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Die Köpfe des NDR-Medienmagazins "Zapp" im Gespräch

"Jeder Journalist tut sich mit Kritik schwer"

Sie fristen ein Nischendasein, und doch werden sie gefürchtet: Die Macher des NDR-Medienmagazins "Zapp". "Journalisten sind so groß im Austeilen, aber so ganz schlecht im Einstecken", sagt Redaktionsleiterin Julia Stein. Nach Ausstrahlung der Sendung stapeln sich bei Abteilungsleiter Steffen Eßbach die Beschwerden. Im MEEDIA-Interview sprechen beide über die Schwierigkeit, das eigene Haus zum Thema zu machen, den Relaunch des Web-Auftritts und sagen, warum "Zapp" eigentlich in die ARD gehört.

Was muss eine "Zapp"-Sendung enthalten?

Stein: Sie muss ohne Fehler sein, sie muss aktuell und relevant sein. Im Idealfall ist auch ein investigativer Beitrag darin, wobei ich bei dem Umgang mit dem Wort investigativ immer sehr vorsichtig bin, weil es geradezu inflationär eingesetzt wird. Investigativ heißt ja auch "gegen Widerstände", etwas wirklich Neues zu recherchieren. Das kriegt man einfach nur ganz selten hin.

Eßbach: Mir liegt außerdem am Herzen, dass wir immer wieder über Journalistenkollegen berichten, die schon ein oder zwei Länder weiter um Pressefreiheit kämpfen und sogar um ihr Leben bangen müssen. Wir hoffen, dass es sie schützt und ihnen nützt.

 

Wie viel Arbeit steckt in einer Sendung?

Stein: Sehr viel. Es geht nicht ohne Selbstausbeutung und ein Team hervorragender Autoren. Alle ziehen mit, alle bringen sich ein. Wir haben einen Rhythmus, wo alle erstmal von montags bis mittwochs massiv arbeiten. Zum Ende der Woche geht es dann darum, die Themen auf den Weg zu bringen, die nicht so brandaktuell sind, aber genauso relevant.

 

Im Sommer 2010 hat sich die Redaktion breiter aufgestellt. Nun gibt es einen Abteilungsleiter und eine Redaktionsleiterin. Warum?

Eßbach: "Zapp" und "Extra 3" sind Sendungen, die für Wirbel, Aufregung und Spannung sowie Diskussion sorgen sollen. Doch gleichzeitig sollen, wenn diese ausgelöst werden, diese Dinge, wie beispielsweise juristische Aufforderungen, nicht in die Redaktionsabläufe durchdringen und die nächste Sendung lähmen oder behindern. Daher haben wir uns breiter aufgestellt, wobei ich als Abteilungsleiter für "Zapp" und "Extra 3" zuständig bin und Julia Stein die "Zapp"-Redaktion leitet.

Stein: Insofern habe ich das Privileg – unbeirrt von Störfeuer jeder Art -, mich auf die Sendung zu konzentrieren. In der Abgrenzung ist es meine Aufgabe,  Woche für Woche  Druck auf den Kessel zu bringen. Die aktuellen Stücke entstehen von montags bis mittwochs nicht wie von Geisterhand, sondern durch viel Arbeit. Es muss ein gewisser Druck erzeugt werden, damit diese Beiträge überhaupt ans Ziel kommen. Darauf bin ich konzentriert.

 

Für welchen Zuschauer ist "Zapp" eigentlich?

Stein: "Zapp" sendet für jeden, weil es ein Fernsehformat ist. Deshalb muss es auch das Ziel haben, für jeden interessant zu sein. Nichtsdestotrotz ist es eine Nische, in der man nicht groß Quote machen kann. Das sagt aber ja nichts darüber aus, dass es eigentlich jeden  interessieren könnte. Das ist gerade die Herausforderung, jeden Stoff - auch komplizierte - populär zu machen. Denn jeder konsumiert Medien und insofern ist es auch für jeden relevant, sich mit ihren Fehlern, ihren Mechanismen und ihrer Wirkung zu befassen.

Eßbach: Unsere Zuschauer sind mit durchschnittlich 58 Jahren etwas jünger als der NDR-Durchschnitt. Wir haben eine Spezial-Gruppe unter den Zuschauern: die so genannten Berufsorientierten...

 

... womit Journalisten gemeint sind.

