Interessante Entwicklungen in der Zeitungsstadt Hamburg: Laut der Verkaufszahlen der IVW-Verbreitungsanalyse rückt die Hamburger Morgenpost der Bild in der Hansestadt deutlich näher. Aus einem Vorsprung von mehr als 48.000 täglichen Verkäufen 2010 ist im ersten Quartal 2012 einer von unter 31.000 geworden. Grund sind vor allem die drastischen Bild-Verluste - das Blatt büßte in zwei Jahren 13,8% in Hamburg ein. Nummer 1 bleibt in der Hansestadt trotz ebenfalls deutlicher Einbußen das Hamburger Abendblatt.
124.677 mal verkaufte sich das Hamburger Abendblatt in der Heimat laut IVW-VA im ersten Quartal pro Tag. Zwei Jahre zuvor waren es noch 137.555, 2008 sogar noch 149.313. In vier Jahren gingen dem Hamburger Marktführer damit fast 25.000 tägliche Käufer abhanden. Dennoch: Der Vorsprung auf die Bild wurde sogar ausgebaut, denn dort geht es noch schneller nach unten: Aus einem Vorsprung von etwas mehr als 17.000 im Jahr 2008 wurde 2012 einer von mehr als 22.000.
Die Bild ist mit ihrem Minus von 16.312 verkauften Zeitungen pro Tag gegenüber 2010 der klare Verlierer auf dem Hamburger Zeitungsmarkt. Ein Verlust von 13,8% ist bitter für das Boulevardblatt. Vor allem dann, wenn man die Zahlen des direkten Konkurrenten Hamburger Morgenpost daneben legt. Zwar ist das Plus von 1,1% vor allem durch eine Steigerung der Bordexemplare zustande gekommen, doch auch ohne diese verteilten Zeitungen läge das Minus der Mopo deutlich unter dem der Bild.
Insgesamt sah es auf dem Hamburger Markt in den vergangenen zwei Jahren schlechter aus als im Bundes-Durchschnitt, so stark wie in Berlin ging es aber nicht nach unten: Etwa 395.000 Zeitungen werden in der Hansestadt pro Tag gekauft - 2010 waren es noch rund 430.000. Das Minus von 8,2% liegt unter dem aus Berlin (-9,7%), aber über dem Bundesdurchschnitt (-6,0%). Umgerechnet auf die Hamburger Einwohnerzahl von 1,77 Mio. setzten die Verlage im ersten Quartal 2012 noch 22,3 Zeitungen pro 100 Einwohner ab, 2010 waren es 24,4.
Zum Hintergrund: Die Verbreitungsanalyse Tageszeitungen der IVW erscheint alle zwei Jahre und bietet detaillierte Verkaufszahlen fast aller deutschen Blätter bis auf die einzelnen Gemeinden heruntergerechnet. Die IVW-VA bietet damit hochinteressante Daten für jeden Zeitungsmarkt der Republik. Für diese detaillierte Analyse melden alle teilnehmenden Verlage für eine Messwoche - diesmal war das die vom 7. bis 13. November 2011 - ihre nach Gemeinden aufgeschlüsselten Verkaufszahlen an die IVW. Anschließend werden die gemeldeten Zahlen dann auf das aktuelle Quartal - in diesem Fall das erste Quartal 2012 - hochgerechnet.
Hinter den drei Großen folgen in Hamburg zunächst die überregionalen Zeitungen: Welt und Welt kompakt setzen hier täglich 35.216 Zeitungen ab, die F.A.Z. kommt auf 12.420 Verkäufe und die Süddeutsche Zeitung auf 12.230. Dahinter folgt nun die Financial Times Deutschland, deren gigantisches Plus von 25,1% aber wohl fast ausschließlich mit erhöhten Bordexemplaren zu erklären ist. Wie viele es in Hamburg genau waren, lässt sich nicht sagen, die VA unterscheidet nicht zwischen den einzelnen Kategorien der verkauften Auflage.
Auf den Rängen 8 und 10 folgen mit der Bergedorfer Zeitung und den Harburger Anzeigen und Nachrichten zwei Regionalzeitungen aus dem Hamburger Umfeld. Stärkstes Blatt aus anderen Regionen ist der Tagesspiegel aus Berlin, der sich in Hamburg um immerhin 5 Käufer steigern konnte. Extrem nach unten ging es für die Frankfurter Rundschau und die Berliner Zeitung.
In der kommenden Woche lesen Sie bei MEEDIA weitere Analysen zur IVW-VA - u.a. über den Zeitungsmarkt München.
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