Sony macht ernst mit einem Angriff auf die Dominanz von Amazons Kindle im E-Book-Markt. Im Oktober kommt der neue Sony E-Reader Sony Reader PRS-T1 für rund 150 Euro auf den Markt. Bis Ende des Jahres soll Sony Online-E-Book-Store Reader Store auch in Deutschland offiziell öffnen. Der neue E-Reader von Sony bietet wie der Kindle die Möglichkeit, von unterwegs drahtlos E-Books zu laden. Außerdem ist er leichter als der Kindle und verfügt über einen Touch-Screen.
Der Touch-Screen des neuen Sony Readers (hier der Bericht dazu von lesen.net) kann mit Hilfe der bekannten Zwei-Finger-Gesten z.B. Texte zoomen oder verkleinern. Analog zum Kindle ist der neue Sony Reader mit einem Englisch-Wörterbuch ausgestattet und man kann von unterwegs aus Google und Wikipedia abfragen. Vorausgesetzt, man befindet sich in einem WLAN-Netz. Sony hat die Alu-Hülle des Vorgängermodells zu Gunsten von Plastik aufgegeben. Das macht das Gerät ein bisschen weniger wertig, verringert aber auch das Gewicht.
Mindestens ebenso wichtig: Sony bringt seinen Online-E-Book-Store namens Reader Store zum Jahresende auch nach Deutschland und Österreich. Frankreich, Italien und Spanien folgen im Laufe von 2012. Im Oktober soll der Reader Store (hier die US-Version) mit Verkaufsstart des neuen Sony Readers in Großbritannien öffnen. Sony bietet dort E-Books im gängigen E-Pub Format an. Damit können auch andere E-Reader, die E-Pub und den entsprechenden Adobe-Kopierschutz unterstützen E-Books aus dem Reader Store anzeigen.
Aber: Kindle und iPad bleiben außen vor. Amazons Kindle unterstützt bekanntlich kein E-Pub, was ich für einen großen Fehler von Amazon halte. Das iPad unterstützt zwar E-Pub, aber nicht den vom Reader Store eingesetzte Version des Adobe Kopierschutzes. Es bleibt dabei: Neben der Verweigerungshaltung der Verlage (vor allem in Deutschland), bleiben das Formate-Hickhack und der Ärger mit unterschiedlichen Kopierschutz-Versionen der größte Ärger für E-Book-Kunden.
Trotzdem ist Sonys neuer ein mächtiger Konkurrent für den Kindle. Der Preis stimmt, es gibt einen eigenen E-Book-Store, die Möglichkeit zum Drahtlos-Einkauf und obendrauf einen Touchscreen - auch wenn man den bei einem E-Reader jetzt nicht unbedingt braucht. Es wird spannend, ob und wie Amazon auf den Neuen reagiert.

Stefan Winterbauer ist Medienjournalist und schreibt für MEEDIA über Print, TV, Internet und den digitalen Wandel.