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Dienstag 07. Juni 2011 11:18

Was Apples Newsstand für Verlage bedeutet

Die meiste Aufmerksamkeit der Keynote von Apple-Chef Steve Jobs zog die Ankündigung der iCloud auf sich. Dabei ging ein bisschen unter, dass Apple auch sein digitales Kiosk angekündigt hat: Newsstand. Damit bietet Apple eine Anwendung an, die ganz ähnlich funktioniert wie der iBook-Store für digitale Bücher - nur eben für Zeitschriften- und Zeitungsabos. Aber Newsstand wird die Differenzen zwischen Apple und der Verlagswelt nicht ganz ausräumen können.

Zunächst einmal hört sich das Konzept von Newsstand bestechend an. Wie beim normalen App-Store und dem iBook-Store gewohnt können Nutzer sich diverse Magazine und Zeitungen anschauen, Rezensionen schreiben und lesen und mit einem Klick abonnieren. In dem Demo von Apple waren bereits zahlreiche englischsprachige Zeitungen und Magazine zu sehen: Vanity Fair, Elle, GQ oder der San Francisco Chronicle (die sonst oft bei Apple-Präsentationen vertretene New York Times war dagegen nicht zu sehen...). Interessantes Detail: Bei Newsstand steht Rupert Murdochs iPad-only-Magazin The Daily gleichberechtigt neben den Digital-Ausgaben der etablierten Print-Magazine. Eine für Nutzer sehr praktische Neuheit ist, dass die Ausgaben im Hintergrund geladen werden. Kommt also eine neue Ausgabe heraus, wird diese automatisch geladen, auch wenn man sich gerade mit mit iPad oder iPhone befasst. Schaltet man das Gerät dann ein, ist die Ausgabe bereits da und kann auch offline gelesen werden. Damit entfällt das nervende, zeitraubende und oft instabile Runterladen voluminöser digitaler Magazin-Ausgaben.

Aus Nutzersicht ist also alles im Prinzip gut so, wie es Apple vorgestellt hat. Manche Verlage dürften freilich trotzdem weiter unzufrieden sein. So wird Apple an seinem etablierten 70:30 Modell bei den erlösen festhalten. Das heißt, wollen Verlage auf den Newsstand, müssen sie 30 Prozent ihrer Umsatzerlöse an Apple abgeben. Und es ist auch nicht damit zu rechnen, dass Apple von seinen rigiden Bestimmungen abrückt, was die Herausgabe von Nutzerdaten betrifft. Das ist zwar durchaus im Sinne der Nutzer und Leser, aber die Verlage haben da offenbar eine andere Sicht und würden gerne leichter auf Nutzerdaten zugreifen. Angeblich, um ihre Produkte auf Nutzer zuschneiden zu können, in Wahrheit dürften eher die Adressen und Daten eher für zielgerichtete Werbe- und Marketingaktionen Verwendung finden.

Unklar ist auch noch, wie genau die Magazine und Zeitungen im Newsstand aussehen werden: Lässt Apple bereits bestehende Medien-Apps für den Newsstand zu oder müssen Newsstand-Ausgaben extra programmiert werden? Am Ende ist damit zu rechnen, dass zahlreiche Verlage doch bereit sind, sich auf Apples Bedingungen einzulassen. Das Angebot der Amerikaner ist einfach zu attraktiv für Nutzer, um es zu ignorieren. Und es gibt ein deutliches Ungleichgewicht in Sachen Bedürftigkeit. Wenn diverse Magazine oder Zeitungen im Newsstand fehlen, dürfte Apple das nicht weiter jucken. Es gibt ja tausend andere Dinge, die mit iPhone und iPad angestellt werden können: Musik, Filme, E-Books, Spiele, das Web etc. Mit anderen Worten: Die Verlage brauchen Apples Plattform mehr, als Apple die Inhalte der Verlage braucht.

