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Mittwoch 18. April 2012 10:47

Pottermore - dunkle Bedrohung für Verlage

Pottermore.com ist nach rund zwei Jahren Entwicklungszeit endlich für Alle zugänglich. Bisher war die Onlinewelt rund um Harry Potter nur für Betatester offen. Nach einer umfänglichen Registrierung kann man nun in einer Art Online-Spiel alle Bücher rund um Zauberschüler Harry Potter in Hogwarts in stimmungsvoller Grafik nachspielen, mit anderen Fans in Kontakt treten und exklusiv E-Books und Hörbücher zu Harry Potter kaufen. Die Potter-Schöpferin Joanne K. Rowling umgeht damit die Verlage.

Zunächst zu Pottermore selbst: Die ganze Website ist äußerst komplex und professionell gemacht. Man kann die einzelnen Kapitel aller sieben Harry-Potter-Bücher in sehr stimmungsvollen Grafiken mit passenden Soundeffekten nacherleben. Dabei kann man sich mit der Computermaus innerhalb der Grafiken bewegen, Objekte aufsammeln, Gebäude betreten und Texte von J.K. Rowling freischalten. In den speziell für Pottermore geschriebenen Texten erzählt die Autorin einiges an Hintergrundwissen und Anekdoten rund um Harry Potter.

Das Besondere bei den liebesvoll gestalteten Grafiken und Soundeffekten ist, dass sie durch ein cleveres Spiel mit Schärfe und Unschärfe einen fast räumlichen Charakter bekommen. Der Spieler erhält zu Beginn einen Zauberernamen (kann man nicht frei wählen), bekommt in der Winkelgasse einen Zauberstab und wird schließlich einem der Hogwarts-Häuser zugeteilt. Pottermore funktioniert wie ein Online-Spiel zu Harry Potter. Aber man kann auch Kommentare anderer Nutzer lesen, sich mit ihnen als Freunde verbinden und die zum Beispiel zu Zauber-Duellen herausfordern.

Pottermore ist vielleicht am besten beschrieben als eine Mischung aus Onlinespiel und Community mit angeschlossenem Webshop. Denn das ist natürlich auch nicht unwichtig: Die Harry Potter Bücher werden bei Pottermore erstmals digital vertrieben. Und zwar ausschließlich bei Pottermore. J.K. Rowling hat hier klassische Verlage und Vertriebsunternehmen vom Umsatz mit digitalen Harry-Potter-Büchern schlicht ausgeschlossen. Ein Zaubertrick, der in der Verlagswelt nicht besonders gut angekommen ist. Plötzlich bekommt die Autorin eines Werkes demografische Daten, Adressen und weitere Informationen zu den Lesern ihrer Bücher ganz direkt - ohne Umweg über die Verlage. Das macht J.K. Rowling nicht nur zu einer der reichsten Buchautorinnen aller Zeiten, sondern wahrscheinlich auch zur am besten informierten.

Außer den Bücher und Hörbüchern (derzeit auch nur auf Englisch), gibt es im Webshop von Pottermore (noch) nichts zu kaufen. Das kann sich aber ändern. J.K. Rowling hat hier ein kostenloses Top-Angebot für Harry-Potter-Fans auf die Beine gestellt. Sie selbst erhält dafür einen direkten Draht zu ihren Lesern und kann sie über Pottermore ganz ohne Umwege über neue Produkte informieren und diese auch gleich verkaufen.

Für Harry-Potter-Fans ist das werbefreie und kostenlose Pottermore ein tolles Onlinespiel samt Community mit Gleichgesinnten. Für die Autorin ist Pottermore ein prima Rückkanal zu ihren Lesern und eine clevere Vertriebs- und Marketingplattform. Für Verlage ist Pottermore nichts weniger als eine Bedrohung.

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Letzte Kommentare

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Marcel Gruber

@M.: Deine Kritik ist unberechtigt! Stefan Winterbauer muss sich als bekennender Fanboy der BILD-Zeitung nicht an journalistische Regeln halten. ;

19.04.12 11:33

M .

"am besten informiertesten" = am besten informierten

besteste Grüße
M.

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Stefan Winterbauer ist Medienjournalist und schreibt für MEEDIA über Print, TV, Internet und den digitalen Wandel.

 

 

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