Viel los in München: Die Burda-Beteiligung Glam Media fiel zuletzt fast im Wochenrhythmus durch Neuerungen auf. Erst startete die deutsche Version des vertikalen Männerportals Brash.de, dann folgte das Microblogging-Angebot Tinker.com. MEEDIA sprach mit Glam Media-Geschäftsführer Ralf Hirt und Dr. Marcel Reichart, der bei Burda verantwortlich für die Glam-Beteiligung ist, über Win-Win-Situationen für Anbieter und User, die Zukunft von distribuiertem Content und das Wachstumspotenzial des Internets.
MEEDIA: Sie haben gerade mit Ihrer Beteiligung Glam Media das Microblogging-Portal Tinker gestartet, das Echtzeit-Unterhaltungen aus Twitter, Facebook oder Friendster bündelt. Warum?
Ralf Hirt: Tinker ist eine logische Folge im Social-Network-Zeitalter. Es ist ein Internet-Angebot, das technologisch von Glam entwickelt wurde. Wir halten so in Echtzeit fest, was im Netz passiert.
Dr. Marcel Reichart: Tinker bietet eine Live-Suche der Updates aus Social Networks wie Facebook oder Twitter, die nach Themen strukturiert ist. Denken Sie an die Michael-Jackson-Trauerfeier. Das war ein globaler Internet-Event, an dem User aus allen Nationen auf ihre Weise partizipiert haben. Tinker hat hier einen Live-Stream für MSNBC realisiert und auf dem Glam-Netzwerk distribuiert.
MEEDIA: Aber das machen Sie sicher nicht nur aus Spaß an der Freude?
Hirt: Natürlich wollen wir mit dem Dienst Geld verdienen. Genauer gesagt, helfen wir mit Tinker.com, Echtzeit-Trends und Veranstaltungen zu monetarisieren.
MEEDIA: Nämlich wie?
Hirt: Durch Werbeerlöse einerseits, durch gezielte Partizipation von Werbekunden an bestimmten Events andererseits.
MEEDIA: Mit dem Portal Glam.com, das seit einem Jahr auch in Deutschland zu besichtigen ist, haben Sie vorgemacht, wie die Zukunft von distribuiertem Content aussehen könnte. Verschwinden eigene Inhalte zusehends?
Hirt: Gar nicht. Mit Glam haben wir ein einzigartiges Geschäftsmodell entwickelt, das sich der Dynamik der neuen Realitäten im Web stellt. Es ist ein vertikaler Ansatz: Wir bündeln den Content verschiedener Anbieter und vermarkten ihn. Hierdurch entsteht für Nutzer und Anbieter eine Win-Win-Situation: Die Angebote im Internet sind so fragmentiert und zerfasert, dass sich viele der kleineren Anbieter schwertun, von Werbetreibenden wahrgenommen zu werden. Mit einer Premiumplattform wie Glam bieten wir Contentproduzenten damit ganz andere Vermarktungsmöglichkeiten. Gleichzeitig erhält der Nutzer ein so umfassendes Angebot, wie er es einzeln kaum absurfen könnte – beide profitieren.
MEEDIA: Und Sie als Gesellschaft natürlich auch?
Reichart: Das sieht das Geschäftsmodell vor und involviert die Content- und Werbepartner transparent und sicher. Da Glam Media mit seiner Technologieplattform Inhalte distribuiert und vermarktet, aber nicht selbst erstellt, ist die Kostenstruktur schlank. Glam Media beschäftigt weltweit gerade 250 Mitarbeiter.
MEEDIA: Lässt sich der Erfolg von Glam Media bereits in Zahlen messen?
Hirt: Absolut. Wir kommen weltweit bereits auf eine Reichweite von 110 Millionen Nutzern. Damit liegen wir bereits in den Top Ten der meistbesuchten Webangebote und sind mit großem Abstand Marktführer im Frauensegment.
MEEDIA: Wie sieht es in Deutschland aus?
Reichart: Glam Deutschland ist im Juni erstmals IVW-gelistet. Und das gleich mit beachtlichem Erfolg als Topeinsteiger mit 16 Millionen Visits.
Hirt: Vergleichen Sie dazu den Wettbewerb: goFeminin.com hat 9,1 Millionen Visits, Fem.com 6,5 Millionen. Glam ist damit nach einem Jahr Marktführer.
MEEDIA: Vor wenigen Wochen haben Sie nun auch noch das Männerpendant Brash.de ins Rennen geschickt. Wie läuft es hier?
Hirt: Nach gerade mal zwei Wochen ist es für ein erstes Resümee noch zu früh. Aber wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden und kommen aus dem Stand auf 1 Million Unique Visitors.
MEEDIA: Schreiben Sie als Glam Media bereits schwarze Zahlen?
Hirt: Um unseren CEO Samir Arora zu zitieren: "In diesem Jahr profitabel zu arbeiten, ist fest vorgesehen."
MEEDIA: Hubert Burda hat Platzhirsch Google einst vorgehalten, an aggregierten Inhalten, wie sie auf Google News zu finden sind, Geld durch Anzeigenerlöse zu verdienen, während die originären Content-Anbieter zu kurz kämen. Gehen Sie mit Glam, Tinker & Co nicht einen ähnlichen Weg?
