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Wie sich Thomas Gottschalk sein Scheitern schönredet

Gottschalks großspurige Abschiedstour

Bei einem Auftritt an der Humboldt Uni in Berlin, in einem Stern-Porträt und im aktuellen Focus verarbeitet Thomas Gottschalk sein Scheitern mit “Gottschalk Live”. Die Selbstkritik, die er zur Schau trägt, kratzt aber, wenn überhaupt, nur an der Oberfläche. Mal seien Gäste schuld gewesen, mal habe man sein Konzept nicht richtig umgesetzt, mal hat das Publikum nicht kapiert, was er eigentlich wollte. An Gottschalk selbst perlt das Debakel seiner Vorabend-Show scheinbar rückstandslos ab.

Das Interview, das Thomas Gottschalk aktuell dem Focus gab, steht exemplarisch für die Art und Weise, mit der der ehemalige “Wetten dass..?”-Moderator mit seinem Scheitern umgeht. Er habe sich “die Nummer schön geredet”, gibt Gottschalk zu Protokoll und setzt gleich nach: “und war wohl auch eloquent genug, das Konzept der ARD schmackhaft zu machen.“ Was übersetzt wohl soviel heißen soll wie: “Die waren doof genug, den Quatsch zu schlucken.” Es ist schon mehr als eine kleine Portion Hybris, die da zwischen den Zeilen mitschwingt. Bei der ARD dürften sie Gottschalks großspurige Medien-Abschiedstour mit der Faust in der Hosentasche verfolgen.

Sein ursprüngliches Konzept sei nicht umgesetzt worden, sagt er im Focus weiter. Wobei man geneigt ist zu fragen: welches Konzept? Gottschalk wird konkret: Er habe sich zum Geburtstag von Papst Benedikt eine Live-Schaltung zum Heiligen Vater vorgestellt, während Henryk M. Broder und dessen “Deutschland Safari”-Partner Hamed Abdel-Samad bei ihm im Studio hocken. Das sei aber als “zu teuer und kompliziert” abgelehnt worden. Es steht zu befürchten, dass Gottschalk das wirklich glaubt. Die Live-Schalte zum Papst ist natürlich nur nicht zustande gekommen, weil “zu teuer und zu kompliziert”. Der Papst hat in der Wahrnehmung Gottschalks wahrscheinlich schon vor Aufregung mit seinen roten Schläppchen geschart, weil er unbedingt in eine deutsche Vorabend-Show wollte, die kaum einer guckt. Er ist ja auch ein echter Talkshow-Gänger, dieser Papst. Planet Gottschalk.

Gottschalk gesteht durchaus Fehler ein. Aber nur scheinbar. Es sei ein Fehler gewesen, nicht insistiert zu haben, sagte er dem Focus. Mi anderen Worten: Sein Fehler war es, alle anderen nicht von der eigenen Großartigkeit überzeugt zu haben. In einem Stern-Porträt hatte er eine Teilschuld bereits bei seiner jungen und unerfahrenen Redaktion abgeladen. Beim Campus-Talk der Wochenzeitung Die Zeit analysierte Gottschalk im Gespräch mit Chefredakteur Giovanni di Lorenzo vergangene Woche: "Ich war der beliebteste Italiener am Ort und habe dann in der Nebenstrasse einen Sushi-Laden aufgemacht." Nach seiner Lesart hat er also kunstvolle TV-Küche angeboten, die Masse wollte aber lieber hausbackene Pasta und Pizza.

Außerdem habe “man” ihm Gäste eingeladen, die er gar nicht wollte, Karsten Speck z.B. Und was die Einbindung des Internets betrifft: Das hätte man ihm eben besser erklären müssen. Zudem stellte Gottschalk fest, dass im Internet “Nörgler und Mauler” unterwegs seien, die sich einer dumpfen Sprache bedienten. Um Himmelswillen - das konnte “man” ja nun wirklich nicht ahnen!

Wir fassen die Selbst-Analyse à la Thomas Gottschalk zusammen: Die ARD war zu doof, um die Genialität des Konzept zu kapieren. Die Produktionsfirma war zu geizig, eine Live-Schalte zum Papst einzurichten. Die Redaktion war zu nett und zu unerfahren, im Prinzip also auch zu doof. Dem Publikum schmeckte nicht, was er am ARD-Vorabend anrichtete (doof). Und das Internet war auch irgendwie doof. Aber an Thomas Gottschalk, nein, an ihm kann es nun wirklich nicht gelegen haben.

