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Warum Web und TV einfach nicht zusammenpassen wollen

Das crossmediale Scheitern der Rundshow

Das Social-TV-Experiment “Rundshow” beim Bayerischen Rundfunk läuft noch bis zum 7. Juni. Angekündigt wurde die Sendung als “Plattform” bzw. “Fernsehen zum Anfassen”. Zuschauer und Web-Nutzer sollten einen direkten Draht in die Show bekommen, u.a. mit einer Smartphone-App und natürlich via Twitter. Aber: Was in der Theorie aussieht wie das Fernsehen der Zukunft, scheitert in der Realität. Crossmedia hat bisher im TV noch nie funktioniert. Die “Rundshow” macht keine Ausnahme.

Am vergangenen Mittwoch lautete das Thema der “Rundshow”: Trolle. Also Leute, die sich im Internet, in Kommentarspalten, auf Twitter und bei Facebook daneben benehmen. Durch die Sendung führten Richard Gutjahr und Sascha Lobo. Wie üblich waren diverse Gäste via die Videokonferenz-Funktion Google Hangout zugeschaltet. Das Thema hätte durchaus interessant werden können, wenn die “Rundshow” nicht an so vielen Unzulänglichkeiten leiden würde. Da ist zu allererst einmal das Problem mit der Technik. Der Gipfel der Absurdität war relativ früh erreicht, als Richard Gutjahr beim “Chat” mit der taz-Kolumnistin Margarete Stokowski auf das gute alte Telefon ausweichen musste, weil die Videochat-Online-Verbindung zu wackelig war und man nicht mehr verstehen konnte, was die Frau sagte.

Bei den Chats mit Udo Vetter und Kachelmann-Anwalt Ralf Höcker waren die Verbindungen verständlich aber immer noch von schlechter Qualität. Ruckel-Zuckel-Bilder und scheppernder Blechbüchsenton - das kann kaum das Fernsehen der Zukunft sein. Zu der technischen Problematik kommt aber noch eine konzeptionelle. Unten im Bild liefen Twitter-Mitteilungen. Plötzlich wurde ein Zwiegespräch zwischen Lobo und Gutjahr unterbrochen, weil ein Applaus eingeblendet wurde. Offenbar hatten genügend Zuschauer, bzw. Nutzer, die “Daumen hoch”-Funktion der zur Sendung gehörenden Smartpone-App “Die Macht” bedient. Das resultiert in spontanem Applaus der Netzgemeinde oder in Buhrufen.

Nur: Was bringt das, außer einem schalen Technik-Gag und einer gehörigen Portion Verwirrung für Zuschauer, die die Klaviatur des Social-Web-Gedöns nicht aus dem Effeff beherrschen? Richtig: nix. Dabei gab es durchaus inhaltlich interessante Ansätze. Sascha Lobo hatte ein Buch von 1970 namens “Der Zukunfts Schock” von Alvin Toffler dabei, in dem die Anonymous-Bewegung vorweggenommen wurde. Das war interessant, darüber hätte man gerne mehr erfahren. Auch über die kurz angerissene Verbindung der Anonymous-Hacker zum Internet-Trolltum. Aber: keine Zeit, keine Zeit. Der nächste verwackelte Google-Hangout, die nächste ironische Pointe, der nächste übergeigt vergagte Einspieler warteten schon.

So wurde jeder interessante Ansatz im Keim erstickt unter dem Geschepper des Videochats und den ironischen Mätzchen der Moderatoren. Weniger wäre mal wieder mehr gewesen. Vielleicht nur ein Gast, der dafür als Person anwesend ist. Vielleicht die eine oder andere ironiefreie Erklärung, worum es in der Sendung überhaupt geht. Aber das wäre dann ja keine hypermoderne Interaktiv-Plattform zum Anfassen mehr gewesen, sondern stinknormales Fernsehen. Und das will die “Rundshow” ja erklärtermaßen nicht sein. Schade.