Stein: Natürlich interessieren sich auch viele Journalisten für "Zapp". Wir merken aber anhand vielfältiger Reaktionen, dass die Sendung nicht nur Journalisten anspricht. Der Marktanteil ist an sich zu klein, um sich auf eine Zielgruppe zu beschränken.

 

Trotzdem hat man doch eine bestimmte Vorstellung von seiner Zielgruppe.

Stein: Wenn wir uns einen typischen Zuschauer zurecht schnitzen würden, nach dem wir uns dann ausschließlich richten, würde "Zapp" nicht funktionieren, denke ich. Wir müssen schon auch selbst immer davon überzeugt sein, was wir gerade machen, wie wir es machen und warum wir es für wichtig halten. Nicht, weil wir die Sendung womöglich für uns selbst machen, sondern weil sie nur dann glaubwürdig sein kann.

Eßbach: Gleichzeitig können wir auch auf der Klaviatur des NDR spielen, weil es in diesem Haus auch die ARD-Zulieferung gibt, die die "Tagesschau" oder "Tagesthemen" beliefern oder das "Morgenmagazin". Wir haben beispielsweise vor kurzem einen Beitrag über "ProPublica“ gemacht, den wir dann an das "Nachtmagazin" weitergegeben haben, oder einen Erklär-Beitrag über Wikileaks für das "Mittagsmagazin". Es gibt eine rege Nachfrage nach unseren Beiträgen, obwohl wir ein Fachmagazin sind. Und das wollen wir in Zukunft noch weiter ausbauen.

 

Aktualität in eine Sendung einzubringen, die nur wöchentlich läuft, ist natürlich schwierig. Wünscht man sich dann nicht, dass man die Geschichten online weiter begleiten könnte?

Stein: Wir können jederzeit die Geschichten begleiten. Wir haben ja einen verhältnismäßig aufwändigen Internet-Auftritt, haben einen interaktiven Player, ZAPPplus, wo die Sendungen und die kompletten Interviews abrufbar sind. Und wir haben einen Blog.

Eßbach: Im Sommer wollen wir diesen Auftritt umbauen, um auch in der Zeit, wenn "Zapp" wegen der Fußball-WM nicht stattfindet, immer ein, zwei Themen auf der Seite zu haben. Diese sollen die Medien-Berichterstattung weitertreiben, auch wenn es die eigentliche Fernsehsendung nicht gibt.

 

Wie ist allgemein die Resonanz auf ihren Online-Auftritt?

Eßbach: Direkt nach der Sendung und am Tag danach sind die Zugriffszahlen am höchsten. Am Anfang der Woche schauen die Leute dann mal drauf, um zu sehen, was es für Themen gibt. Internet-Aktivitäten sind wichtig.  Und bei "Zapp" und "Extra 3" sind wir in dem Bereich weit vorne. Das sind die Sendungen, die die jungen Leute interessieren, die die Sendungen in Echtzeit um 23 Uhr nicht gucken. Das teilt sich genauso auf , wie bei allen anderen Sendungen: Die einen schauen es traditionell im Fernsehen, die anderen am nächsten Tag im Netz.

 

Wie sieht ihre Online-Strategie konkret aus?

Eßbach: Im Sommer wollen wir alles neu machen. Es soll einen neu gestalteten Internetauftritt geben. Es soll eine Kommentarfunktion zu den einzelnen Beiträgen geben, weil wir gemerkt haben, dass die Leute gern um die einzelnen Beiträge herum diskutieren. Sie sollen dies dann auch direkt unter dem Beitrag tun können und nicht mehr nur in unserem Blog. Außerdem wollen wir was Neues ausprobieren, indem wir einen Gastkommentar auf die Seite bringen, der auch mal aus der Redaktion stammen kann. Darin können mal die Nöte beschrieben werden, mit denen wir an Themen bzw. Recherchen rangehen. Wir wollen das unseren Usern mitteilen, damit sie auch merken, dass hier Menschen am Werk sind und keine Automaten oder Experten-Schnösel. Auch daran kann dann eine Diskussion entfacht werden. Wir erhoffen uns auch darüber das eine oder andere Thema zu finden.

Stein: Es geht uns dabei auch darum, dass wir unseren Online-Auftritt selber aktiver nutzen und uns zu Wort melden wollen. Wir möchten uns künftig mehr in dem Bereich engagieren mit kleinen Geschichten, mit Meinungen und mit provokanten Thesen.

 

Was sagt die Branche über Zapp? Wie ist das Feedback?

