Der Umgang einiger deutscher Medien mit den Geschehnissen um das Relegationsspiel in Düsseldorf sind kein Ruhmesblatt für kritischen Journalismus. Nachdem eine dumme Menschenmasse zu früh auf den Platz gerannt ist, schrieben sich Journalisten um Kopf und Kragen, obwohl sie offenkundig nicht im Stadion waren. Von "Fußball-Schande" wird geschrieben von "Krawallen in Düsseldorf", obwohl es keine Verletzten gab. ARD und ZDF brachten sogar Sondersendungen.
Um eins vorweg zu schicken: Ich (MEEDIA-Autor Jens Schröder) war am Dienstagabend in der Düsseldorfer Arena, hege Sympathien für Fortuna Düsseldorf, bin aber größerer Fan einer anderen Mannschaft, die mit dem Geschehen nichts zu tun hatte. Ich wurde daher Augenzeuge sämtlicher Abläufe. Auch ich verabscheue Bengalos und Böller in Fußballstadien, da sie gesundheitsgefährdend sind und nichts an Orten zu suchen haben, an denen Familien einen schönen Fußballabend erleben wollen. Wäre es bei dem Werfen von Bengalos und Böllern auf das Spielfeld geblieben, hätten sich Journalisten zu Recht aufgeregt, sie hätten Konsequenzen gefordert. Doch der "Skandal", die "Schande", von der nun überall berichtet wird, wurde vom Stürmen des Platzes ausgelöst - und das ist ziemlich lachhaft.
Dass Boulevard-Medien wie Bild.de von einer "Fußball-Schande" sprechen, mag traurig, aber wenig überraschend sein. Dass aber auch die "Süddeutsche Zeitung" von "schlimmen Fankrawallen" spricht, die FAZ behauptet, "Düsseldorf versinkt im Chaos" und sich Rainer Franzke, Mitglied der Chefredaktion des ansonsten wenig hysterischen Fachmagazins kicker so in Rage schreibt, wie an dieser Stelle geschehen, spricht nicht gerade für eine sachliche Berichterstattung (Hier übrigens ein spannender offener Brief an Franzke). Schon immer hat es Platzstürme gegeben, auch verfrühte - und nie hat jemand behauptet, es wäre eine neue Eskalationsstufe von Gewalt in Stadien.
Das Fass zum Überlaufen gebracht haben ARD und ZDF, die Sondersendungen zum Thema ins Programm nahmen und dort wenig reflektierend auf den Skandalisierungszug aufsprangen. Dem ZDF war ein "Spezial" zum Thema "Chaos in deutschen Fußballstadien" nach der 19-Uhr-"heute"-Sendung sogar wichtiger als eins zur Tatsache, dass die Bundeskanzlerin einen ihrer Minister vor die Tür gesetzt hatte. Noch einmal: Hätte es nur die Bengalos und Böller gegeben, niemand wäre auf die Idee gekommen, solche Sondersendungen ins Programm zu nehmen. Oder waren die Bengalos beim DFB-Pokal-Finale irgendjemandem auch nur eine kleine Notiz wert? Um so ärgerlicher ist der Brennpunkt, wenn man sich diesen so unaufgeregten und lesenswerten Kommentar auf tagesschau.de anschaut.
Den verfrühte Platzsturm, der nun womöglich zu einem Wiederholungsspiel führt, über dass sich niemand beschweren könnte, aber so zu skandalisieren, ist falsch. Die Polizei berichtet in einer Pressemitteilung: "So kam es weder vor, während noch nach dem Spiel zu gravierenden körperlichen Auseinandersetzungen oder Gewalt." Und schon die Tatsache, dass die Fans, die zwei Minuten zu früh auf den Platz gelaufen waren, um zu feiern, den Platz wieder freiwillig verließen, nachdem sie ihren Irrtum bemerkt hatten, dass sich einige unterwürfig bei Fortuna-Spielern entschuldigten, nachdem diese sie wieder vom Platz jagten, hätte bei den Berichterstattern dafür sorgen müssen, dass nicht von Krawallen gesprochen wird. Da liefen keine Gewalttäter auf den Platz, keine Hooligans, womöglich nicht einmal Ultras, sondern von Altbier und Aufstiegs-Euphorie vernebelte Fans, die mit ihrer Dummheit nun den sportlichen Erfolg ihrer Mannschaft gefährden.
Die Geschehnisse von Düsseldorf waren von Dummheit geprägt - die Berichterstattung in einigen Medien, die nun die öffentliche Meinung prägt, leider auch.
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