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Mittwoch 11. Januar 2012 12:30

US-Studie: Kinder lesen lieber E-Books

Die US-Website Digital Book World berichtet über eine interessante Studie, die das Leseverhalten von Kindern bei E-Books und gedruckten Büchern verglichen hat. Überraschendes Ergebnis: Kinder bevorzugen offenbar tatsächlich E-Books gegenüber gedruckten Büchern. Und: Das Lesen von E-Books hat keinen negativen Effekt auf den Lerneffekt beim Lesen. Bei so genannten Enhanced Books sah das Ergebnis der Studie allerdings schon wieder ganz anders aus.

Eigentlich bin ich selbst auch ein Verfechter der These, dass es sinnvoller ist, wenn Kinder zuerst an “echte”, gedruckte Bücher herangeführt werden und später im Jugendlichen-Alter an digitale Medien herangeführt werden. Kinder können gedruckte Bücher im wahren Wortsinn “begreifen”. Gedruckte Bücher verraten uns etwas darüber, wie Inhalte und Informationen sortiert sind, man lernt eine gewisse Gründlichkeit und entdeckt beim Blättern vielleicht auch andere, interessante Dinge.

In der kleinen Studie, die nun bei Digital Book World referiert wird, wurden 24 Familien mit Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren beim Lesen beobachtet. Die meisten Kinder in dem Testfeld bevorzugten E-Books. Und: Die Ergebnisse beim Leseverständnis waren beim E-Book und bei Print gleich. Müssen wir also umdenken?

Vielleicht. In der Tat darf man sich keine Illusionen machen: Die Vorliebe, die viele der heute zwischen 30- und 50-Jährigen noch für das gedruckte Buch hegen, ist aus Sicht der jüngeren Generation pure Nostalgie. Ein Kind, das heute aufwächst, versteht womöglich genau so wenig, warum es ein dickes schweres Buch in seiner Schultasche mitschleppen soll, wie es nachvollziehen kann, warum man früher komische, riesige Plastikscheiben mit Rillen gesammelt hat und was daran toll sein soll, dass diese "Kassetten" so arg rauschen.

Immerhin kann ein Schulkind die gleichen Inhalte auf einem leichten, E-Reader oder Tablet genau so gut lesen wie auf einem gedruckten Buch und hat deutlich weniger zu schleppen. Nicht umsonst zielt Apple in seiner nächsten Produktvorstellung angeblich darauf, die Schulbuch-Industrie zu revolutionieren. Ein Projekt, das dem verstorbenen Apple-Gründer Steve Jobs sehr am Herzen lag.

Die zitierte Studie taugt als endgültiger Beweis für die Überlegenheit des E-Books aber auch nicht. Dafür war das Testfeld schlicht zu klein. Weitere, größer angelegte Untersuchungen sind nötig. Trotzdem gibt die Studie einen interessanten Fingerzeig. Ein weiteres Ergebnis der Studie war übrigens, dass der Lernerfolg bei so genannten Enhanced E-Books, also E-Books die mit interaktiven Features oder Multimedia aufgemotzt sind, deutlich schlechter wurde. Hier hat das Drumherum dann offenbar vom eigentlichen Inhalt zu sehr abgelenkt. Und das ist, bei allem Kulturpessimismus, den E-Book-Verächter ab und an zeigen, doch auch eine beruhigende Nachricht.

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Letzte Kommentare

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Ein Argument, das heute wieder vergessen scheint, obwohl es vor einigen Jahren kraftvoll gegen die digitalen Medien vorrückte: Papier ist noch nach hunderten und teilweise tausenden von Jahren lesbar. Digitale Speicher dagegen sind nach relativ kurzer Zeit nicht mehr auslesbar. Wenn es in der Zukunft dann überhaupt Geräte geben wird, die Daten auszulesen. Es könnte also sein, dass wir den Archäologen der Zukunft ein dunkles Zeitalter bescheren.

07.02.12 10:28

Mikail T. Web-Site

Naja alles hat seine Vorteile und Nachteile...
Es ist jedermann eigene Sache, wie er/sie darüber denkt.

Ich bin selber auch ein Befürworter der "älteren Büchergeneration"
Genauso wie es Jonathan Franzen gesagt hat: "Man war so überzeugt davon, dass man es mit Tinte gedruckt hat, aus Papier. Ein Bildschirm fühlt sich immer so an, als könnte man alles löschen, verändern, herum bewegen"

Jedoch bringt das eBook die jüngere Generation zum Lesen. Fragt sich nur wie lange.
Wer weiß, vielleicht wird es mit der Zeit ja genauso "altmodisch" oder "veraltet" sein. Und es wird wieder eine neue Art des Buches geben.
Bekanntlich kennt die Technik ja keine Grenzen.

Dennoch wird man niemals einen eBook mit einem Buch vergleichen können.
Ich meine ja, das Buch hat dennoch mehr Klasse als alles Nachgeahmte.

27.01.12 02:58

Wolle Bart Web-Site

Man sollte bei Studien immer skeptisch sein. Abgesehen von dem Unterschied zwischen den USA und Deutschland. Letztens las ich einen Bericht über einen Vortrag irgendeiner bekannten Dame über die Vorteile des Kindle gegenüber dem gedruckten Buch, den sie mit einer positiven Prognose zur Zukunft des Kindle verband. Das Ganze in einer Universität vor Germanistik-Studenten. Die allerdings waren gar nicht begeistert. Mein Gott, vor einem Kindle kann man doch überhaupt nicht die Muße zum ausgiebigen Lesen finden. So what jetzt?

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Stefan Winterbauer ist Medienjournalist und schreibt für MEEDIA über Print, TV, Internet und den digitalen Wandel.

 

 

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