Stein: Durchaus ermutigend. Man ist ja viel im Gespräch mit den  Kollegen. Nun ist es das eine, was sie uns direkt sagen und das andere, was sie vielleicht hinter dem Rücken über "Zapp" sagen - aber so ist die Branche. Es kommen immer noch viele Themenvorschläge bei uns an...

Eßbach: Ich war vor Kurzem auf dem Message-Kongress in Leipzig und da ging es darum: Braucht man Medienjournalismus? Für wen macht man Medienjournalismus? Und: Ist das gut oder schlecht? Da war es im Grunde genommen genauso. Die meisten Kollegen kommen aus der schreibenden Zunft, schreiben für Blogs oder Zeitungen. Sie sind froh, dass es ein Fernsehmagazin über die Branche gibt. In Polen beispielsweise gibt es fast keinen Medienjournalismus, in der Schweiz gibt es ein paar Blogs und ein paar Magazine, in Österreich gibt es kaum etwas. Die Kollegen sind quasi mit uns froh, dass es "Zapp" gibt. Es ist eine sehr gute Zusammenarbeit.

 

Ein Medienmagazin kommt ja nicht ohne Kritik an der eigenen Branche aus. Erinnern Sie sich an einen Beitrag, der - ganz allgemein gesprochen - positive oder negative Folgen nach sich zog?

Stein: Ein Medienmagazin kommt nicht nur ohne Kritik aus, ein Medienmagazin ist Kritik an der eigenen Branche – positiv und negativ. Es geht ja immer um andere Medien und  Kollegen. Insofern steht man auch immer unter Generalverdacht, als wolle man ihnen etwas böses – extern oder intern. Journalisten sind so groß im Austeilen, aber so ganz schlecht im Einstecken. Deshalb wird man als Medienjournalist häufig als Nestbeschmutzer wahrgenommen. Es ist unser Ziel, dass ZAPP Beiträge Folgen haben, etwas bewirken. Beispielsweise die „Nebenverdienste“ - dieser Beitrag hat in der "Zapp"-Geschichte sicher die größten Wellen überhaupt geschlagen – er hat eine wichtige Diskussion angestoßen.

Eßbach: Wir beobachten auch positive Veränderungen. Beispielsweise gibt es nun im NDR einen Verhaltenskodex. Seit März 2010 gibt es klare Regeln, was man annehmen darf als Journalist und was nicht. Aber insgesamt: Es gibt noch viel zu tun für Medienjournalisten.

 

Wie meinen Sie das?

Eßbach: Wir haben zunehmend damit zu kämpfen, mit sehr aggressiv agierenden  Anwälten – sei es, wenn wir über Prominente berichten oder über verschiedene Medien. Da steigen Anwälte sehr stark ein und ziehen sich ganz oft an Bagatellen hoch, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen. Entweder weil sie die Beschwerde mehrmals über den Rundfunkrat spielen oder wir mit Gegendarstellungen und juristischen Feinheiten zu kämpfen haben. Wenn wir uns da nicht breiter aufgestellt hätten, würde das unseren Betrieb lahm legen. Das ist eine Tendenz, die wir mit Sorge beobachten. Wenn sie an den Kern der Berichterstattung nicht rankommen, dann setzen sie eine sehr kurze Frist oder nehmen eine Randbemerkung und setzen die so hoch, dass sie einen Redakteur schon mal einen ganzen Tag beschäftigen kann. Und so gut sind die Redaktionen nicht ausgestattet, dass man sich das leisten könnte.

 

Was ist denn so eine Bagatelle? Können Sie da ein Beispiel nennen?

Eßbach: Wir haben jetzt mit Anwälten zu tun gehabt, die prominente Sportler vertreten und wo im Zusammenhang mit der Berichterstattung uns kaum ein Fehler nachzuweisen war. Da wurde sich an kleinen Randbemerkungen aufgehängt und wir wurden mit Aufforderungen nach Gegendarstellung, Richtigstellung und Schadenersatz überschüttet. Da fragt man sich, ob es bei uns in eine britische Richtung geht. Wo kritische Berichterstattung einfach juristisch platt gemacht wird, weil man es sich dann nicht mehr finanziell oder zeitlich leisten kann.

 

So etwas passiert aber nach der Ausstrahlung. Wurde auch mal versucht, einen Beitrag im Vorfeld zu verhindern?

