Mit einer Anzeigenkampagne und einem viralen Web-Video sucht die Axel Springer AG für die Initiative Media Entrepreneurs junge Gründer und Unternehmer für digitale Medienprojekte. In einem Web-Video veralbert sich dabei der komplette Springer-Vorstand selbst. Während die Vorstände um Chef Mathias Döpfner wie versteinerte grauen Herren dasitzen, zieht vor ihnen ein Klischee-Jungspund mit markigen Sprüchen wie “The Medium is the fucking Message” seine Show ab.
Das YouTube-Video wird via Facebook und Twitter im Web fleißig herumgereicht und sorgt so schon mal für die gewünschte Aufmerksamkeit. Dass sich der komplette Vorstand eines börsennotierten Medienkonzerns für so etwas hergibt, ist schon bemerkens- und begrüßenswert. Auch wenn der junge Mann, der in dem Video als vorlauter Möchtegern-Entrepreneur mit Handy am Ohr und Umhängetasche auftritt, letztlich nur ausgelutschte Phrasen von sich gibt, von “voll fett” bis zu “Content is King”.
Man kann Axel Springer nur wünschen, dass sich die echten Bewerber an dem Video-Entrepreneur kein Beispiel nehmen. Aber die im Video folgende Stellenausschreibung (gesucht wird ein Executive Managing Director for Kick Ass 3D-Multi-Channel Hammer Innovations) deutet zart an, dass man hier fähig zur Selbstironie ist. In die gleiche Kerbe haut die dazugehörende Anzeigenkampagne, in der ein “Global High Performance WTF Hot Shit Engineer of Superior Benchmark Media Mastership” gesucht wird. Kampagne und Video stammen übrigens von Scholz & Friends Berlin. Ähnlich wie die ehrwürdige Zeit mit ihrem Götz-Alsmann-iPad-Video zeigt mit Springer das zweite traditionelle Medienhaus innerhalb kurzer Zeit eine erfrischende Lockerheit.
Bei Springer können sich echte Jung-Unternehmer und Idee-Inhaber bis zum 31. Oktober unter www.media-entrepreneurs.de bewerben. Am 21. und 22. November findet dann ein Media Entrepreneurs Club in Berlin statt, bei dem die Entrepreneure in spe ihre Ideen mit Springer-Managern diskutieren können. Dabei dürfte es dann nicht mehr ganz so albern zugehen.
Ein Talent wurde bei der Initiative jetzt schon gefunden: Springer-Chef Döpfner offenbart mit seinen entgeisterten, stummen Blicken in dem Web-Video echte schauspielerische Qualitäten. Da ist eine Nebenrolle im "Tatort" drin. Mindestens.
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