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Mittwoch 18. Januar 2012 11:42

Krempelt Apple jetzt die E-Book-Branche um?

Kurz vor dem Apple-Event am Donnerstag in New York hat die US-Website Ars Technica ein hoch interessantes Gerücht präsentiert, was es bei der Präsentation zu sehen geben könnte. Demnach plant Apple eine Art “Garage Band für E-Books”. Garage Band ist ein Programm, mit dem selbst Laien ohne Vorkenntnisse Lieder produzieren können. Angeblich hat Apple ein Programm, mit dem man genauso einfach E-Books herstellen und veröffentlichen kann. Der Effekt auf die Branche könnte gigantisch sein.

Bisher ist es nämlich gar nicht so leicht, ein professionelles E-Book zu erstellen und bei den einschlägigen Verkaufsplattformen online anzubieten. Meist sind dafür die Dienstleistungen von Spezialunternehmen notwendig. Bietet Apple ein Programm an, dass die Produktion von E-Books ähnlich intuitiv und einfach machen würde, wie Garage Band die Produktion von Musik vereinfacht hat, wäre das eine Revolution für den E-Book-Sektor.

Bisher haben sich die Hersteller auf den Konsum von E-Books konzentriert: bessere Reader, bessere Software zum Anzeigen und Lesen der Bücher. Die Hersteller-Seite wurde völlig vernachlässigt. Ein einfach zu bedienendes E-Book-Produktionsprogramm könnte so schnell zum Standard der Branche werden und den Durchbruch für den Independent-Markt von E-Book-Autoren an klassischen Verlagen vorbei bedeuten.

Das ist auch für Amazon gefährlich. Denn laut Ars Technica wird Apple wahrscheinlich auch bekanntgeben, dass der neue E-Book-Standard ePub 3 künftig vom iBook-Store unterstützt wird. Das würde die Produktion von E-Books mit zusätzlichen interaktiven und multimedialen Inhalten deutlich vereinfachen. Warum das für Amazon gefährlich ist? Weil Amazons E-Reader Kindle das ePub-Format nicht unterstützt. Schon jetzt schickt sich das iPad an, den reinen E-Readern wie dem Kindle den Rang abzulaufen. Die mausgrauen E-Ink-Displays von Kindle und Co. sind beim Lesen langer Texte zwar deutlich augenfreundlicher - der Großteil der Konsumenten legt darauf aber offenbar keinen gesteigerten Wert und nutzt lieber Alleskönner-Tablets wie das iPad.

Sollte Amazon nicht einlenken und mit dem Kindle künftig auch ePub unterstützen, könnte es sein, dass Amazon den Anschluss an einen neuen E-Book-Standard verliert. Aber nicht nur Amazon dürfte mit Sorge am Donnerstag nach New York schauen. Angeblich geht es bei dem Apple-Event ja auch im eine Initiative, wie das iPad bei Lehrbüchern (Textbooks) eingesetzt werden soll. Bei Lehr- und Fachbüchern gibt es noch extrem hohe Gewinnmargen. Von den Problemen der Publikumspresse blieben die Fachverleger bislang weitestgehend verschont. Das könnte sich nun mit einem Schlag ändern. Steve-Jobs-Biograph Walter Isaacson hat den verstorbenen Apple-Gründer mit den Worten zitiert, dass die Fachbuch-Branche “eine Acht-Milliarden Industrie ist, reif für die digitale Vernichtung.” Jobs hat das ganz sicher ernst gemeint. Und das sollten die Fachverleger auch tun.

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Letzte Kommentare

Anzeige: 1 - 10 von 10

01.12.12 13:56

airport car saif Web-Site

Über die Qualitäten von Garage Band wissen Sie sicher sehr viel besser Bescheid als ich, da sie bestimmt schon ganz viele Musikstücke damit erstellt haben. Ich habe nur welche gehört und die klagen in meinen Ohren zumindest "professionell". Naja. Aber das liegt wahrscheinlich im Ohr des Zuhörers.

24.01.12 20:32

Steffen Grün

Beleg? Vorallem der Link von Lars S (danke dafür!) Ansonsten? Meine persönliche Erfahrung, ich habe schon mit vielen Leuten gesprochen welche sich überlegt haben ein Tablet zukaufen um darauf Bücher zu lesen, diese liegen ja in diveresen Märkten aus und dort konnten sie sich überzeugen wie "gut" sich ein Tablet zum lesen von Büchern eignet.
Als sie dann meinen eBook-Reader zum Vergleich genommen haben waren alle die die nur ein Gerät zum lesen brauchen überzeugt!
Von denen die sich dann doch für ein Tablet entschieden haben (weil eben auch noch andere Dinge wichtig waren, z.B. Zeitschriften, surfen) hat sich über die Hälfte inzwischen zusätzlich noch einen eBook-Reader mit eInk gekauft.

