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Mittwoch 27. Juli 2011 15:27

Vom Gratis-Artikel zum Paid-Content-Hit

Die US-Technik-Website Ars Technica hat mit einer Rezension des neuen Apple-Betriebssystems MacOS X Lion einen Paid-Content-Hit gelandet - und zwar als E-Book! Ars Technica veröffentlichte die in Kenner-Kreisen kultisch verehrte Besprechung der neuen Version von MacOS von Autor John Siracusa sowohl gratis im Web als auch als Kindle-E-Book für 5 Dollar. Schon am ersten Tag wurde das E-Book über 3.000 mal runtergeladen. Macht 15.000 Dollar Umsatz in 24 Stunden.

Ars-Technica-Gründer Ken Fisher hat die erstaunliche Erfolgsstory den Leuten beim Nieman Journalism Lab erzählt. Der Text der Lion-Besprechung bei Ars Technica und als E-Book ist exakt der gleiche. Die zahlende Kindle-Kundschaft muss sogar mit einigen Nachteilen leben. So wurde die kostenlose Web-Version des Mega-Artikels (27.300 Worte, 19 Seiten im Web) inzwischen mehrfach aktualisiert und der Kindle kann wegen seines beschränkten E-Ink-Displays Screenshots nicht gut darstellen.

Trotzdem gibt es offenbar ein Bedürfnis, den Text als E-Book zu besitzen. Laut Fisher äußerten einige der Kunden den Wunsch, eine Version “zum Behalten” zu haben. Andere gaben als Kauf-Motivation an, dass sie den Autoren und Ars Technica für den Lesegenuss honorieren wollten. Der Autor John hat freilich nicht direkt etwas vom Verkaufserfolg seines Mini-E-Books. Er bekommt laut Fisher ein vorher festgelegtes Honorar (“Wir zahlen ihm was er verlangt und mehr.”). Es gab offenbar auch einige Beschwerden, dass 5 Dollar viel zu teuer für so einen Text seien. Die überwiegende Resonanz, so Fischer zu den Nieman Labs, sei aber positiv gewesen.

Ars Technica bietet auch einen Premium-Zugang an, der pro Monat ebenfalls 5 Dollar kostet. Premium-Abonnenten haben sogar die Möglichkeit, Artikel im E-Book-Format E-Pub oder als PDF runterzuladen. Es wäre für Kunden also theoretisch sogar lohnender gewesen, ein Monatsabo bei Ars Technica zu kaufen und sich den Siracusa-Text als PDF oder E-Pub-Datei auf den eigenen E-Reader zu laden. Tatsächlich verzeichnete Ars Technica rund 150 neue Abos direkt nach der Veröffentlichung des Textes. Allerdings verkaufte sich das E-Book bei Amazon im selben Zeitraum eben 3.000 mal (und der gratis Artikel im Web erzielte rund 3 Mio. Pageviews - nur zum Vergleich).

Fisher hat dafür eine einfache Erklärung: Amazons Ein-Klick-Einkauf mache Spontankäufe eben sehr leicht. Für Verlage ist diese Geschichte eigentlich eine frohe Botschaft. Das bedeutet: Leute sind bereit für Inhalte zu zahlen, sogar wenn sie genau die gleichen Inhalte auch gratis im Web haben könnten.

Aber zwei Voraussetzungen müssen erfüllt sein bevor man rein darf, ins Pay-Paradies:

1. Der Inhalt muss wirklich sehr gut und möglichst einzigartig sein (was bei dem Siracusa-Text der Fall ist)

2. Die Kaufabwicklung muss einfach und unkompliziert sein (was bei Amazon One-Click-Einkauf der Fall ist)

An beiden Punkten hapert es bei den meisten Pay-Angeboten bisweilen leider noch gewaltig. Aber man weiß nun immerhin, wo man mit Verbesserungen anfangen könnte. Nicht wahr, liebe Verlage...

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Letzte Kommentare

Anzeige: 1 - 1 von 1

27.07.11 16:24

Paid Content-Hit

Von daher wäre es selbstverständlich, wenn man alles auch per Apple-Shop oder Kindle-Shop bekommen könnte, wenn die Preisdifferenz genannt wird und akzeptiert wird.

Aber Verlage können ohne Adressverkauf anscheinend nicht überleben.
Heise und Gamefront verkaufen meine Adresse nicht. Ebenso nicht Adac-Magazin und meine 3-5 anderen Abos bzw. Vereins-Zeitschriften. Daraus müsste man eine Front gegen die Adressverkäufer machen. Legal, konstruktiv und hoffentlich wirksam. Tut nur leider kein Blogger und unterstützt somit Verlinkungs-Gebühren und Leistungs-Schutz. Schade :-(

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Stefan Winterbauer ist Medienjournalist und schreibt für MEEDIA über Print, TV, Internet und den digitalen Wandel.

 

 

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