Im Interview mit MEEDIA hat Titanic-Chefredakteur Leo Fischer angekündigt, Widerspruch gegen die Einstweilige Verfügung einzulegen, die Papst Benedikt XVI. gegen das Satiremagazin erwirkt hat. Es geht um ein Titanic-Cover, das den Papst mit einer besudelten Soutane zeigt und auf den Spitzelskandal „Vatileaks“ anspielt. Gerichtskosten würden in den Überlegungen der Titanic keine Rolle spielen, so Fischer: „Wir machen die Zeitschrift aus Überzeugung.“
Wie ist jetzt der aktuelle Stand nach der Einstweiligen Verfügung des Papstes gegen Titanic?
Titanic darf die Covermotive nicht mehr verbreiten, wir dürfen auch Medienvertretern die Zeitschrift nicht mehr aushändigen. Die Kioskauflage darf aber noch verkauft werden. Wir verkaufen auch nach wie vor noch die PDF-Ausgabe, allerdings ohne die Vorder- und Rückseite. Bis auf weiteres.
Wie, bis auf weiteres?
Eine Einstweilige Verfügung ist nun einmal nur „einstweilig“. Wir haben unsere Anwältin damit beauftragt, gegen die EV des Landgerichts vorzugehen und Widerspruch einzulegen. Ich hoffe, dass der Widerspruch noch in dieser Woche rausgehen kann.
Wie argumentieren sie?
Mit der Meinungsfreiheit, der Pressefreiheit, der Freiheit der Kunst und dass der Papst eine absolute Person der Zeitgeschichte ist.
Wo ziehen Sie persönlich die Grenze, was Satire darf?
Die Grenzen der Satire sind da erreicht, wo der Papst geschmäht und bösartig behandelt wird - wie in der falschen und völlig grotesken Fehlinterpretation unseres Titels, wie Sie derzeit von interessierten Kreisen verbreitet wird.
Was sagen zur Aussagen des CSU-Politikers Thomas Goppel, der gegenüber dapd meinte, man solle Ihnen die "Lizenz zum Schreiben" entziehen?
Zu meinem Leidwesen wurde mir die Lizenz schon vor zwei Jahren entzogen, ich fahre derzeit ohne Schein. Bisher bin ich aber Gott sei Dank noch in keine Kontrolle geraten.
Würde sich Titanic auch zutrauen, islamische Geistliche in ähnlicher Weise wie den Papst zu verspotten?
Titanic hat den Islam schon behandelt und wird dies auch weiter tun - denken Sie an unser Titelbild "Religionen im Vergleich", wo wir die Penislängen der großen Weltreligionen dargestellt haben. Der Islam schnitt dabei am schlechtesten ab. Wenn der Islam einen Skandal im Range von "Vatileaks" hervorbringt, werden wir selbstverständlich auch darauf eingehen.
War das Papst-Cover denn in der Redaktion umstritten?
Überhaupt nicht. Das war eine Konferenzidee unseres Autoren und Mit-Herausgebers Oliver-Maria Schmitt, die wir sofort aufgegriffen haben. Allen in der Redaktion war klar, dass dies der Titel sein muss. Wir haben uns dann sofort an die grafische Umsetzung gemacht. Wie soll man ein Leck im Vatikan auch auf andere Weise illustrieren?
Haben Sie mit einer Reaktion des Papstes gerechnet?
Nein, gar nicht. Dass der Papst persönlich zivilrechtlich gegen eine Zeitschrift klagt, ist meines Wissens nach auch beispiellos.
Ihr Vor-Vorgänger als Titanic-Chefredakteur, Martin Sonneborn, hat bei Facebook geschrieben, er wisse nicht, was alberner ist: Das Titanic-Cover oder die Reaktion des Papstes. Verstehen Sie das als Kritik?
Martin Sonneborn ist als unser Herausgeber angehalten, jederzeit Kritik zu üben. Aber ich verstehe das nicht als Kritik an Titanic, sondern eher als Kritik an der völlig überzogenen Reaktion des Vatikans und der deutschen Bischofskonferenz.
Wenn Titanic gegen die Einstweilige Verfügung des Papstes vorgeht, riskieren sie damit auch erhebliche Gerichtskosten ...
Gerichtskosten sind natürlich ein Risiko, mit dem wir immer rechnen müssen. Darum haben wir in der Vergangenheit mit Fonds und schwarzen Kassen vorgesorgt. Da sind mittlerweile fantastische Summen zusammengekommen, so dass wir einem eventuellen Prozess sehr gelassen entgegensehen. Gerichtskosten spielen in der Tat keine Rolle für unsere Überlegungen, was wir zum Titel machen oder nicht. Wir machen Titanic nicht aus irgendwelchen Profitüberlegungen heraus, sondern aus Überzeugung.
Würden Sie bei drohenden, hohen Gerichtskosten auch zu Spendenaktionen aufrufen?
Das würden wir niemals tun. Dann geht die Titanic eben unter.
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