Herr Winterbauer nehmen sie es mir nicht übel aber was sie für den eBook-Markt halten (interaktiver und multimedialer Elemente) ist nur ein Teil dessen was den eBook-Markt ausmacht, der eBook-Markt ist vorallem "schwarze Schrift auf hellem Grund".
Natürlich gibt es einen Teil des eBook-Marktes der mit bunt und interaktiven Elementen daher kommt (Lehrbücher, Fachbücher, Zeitschriften).
Darauf ist jetzt übrigens auch die Präsentation von Apple hinausgelaufen, Lehrbücher (obwohl die es mit dem ePub-Standard auch nicht so richtig ernst nehmen).

20.01.12 09:58

Lars S

ist zwar schon ein paar monate alt aber passt ganz gut zur diskussion:
http://pewinternet.org/Reports/2011/E-readers-and-tablets/Report.aspx
das untermauert eher die aussage von steffen grün, aber wie immer gilt: trau keiner statistik die du nicht selbst gefälscht hast

19.01.12 17:25

Ein User

"Un bevor Sie Anfangen, eine neue Software zu bewerten und zu behaupten, dass diess und jenes das einzige neue Feature daran sei - wollen wir da alle nicht erst einmal abwarten, bis diese neue Software da ist?"

Ähm ja... worum ging es in ihrem Artikel nochmal genau?

Keine Angst, das war eine rein rhetorische Frage und ich werde sie nun mit weiteren "Stänkereien" verschonen :-)

"Es wäre zudem nett, wenn Sie Ihre Kritik weniger beleidigend und aggressiv äußern würden. Vielen Dank."

:-D

19.01.12 17:13

Stefan Winterbauer

@Ein User Ach so, sie finen alles blöd und wissen es besser. Na, da kann man wohl nix machen. Seien Sie doch so freundlich und verstecken Sie sich künftig nicht hinter einem Pseudonym. Das macht ihre Stänkereien dann ein wenig glaubwürdiger.

Also: Dass die US-Umfrage unter US-Publishern war, hatte ich in dem Text ja auch geschrieben. Trotzdem finde ich das Ergebnis sehr interessant. Wie gesagt, wenn Sie andere Zahlen zu bieten haben, dann nur her damit. Bisher sehe ich da leider nichts.

Un bevor Sie Anfangen, eine neue Software zu bewerten und zu behaupten, dass diess und jenes das einzige neue Feature daran sei - wollen wir da alle nicht erst einmal abwarten, bis diese neue Software da ist?

Über die Qualitäten von Garage Band wissen Sie sicher sehr viel besser Bescheid als ich, da sie bestimmt schon ganz viele Musikstücke damit erstellt haben. Ich habe nur welche gehört und die klagen in meinen Ohren zumindest "professionell". Naja. Aber das liegt wahrscheinlich im Ohr des Zuhörers.

Also: Trauen Sie sich, zu Ihrem Namen zu stehen, so schlimm wird er schon nicht sein, und hauen Sie mir Zahlen oder Studien um die Ohren, die ihre Behauptungen untermauern. Ich freu mich drauf.

19.01.12 17:01

Ein User

@Stefan Winterbauer:
Wenn sie Statistiken und Infografiken bemühen, dann geben sie diese bitte auch korrekt wieder. Bei der von Ihnen argumentierten Grafik von ebookfriendly.com handelt es sich um eine Umfrage unter "book publishers" (!).
Ob man das Umfrageergebnis von 1300 Verlegern 1:1 auf zig Millionen Endkunden (die ein iPad, Kindle & Co. besitzen) umlegen kann wage ich zu bezweifeln.
Die Format-Standard-Diskussion halte ich ebenfalls für haltlos, da sich die Unterstützung anderer bzw. neuer Formate jederzeit über Softwareupdates lösen lässt. Jedenfalls sofern dies gewollt ist, Stichwort DRM.
Die Integration von interaktiven bzw. Multimedia Inhalten ist demnach der einzige wirkliche "Vorteil" welchen die neue Software bieten würde, allerdings ist jedes zweitklassige Textverarbeitungsprogramm dazu schon seit Jahren in der Lage.
Achja, dass man mit Garage Band professionell Lieder produzieren kann ist mir auch recht neu. Vielleicht gibt es da aber auch eine Statistik, beispielsweise von media-control.de ;-)