Stefan Winterbauer

31.05.2012
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  • 10.04.2012 Gutjahrs offener Kanal beim Staatsfernsehen

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03.06.12 09:49

Gerhard Rettenegger Web-Site

Die Kritik von meedia geht meiner Meinung nach ins Leere, die rundshow ist IMO nicht gescheitert.
Denn technische Probleme wie unterbrochene Bildleitungen während eines Einstiegs oder schlechte Tonverbindungen sind kein Indiz dafür, dass das Konzept der Rundshow gescheitert ist. Ich kann mich nicht erinnern, dass technische Perfektion als Zielsetzung der Sendung formuliert worden wäre.
Vielmehr haben sich die Macher doch zum Ziel gesetzt, das Publikum in die Sendung, schon in die Planung der Sendung mit einzubeziehen. Da hat meedia einen Tag zu früh geschaut: in der folgenden Sendung haben Gutjahr & Team das geplante Thema (Kinderbetreuung) kurzfristig geändert, weil es beim Publikum nicht auf großes Interesse gestoßen war. Stattdessen ging es in der Sendung dann um Vorratsdatenspeicherung.
Ich meine, das ist sehr wohl ein Zeichen dafür, dass diese neue, noch holprige Achse der Zusammenarbeit zwischen Sendungsmachern und Publikum funktioniert bzw. funktionieren kann.
Und was die Kürze der Sendung betrifft ... dieses Manko hat der BR selber schon erkannt und in der kommenden Woche der rundshow mehr Sendezeit eingeräumt. Das wurde auch bereits kommuniziert.
Insgesamt ist die rundshow für mich als Journalist und Zuseher/Mitmacher ein Versuch in die richtige Richtung. An die rundshow sind andere Maßstäbe anzulegen als an eine Sendung in einem erprobten Format. Diese Relativierung fehlt mir in der meedia-Kritik.

01.06.12 10:57

Stefan Winterbauer

@Hannes Schleeh Das mit den Internetverbindungen kann dann eben mal besser, mal schlechter sein. Als TV-Zuschauer will ich trotzdem keine Wackel-Bildchen sehen. Auch die anderen Hangout-Gespräche fand ich technisch unzulänglich.

@Stefan Stengel Faltboote - hervorragendes Thema! Wollen Sie was wissen? (Feathercraft sind die besten, leider sehr teuer)

@Bärbel Bielek Einen kritischen Bericht als "Trollerei" abzutun, halte ich für eine eher billige Lösung.

31.05.12 19:44

Harald Mueller Web-Site

Hallo,

wieso reden alle (viele) davon die RundShow sei gescheitert. Ist sie m.E. nicht.

Was meiner Meinung nach passieren sollte, wäre jetzt eine Einbindung der Zuschauer was man besser machen könnte.

Und hierzu gleich ein paar Vorschläge:

1) Ganz wichtig: gebt der Sendung mehr Sendezeit. 30 min. ist einfach für diese Konzeption zu kurz.
2) Überfrachtet das TV Gerät nicht mit zu vielen Einblendungen (Blogposts, Twiiter- FB feeds etc.)
3) Hangouts gut und schön, aber müssen derart viele Leute (manchmal) zu Wort kommen? Auch wenn sie relativ wenig zu sagen haben?
4) Übertreibt man es mit dem "virtuellen"? Warum muss ein Gewerkschaftsvertreter im screen zugeschaltet sein und sitzt nicht im Studio?
5) Trennt die Interaktivität besser: Wer twittern will soll das am PC oder tablet (naja, noch ein "synchron"-Problem) machen, aber lasst den TV-Anteil mehr für couch potatoes übrig.

Würde mich freuen es gäbe Verbesserungen (über meine 5 hinaus) und das ganze bekäme mehr Sendezeit, frühere Sendezeit und eine weitere Chance.
2)

31.05.12 16:11

Bärbel Bielek

Danke, Herr Winterbauer, dass Sie - wenn auch mit 1 Tag Verspätung - der Aufforderung der Rundshow nachkommen, sie zu trollen. Sehr aufmerksam.

31.05.12 16:04

Bernhard Kling

Bemerkt in der deutschen Flatrate-Föderation endlich jemand, dass ARD & ZDF das Gebührengeld aller Zuschauer nicht für sinnfreie Sperenzchen zur Befriedigung einiger verzogener Nerds ausgeben darf? Die gesellschaftliche Akzeptanz des öffentlich-rechtlichen Fernsehens basiert letztlich eben doch auf der Qualität des linearen Hauptprogramms.

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