Kaum ein TV-Genre lockt regelmäßig so viele Millionen Leute vor die Fernseher wie die Serien. Während die Privatsender seit Jahren vornehmlich auf US-Ware setzen, sind ARD und ZDF aktiver beim Produzieren von einheimischen Serien. Doch welche sind besonders beliebt? MEEDIA hat die Zuschauerzahlen der vergangenen 12 Monate ausgewertet und präsentiert die Tabelle der 50 populärsten TV-Serien Deutschlands - mit für ARD und ZDF sehr erfreulichen Ergebnissen.
Für unser exklusives Ranking haben wir die Zuschauerzahlen der Zeit zwischen November 2009 und November 2010 analysiert und Durchschnittswerte gebildet. In die Wertung kamen dabei die Zahlen des Gesamtpublikums, da in dieser Auswertung gezigt werden soll, welche Serien die beliebtesten Deutschlands sind - und nicht die beliebtesten einer bestimmten Altersgruppe. Zudem haben wir den Serien-Begriff etwas weiter gefasst. So kamen auch TV-Reihen in die Wertung, wenn in ihnen wiederkehrende Charaktere auftauchen. Sprich: Auch der "Tatort", der "Polizeiruf 110", "Das Traumschiff" und andere Reihen kamen in die Seriencharts. Eine Zugangsbeschränkung gab es noch: In dem Wertungszeitraum mussten mindestens sechs Folgen der Serie oder Reihe ausgestrahlt werden.
Bereits auf den ersten Blick erstaunlich ist die immer noch existente Dominanz der öffentlich-rechtlichen Sender. Während die Privatsender bei Spielfilmen, Shows und anderen Genres längst auf dem Niveau von ARD und ZDF angekommen sind, finden sich auf den ersten 17 Plätzen unserer Serien-Charts ausschließlich Programme der beiden großen öffentlich-rechtlichen Sender. Großer Sieger unserer Analyse ist erwartungsgemäß der "Tatort". 7,80 Mio. Zuschauer haben sich in den vergangenen 12 Monaten für den Sonntags-Krimi entschieden - so viele Zuschauer hat derzeit keine andere TV-Serie oder -Reihe. Direkt dahinter folgt mit ebenfalls mehr als 7 Mio. Sehern "Um Himmels Willen", der große Dienstags-Erfolg der ARD. Auch auf den weiteren drei Plätzen an der Spitze folgen ARD-Programme: Der "Polizeiruf 110", "Tierärztin Dr. Mertens" und "In aller Freundschaft".
Erfolgreichste Nicht-ARD-Serie ist "Das Traumschiff" des ZDF mit 5,87 Mio. Sehern. Die Durchschnitts-Zuschauerzahl des Dauerbrenners wäre noch höher, hätte es nicht ein paar Sommer-Wiederholungen gegeben, die die Werte nach unten gezogen haben. Auf der anderen Seite wäre die Reihe ohne diese Sommer-Wiederholungen gar nicht in die Wertung gekommen, da die Mindestanzahl von sechs Folgen dann nicht erreicht worden wäre. Direkt dahinter folgen der "Traumschiff"-Ableger "Kreuzfahrt ins Glück" und die ARD-Serie "Mord mit Aussicht", die auf ihrem neuen Dienstags-Sendeplatz zum großen Erfolg geworden ist.
Ohnehin dominieren weiterhin Krimis die Serien-Charts. Hinter dem "Tatort", dem "Polizeiruf 110" und "Mord mit Aussicht" folgen allein auf den ersten 25 Plätzen mit "Stubbe", "Der Alte", "Der Kriminalist", "Ein Fall für zwei", "Die Rosenheim-Cops", "Countdown - Die Jagd beginnt", "CSI: Miami", "SOKO Leipzig", "Kommissar Stolberg", "Alarm für Cobra 11", "Küstenwache" und "Siska" 12 weitere Krimi-, bzw. Ermittlerserien. Besonders das ZDF ist weiterhin extrem aktiv in diesem Genre und hat mit "Siska" sogar eine Serie in die Top 25 gebracht, von der seit über zwei Jahren gar keine neuen Episoden mehr produziert werden.
Serien der Privatsender finden sich auf den ersten 25 Rängen nur vier - und die stammen allesamt von RTL. Am populärsten war dabei etwas überraschend "Countdown - Die Jagd beginnt". Mit 4,16 Mio. Zuschauern schob sich die Eigenproduktion sogar vor die US-Hits "CSI: Miami", "Dr. House" und den Action-Klassiker "Alarm für Cobra 11". Allerdings: "Countdown" profitierte ein bisschen davon, dass die Serie nur im fernsehkonsum-starken Winter gezeigt wurde - und nicht wie viele andere Serien auch im Sommer. Wäre die Sommerzeit aus der Wertung gefallen, lägen wohl "CSI: Miami" & Co. davor.
