In Deutschland ist das Autorisieren von Interviews gängige, wenn auch umstrittene Praxis. Die New York Times-Chefredakteurin Jill Abramson lehnt das Verfahren ab: In einem Memo an ihre Mitarbeiter fordert sie diese auf, künftig Interviews abzulehnen, wenn eine nachträgliche Freigabe verlangt wird. "Trotz den besten Bemühungen unserer Reporter, befürchten wir, dass die Forderungen nach nachträglichen Zitat-Autorisierungen mittlerweile zu weit gehen", schreibt die 58-Jährige.
Man verstehe, dass Hintergrundgespräche häufig wertvoll und unvermeidlich seien, so Abramson. Diese sollten jedoch gemeinsam mit dem eigentlichen Interview geführt werden und die getroffene Vereinbarung direkt festgehalten werden. Nachträglich sollten Zitate jedoch nicht für die Freigabe oder gar eine Bearbeitung übermittelt werden.
"Von nun an wollen wir diesbezüglich eine klare Linie ziehen", schreibt die Chefredakteurin. Und weiter: "Unter Berufung auf die Leitlinien der Times sollen Reporter nein sagen, wen Quellen als Bedingung für ein Interview verlangen, das Zitate nach dem Gespräch zu ihnen oder Beratern übermittelt werden sollen, um diese gegenzulesen, zu autorisieren oder zu bearbeiten."
Abramson sagt, der Zeitung sei klar, dass dieser Schritt es schwieriger machen wird, namentliche Zitate zu erhalten. Langfristig werde es aber helfen. Man wolle so auch die eignen Reporter wieder stärken. "In der Lage zu sein, sich auf eine klare Times-Richtline zu berufen, sollte ihnen in ihren Anstrengungen helfen und ihnen etwas von dem Druck nehmen, dem sie ausgesetzt sind." Doch weiterhin lässt Abramson die Hintertür für Ausnahmen offen. Über die sollte jedoch individuell mit den Ressortleitern gesprochen werden.
Der Schritt der New York Times dürfte von vielen Medien interessiert beobachtet werden. Die große Nachrichtenagentur Reuters verfolgt bereits die gleiche Politik, wie nun die New York Times. In Deutschland ist die Autorisierung von Zitaten und ganzen Interviews gängige Praxis. Doch auch hier sorgt sie immer wieder für Diskussionen: 2003 druckte die taz ein Interview mit dem damaligen SPD-Generalsekretär Olaf Scholz ab. Da dieser die Antworten nicht autorisierte, wurden diese von der Zeitung geschwärzt.
Die taz schrieb dazu "Was als freiwillige Vereinbarung zwischen Interviewern und Interviewten begann, wird von Politikern immer häufiger missbraucht: Sie beanspruchen, nicht nur Einfluss auf die Antworten zu nehmen - auch missliebige Fragen werden gestrichen." Andere Zeitungen nahmen das Thema auf. Im vergangenen Jahr beschrieb die Zeitung in einem weitren beachteten Fall, wie die Berater von Fußballerin Lira Bajramaj versuchten, ein Interview zu verfälschen.
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