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Entertainer kritisiert "degenerierte Mediengesellschaft"

Hape Kerkeling: "Bin eindeutig für Wulff"

Ist er es, oder ist er es nicht? Zehntausende Facebook-Nutzer waren verwirrt, als sich am Donnerstag ein bemerkenswerter Kommentar wie ein Lauffeuer im Social Network verbreitete: ein flammendes Unterstützerschreiben für den angeschlagenen Bundespräsidenten, verfasst ausgerechnet von Hape Kerkeling, der zuvor nie durch politische Bekenntnisse von sich reden gemacht hatte. Viele waren deshalb überzeugt, dass es sich um eine Fälschung handelt. Irrtum, es war Hape selbst.

Das versichern zumindest verlässliche Quellen aus dem Umfeld des Entertainers. Kerkeling hatte wohl am medialen Gewitter Anstoß genommen, das in den letzten Wochen und besonders Tagen über Wulff niederging. Er schreibt um 13.28 Uhr auf seiner Facebook-Seite: "Der Bundespräsident hat in beispielloser Weise die Hosen herunter gelassen oder besser ... lassen müssen!" Dabei, so Kerkeling, sei der "angebliche Skandal um unseren Präsidenten viel mehr ein Skandal unserer maroden und degenerierten Mediengesellschaft."

Hart ins Gericht geht der 47-Jährige mit der Bild-Zeitung, die im Dezember einen umstrittenen Immobilienkredit des Politikers enthüllt und so die Affäre ins Rollen gebracht hatte. "Mal ehrlich, nimmt irgendwer der Bild-Zeitung ernsthaft ab, sie sei an Wahrheit, Anstand und ehrlicher oder gar lupenreiner Aufklärung interessiert?", fragt Kerkeling, um dann festzustellen: "Der Bild geht es nur um so viel Auflage und Skandal wie eben möglich. Ausgerechnet die Bild mutiert nun zum obersten Moralhüter und zum reinen Gewissen der Nation!? ... Die Frage, die sich hier stellt, lautet nicht: Wulff oder ein Neuer, sondern vielmehr: Wulff oder Bild? Wie soll Deutschland in Zukunft aussehen?" Kerkelings Antwort: "Ich bin eindeutig für Wulff!"

Der Entertainer und Erfinder der Satire-Reporterfigur "Horst Schlämmer" findet zwar auch das Verhalten von Wulff ("Zugegeben, der Bundespräsident hat Fehler gemacht...") nicht korrekt, aber er fragt auch: "Darf ein Präsident in diesem Land sauer sein auf boulevardesken Enthüllungsjournalismus und unappetitliche Schnüffelei aus seinem Privatleben? Darf er Mensch bleiben angesichts einer unmenschlichen und gnadenlosen Presse?"

Und wieder gibt Kerkeling die Antwort selbst: "Herr Präsident, bleiben Sie im Amt und vor allem bleiben Sie Mensch!" Etliche Stunden nach dem Posting in der Nacht zum Freitag versicherte Kerkeling seinen Facebook-Freunden: "Ich bleibe dabei und nehme nichts davon zurück. Ich lasse mir nicht den Mund verbieten."

Am Freitagmittag hatte der Kommentar, der von einem Magazin auf seiner Website gepostet wurde, bereits Tausende von Kommentaren.

 

 

red

06.01.2012
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MEEDIA RÜCKBLICK

  • 13.01.2012 Die 15 W-Fragen der taz an den Bild-Chef
  • 10.01.2012 Wg. Wulff? Kerkeling löscht Facebook-Profil

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13.01.12 13:19

Kartoffel Pürree

Der Hape hat absolut RECHT!!! Ich sehe das genauso. Vor allem ist wirklich interessant, dass immer diejenigen am lautesten schreien/jaulen, die es sich am wenisten leisten können. Immer schön mit den Fingern auf andere zeigen, um vom eigenen "Dreck" abzulenken! Mich (als deutsche Bürgerin) interessiert es ehrlich gesagt überhaupt nicht, zu welchen Konditionen Herr Wulff einen Kredit bekommen hat bzw. wieviel Zinsen er darauf zahlt! Ich habe echt andere Sorgen...! Es gibt hier so viel Elend...und wir ziehen uns an so einem Mist hoch...wochenlang/monatelang...mein Gott, wie erbärmlich ist das!!

10.01.12 21:05

Andreas Krömer

Und ihr lieben Mitmenschen glaubt nun tatsächlich, das dieser Kommentar tatsächlich von Hape K. geschrieben wurde, der nun mir nichts dir nichts dabei geht und das ganze einfach so löscht?
meint Ihr nicht auch das gerade ein Hape Kerkeling soviel Rückgrat hat, das offen gegenüber einer Zeitung zu äußern?

Diesen Kommentar hat jeder geschrieben, nicht aber Hape Kerkeling - zumal sich Kerkeling noch nie in politische Dinge eingeschaltet hat. Und warum zum Teufel sollte er seine gesamte Facebook-Seite löschen? Das ist doch Unfug.

10.01.12 17:11

Ana Welge

... na wer an die "reine Wahrheitsliebe" der Bild glaubt, der glaubt auch, daß die Grünen Deutschland "retten" ....

09.01.12 18:58

Peter Ebert

@baa ba
richtig!!! endlich schreibt es mal jemand!!!

@wisslaf
auch nicht falsch. geht halt ech nicht so einer als präsi.

@Rezzo
ruhig brauner ;)

"unmenschliche und gnadenlose" presse ist ja wohl ein bissel übertrieben... :))

peinlich wie viele hier müll verzapfen :P

09.01.12 18:21

Mark Wisslaf

@P. Rezzo

Mein "wahres Interesse" liegt darin in einem Staat mit funktionierenden und adäquat besetzten Institutionen. Ein Bundespräsident sollte, wie bereits erwähnt moralisch unangreifbar sein. Da Herr Wulff seine länger zurück liegenden Verfehlungen jedoch nie ausgeräumt hat und diese jetzt im Amt des Bundespräsidenten vorgeworfen bekommt hat er sich selbst moralisch angreifbar gemacht. Es ist auch nicht hilfreich sich mit - freundlich formuliert - Halbwahrheiten und Relativierungen aus der Affäre helfen zu wollen und Darlehen erst dann in weniger suspekte Formen umzugestalten, wenn die Berichterstattung darüber absehbar wird. Im übrigen habe ich auf die Rechtslage hingewiesen. Die Einhaltung einer mündlichen Vereinbarung können sie gerne erwarten, juristisch gesehen besteht hier aber nur ein Angebot von Seiten der Bank, das erst mit der Unterschrift bindend wird.

Die Funktion des Herrn Wulff als möglichst unproblematscher Präsident der Kanzlerin in Bezug auf die Prüfung von Gesetzen ist denke ich auch relativ unstrittig.
Die Regierung habe ich nicht kritisiert, falls Sie das anders empfinden bitte ich Sie mir die betreffende Textstelle meines Kommentars kenntlich zu machen.
Herr Kerkeling hat selbstredend ebenso wie jeder andere das Recht und sicher auch die Fähigkeit sich bereichernd zu diesem Thema zu äußern. Wenn allerdings eine Person verteidigt wird, weil eine bestimmte Zeitung, gleich welche, sie kritisiert und nicht wegen Argumenten in der Sache, dann halte ich einen solchen Einwand zumindest für unqualifiziert.

Mit freundlichen Grüßen

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