Am Donnerstag treffen sich die Ministerpräsidenten, um über die Zukunft der Rundfunkgebühren zu debattieren. Im Jahre 2013 soll eine komplett runderneuerte Gebührenordnung in Kraft treten. Hauptproblem: Die öffentlich-rechtlichen Sender brauchen mehr Geld, weil die Gebühreneinnahmen sinken. Man will die Zuschauer aber auch nicht mit einem offensichtlichen Gebührenschock gegen ARD und ZDF aufbringen. Diskutiert werden mehrere Modelle - von einer allgemeinen Haushaltsabgabe bis hin zur Werbefreiheit.
Würden ARD und ZDF komplett auf Werbung verzichten, so würde das rund 1,50 Euro höhere Rundfunkgebühren bedeuten. Dagegen würde sich, so die Theorie, die Akzeptanz der öffentlich-rechtlichen Sender in der Bevölkerung erhöhen. ARD und ZDF könnten zudem besser gegenüber den Privatsendern argumentieren. Allerdings ist den beiden großen Anstalten nur mit einer geringfügig höheren Gebühr als Ausgleich für den Verzicht auf Werbung nicht geholfen. Unterm Strich nehmen die Sender dann auch nicht mehr ein. Und ARD und ZDF brauchen dringend mehr Geld.
Derzeit streichen die beiden öffentlich-rechtlichen Sende-Anstalten rund 7,6 Mrd. Euro pro Jahr an Gebühren ein. Tendenz sinkend. Der Grund: Wegen der demografischen Entwicklung und der Wirtschaftskrise gibt es immer weniger Gebührenzahler. Es gibt schlicht weniger Erwerbstätige, die Gebühren zahlen und immer mehr lassen sich aus sozialen Gründen von den Rundfunkgebühren befreien. Zudem droht die Abgabe auf internetfähige PCs, die seit Januar 2007 gilt, richterlich gekippt zu werden. Ein Anwalt klagt vor dem Leipziger Bundesverwaltungsgericht dagegen. Einen Verhandlungstermin gibt es aber noch nicht.
Der amtierende ARD-Vorsitzende und SWR-Intendant Peter Boudgoust rechnet mit einem Rückgang bei den Rundfunkgebühren von 15 Prozent in den nächsten zehn Jahren. In der laufenden Gebührenperiode bis 2012 rechnen die Sender mit einem Gebührenrückgang von rund 350 Millionen Euro. Vor diesem Hintergrund scheint es unwahrscheinlich, dass ARD und ZDF auf die Einnahmen aus der Werbung verzichten werden.
Stattdessen dürften die Sender darauf dringen, eine so genannte Haushaltsabgabe einzuführen. Dabei wären die Gebühren nicht länger an die Anzahl der Rundfunkgeräte gekoppelt, sondern würden pro Haushalt erhoben. Wenn dann noch unterstellt wird, dass pro Haushalt mehr als nur einFernseh-, Radiogerät oder internetfähiger PC existieren, ließe sich an der Gebührenschraube drehen und das offiziell noch als Vereinfachung verkaufen.
An die Ausgaben-Seite geht man bei ARD und ZDF dagegen nicht so gerne. Laut "Spiegel" verhandeln die öffentlichen Sender bereits um die Übertragungsrechte der Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine. Geschätzte Rechte-Kosten: rund 110 Mio. Euro.
Letzte Kommentare
23.11.09 21:38
ercan özmen
Ich erlebe grade am eigenen Leib wie GEZ mit alle gewalt meine Fernsehgerät Abmeldun ignoriert,ich werde gezwungen weiter Fernzuschauen damit gebühren weiter kassiert wird.Das ganze Rechtstatliche Grundordnung taugt nichts, wenn man sein Fernsehgerät ohne Anwald nicht Abmelden darf. Das Ergebnis noch offen!Anwälte kosten geld!
28.10.09 10:09
Meinung S. Freiheit
In den ÖRs ist es wie in der Politik: Die Einsicht, daß man nur ausgeben kann, was man hat, ist nicht mehr vorhanden. Und so werden einem abgehalfterten Harald Schmidt Fabelsummen bezahlt, Stäbe und Verwaltungen durchgefüttert, die kaum zu einem hör- oder sichtbaren Produkt beitragen. Hier ließe sich ganz viel Geld sparen, ohne daß eine Minute weniger Programm entstünde.
Und man muß auch mal fragen, ob jeder ARD-Sender vier bis fünf Hörfunkprogramme senden muß, zusätzlich noch Deutschlandfunk und Deutschlandradio senden müssen und ARD und ZDF digitale Spartenkanäle noch und nöcher brauchen.
Wenn die Herrschaften wollten, kämen die mit ihrem Etat locker hin.
27.10.09 14:35
H R
Wie wäre es mit einem weiteren Modell:
FREIER WETTBEWERB.
GEZ-Gebühren sind eigentlich schon seit mindestens 20 Jahren überholt. Wieder so ein Koloss aus alten Zeiten, bei dem die Verantwortlichen einfach nicht konsequent genug sind, das Ganze komplett abzuschaffen. "Versorgungsauftrag"? Viele Sendungen liegen weit unter dem Niveau privater Sender ...
Weniger GEZ-Werbung im Kino könnte übrigens helfen, viel Geld einzusparen!
Also: GEZ abschaffen, ggf. mehr Werbung machen, ggf. einen der beiden Sender (die sich gegenseitig Konkurrenz machen) einstellen, sich innovative Gedanken über die Zukunft machen. Und dabei nicht vergessen, dass Fernsehen in 10 Jahren nichts mehr mit dem Fernsehen von heute zu tun haben wird. Genauso wie der Handel und Versandhandel heute auch nicht mehr mit dem von vor 10 Jahren vergleichbar ist (siehe Quelle bzw. Karstadt). Den nächste Revolution wird das Fernsehen betreffen.
Aber natürlich kann man zukünftig auch noch für jedes halbwegs vernünftige Handy im Haushalt GEZ-Gebühren verlangen ...
27.10.09 14:24
Dirk Habermann
Der letzte Satz ist der entscheidende: Ausgabensituation! Weg mit "me too" Produktionen bei denen von den Privaten abgekupferter Unsinn produziert wird, Gehälter mal prüfen (auch Rentenbezüge) und wäre spannend zu wissen, ob es heute noch ein ZDF braucht (um den Klassiker in der Diskussion zu strapazieren).