Reichart: Glam geht mit dem jeweiligen Content-Partner einen Vertrag über einen bestimmten Zeitraum ein, der ihm einen transparenten und leistungsbezogenen Erlösanteil sichert. Dazu erhält er Advertising-, Technologie- und Contentservices von Glam wie etwa professionelle Bewegtbildinhalte. Für diese Partnerschaft haben sich weltweit über 1.100 Publisher entschieden.
Hirt: Der Publisher kann sogar entscheiden, welche Advertorials bei ihm laufen. Er entscheidet, ob er Teil des Glam-Universums werden und daran mitverdienen möchte. Es ist also eine Win-Win-Situation für beide Partner! Wenn ein Publisher den Vertrag löst, greifen wir auch nicht mehr auf seine Inhalte zu.
MEEDIA: Mit dieser Erfolgsgeschichte setzen Sie sich von der derzeit vorherrschenden Katerstimmung in der Medienbranche im Zuge der weltweiten Rezession ab. Welche Angebote werden allgemein als Gewinner aus der Krise hervorgehen?
Hirt: Das Internet als Wachstumssegment ist in jedem Fall der große Krisengewinner – das bedingt sich schon aus dem strukturellen Wandel von analogen zu digitalen Medien. Hinzu kommt, dass der deutsche Markt noch ein großes Nachholpotenzial vor sich hat. Während etwa in Großbritannien bereits 20 der Werbebuchungen auf den Online-Sektor entfallen, sind es hierzulande erst 10 Prozent – diese Lücke wird sich langfristig schließen. Insofern sind wir zuversichtlich, dass nach dem turbulenten Winter bereits eine Bodenbildung stattgefunden hat und wir uns wieder im verstärkten Wachstumsmodus befinden.
MEEDIA: Apropos turbulenter Winter: Im Januar steht der nächste DLD an, der von Ihnen organisiert wird. Geht die Internationalisierung des Events weiter?
Reichart: Der DLD wird immer etwas von einem Überraschungsevent haben. Mit Steffi Czerny und unserem Team überlegen wir gerade. Aber ist es zu früh, um darüber zu sprechen. Aber wie Sie in diesem Jahr mit dem Auftritt von Mark Zuckerberg gesehen haben, werden wir immer internationaler. In dieser Richtung werden wir weitermachen. Und es gibt jetzt schon übers Jahr mit Partnern Community-Events in Tel Aviv, Palo Alto, London, Moskau oder Paris. In dieser globalen Interaktion spiegelt sich wider, wohin sich das Internet in den letzten Jahren entwickelt hat. DLD entwickelt sich dabei auch zur Business-Plattform. Um im Thema zu bleiben: 2008 hat Samir Arora auf der Konferenz Glam präsentiert. Eine Woche später hat sich Burda beteiligt.
20.10.09 07:50
Valtina Valtina Website
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17.07.09 10:55
Ein Publisher
Kritisieren ist einfach. Besser machen schwer. Mich wundert ja nur, dass die angeblichen "Experten" in den Kommentaren nicht einmal Pageimpressions und Visits unterscheiden können (das macht die Aussagen ja auch sehr glaubwürdig...).
Ich habe sehr hochwertige Inhalte auf meiner Seite, und auf Grund der Zielgruppe auch nicht den Mega-Traffic (wie die meisten Online Magazine von Verlagen übrigens auch), aber eine Vermarktung ohne ein Unternehmen wie Glam hätte für meine Seite keine Chance, da ich auch den Zugang zu den Agenturen nicht habe.
Auch Verlagsangebote kochen nur mit Wasser. Meistens ist der Inhalt nicht annähernd so aktuell und präzise recherchiert wie bei vielen reinen (auch kleineren) Online Medien. Auch braucht es bei den Portalseiten von Glam keinen "Chefredakteur", es geht darum, dem Angebot einen einheitlichen Namen zu geben.
16.07.09 08:16
Dieter Mosiul
Wenn Glam so erfolgreich ist, warum wurde dann gerade erst die Chefredakteurin nach nur einem halben Jahr gefeuert? http://www.lesmads.de/2009/07/bye_bye_glam.html
Und: Warum schmückt sich diese mit den 16 Millionen PI? Die PI haben doch wohl die teilnehmenden Internetseiten geholt, die sich Glam angeschlossen haben. Bzw. die fünf Büros in München, Düsseldorf, etc., die in der Vermarktung diese Portale in das Netzwerk geholt haben.
Und noch eine Sache: Wer wird denn Nachfolger in Berlin mit einer Redaktion, die aus einer Redakteurin und einer Horde sehr junger Praktikantinnen besteht? Mehr war da ja nicht.
14.07.09 18:50
Glam und Glammer .
Zum Thema Vermarktung: Wenn man Deals eingeht, die 10% der Preisliste entsprechen, dann mag das zunächst funktionieren. Mittelfristig sägt man den Ast ab, auf dem man sitzt. Leider auch den, auf dem eine ganze Branche sitzt. Vielleicht führt sich das jeder mal vor Augen, der über Low-TKPs etc. jammert.
14.07.09 16:17
zwei publisher
Die vermittelten Werbedeals sind niedrigpreisiger Natur, z.B. Layer für 2 EUR !!, so wird kein publisher nachhaltig gebunden werden können