In der zweiten Hälfte des Rankings folgen dann auch Serien von Sat.1. "The Mentalist" findet sich auf Platz 32, "Navy CIS" auf 42 und die beiden erfolgreichen Eigenproduktionen "Danni Lowinski" und "Der letzte Bulle" auf 48 und 50. Doch auch die Ränge 26 bis 50 werden von ARD und ZDF dominiert, insgesamt brachten die beiden Sender 39 Serien und Reihen in die Top 50. Als Seriensender Nummer 1 stellt sich dabei weiterhin das ZDF heraus: 26 der Top-50-Serien laufen bei den Mainzern.
Überhaupt nicht in unserem Ranking platzieren konnten sich andere Privatsender wie ProSieben und Vox. Die beliebteste ProSieben-Serie "Desperate Housewives" findet sich mit 2,48 Mio. Durchschnitts-Zuschauern auf Platz 62, die erfolgreichste Vox-Serie der vergangenen 2 Monate, "Lie to me", mit 2,96 Mio. davor auf Rang 53. Würde man nur das junge Publikum werten, so lägen ProSieben und Vox, aber auch RTL und Sat.1 natürlich deutlich weiter vorn. Genaue Zahlen präsentiert MEEDIA in einigen Tagen in einer gesonderten Analyse. Doch für das Gesamtpublikum gilt ganz klar: Das ZDF ist der deutsche Seriensender Nummer 1, die fünf erfolgreichsten Serien und Reihen laufen aber im Ersten.
Letzte Kommentare
30.11.10 10:49
Mona Hoche
Sorry - aber ich bin auch über 50 ... und ich schaue seit vielen Jahren die Lindenstraße (die leider nur einen schlechten Platz erhielt), gefolgt von GZSZ, das ich auch seit einigen Jahren gucke.
Vom Rest interessiert mich rein gar nix - gibt ja auch noch anderes im Leben und in der TV-Kiste.
Rausrechnen bringt nix - man will ja die Interessen der Gesamtbevölkerung wissen und nicht die Qualität der einzelnen Serie. Was der Pleps im TV glotzt, hat nicht unbedingt mit Qualität zu tun. Insofern wird sich der Bildungsauftrag wohl wieder den Werbequoten beugen.
23.11.10 17:29
Anette Lehmann
@ Ulrike Langer
"Die Liste sähe vor allem bei den Top Ten sicherlich ganz anders aus, wenn man die Generation 50+ herausrechnet. Wahrscheinlich auch schon dann, wenn nur die über 60-Jährigen herausrechnet."
Was ist das denn für eine Argumentation?? ...warum sollten diese denn "herausgerechnet" werden?
Einfach nur diskriminierend!
23.11.10 10:28
erich becker
... leider muss ich mich meinen Vorrednern anschließen. Der Erkenntnisgewinn solch einer "Untersuchung" ist doch anzuzweifeln. Wie schon im Text angemerkt werden saisonale Effekte komplett vernachlässigt. Unstimmigkeiten wie bei Position 11 und 46 (einzige Serie die auf zwei Sendeplätzen unterschiedlich gemessen wird) trübe das Bild zusätzlich. Eine Unterscheidung nach Ziel- und Altersgruppen wäre hervorragend gewesen.
Kurz und knapp mit etwas Mehraufwand hätte dies eine Interessante Untersuchung werden können. Bei diesem gewählten Ansatz ist sie aber kaum zu gebrauchen.
23.11.10 08:12
Ulrike Langer Web-Site
Die Liste sähe vor allem bei den Top Ten sicherlich ganz anders aus, wenn man die Generation 50+ herausrechnet. Wahrscheinlich auch schon dann, wenn nur die über 60-Jährigen herausrechnet.
22.11.10 15:14
M. Nolte Web-Site
Naja, ich weiß allerdings nicht, ob es sonderlich sinnvoll ist, so unterschiedliche Formate wie "Tatort", "Dr. House" oder "Lindenstraße" unter dem - hier reichlich vage definierten - Oberbegriff "TV-Serien" in eine gemeinsame Rangliste zu quetschen. Hier werden Spielfilmreihen munter mit auf sich selbst aufbauenden Halbstundenserien in einen Topf geworfen - das hätte man m.E. besser getrennt voneinander betrachtet.