Redakteure des Heise Zeitschriften Verlags solidarisieren sich mit der Belegschaft der Computer Bild Gruppe. Deren Konzernmutter Axel Springer will die Mitarbeiter der Zeitschriften in eine Tochtergesellschaft überführen. In dem Brief heißt es: "Wir protestieren gegen die geplante Auslagerung der Redaktion in nicht tarifgebundene Gesellschaften und die damit offenbar verbundenen geplanten Entlassungen." Der Leserschwund bei Computertiteln werde durch Einschnitte nicht aufgehalten, sondern beschleunigt.
Zur Erinnerung: Ende Februar hatte das Medienunternehmen mitgeteilt, künftig würden Print- und Onlineredakteure in einer gemeinsamen Tochtergesellschaft zusammengeführt. Bisher haben die Print-Mitarbeiter in der AG gewerkelt und ihre Digital-Kollegen in der Computer Bild Digital GmbH. Gegen die Fusion protestieren die Mitarbeiter, sie sehen sich mit Kürzungen ihrer Gehälter und dem Verlust ihrer Jobs bedroht. Offiziell hieß es zunächst, Kündigungen werde es keine geben. Aber: Redakteure, die der "Umpflanzung" nicht zustimmten, müssten mit einer betriebsbedingten Kündigung rechnen.
Die 27 Heise-Redakteure, die vor allem für die Marke c´t schreiben, sehen diesen Schritt als "Missmanagement" des zuständigen Konzernvorstands Andreas Wiele. Wörtlich schreiben sie: "Journalistische Qualität ist nicht zu Dumpinglöhnen zu haben und auch die Computerpresse kann ihre wichtige Funktion zur Aufklärung der Verbraucher über neue, sich technisch rasant entwickelnde Produkte nicht erfüllen, wenn sie unter prekären Verhältnissen und mit personell zu dünn besetzten Redaktionen arbeiten soll."
Auf einen Protestbrief seiner eigenen Mitarbeiter hatte Konzernchef Mathias Döpfner bereits per Mail geantwortet: "Die Zusammenführung der Print- und Online-Redaktionen in der Computer Bild Digital GmbH ist ein entscheidender, wirtschaftlich notwendiger Schritt." Er verwies dabei auch auf "den stark rückläufigen Vertriebs- und Anzeigenmarkt" des Segments.
Bei Heise sind die Redakteure, die den Solidaritätsbrief unterzeichnet haben, indes sicher, dass Sparmaßnahmen den Niedergang der Sparte nur noch beschleunigen. Zitat: "Beispiele, etwa ein aktuelles aus München, sowie die jüngsten IVW-Zahlen belegen das eindrucksvoll. Phantasieloses Streichen bei Stellen und Gehältern in den Redaktionen führt geradewegs ins verlegerische Aus." Mit dem "Beispiel" gemeint ist vermutlich die Zeitschrift Chip, bei der Print- und Onlineoperationen ebenfalls zusammengelegt wurden (der Verlag weist darauf hin, dass die beiden Unternehmen Chip Communications und Chip Xonio Online zwar unter einer Führung gebündelt wurden, unternehmerisch aber eigenständig blieben und die Print- und Onlineredaktionen auch nicht zusammengelegt würden). Die Heise-Redakteure stellen nun einen Zusammenhang zwischen der zuletzt (Quartal IV 2011) um 23 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal eingebrochenen Auflage und der verlegerischen Fusion bzw. Personalkürzungen her. Ob das allerdings so kausal zu sehen ist, wie es in dem Brief dargestellt wird - unklar.
Gegenüber MEEDIA sagt ein Betriebsratsmitglied von Heise, das "klassische Computermagazin" werde es in der Breite wie heute künftig nicht mehr geben, der Leserschwund sei Fakt. Aber: Es gehe darum, neue Modelle mit Phantasie zu entwickeln. Immerhin schrieben die Titel der Computer Bild Gruppe "tiefschwarze Zahlen". Bei Heise selber habe man aktuell keine Befürchtungen, dass der Verlag zu ähnlichen Maßnahmen greifen werde. Denn dort arbeiteten Print und Online-Redakteure schon immer unter einem Dach, zu gleichen Konditionen und zu Tariflöhnen.
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