Eßbach: Es geht nach der Ausstrahlung meistens erst richtig los. Aber sobald sie die Vorschau auf unsere Themen sehen – da kann man dann schon die Ohren anlegen. Meistens treffen die Schreiben am Freitag nach der Sendung ein, weil sie dann über den Intendanten kommen. Die Leute beschäftigen das ganze Haus mit ihrer Beschwerde. Ich lege die Schreiben immer auf die Fensterbank. Das ist ein nicht unerheblicher Teil meiner Arbeit, diesen Stapel zu bearbeiten.

 

Wie steht der Intendant zu ihrer Arbeit?

Eßbach: Zu uns steht er super. Der Intendant hat ein offenes Ohr für uns, wenn wir einen O-Ton oder eine Hintergrundinformation brauchen.

Stein: Die größte Bestätigung ist doch, dass es ZAPP überhaupt gibt. Der NDR ermöglicht und verteidigt diese Sendung,  das gibt einem auch die Sicherheit zum Arbeiten.

 

War das damals bei dem Beitrag über die Nebeneinkünfte auch so?

Stein: Das ist eine Frage an den damaligen Redaktionsleiter Kuno Haberbusch. Der Beitrag hat eine ganze Menge ausgelöst, extern und auch intern. Mich hat es damals überrascht und beeindruckt, dass ZAPP diesen Beitrag ausstrahlen konnte.

 

Tut man sich schwer mit Kritik am eigenen Haus?

Stein: Grundsätzlich denke ich, dass sich jeder Journalist mit Kritik schwer tut. Das liegt in der Natur des Journalisten, der eher daran gewöhnt ist, die anderen zu kritisieren. Die Tatsache aber, dass wir beispielsweise im Fall von Doris Heinze oder auch im Fall des Redakteurs vom Landesfunkhaus Kiel (Gert Rapior, Anm. der Redaktion) groß berichtet haben, belegt, dass das Haus hinter uns steht und auch weiß, dass wir natürlich kritisch gegenüber dem eigenen Haus berichten müssen, sonst wäre ZAPP unglaubwürdig. 

Eßbach: Wir haben in dem Fall Gert Rapior auch jede Unterstützung bekommen. Unser Autor hat sogar aufgrund der Bitten des Landesfunkhauses auch den Beitrag für das Schleswig-Holstein-Magazin gemacht. Da ist der NDR sehr weit nach vorne gegangen. Ich zweifle, ob andere Rundfunkanstalten schon genauso weit sind. Das ist auch eine Wirkung, die unser Medienmagazin nach innen hat. Auch im Fall Heinze hatten wir die Unterstützung des Hauses. Das war eine gute Zusammenarbeit. Wir müssen Geschichten aus dem eigenen Haus genauso behandeln wie alle anderen. Es darf keine Rolle spielen, ob sich dahinter ein öffentlich-rechtlicher oder privater Sender oder auch eine Zeitung, Magazin oder Online-Publikation verbirgt.

 

Gibt es ein Redaktionsstatut bei "Zapp"?

Stein: Das gibt es für den gesamten NDR. Es gibt verbindliche Compliance-Regeln für jeden Mitarbeiter. Für "Zapp" gibt es kein gesondertes Redaktionsstatut.

 

Sie beschäftigen ja auch viele freie Mitarbeiter in der Redaktion. Wie streng sind Sie in Bezug auf ihre weiteren Beschäftigungen? Sind die Mitarbeiter eingeschränkt?

Stein: Nein, es arbeitet aber auch niemand für  PR-Agenturen. Das müssen wir aber nicht vorgeben, das macht keiner, weil derjenige sonst in Interessenskonflikte kommen würde. Häufig kritisieren wir ja, dass eine Vermischung von Journalismus und PR oder eine Kaschierung von PR als Journalismus nicht sein darf. Daran hält sich jeder bei uns.

Eßbach: Wo wir anders damit umgehen würden, wäre, wenn ein Mitarbeiter für den Journalist oder einen Medienblog über seine Arbeit schreibt. Unsere Mitarbeiter arbeiten hier schon jahrelang, sind bestens vernetzt und es wäre eine Schande, wenn wir sie verlieren würden. Sie sind im Grunde genommen eine Bibliothek, ein Adressbuch und ein Telefonbuch in einem. Wir haben viele und gute Mitarbeiter, so dass wir sogar ab und zu mal einen Beitrag im Stehsatz haben, dass wir nicht jede Woche all das versenden müssen, was wir haben. Und da sind wir sehr stolz drauf.