swi

21.05.2012
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MEEDIA RÜCKBLICK

  • 06.06.2012 Gottschalk: Talk-Finale bei Spiegel Online
  • 06.06.2012 Aufstieg und Fall von "Gottschalk Live"
  • 04.06.2012 ARD düpiert Thomas Gottschalk
  • 16.05.2012 Gottschalk: "Titanentum nicht gefährdet"
  • 06.05.2012 ARD: Kein Platz in Fernsehlotterie für Gottschalk
  • 03.05.2012 Gottschalk: neues Konzept, neuer Tiefpunkt
  • 27.04.2012 Gottschalk: Scheitern und Chancen
  • 19.04.2012 “Gottschalk Live”: das Versagen der ARD
  • 18.04.2012 "ARD hat eine Marke zur Maus geschrumpft"
  • 18.04.2012 ARD stellt „Gottschalk Live“ ein
  • 15.04.2012 ARD-Papier stellt "Gottschalk live" in Frage
  • 04.04.2012 Trotz Neustart: Gottschalk mit Minusrekorden
  • 27.03.2012 “Gottschalk Live” macht den Markus Lanz

Letzte Kommentare

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22.05.12 20:17

So Isses


Wenn es gut läuft, kommen die Claquere - läufts schlecht bleibt immer noch Ritter Twitter .

Aber es gibt ja noch schönen Fußball mit Netzer Bayern München und Delling - das gibt Auftrieb :)

22.05.12 18:58

Ritter Twitter

Die Schnapsidee den Papst zu interviewen hatte ich zu keiner Sekunde :)

Was würde Harold Schmidt aus dem OFF dazu sagen :

S C H A D E

Ein rüder Ton fürwar herrschet hiero in dene " Rete Interiore "
Wer den von euch ohne neid und harm sei , werfe den ersten Kohlrabi

22.05.12 18:31

thomas beier

"Lustig war's halt"! ????????????????

Wenn es das gewesen wäre, "Herr Gottschalk", hätten wir alle unseren Spass bekundet, leider aber geben sie das Gegenteil, was auch mit dummen Sprüchen nicht zu kaschieren ist!

22.05.12 16:06

Frederik Weiss

Er hat es „verbockt“ – da helfen weder nicht umgesetzte „Wünsche“, noch irgendwelche Nebengeräusche gegen (für ihn neue?) Kommunikationsformen, wie das Internet. Die ARD hat Gottschalk nicht zu Kultur- und Bildungszwecken engagiert, sondern für bessere ARD-Quoten gegen das -mit mittelmässigen Quoten vor sich hindümpelnde- ZDF-„Nach-heute“-Programm. Das hat nicht funktioniert. Wer Freund eines Gottschalks in „Überlängen-Samstag-Abend-Sendungen“ war, der fängt mit zwei –von Werbung unterbrochenen- konfusen Interviewblöcken gar nichts an! Das haben die ARD-Verantwortlichen, wohl durch die sattsam bekannte Eloquenz Gottschalks, von Anfang an verdrängt. Bände spricht für mich das Verhalten des WDR, der selbst den Aufsichtsgremien der ARD einen Einblick in die Verträge verweigert. Das Ergebnis des Gottschalk-Hypes im ARD-Vorabendprogramm: Eine gefloppte Vorabendsendung, feixende Unterhaltungskollegen, eine Gruppe angekratzter Verantwortlicher beim WDR, ein gedemütigtes ARD-Aufsichtsgremium und nicht zuletzt eine inzwischen sehr übersichtlich gewordene Zuschauerschaft.
Gottschalk bewies: Es ist nicht alles Gold was glänzt. Abstiege von Top-Programmplatzbespielern in Programmplatzniederungen ziehen –ob mit oder ohne Papst- nicht zuverlässig Quoten nach oben.
Wir werden in Kürze beim ZDF erleben, wie der Aufstieg aus beliebigen, durch Selbstverliebtheit und Selbstüberschätzung des Moderators geprägten Quasselrunden in die Samstagabendunterhaltung schiefgehen kann. Dann hat auch das ZDF seinen aktuellen Flop – wenn auch „günstiger“.
Denn eines konnte Gottschalk wie kein anderer: Stundenlang quasseln – und das mit Rekordquoten.

22.05.12 12:44

Thomas Bauer Web-Site

@thomas beier
Tippfehler machen wir ja alle mal, ich sitze da im Glashaus, aber mit einem Satz wie
"Ein Nichtskönner, der Dank von noch dümmeren Personen zum Millionär wurde!"
der hat schon Hohlspiegel-Qualitäten…

@Thomas Gottschalk:
Was bilden Sie sich eigentlich ein, ohne den Segen von Stefan Winterbauer eine Analyse des eigenen Quotenscheiterns zu leisten?
Das ist fast wie Bundespräsident sein wollen ohne den Segen von Kai Dieckmann.
Sie ein Lehrer? Pah! Stefan Winterbauer ist dann mindestens der Oberlehrer - ganz ohne Beratervertrag löst der mal eben selbstlos die Probleme des Ersten:
http://meedia.de/fernsehen/wie-die-ard-talks-besser-werden-koennten/2012/05/22.html
So macht man Analyse.
Chuzpe, Ironie, so was steht nur einem mit Lebensleistung zu.
Also, Herr Gottschalk, seien Sie mal schön still, Sie Selbstdarsteller, Sie talentloser Talentlooser und bedanken sich bei Herrn Beier, dass Sie jetzt wissen was sie sind!
(Ironie Ende, vorsichtshalber angemerkt, man weiß ja nie...)

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