Macht die Bild Politik? Dieser Frage will die ARD-Doku "Bild.Macht.Politik" heute ab 22.45 Uhr klären. „Bild versucht es zumindest“, sagt Co-Autorin Christiane Meier gegenüber MEEDIA. „Allerdings ist die Zeitung dabei bei weiten nicht so erfolgreich wie viele Politiker und Journalisten glauben." Der Fall des einstigen Bild-Darlings Karl-Theodor zu Guttenberg und die Bild-Attacken auf Griechenland zeigten, dass nicht jede Kampagne des Boulevardblatts auch die allgemeine Stimmungslage beeinflusst.
Das Projekt, eine TV-Dokumentation über die bei weitem auflagenstärkste deutsche Tageszeitung zu machen, lag beim WDR schon länger in der Schublade. Der 60. Geburtstag der Bild im Juni war für die Programm-Macher dann der richtige Anlass. Tatsächlich ist der Film jedoch kein Überbleibsel oder Nebenprodukt der angeblichen Abwehrmaßnahmen, mit denen sich die Öffentlichen-Rechtlichen vor rund einem Jahr gegen einen angeblichen Generalangriff der Bild gewappnet hatten. „Wir haben einfach versucht, uns möglichst unverkrampft der Bild zu nähern“, erzählt die Autorin. Dabei sprachen sie und ihr Kollege, Sascha Adamek, überwiegend mit Politikern über deren Erlebnisse und Erfahrungen mit der Zeitung.
So zeigt Claudia Roth stolz eine Gegendarstellung, die sie 2005 gegen den Springer-Titel durchgesetzt hatte. Der ehemalige Bild-Protégé Hans-Olaf Henkel beschwert sich über die Zeitung, und Gregor Gysi äußert die Vermutung, dass Christian Wulff vor allem deshalb in das Visier der Boulevard-Journalisten geriet, weil er angeblich nach vielen Jahren der engen Zusammenarbeit nicht mehr kooperieren wollte. "Warum die Bild und ihr Chefredakteur auf einmal beschließt, einen Politiker zu pushen oder auch sich gegen ihn stellt, scheint nicht immer rationalen Gründen zu folgen", sagt Meier. So seltsam manchmal die Positivberichte über bestimmte Politiker scheinen, so sauber seien jedoch stets die Stories recherchiert, die Volksvertreter zu Fall bringen.
Der Film befragt aber nicht nur Politiker zu ihren Verhältnis zur Bild, sondern auch den Chefredakteur selbst. „Kai Diekmann hat uns leider nur nicht genug Zeit eingeräumt“, so Meier. Zudem bemängelt sie, dass den ARD-Journalisten der Blick hinter die Kulissen verwehrt wurde und sie beim "Blattmachen" nicht dabei sein durften.
Während ihrer Recherche stellten die Autoren allerdings fest, dass die Bild bemüht ist, ihr Außenbild zu ändern. „Sie will ihr Schmuddel-Image loswerden“. So finden sich auf der Seite zwei immer tiefere und bessere politische Artikel, und "das Seite-Eins-Girl ist auch weg". Beides hält die Autorin für ein klares Zeichen: „Die Bild will in die Mitte der Gesellschaft.“
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