 

Kai Diekmann spricht sehr selten mit "Zapp", auch Stefan Aust gibt dem Medienmagazin kein Statement.

Stein: Es gibt da eine Reihe von Leuten, die nicht mit uns sprechen. Kai Diekmann ist als Bild-Chefredakteur natürlich besonders im Fokus der Öffentlichkeit.

 

Fragt man überhaupt noch nach, ob die Herren etwas sagen möchten?

Stein: Aber selbstverständlich. Jede Woche wieder aufs Neue.

Eßbach: Es gibt auch eine positive Entwicklung. Eine Zeit lang hat auch der MDR nicht mit "Zapp" gesprochen. Das hing mit der Berichterstattung über Jan Ullrich zusammen. Da hatte damals sogar schon Kuno Haberbusch versucht, das zu erläutern und richtig zu stellen. Es lag jahrelang im Argen. Und jetzt haben wir wieder miteinander telefoniert und reden wieder miteinander.

 

Rühmt man sich nicht ein bisschen, wenn jemand wie Kai Diekmann nicht mit "Zapp" spricht?

Stein: Nein, es gibt im Übrigen auch keine vorgefertigten Feindbilder. Selbst BILD-Kollegen sind bei uns ja schon in Beiträgen als Fachkollegen aufgetreten. Es ist nicht so, dass ein Kollege von uns nicht angefragt werden würde, nur weil er von  BILD ist. Kai Diekmann haben wir ja auch angefragt, als er sein Blog gemacht hat, und er hat ZAPP ein Interview gegeben.  Dass  BILD  jede Woche viel liefert, worüber man sich aufregen kann und auch muss, ist unabhängig davon. 

 

In den letzten Jahren gab es auch sonntags Sendeplätze in der ARD. Wie verhält es sich mit den Zuschauerzahlen im Vergleich zum NDR?

Stein: In der ARD läuft "Zapp" besser als im NDR. Die letzte Staffel Ende 2009 lag bei 5,6 Prozent. Das ist besser als die  Durchschnittsquote im NDR, die bei 4,3 Prozent  liegt. 

Eßbach: Der Sendeplatz im Ersten war sozusagen ein Experimentierplatz, der aber trotzdem gut lief. Ich glaube, da sind wir sind uns einig: "Zapp" ist eine Sendung, die eigentlich auch in die ARD gehört. Das merkt man dem Magazin einfach an. Es gibt jede Woche vier oder fünf Themen, die kann man gut bundesweit erzählen. Beispielsweise das Thema über Schäubles Krankheit: Wir haben die Frage gestellt, wie Politiker mit ihrer Krankheit in der Öffentlichkeit umgehen müssen, umgehen können. So ein Beitrag gehört in die ARD.

 

Warum läuft "Zapp" dann nicht im Ersten?

Eßbach: Weil diese Experimentierplätze nur auf Zeit zur Verfügung standen. Wir können es nur immer wieder anbieten und betonen, dass "Zapp" dort sehr gut hinpasst. Ein Medienmagazin im Ersten ist eine tolle Sache. Wir haben damals für uns gemerkt - wir haben zu den Sonntagssendungen ja auch die Sendung am Mittwoch im NDR gemacht - dass es zwar anstrengend, aber auch eine super intensive und gute Zeit für uns war. Wir alle hatten den Eindruck, dass wir am Puls der Zeit sind. Wir hatten wirklich tolle Themen.

Stein: Der Grund ist einfach der, dass es momentan für eine Platzierung von "Zapp" im Ersten keine Mehrheit in der ARD gibt. Dennoch: Die Motivation für eine NDR-Sendung zu arbeiten, ist nicht geringer als für eine ARD-Sendung zu arbeiten. Das vergisst man im Eifer des Gefechts. Da fragt man sich nicht, ob die Sendung nun im Ersten, Zweiten oder Dritten läuft. Dafür sind wir viel zu sehr konzentriert auf die Beiträge.

 

Wie nehmen sie den Journalismus momentan im Allgemeinen war? Leidet die Qualität unter den Sparzwängen?

Stein: Eigentlich merkt man das an allen Ecken und Enden. Immer wieder landet man bei den finanziellen Zwängen. Aber Zeitdruck ist aus meiner Sicht ein ebenso großes Problem und der Grund für wahnsinnig viele Fehler und auch viel Unreflektiertes.

