RTL hat mit dem Auftakt der neuen Staffel seiner erfolgreichen Rosenkavaliers-Show “Der Bachelor” wieder gute Quoten erzielt. 2,38 Mio. aus der jungen Zielgruppe sahen zu, wie Tom-Cruise-Verschnitt Jan seinen Charme spielen ließ und die ersten Rollen und Rosen im Zickentheater verteilt wurden. Die Reihe hat einen ähnlichen Effekt wie Fremdschäm-Formate à la “Bauer sucht Frau” oder “Schwiegertochter gesucht”: Man will eigentlich wegschauen - aber es geht nicht.
Schon die ersten Minuten der ersten Folge von “Der Bachelor” fächern auf, worum es in den nächsten Wochen gehen wird: Bungee-Sprünge, Hundeschlitten, Luxus-Villa, Limousinen, Palmen Rosen, Zickenkrieg, Dackelschmalz in grober Dosierung. Es ist allzu leicht eine solche Sendung wie “Der Bachelor” doof zu finden. Aber wenn man zuschaut, entfaltet “Der Bachelor” die eigentümliche Wirkung von - sagen wir mal - einer Tüte Kartoffelchips plus drei, vier Gläser Sekt. Man fühlt sich im Moment gut unterhalten, hinterher ist es einem ein bisschen peinlich und man hat Sodbrennen im Hirn.
RTL macht das schon gut. Gut im Sinne von: professionell. Diese Bilder des mit nacktem Oberkörper Holz hackenden Beaus. Dieses gefühlige Geschwafel von Kinderglück und Naturverbundenheit. Die Postkarten-Kulisse von Kapstadt (und immer schön den Hotelnamen einblenden!). Die Tränen der einen oder anderen Kandidatin. Die obligatorische Schicksalsgeschichte mit besiegtem Hirntumor. Da schwirrt einem als Zuschauer gleich zu Beginn gehörig der Schädel. Eine gewisse Madeleine spielte die ihr offensichtlich zugedachte Rolle als Staffel-Zicke mit perfekter Aufdringlichkeit und erhielt prompt eine Rose. Zoff Potenzial lässt sich der Sender nicht entgehen.
Ansonsten wurden bereits Schlüpper runtergelassen, eine Jägerin, die gleichzeitig Erotik-Model ist, überreichte dem Bachelor eine selbstgemachte (!) Wurst und die forsche Nancy aus Köln spricht von sich selbst in der Dritten Person (“Nancy sagt, was Sache ist”). Man kann diese Sendung gar nicht ernst nehmen. Wahrscheinlich noch nicht einmal als Angehöriger der so genannten Unterschicht. Beim “Bachelor” ist alles too much, eine Orgie in Hochglanz-Kitsch. Dass die Gefühle auf den weißen Leder- Chaiselongues so echt sind wie die langen Wimpern der Kandidatinnen - who cares?
“Der Bachelor” ist wenigstens nicht ganz so menschenverachtend wie “Bauer sucht Frau”, “Schwiegertochter gesucht” oder die Sat.1-Kopie “Schwer verliebt”. “Der Bachelor” ist wie ein Herzschmerzheftchen im Supermarkt, wie der “große, abgeschlossene Roman” in einer Frauenzeitschrift: pure Fiktion. Nach Genuss dieser Unterhaltungsware hat man vielleicht kurz einen Brummschädel vom vielen Gesäusel. Ein schlechtes Gewissen muss man nicht haben.
Die Auftakt-Folge von "Der Bachelor" bei RTLnow
Letzte Kommentare
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Wer diesen Rotz auch noch "gut im Sinne von professionell gemacht" findet, der bewundert auch Bohlen für seine Fähigkeit Leute abzuzocken.
Hauptsache man kann sich auf die Schulter klopfen und einreden, klüger zu sein als der Pöbel, schließlich hat man den Zirkus ja angeblich voll scharfsinnig analysiert und durchblickt. "Sodbrennen im Hirn": Sehr her! Ich bin klüger als die Zielgruppe!
Dass man sich so trotzdem zum PR-Schaf von RTL macht und dass genau das auch das Erfolgskonzept dieser Machwerke ist, dafür reicht der Intellekt dann meistens aber doch nicht aus :)