Nach seinem Auftritt bei “Günther Jauch” vom vergangenen Sonntag wurde der Bundesgeschäftsführer der Piratenpartei, Johannes Ponader, schlagartig einem Millionenpublikum bekannt. Da saß der Einser-Abiturient und Hochbegabte - mit nackten Füßen in Sandalen, Schal und Smartphone ein Fleisch gewordenes Gegenmodell zu den Lackschuh- und Schlipsträgern der etablierten Parteien. Für die Medien ist es jedenfalls offenkundig unmöglich, zu Johannes Ponader keine Meinung zu haben.
Die öffentlich zelebrierte Weigerung, sich in einer bekannten TV-Talkshow nach gesellschaftlichen Konventionen zu richten, dürfte dem “Gesellschaftskünstler” (Eigenbezeichnung) Ponader genauso viele Fans wie Gegner eingebracht haben. Man kann seinen Stil exzentrisch, frei und authentisch finden. Oder manieriert, arrogant, provozierend. Beide Lesarten finden sich in den Besprechungen zu Johannes Ponaders Auftritt bei “Günther Jauch” zuhauf in den Medien.
Eine besonders wohlmeinende Besprechungen erschien ausgerechnet bei der Bild Zeitung “Mit seinem Outfit setzte Ponader (laut Jauch Abiturnote 1,0) den Kontrast zur Garde der Polit-Profis”, lobte Bild-Autor Andreas Thewalt. Er gab sich, laut Bild “politisch selbstbewusst” und weiter: “Der Pirat ließ sich einfach nicht aus der Ruhe bringen, blieb freundlich und entspannt.” Fazit des Bild-Artikels: Dieser Pirat Ponader ist ein toller Typ. Via Twitter erfährt man von Ponader, dass die Bild bei ihm bereits mehrfach (vergeblich) für ein Interview angefragt hat. Beim Boulevardblatt hat man das Schlagzeilen-Potenzial des Piraten-Chefs erkannt.
Ganz anders das Bild-Schwesterblatt Welt. Schon die Überschrift der TV-Kritik bei Welt.de gibt die Marschrichtung vor: “Die arrogante Piratenattitüde des 1er-Abiturienten”. Mindestens genauso unheimlich wie die “Jesuslatschen” (Welt.de) war dem Autoren der IQ des Piraten-Geschäftsführers.
Ganz auf Äußerlichkeiten hob dagegen die seriöse Süddeutsche Zeitung in ihrer Kolumne Stilkritik ab. “Nichts wäre leichter, als sich über das Erscheinungsbild von Johannes Ponader lustig zu machen”, schrieb Marc Felix Serrao in der Kolumne, um anschließend genau das zu tun. Er machte sich über das Erscheinungsbild von Johannes Ponader lustig: “Vollendet wurde die Erscheinung durch eine Körperhaltung, die nur den Schluss zulässt, dass dem 35-Jährigen irgendwann jeder zweite Knorpel aus dem Leib entfernt worden sein muss.” Das Lachen blieb dem SZ-Autoren nur deshalb im Halse stecken, weil er fürchtet, dass Ponader “angesichts der noch drohenden Erfolge seiner Partei (...) bald regelmäßig durchs Fernsehbild schlurft.”
Und der FAZ-net Frühkritiker Frank Lübberding zog in seiner Kritik gar den Vergleich mit einem anderem, “mittlerweile verstorbenen Gesellschaftskünstler”, der später auf seinem Lebensweg beschloss, Politiker zu werden. Erst ein überregionaler Talkshow Auftritt und schon ein Hitler-Vergleich. Das ging ja fix. Dass NS-Anspielungen gar nicht gut ankommen, musste der FAZ.Net-Autor aber gleich merken. Ponader beschwerte sich via Twitter bei FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher, der die Stelle im Text entfernen ließ und sich sofort via Twitter und im Web für die “unangemessene historische Anspielung” entschuldigte. Woanders im Netz kann man die ursprüngliche Fassung der TV-Kritik freilich noch nachlesen. Dokumentiert ist der Twitter-Dialog zwischen Ponader und Schirrmacher im Blog von Dirk von Gehlen.)
Für die Medien ist einer wie Ponader in jedem Fall ein schöner Neuzugang beim verfügbaren politischen Personal - ganz egal ob man ihn nun doof oder toll findet. Mal sehen, wie lange es dauert, bis dem so plötzliche bekannt gewordenen Piraten Ponader aus seiner Partei Geltungsdrang und Personenkult vorgeworfen werden.
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