Gemeinsam mit der ma Pressemedien 2009 II wurden am Mittwoch auch die Zahlen der ma Tageszeitungen 2009 veröffentlicht. Im Gegensatz zu den Publikumszeitschriften werden die Zeitung-Reichweiten nur einmal im Jahr aktualisiert. MEEDIA blickt daher in einer gesonderten ma-Analyse auf die interessantesten Entwicklungen in der Zeitungsbranche - mit vielen Verlierern, aber auch zahlreichen Gewinnern. So haben der "Berliner Kurier" und die "Hamburger Morgenpost" mehr als 8% zugelegt.
Zunächst aber noch einmal der kurze Blick auf die überregionalen Tageszeitungen, denen wir uns auch in unserer ersten Print-MA-Analyse schon gewidmet haben. Hier gibt es mit "Bild", der "F.A.Z.", der "FTD und der "taz" also vier Gewinner, mit der "Süddeutschen", der "Welt", dem "Handelsblatt" und der "Frankfurter Rundschau" aber auch vier Verlierer. Besonders das fette Minus von 10,2% bei der "Rundschau" ist dabei dramatisch.
Ähnlich die Situation bei den regionalen Kaufzeitungen. Auch hier gibt es vier Gewinner. Der "Express" legte um 3,2% zu, die "Morgenpost für Sachsen" um 4,3%, die "Hamburger Morgenpost" um starke 8,3% und der "Berliner Kurier" sogar um 8,6%. Auch hier gibt es aber ähnlich deutliche Verlierer. So gingen der "Abendzeitung" 30.000 Leser pro Ausgabe abhanden - ein Verlust von heftigen 10,3%. Ebenfalls nach unten ging es für die "B.Z." (-4,2%) und die "tz" (-2,9%).
Bei den regionalen Abozeitungen wird es etwas unübersichtlich, da in der ma leider traditionell sehr unterschiedliche Zahlen für diese Branche ausgewiesen werden. Mal gibt es detaillierte Reichweiten für einzelne Zeitungen, oft aber auch nur globale Zahlen für Vermarktungs-Kombis mehrerer Blätter oder eine einzige Zahl für alle Zeitungen eines Verlages. Eine Rangreihe macht daher nur sehr begrenzt Sinn und so haben wir uns entschlossen, eine alphabetische Liste aller Kombis und Zeitungen mit mindestens 400.000 Lesern zu zeigen - ohne Sortierung nach Anzahl der Leser.
In der ersten der beiden Tabellen fällt sofort auf, dass es erstaunlich viele Zeitungen gibt, die ihre Reichweiten aus dem Vorjahr halten oder sogar verbessern konnten. Das widerspricht den Erkenntnissen aus den Auflagenzahlen der IVW. Dort gibt es fast gar keine Regionalzeitung, die sich im Vergleich zum Vorjahr verbessern kann. Dieser Unterschied könnte zum Einen an der viel diskutierten Methodik der ma liegen - oder daran, dass sich immer mehr Leser eine Zeitung teilen, weil sie ihnen zu teuer geworden ist. Wie auch immer, der "Badischen Zeitung", der "Braunschweiger Zeitung", der "DreiLänderKombi" aus verschiedenen Blättern aus Thüringen, Sachsen und Bayern, "HAZ-Total" und der "HNA" wird's egal sein - sie alle konnten im Vergleich zu 2008 Leser gewinnen.
Deutlich verloren haben in unserer ersten Übersicht hingegen die "Augsburger Allgemeine" / Nordausgabe (-6,1%), die "Märkische Allgemeine" (-8,7%), die media kombi nord (-7,3%) und vor allem das in diese Kombi gehörende "Hamburger Abendblatt" (-9,5%).
In der zweiten Übersicht gibt es nur drei weitere Gewinner. So hat die OberfrankenKombi aus "Neue Presse", "Obermain-Tagblatt", "Vogtland-Anzeiger", "Frankenpost" und "Nordbayerischer Kurier" 7,3% hinzugewonnen, die "sh:z Gesamtausgabe" 4,0% und die Zeitungsgruppe Münsterland 5,4%. Deutlich Leser verloren haben hingegen vor allem "Die Rheinpfalz" (-9,7%), die "Sächsische Zeitung" (-7,4%), die "Rhein-Zeitung" (-7,2%) und die Zeitungsgruppe Neue Westfälische (-9,9%).
Zur Erinnerung: Die Analyse der aktuellen MA-Zahlen für die Publikumszeitschriften finden Sie an dieser Stelle.
22.02.10 18:16
Heinz Stanelle Website
Glaubensfrage hin oder her. Wer kauft schon gern die Katze im Sack. Die Web 2.0 Lobby kann ihre erreichten Mediawerte bisher noch nicht errechnen. Sie würde gerne wissen, was
beispielsweise ein Facebook Kommentar eigentlich wert ist. Auf zukünftige interdiszipliäre Impulse müssen die Medienprofis also noch warten.
27.07.09 11:50
Udo Merz
Es ist beeindruckend, wie viele Medienfachleute auf ein derartiges, allen mathematisch-statistischen Grundregeln widersprechendes Zahlenwerk hereinfallen. Bei der MA für Tageszeitungen kann es sich folglich nur um eine Glaubensfrage handeln. Wie sonst wäre es zu erklären, dass man das Zahlenmaterial aus 11 Befragungswellen in einem Zeitraum von 2,5 Jahren mit allen darin begründeten Fehlern und Ungenauigkeiten hochrechnet und das Ergebnis als Statistik bezeichnet. Allein die Fluktuation vieler Tageszeitungsverlage dürfte im Erhebungszeitraum bei weit über 25 % liegen und damit das Ergebnis dementsprechend verfälschen. Die für die meisten Verbreitungsgebiete von Lokalausgaben insgesamt zu niedrige Anzahl von Stoichproben tut dann das Übrige.
So lügt man halt mit Statistik.