Der Online-Bilderdienst Pinterest gilt derzeit als der heißeste neue Web-Trend aus den USA. Das Marktforschungsunternehmen Comscore hat für Pinterest in Deutschland seit Mai 2011 ein Wachstum von sagenhaften 3.000 Prozent gemessen. Weltweit besuchen über elf Millionen Menschen Pinterest pro Woche. Können auch Medienunternehmen von dem Hype um das “Bilder-Facebook” profitieren? Ja! Denn die beliebtesten Inhalte bei Pinterest sind maßgeschneidert Umfelder für Anzeigenkunden.
Zunächst: Was ist Pinterest.com eigentlich? Der Name ist eine Symbiose aus “Pin” und “Interest”. Der Web-Dienst ist also eine Art virtuelle Pinwand, auf der Nutzer festpinnen können, was sie interessiert. Dabei geht es nicht um Texte, Meinungsäußerungen oder Links, sondern ausschließlich um Bilder und Videos. Diese “Pins” werden in diversen Kategorien abgelegt.
Das US-Analyseunternehmen RJ Metrics hat die beliebtesten Themenumfelder bei Pinterest ermittelt, in denen die meisten Fotos und Videos geteilt werden. Die Einteilung von RJ Metrics ist dabei nicht identisch mit den Kategorien auf der Pinterest Website, die Marktanalysten haben verschiedene Pinterest-Kategorien thematisch zusammengefasst. Um auf diese Aufstellung zu kommen, hat RJ Metrics über eine Million “Pins” von rund 9.200 Unique-Usern bei Pinterest nach den meist benutzten Worten gescannt, die in Zusammenhang mit den “Pins” genutzt wurden.
Auf Platz eins befindet sich die Kategorie “Home” (17,2%), gefolgt von “Arts and Crafts” (Handarbeiten) mit 12,4%. Danach kommen: „Style/Fashion“ (11,7%), “Inspiration/Education” (9%), “Holiday/Seasonal” (3,9%), “Humor” (2,1%), “Products” (2,1%), “Travel” (1,9%) und “Kids” (1,8%).
Bei dieser Statistik ist bemerkenswert, dass die ersten vier Themenkomplexe mit weitem Abstand führend sind: “Home”, “Arts and Crafts”, “Style/Fashion” und “Inspiration/Education”. Vor allem die ersten drei Themen sind ideale Werbe-Umfelder für frauenaffine Medien. Medienanbieter könnten hier theoretisch zweifach von Pinterest profitieren: Einmal könnten Inhalte von Medien-Websites bei Pinterest geteilt werden. Auf diese Weise würde Pinterest idealerweise weitere interessierte Nutzer zu den eigenen Web-Angeboten lenken. Das Gute daran ist, dass diese Nutzer höchstwahrscheinlich bereits ein Interesse an den angebotenen Medien-Inhalten und Themenumfeldern mitbringen.
Andererseits könnte es künftig auch möglich sein, dass Medienunternehmen direkt bei Pinterest Werbung einblenden. Legt man die RJ-Metrics-Untersuchung zu Grunde, wäre Pinterest ein ideales Umfeld für Werbung aus den Bereichen Food, Fashion, Reise, Dekoration, Garten. Ein klassisches Feld für Frauen- und Special-Interest-Medien.
Das Problem: Derzeit gibt es noch keine Geschäftsmodell für Pinterest. Und damit auch kein Modell, wie Werbung eingebunden werden kann. Das Netzwerk befindet sich noch in seiner Sturm- und Drang-Phase. Natürlich könnte man bei Medienhäusern auch auf die Idee kommen, Pinterest als “Gefahr” zu sehen. Denn immerhin ist bei dem Konzept des Services ein Verstoß gegen Urheberrechte zumindest wahrscheinlich. Und zwar dann, wenn Nutzer unachtsam urheberrechtlich geschütztes Bild- oder Videomaterial von Medien bei Pinterest teilen. Statt sich darüber zu ärgern und nach Leistungsschutz zu rufen, wäre es für Medien womöglich zielführender, Pinterest als interessantes, künftiges Umfeld für eigene Inhalte und Werbung zu begreifen. Sollte sich Pinterest durchsetzen, bieten sich in dem beschriebenen Sinne durchaus lukrative Chancen für Verlage und andere Medien, an dem Erfolg teilzuhaben.
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