Peinlicher Fehler von Sat.1: Das Reportagemagazin "Akte 2011" wollte in seiner gestrigen Folge enthüllen, wer hinter der Läster-Website iShareGossip steckt und ein Interview mit dem Gründer führen. Heute Morgen vermeldeten dann die Lübecker Nachrichten, der 25-Jährige sei in Lübeck festgenommen worden. Doch offenbar sind sowohl die Polizei als auch zuvor die Sat.1-Journalisten auf einen Trittbrettfahrer hereingefallen. Der beschuldigte Manuel T. war zwar für iShareGossip tätig, jedoch nur als Community-Manager.
Die Reportage von Sat.1 nahm eine Sendezeit von mehr als elf Minuten ein und zeigte den Reporter, wie er quer durch Norddeutschland reiste. Dabei bekam er es gar mit gefährlichen Boxern zu tun, die Kontakte zur Rockergang Hell's Angels haben sollen. Nach etlichem Haustürklingeln und gefälschten Adressen machte er den angeblichen Betreiber von iShareGossip in Lübeck ausfindig.
Möglicherweise auch aufgrund der mangelhaften Unkenntlichmachung des blauen Hauses in einer kleinen Nebenstraße konnte die Polizei den 25-Jährigen nur wenige Stunden nach der Sendung festnehmen. Die Lübecker Nachrichten vermeldeten zudem, dass Internetnutzer den Lübecker mit vollständigem Namen und Wohnanschrift bei der Polizei und beim Bundesfamilienministerium "angeschwärzt" hätten.
Das Nachrichtenportal Heise.de fragte daraufhin bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt nach der Identität des Festgenommenen. Ein Sprecher sagte, es handle sich um einen arbeitslosen Trittbrettfahrer, der zunächst vorgegeben hatte, die Website zu betreiben. Im Verhör habe er dann eingestanden, nicht der Betreiber zu sein.
Ab Minute 5:22 kommt der mutmaßliche iShareGossip-Chef zu Wort
Ähnliches liest man im Blog von iShareGossip: "Manuel war eines der ersten Mitglieder im iShareGossip Team. Im laufe seiner 'Karriere' bei uns avancierte er zum de facto Chief of staff der Community. Er kümmerte sich um Moderatoren und legte zur Not auch selbst Hand an." Weiter heißt es, er sei zwar er in einer führenden Position aktiv gewesen, allerdings habe er nie Zugriff auf Server, Bank- und Affiliate Konten gehabt. "Mit seinem Auftritt bei Akte20.11 hat er den Rest des Teams hintergangen und gegen die interne Satzung verstoßen. Dementsprechend haben wir Herr T. von all seinen Rechten und Pflichten bei iShareGossip entbunden und stellen den Kontakt zu ihm ein."
Der 25-Jährige hat in "Akte 2011" vollmundig behauptet, iShareGossip erreiche 1,2 bis 1,4 Millionen Visits pro Monat, wovon jeder zehn Cent wert sei. Mehrere Autos und ein Haus in Frankreich habe er sich von dem Geld gekauft. Realistischer ist wohl, dass er unentgeltlich für das Pöbel-Portal tätig war.
Sat.1 hat die Videobeiträge inzwischen aus seiner Mediathek gelöscht. Der Journalist und Blogger Daniel Bröckerhoff hat sie jedoch bei Youtube herausgesucht und auf seiner Webseite verlinkt.
iShareGossip ist so etwas wie die Speerspitze des Cyber-Mobbings in Deutschland. Auf der Seite verbreiten in erster Linie Schüler anonyme Beschimpfungen. Der Server der Website befindet sich in Schweden. Sich gegen das Cyber-Mobbing von iShareGossip zu wehren, fällt nicht leicht.
Die Mobbing-Website steht seit März auf dem Index. Indizierte Internetseiten können in Deutschland von Suchmaschinen wie Google, Bing oder Yahoo nicht mehr ohne Weiteres gefunden werden. Der direkte Zugriff ist aber weiter möglich.
Update: Sat.1 hat nun veranlasst, dass die Beiträge auch auf Youtube gelöscht werden. Deshalb funktioniert auch das Video in unserem Text nicht mehr.
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