Als die ARD ihre "Markenchecks" im Januar aus dem WDR Fernsehen ins Erste verschob, sorgten die ersten Ausgaben für eine Quoten-Sensation. Mehr als 6 Mio. Leute sahen den "Lidl-Check", darunter mehr als 2 Mio. 14- bis 49-Jährige. Doch die drei neuesten Ausgaben kamen im Mai längst nicht mehr an diese Zahlen heran. Nutzt sich das Konzept schon ab? Und welches waren bisher die erfolgreichsten Marken, die die ARD gecheckt hat? MEEDIA präsentiert den Check-Check.
Zwölf Markenchecks sendete die ARD seit Januar 2011 im WDR Fernsehen und im Ersten. Schon der "Tchibo-Check" war damals im WDR ein Erfolg, erreichte 1,16 Mio. Menschen. Nach dem einmaligen Test gab es dementsprechend im August 2011 eine Staffel mit vier neuen Ausgaben: Ikea, Ferero, Aral und Aldi. Erwartungsgemäß war Aldi die Nummer 1 der Staffel, doch die Zahlen, die "Der Aldi-Check" am 22. August erreichte, kamen wohl auch für die ARD überraschend: 2,23 Mio. Zuschauer sammelte die Sendung im WDR Fernsehen ein - ein grandioser Marktanteil von 7,7%. Normal sind für den WDR derzeit 2,5%.
Nach dem Erfolg im WDR kam im Januar dann der Sprung ins Erste mit der Premiere Lidl: 6,38 Mio. sahen zu, darunter 2,22 Mio. 14- bis 49-Jährige. Traum-Marktanteile von 18,6% und 16,9%. Im jungen Publikum gab es in der folgenden Woche mit dem "McDonald's Check" sogar noch mehr Zuschauer: 2,24 Mio. sorgten wieder für 16,9%. Während die "Checks" bei den 14- bis 49-Jährigen auch in der dritten Staffel, die am Montag zu Ende ging, ein großer Erfolg waren, ging es im Gesamtpublikum inzwischen sogar unter die 3-Mio.-Marke und auf unbefriedigende Marktanteile von 10,5% herab.
Beenden wird Das Erste die Reihe sicher dennoch nicht, denn konstant zweistellige Marktanteile in der jungen Zielgruppe erreicht der Sender eher selten mit einer Sendung. Auch Marken für die Checks sind noch viele vorhanden. Von populären Supermarktketten über Baumärkte, Lebensmittelmarken oder Kaufhäuser ist hier sicher vieles denkbar. Womöglich sollte man sich bei den künftigen Markenchecks aber etwas vom starren Konzept und Aufbau der Reihe lösen. Unterschiedliche Marken könnten in der Reihe auch unterschiedlich erzählt werden.
Zudem zeigt sich, dass die Checks am besten funktionieren, in denen es um Laden- oder Restaurantketten statt um Produkthersteller geht. In Staffel 1 waren Aldi und Ikea am stärksten, in Staffel 2 Lidl und McDonald's und in Staffel 3 dm. Coca Cola, adidas oder Ferrero blieben hingegen unter dem Durchschnitt. Trotz der rückläufigen Zahlen im Gesamtpublikum: Die ARD-Markenchecks bleiben modernes öffentlich-rechtliches Fernsehen mit einer Idee, auf die sicher auch mancher Privatsender gern gekommen wäre.
Letzte Kommentare
22.05.12 13:17
Anette Rehm Web-Site
Ich hatte gerade bei den Checks zu McDonalds und Coca Cola den Eindruck, dass hier die Meinung und das Ergebnis schon vor den Tests feststanden. Insbesondere bei Coca Cola den Punkt Fairness ausschließlich am Thema "Wasser bei der Colaproduktion in Indien" festzumachen, obwohl in Deutschland produzierte Cola mit deutschem Wasser hergestellt wird, erschien mir sehr weit hergeholt.
Insgesamt aber natürlich ein hochinteressantes Format, mit dem die ARD punktet. Und Verbraucher aufklärt. Und vielleicht den einen oder anderen zum Nachdenken anregt, wie stark Werbung Meinung und Image bildet und Image an Qualität glauben lässt (siehe Wiedererkennen Test-Cola und Adidas-Produkte, die beides nicht die echten waren ...).
22.05.12 12:00
ekim B Web-Site
Da ist der ARD bzw. dem WDR in der Tat ein gelungenes Format geglückt, welches klar belegt, daß das Interesse nach Aufklärung und Hintergrund der Konsumenten immer stärker wird in Zeiten immer direkterer Markenbindung a la Social Networks und eine vermeintlich neutrale Instanz/Kompetenz als Gegenpol an Bedeutung gewinnt. Spannend wäre zu wissen, wie sich die Zahl der Facebook Fans der jeweiligen Marken nach dem Markencheck entwickelt hat und es eine Korrelation zwischen Entwicklung und dem Ergebnis der Sendung gibt.
Schön ist auch der kognitive Werbewirkungseffekt von Marken zu sehen, in zwar nicht repräsentativen
Fallzahlen, aber immerhin in einem konstanten Trend ! WERBUNG WIRKT !
Die Anmerkung des Autors hinsichtlich des Neidfaktors der privaten Sender, sehe ich allerdings nicht. Die werberelevante Abhängigkeit von den Marken ist bei den privaten Sender wesentlich höher, als bei den durch unsere Gebühren finanzierten öffentlich rechtlichen Sendern. Die Praxis zeigt oftmals: ein kritischer Test kostet in der Regel nicht unerheblichen Werbeumsatz...