Eine umgekippte Giraffe im Dortmunder Zoo dominierte am Dienstag für einige Stunden das Social Web. An vorderster Front: die Ruhr Nachrichten, die live vom Gehege tickerten. Für die einen Real-Satire, fieberten andere mit dem Schicksal des Tieres mit. Im Interview mit MEEDIA spricht der Leiter der Stadt-Redaktion Dortmund, Philipp Ostrop, über die große Resonanz auf den ungewöhnlichen Ticker und den Einsatz neuer Online-Erzählformen im Lokaljournalismus.
Für einige Stunden hat das deutsche Social Web das Schicksal von Tamu live verfolgt. Waren Sie überrascht von der Resonanz?
Jein. Dass der Ticker gut geklickt werden würde, war uns beim Start klar. Dass dann doch so viel Kreatives über Tamu getwittert wurde, hat mich ein bisschen überrascht. Aber gut, es war natürlich relativ einfach, sich über den Ticker lustig zu machen. Insofern war das eine normale Reaktion des Social Webs. Mich wundert vielmehr, dass unser Ticker ein Branchenthema ist.
Gleich drei Mann (bzw. Frauen) waren am Ticker beteiligt. Können Sie den Arbeitsablauf beschreiben?
Zum Verständnis: Die Ruhr Nachrichten haben keine Online-Redaktion. Unsere ehemaligen Print-Redaktionen machen seit Jahren auch die jeweiligen Online-Auftritte. Das vereinfacht vieles und ermöglicht uns, schnell zu reagieren. Die Nachricht nimmt denselben Weg von draußen rein ins Pressehaus, egal ob sie für Print oder für Online ist.
Der Arbeitsablauf ist in solchen Situationen immer so ähnlich wie am Dienstag: Da waren eine Reporterin und ein Fotograf draußen vor Ort. Sie melden ihre Erkenntnisse den Editoren am Desk, die sie dann in den Ticker schreiben. Unser Desk steuert die Print- und Onlineproduktion. Teilweise kann es aber sinnvoll sein, dass auch vom Desk noch recherchiert wird – bei Behördensprechern angerufen wird oder so. Deswegen stehen manchmal mehrere Autorennamen im Ticker.
Auf Twitter war das Thema sehr erfolgreich. Hat sich das auch im Traffic niedergeschlagen?
Der Ticker ist mehrere zehntausendmal geklickt worden. Aber der Artikel war auch bei anderen Portalen verlinkt, etwa bei Spiegel Online und RP-Online. Da hat der Linkfrieden gehalten.
Sie schrieben in einem Kommentar zum Artikel, bei dynamischen Nachrichtenlagen mit lokaler Relevanz gehöre ein Ticker zum Standardprogramm. Wo setzen Sie außerdem noch Live-Ticker ein?
Am Dienstag haben wir bei einem großen Wasserrohrbruch getickert: Ansonsten bei Unwettern, großen Demonstrationen - aber standardmäßig auch bei Amateurfußballspielen und halbwegs wichtigen Ratssitzungen.
Datenjournalismus und Dienste wie Storify sind momentan Trends in der Medienbranche. Kommt so etwas auf lokaler Ebene in Frage? Setzen Sie so etwas schon ein?
Ja klar. Die Reaktionen auf unseren Giraffen-Ticker haben wir bei Storify aggregiert. Und unsere ersten Datenprojekte sehen beispielsweis so (1, 2) aus.
Weiter schreiben Sie: "Wir verschwenden unsere Ressourcen hingegen nicht für Allerweltsticker (Hurrikan Sandy, Euro-Krise etc.), die sowieso überall laufen und keinen lokalen Bezug haben." Auf der Webseite finden sich neben regionaler Berichterstattung viele News mit bundesweiter Relevanz. Widerspricht das nicht Ihrer These?
Natürlich haben wir diese Themen als Agenturmeldungen auf der Website, das gehört sicher zum Vollprogramm. Aber es ist nicht unser Fokus. Nur ganz selten ist eine überregionale Nachricht unsere meistgeklickte Story. In Print setzen wir auch stark aufs Lokale.
Braucht es also doch einen Mix aus nationaler und regionaler Berichterstattung? Und wenn ja: Wie viel Anteil sollten regionale bzw. lokale Inhalte am Gesamtprogramm einer Regionalzeitung bzw. ihrem Online-Auftritt haben?
Eine Regionalzeitung braucht in Print und Online die Grundversorgung an nationalen und internationalen Nachrichten, muss aber einen Schwerpunkt auf das Lokale und Regionale legen. Welchen Anteil regionale Inhalte haben sollten? Jedenfalls deutlich mehr als 50 Prozent.
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