“Ich habe meine Strafe erhalten.” So reumütig beginnt Ex-Radsport-Profi Jan Ullrich seinen neuen Blog bei Yahoo. Für das Online-Portal soll der wegen Dopings in Verruf geratene Radsportler ab sofort jede Woche das Geschehen im Radzirkus kommentieren. Pünktlich zum Giro d'Italia und kommenden Events wie die Tour de France wird der 38-Jährige jede Woche als Eurosport-Experte bloggen. Doch abseits der Personalie liest sich sein erster Eintrag wie ein verstecktes Bekenntnis.
"Es ist nicht zu verleugnen, dass diverse Dopingfälle dem Radsport in den letzten Jahren geschadet haben. Auch ich habe Fehler gemacht”, zeigt sich Ullrich schuldig. Zum Hintergrund: Direkt zugegeben hatte der ehemalige Radsport-Profi trotz Verurteilung durch den Radsport-Verband CAS das Doping nicht. Nach dem Urteil im Februar hatte der 38-Jährige lediglich erklärt, Kontakt zu Doping-Arzt Fuentes gehabt zu haben.
Wenige Tage zuvor hatte die Koffeinshampoo-Marke Alpecin noch stolz verkündet, Ullrich als Botschafter für eigene Veranstaltungen gewonnen zu haben. Der Deal geriet zum PR-Stunt, nachdem seine Verurteilung bekannt wurde. Denn obwohl man mittlerweile mit einem anderen Slogan warb, war Alpecin lange Zeit als “Doping für die Haare” in Funk und Fernsehen bekannt.
In seinem Yahoo-Blog lässt Ullrich jetzt tief blicken: “Jedoch habe ich mit meinem persönlichen Fall nach Jahren der Verzweiflung, Depression und körperlichen Problemen endlich abgeschlossen”, heißt es da. Es sei sein Weg, auch wenn dieser nicht von allen verstanden würde. Als ob Ullrich auch dieses Mal Kritk fürchte, schiebt er vorweg: “Ich überlasse es jedem einzelnen User, ob er oder sie denkt, dass ich hier eine zweite Chance verdient habe.”
Heiko Genzlinger, Geschäftsführer von Yahoo! Deutschland, weiß um die ungewöhnliche Strahlkraft, die von Ullrich ausgeht: "Als erster und bisher einziger deutscher Tour de France-Sieger verkörpert Jan Ullrich wie kein anderer die Höhen und Tiefen dieses Sports und reiht sich ab sofort in die Riege unserer Top-Experten ein."
So persönlich wie sein Blog-Start soll es künftig neben Analysen und menschelnde Einblicke in die Radsport-Welt geben. Diese wenigen Zeilen, sie lesen sich wie die Worte eines Mannes, der ganz oben und mit seiner Zeit ganz unten abgeschlossen hat. So spricht sein Bild auch Bände: Seht her, ich radle gelassen in einen neuen Abschnitt meines Lebens. Die schwerste Etappe habe ich hinter mir.
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