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07.06.11 12:52

Abo Leser

Es gibt ein Buch in dem die Zeitschriften verzeichnet sind. Bibelpapier, 1-2 Spalten pro Zeitschrift. Da sind hunderte bzw. tausende Zeitschriften drin. Die entstehen meist beim Herausgeber im Wohnzimmer oder Keller oder beim Professor im Büro wenn es eine Fachzeitschrift ist. Der Vertrieb läuft auf Nerd-Messen, Fachtagungen und natürlich per Abo.

Bei iBook reicht eine ISBN-Nummer (kostenlos) und EPUB hochzuladen, um Bücher dort verkaufen zu können.

Interessant wäre, ob Ikea, Aldi, ELV, Conrad usw. ihre Kataloge kostenlos reintun können.

Ebenso, ob die kostenlosen Wochenzeitungen die 2mal wöchentlich im Briefkasten liegen, darauf aufspringen. Das ADAC-Magazin und FC Bayern München haben Millionen bzw. hunderttausend(?) Mitglieder. Die wollen ihre Vereins-Zeitschrift auch auf Mallorca lesen.

Es gibt eine riesige Menge an Zeitschriften ("dunkle Materie" "Unter der Spitze des Eisberges" ...) die nicht am Kiosk liegen.

Wenn also das bei iNewsStand geforderte Format nicht zu exotisch ist und man bei der Druckerei sowieso PDF abgeben muss, könnte das die Konversion der kleinen Zeitschriften zum E-Vertrieb sein.

Der Leser will nicht pro Abo (ADAC, Tageszeitung, Wochenzeitung, Spiegel/Stern/Focus, ...) eine eigene App lernen. Und die Selbst-Verlage können eher keine eigenen Apps bezahlen.

Das beste Beispiel ist die taz, welche den Vertrieb über iBook probierte, was aber auch nicht ging, weil iBook nicht für Periodika gedacht war. Vielleicht ist es nicht einmal für Buch-Reihen oder mehrbändige Bücher wie Lexika-Collections, die X11-Buch-Reihe oder Gesetzesbücher mit verschiedenen Auflagen gedacht.

Wenn man Ausgaben oder Einzel-Artikel einzeln verkaufen kann, kann man auch aktuelle Werbung reintun. Oder man schlägt eine gekaufte alte Auflage auf und sieht aktuelle Werbung.

Danke für das Bashing der Adress-Sammlungen. Ich habe 5 Abos und 3 Vereine und keiner davon nervt mit Werbung oder wenn, wird sie Mitglieder-Anschreiben beigelegt und refinanziert dadurch hoffentlich das Anschreiben wie Einladungen zu Events oder Jahres-Hauptversammlungen.
Keiner von denen braucht (und will) (vermutlich) meine Adresse weiterverkaufen. Fragt doch mal bei ct, gamefront und ADAC und macht eine Liste anständiger Zeitschriften die keine Adressen für den E-Vertrieb brauchen. Eine grobe Einstufung für Werbung kann ich nachvollziehen. Aber da könnte mich iNews-Stand oder HD+ auch fragen, ob ich Werbung für 20-29 Jahre, 30-31 Jahre,... männlich/weiblich single/familie sehen will. Dann werde ich selber schon die richtige Gruppe anklicken, um nicht mit Familien-Auto-, Kukident- oder Schwangerschafts-Test-Werbung zugeflutet zu werden. Schlaue Werbung kann man auch "un-liken" (per Klick am iPhone bzw. auf der HD+- bzw. T-Entertain-Fernbedienung) und kriegt sie nie wieder zu sehen !und! der Werbe-Kunde zahlt dann dafür auch nicht (Trivialpatent und USP gegenüber anderen Werbe-Vermarktern mit zig Prozent Karteileichen bzw. WerbeWegWerfern). Siehe Amazon wo das ja auch geht.

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Stefan Winterbauer ist Medienjournalist und schreibt für MEEDIA über Print, TV, Internet und den digitalen Wandel.

 

 

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