 

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Stein: Das beste Beispiel ist da der Jahreszeiten-Verlag, der nur noch Halbleiter beschäftigt. Ich halte es im Übrigen auch für Gewäsch, wenn Verlage sparen und gleichzeitig beteuern, sie hätten noch nie so viel investigativ recherchiert. Die WAZ hat das beispielsweise gemacht. Aber diese Rechnung geht schlicht nicht auf. Nichtsdestotrotz dürfen es sich Journalisten nicht immer so einfach machen und alles auf die Sparzwänge schieben. Vieles ist auch einfach eine Haltungsfrage.

Christine Lübbers

09.06.2010
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  • 28.07.2010 Diekmanns skurrile Brieffreundschaft

Letzte Kommentare

Anzeige: 1 - 5 von 5

05.04.11 12:03

Jessica Schmidt

Sehr interessanter Artikel, ein Bekannter von mir arbeitet beim Fernsehen und hat mir schon erzählt, wieviel Arbeit teilweise in eine gute Story reingeht. Auf der anderen Seite finde ich auch, dass sich das lohnt, denn gute Stories verbreiten sich dank des Internets heute auch schnell. Jessica vom http://designerparfuem.com/index.html">Marken Parfüm Ratgeber.

11.06.10 18:55

Ein Interviewter

Würde ZAPP Qualitätsjournalismus nicht nur predigen, sondern auch praktizieren, wäre es eine tolle Sendung. Mein Erfahrungsbericht:

Ich hatte einer Zapp-Redakteurin vor längerer Zeit zuerst telefonisch und dann vor Ort im Interview über eine halbe Stunde lang alle Aspekte einer bestimmte Thematik erläutert - nur um dann im gesendeten Beitrag zwei aus dem Zusammenhang gerissene Statements wieder zu finden, die ohne die nötige Begleitinformation ein falsches Bild zeichneten.

Da wurde mir klar, dass die Redakteurin mit einer vorgefassten Meinung und fertigem Skript zu mir kam, um so lange zu drehen, bis sie die zu ihrem Konzept passende Aussage im Kasten hatte.

Gerade für ein Medienmagazin finde ich eine solche Vorgehensweise unwürdig. ZAPP ist öffentlich-rechtlich finanziert, hat einen Bildungsauftrag und nicht die Aufgabe plakativer Aussagen zu Liebe journalistische Seriosität opfern, um Quote zu machen.

Wer seine Zuschauer seriös informieren möchte, der muss auch die Größe haben, die im Rahmen der Recherche gesammelte Informationen gewissenhaft zu verarbeiten und ggf. auch mal eine bequeme vorgefasste These fallen zu lassen - auch auf die Gefahr hin, dass daraus am Ende ein weniger peppiger, weil ausgewogener, Beitrag wird, der das Thema mehrdimensional betrachtet.

10.06.10 21:22

Marcel Michels (VonFernSeher) Web-Site

Ich schaue mir Zapp leider viel seltener an als mir lieb ist; mir fehlt die Zeit. Ich kann aber im Großen und Ganzen der Sendung einen fairen und offenen Stil bescheinigen, auch wenn durch manche An- und Abmoderation unnötige Schärfe in die Diskussion gebracht wurde. In den Beiträgen selbst geht es dort meistens sachlich zu.

Wie bei allem gibt es einige Ausreißer, die aber mit dem Wesen des Journalisten zu erklären sind, das auch im Interview gut durchkommt. Es wird vorschnell geurteilt und so entstehen unzulässige Vermengungen (Nachrichtensprecher sind halt doch keine Abgeordneten, z.B.). Schlimmer als bei anderen Magazinen, ob gedruckt oder gesendet, ist es aber sicherlich nicht.

10.06.10 13:41

Ulrich schulze

Bitte Schreibfehler im Kommentar oben zu entschuldigen.

10.06.10 13:40

Ulrich Schulze

Zapp? Die Selbstgerechtigkeit und Selbstherlichkeit dieses, wie man sagt, Formates ist erstaunlich. Wie die Sendung einst Senait Mehari nach allen Regeln der Vorverurteilunskunst niedermachte, ist unvergessen und es gäbe noch einige Beispiele. Wenn Zapp meint, Journalismus und Autoren kritisch auszuleichten, muss kritischer Journalismus neu erfunden werden. Zapp ist, auf schwäbisch gesagt, kein Format, nicht mal ein Formätle, oder Rähmle, sondern schlicht wichtigtuerisch.

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