Kurz vor der Absetzung seiner Show zeigt Harald Schmidt bei Sat.1 noch einmal, wie gute und vor allem intelligente Fernsehunterhaltung aussehen kann. Am Dienstag hatte er das Bochumer Symphonieorchester mit seinem Generalmusikdirektor Steven Sloane sowie Anke Engelke zu Gast. Schmidt legte eine Show hin, die wahrlich Grimme-Preis würdig war. Höhepunkt war ein Einsatz Schmidts als Orchester-Dirigent für den er in Facebook-Kommentaren mit Loriot verglichen wurde.
Die Chemie stimmt einfach zwischen dem sympathischen Bochumer Generalmusikdirektor Steven Sloane und Harald Schmidt - die beiden haben gemeinsam auch schon einige Musikprojekte auf die Beine gestellt. Das Symphonieorchester aus dem Ruhrgebiet übernahm in der Show die Rolle der Helmut Zerlett Band. Bandleader Zerlett saß am Flügel. Auch die Tuschs und Werbemusiken wurden vom Orchester übernommen, was der Show eine besondere Note gab. Talkgast Anke Engelke sang “Sorry seems to be the hardest word” gemeinsam mit Orchester, Schmidt dirigierte, Sloane machte eine Top-Ten-Liste “Die Top Ten Sätze von Erstbesuchern bei einem klassischen Konzert”.
In jüngerer Zeit hat man keine Unterhaltungsshow im TV gesehen, bei der Anspruch, Intelligenz, Witz und Charme auf so lockere und professionelle Art und Weise miteinander verwoben waren wie hier. Die Quote der Dienstagsausgabe der Schmidt-Show war dafür mal wieder besch...eiden mit einem jämmerlichen Marktanteil von 4,6% in der Zielgruppe.<br<br />Aber wer bei einem Mann, der eine solche Sendung wie am Dienstagabend abliefern kann, auf die Quote schaut, ist, mit Verlaub, ein Idiot. Harald Schmidt war schon vor der Nachricht seiner Absetzung bei Sat.1 in hervorragender Form. Mindestens so gut wie zu seiner Hoch-Zeit bei Sat.1, vielleicht sogar besser. Seit er sich den Frust über den Rauswurf von der Seele sendet, hat das Niveau sogar nochmal angezogen.
Harald Schmidt genial gespielte Einlage als Dirigent des Bochumer Orchesters wurde bei Facebook von einem Fan mit Loriot verglichen - nicht zu Unrecht. Den verstorbenen Humor-Altmeister hätte man sich in dieser Rolle genauso vorstellen können. Auch Loriot schaffte es, wie Schmidt, Präzision, Anspruch und Komik zu vereinen. Das können in Deutschland nur ganz wenige. Derzeit dürfte Schmidt damit sogar in seiner eigenen Liga spielen. Müßig darüber nachzudenken, welche Marktanteile in der Zielgruppe ein Loriot nachts um Viertel nach elf bei einem Sender wie Sat.1 geholt hätte.
Das Studiopublikun feiert Schmidt, in der Kommentarspalte seiner Facebook-Seite äußern die Fans nach jeder Sendung ihre Trauer über die Absetzung der Show. Gefühlt genießt die “Harald Schmidt Show” derzeit einen riesigen Zuspruch. Der sich aber nicht in der Quotenmessung niederschlägt. In der ersten Reihe des Publikums am Dienstag saß eine Gruppe junger Männer mit schwarzen T-Shirts, die die Aufschrift “Scheiß auf die Quote” trugen. Recht haben die!
Am 3. Mai läuft die letzte “Harald Schmidt Show” bei Sat.1. Die Folge vom Dienstag mit den Bochumer Symphonikern gibt es hier in der Mediathek.</br<br />
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