Ganzen den üblen Gestank der Parteinahme der Medien gegeben, ausgerechnet die beiden Hamburger Blätter haben gesudelt - peinlich. In Memoriam Hans-Joachim Friedrichs. Das Gericht konnte zum Schluß gar nicht mehr anders als in dubio pro reo zu entscheiden. Gleichwohl hat es den Rummel mit inszenniert. Der Prozess hätte nach drei Verhandlungstagen und ohne die Gutachtermeute beendet sein können. Da wäre auch Schwennchen nicht zum Zug gekommen, was für das Rechtsempfinden durchschnbittlich gebildeter Menschen von Vorteil gewesen wäre. Verlierer? Alle. Einer wird zum Schluß gewinnen: JK. Die ARD läßt kein Fettnäpfchen aus . . .
31.05.11 16:32
R. Wendt
Wichtiger als den Verschreiber finde ich die Tatsache der 83 %. Das können ja nicht alles Männer gewesen sein. Die Leute auf der Strasse, von deren Meinung die Jurisprudenz ja gar nichts hält, haben ein viel feineres Gespür als die Mannheimer Justiz dafür, dass zu einer 10-jährigen sexuellen Beziehung, für wie abseitig man diese im vorliegenden Fall auch halten will, immer zwei Menschen gehören. Zehn Jahre sind 3650 Tage und ausgerechnet am 3651. Tag ist das Spiel Vergewaltigung? Das Opfer muss einen sehr guten Eindruck - oder nennen wir es auch Sympathie - gemacht haben, um dem LG Mannheim und der Staatsanwaltschaft vermeintlichen Ruhm einzufahren. Jetzt ist der Schuss gründlich nach hinten losgegangen. Wer dämlicherweise noch an Gründlichkeit und gar Gerechtigkeit der Justiz geglaubt hat, ist enttäuscht. Wer die Justiz - Staatsanwälte, Richter und Verteidiger - bereits kennengelernt hat, den überrascht alles kaum. Vorurteile, Korruption, Inkompetenz, Verschleierung, Kungelei, Verdunkelung, Versteckspiel hinter Prozessordnungen, blankes Unwissen, Gefälligkeits- und Beliebigkeitsurteile, das ist die traurige Realität unserer Justiz, was in Mannheim zu beweisen war.
31.05.11 11:09
Jan-Bernd Meyer
moin, moin,
kleine Verständnisfrage als alter Korinthenkacker:
Muss es im Vorspann nicht heißen: "Die meisten anwesenden Gerichtsreporter waren sich einig, dass die Beweislage kaum für einen SCHULDspruch ausreichen würde?
31.05.11 10:44
Jeder Mann
"...dass die Beweislage kaum für einen Freispruch ausreichen würde"? Meinten Sie nicht vielleicht das Gegenteil?