Die Debatte um eine eventuelle publizistische Mitarbeit eines Stasi-Spitzels an Günther Wallraffs Buch "Ganz unten" zieht weiter ihre Kreise. Nachdem die Welt am Wochenende auf vier Seite Vorwürfe gegen den Autor vorbrachte, dementierte dieser im Interview mit der Zeit. Jetzt verteidigte Welt-Chefredakteur Jan Eric-Peters die Recherchen seines Blattes und wehrte sich gegen den Vorwurf anderer Medien, dass der Verlag reflexartig Angriffe gegen Wallraff und seine Arbeit führe.
Auf zwei Seiten muss Günter Wallraff im Interview zu den ihm immer wieder von der Welt vorgeworfenen Stasi-Kontakten Rede und Antwort stehen. Doch er betont: "Die Stasi hatte am Zustandekommen von 'Ganz unten' keinerlei Anteil." Das Buch, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, thematisierte die Ausländerfeindlichkeit der Bundesrepublik in den Achtzigern. Wallraff schlüpfte in die Rolle des Gastarbeiters Ali. Die Welt wirft Wallraff vor, dass ein Mitarbeiter der Stasi am Buch mitgearbeitet hätte. Hans Leyendecker äußerte sich Anfang der Woche im Interview mit dem Deutschlandfunk und empfand die Geschichte als "dick aufgeblasen".
Nun schaltete sich Jan-Eric Peters in die Debatte ein. "Mich erstaunt, dass einige Medien bei jeder kritischen Wallraff-Berichterstattung reflexartig von 'Springer-Angriffen' sprechen, statt sich mal mit den unbestrittenen Fakten zu beschäftigen. Günter Wallraff ist in den Akten der Stasi über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren bis zum Fall der Mauer als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) verzeichnet. Nach Aktenlage hat er konspirativ mit dem DDR-Geheimdienst zusammengearbeitet", erklärt der Welt-Chefredakteur. "Die neuen, jetzt erstmals von der Stasi-Unterlagenbehörde an Journalisten herausgegebenen Dokumente, über die wir in der Welt am Sonntag berichtet haben, zeigen außerdem eindeutig, dass ein enger Mitarbeiter Wallraffs ebenfalls als IM der Stasi erfasst war. Faktisch belegt ist auch, dass dieser Mann an Wallraffs Bestseller 'Ganz unten' mitgewirkt, laut Akten sogar einige Kapitel des Buches geschrieben hat."
Natürlich bleibe man am Fall dran. Schließlich seien Wallraffs Geheimdienst-Verstrickungen von öffentlichem Interesse. Das Interview der Zeit mit Wallraff zeigt laut Peters, dass man mit der Berichterstattung so falsch nicht liegen könne.
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