19.01.12 15:54

Stefan Winterbauer

@Steffen Grün Nun ja. Ganz so simpel, wie sie die Sache darstellen ist sie nicht. Laut einer recht aktuellen Bitkom Studie, die besagt, dass der Tablet Markt ungleich schneller wächst als der Markt für reine E-Reader. Bei ebookfriendly gab es unlängst eine sehr interessante Infografik, die sich auf das E-Book-Nutzerverhalten in den USA bezog(http://meedia.de/background/meedia-blogs/stefan-winterbauer/stefan-winterbauer-post/article/tablets-werden-zu-massenprodukten_100038589.html). Dabei kam heraus, dass 25 % der Befragten das iPad als E-Book-Lesegerät bevorzugen. 18 % den Kindle. Tablet und E-Reader sind natürlich verschiedene Produkte. Aber im Endkundenbereich konkurrieren sie selbstverständlich. Der Kunde steht vor der Kaufentscheidung, ob er ein iPad kauft (recht teuer, kann viel) oder einen E-Reader (vergleichsweise genügt, kann eine Sache). Der Hinweis, dass man die beiden Gerätekategorien nicht vergleichen dürfe, geht meiner Auffassung nach völlig an der Realität vorbei.

Sollten Sie Zahlen haben, die belegen, dass auf dem iPad weniger E-Books konsumiert werden als auf E-Readern, dann nur her damit. Velleicht haben Sie ja tatsächlich so viel "Ahnung, wie Sie behaupten. Dann wäre ein kleiner Beleg ganz hilfreich.

Dass man bei Amazon E-Books veröffentlichen kann, ist mir auch bekannt. Bei den Gerüchten um das neue Apple Programm geht es freilich darum, dass die mit Hilfe einer einfach zu bedienenden Software inklusiver interaktiver und multimedialer Elemente geschehen könnte. Steht ja auch so im Text.

Dass Amazon ePub weiter ignoriert mag sein. Ich halte das für einen großen Fehler, sollte sich ePub als Standard durchsetzen. Aber das steht ja auch so schon im Text.

Es wäre zudem nett, wenn Sie Ihre Kritik weniger beleidigend und aggressiv äußern würden. Vielen Dank.

19.01.12 14:56

Ein User

@Steffen: Full ACK! Besser kann man es eigentlich nicht auf den Punkt bringen.

Ich bin mal gespannt welche Superlative der Autor auf Lager hat wenn Apple dieses Jahr den 32 Zoll Fernseher erfindet und damit den TV Markt "umkrempelt"...

19.01.12 13:36

Steffen Grün

Noch gleich noch eins hinterher, Amazon wird sicher nicht auf epub umsteigen, da sie erst vor ein paar Tagen offziel ihr eigenes, auf CSS3 basierendes, Format vorgestellt haben.

Btw. gibt es schon lange die Möglichkeit für Autoren ihr Bücher als doc oder odt an Amazon zu schicken welche diese dann umsonst in ein eBook verwandelt haben.

19.01.12 13:32

Steffen Grün

Schon jetzt schickt sich das iPad an, den reinen E-Readern wie dem Kindle den Rang abzulaufen. Die mausgrauen E-Ink-Displays von Kindle und Co. sind beim Lesen langer Texte zwar deutlich augenfreundlicher - der Großteil der Konsumenten legt darauf aber offenbar keinen gesteigerten Wert und nutzt lieber Alleskönner-Tablets wie das iPad.

Wenn man keine Ahnung hat, usw. (Frei nach Dieter Nuhr). Tablets und eInk eBookReader sind 2 völlig unterschiedliche Produkte, weshalb der Vergleich sich ja schon per se verbietet.
Nichts desto trotz, wer lesen will greift in 95% aller Fälle zu einem eBookReader mit eInk, ermüdungsfreies Lesen und Akkulaufzeiten von bis zu 4 Wochen (oder noch länger) sind Argumente bei denen kein Tablet mithalten kann.
Und Amazon macht es ja vor trotz des Kindle Fire wurden wieder neue eInk Reader entwicklet und vorgestellt, es heisst eben nicht Tablet oder eBookReader sondern, sowohl als auch.
Nur Apple hat das anscheinend nicht verstanden den ein Vorstoß das das lesen auf LCD vom Großteil der Kunden angenommen wird wenn gleichzeitig einen für diesen Zweck bessere und billigere Alternative vorhanden ist wird nicht klappen, da kann sich die Seite beim umblättern noch so schön animiert sein...

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Stefan Winterbauer ist Medienjournalist und schreibt für MEEDIA über Print, TV, Internet und den digitalen Wandel.

 

 

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