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Montag 18. Juni 2012 12:07

E-Book-Umsätze überholen Hardcover

Neue Zahlen zum Buchmarkt in den USA belegen mal wieder, wie fundamental unterschiedlich sich E-Books dort und hierzulande entwickeln. Während das E-Book in Deutschland ein Nischendasein führt, floriert das Geschäft in den USA. Laut aktuellen Zahlen des US-Verlegerverbandes haben die Umsätze mit E-Books in diesem Jahr erstmals die Umsätze mit gedruckten Hardcover-Büchern überholt. Marktführer Amazon hatte bereits 2011 verkündet, dass er mehr E-Books als gedruckte Bücher verkauft.


Die neuen Zahlen der Association of American Publishers sind wichtig und beeindruckend, weil sie nicht nur die Mitteilung eines einzelnen (wenn auch sehr großen) Markteilnehmers wie Amazon sind, sondern für die gesamte Buchbranche in den USA gelten. Demnach wurden mit Hardcover-Büchern in den USA 2012 bis dato 229,6 Mio. Dollar umgesetzt, ein Plus von 2,7% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Mit E-Books wurden im gleichen Zeitraum 282,3 Mio. US-Dollar umgesetzt, ein Plus von 28,1%.

Mit Paperbacks (Taschenbüchern) wurde ein Umsatz von 299,8 Mio Dollar gemacht - ein Minus von 10,5% im Vergleich zum Vorjahr! Wohin führt diese Entwicklung? Drei Thesen hierzu:

1. E-Books werden in relativ kurzer Zeit in den USA mehr Umsatz machen als Hardcover und Taschenbücher zusammen.

Das ist abzusehen. Marktführer Amazon hat mit dem Kindle diese Entwicklung in der Gesamtbranche vorweggenommen. Im Juli 2010 hat Amazon in den USA erstmals mehr Kindle E-Books verkauft als Hardcover. Im Januar 2011 überholten die Kindle E-Book-Verkäufe die Paperbacks und im Mai 2011 hat Amazon mehr Kindle E-Books verkauft als Hardcover und Paperbacks zusammen. Dies wiederholt sich derzeit mit Zeitverzögerung für den gesamten Buchmarkt in den USA.

2. Paperbacks sind die großen Verlierer des digitalen Wandels der Buchbranche.

Günstige Paperbacks haben es in Konkurrenz zu E-Books noch einmal schwerer als Hardcover. Dies zeigt die Umsatz-Entwicklung in den USA deutlich. Paperbacks verlieren zweistellig, während Hardcover-Umsätze sogar noch leicht zulegen. Das E-Book ist prädestiniert für den Konsum von Unterhaltungs-Literatur, E-Book-Käufer sind preisbewusst. E-Books sind extrem mobil. Man könnte auch sagen: Das E-Book ist so etwas wie das Taschenbuch/Paperback der Zukunft. Hardcover haben dagegen als Geschenk- und Bildbände oder Sammlerstücke immer noch eine ureigene Existenzberechtigung in gedruckter Form.

3. Die Entwicklung bleibt nicht auf die USA beschränkt.

Zwar bemüht sich die Buchbranche in Deutschland mit allen Mitteln, die Attraktivität von E-Books klein zu halten und zu reden - die Vorteile von E-Books bei “Alltags”- und Unterhaltungsliteratur sowie bei Schul-Literatur sind aber derart bestechend, dass sich das E-Book mit einer gewissen Zeitverzögerung auch hierzulande durchsetzen wird.

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Letzte Kommentare

Anzeige: 1 - 5 von 5

30.11.12 09:02

houston thanksgiving limo saif Web-Site

Mit Paperbacks (Taschenbüchern) wurde ein Umsatz von 299,8 Mio Dollar gemacht - ein Minus von 10,5% im Vergleich zum Vorjahr! Wohin führt diese Entwicklung? Drei Thesen hierzu:

06.07.12 12:24

Tami Janowitz

Also ich muss Eva rechtgeben! Es wird sich sicher noch einiges verändern. Eine interessante Website zu diesem Thema ist übrigens http://www.veroeffentlichen-heute.de

26.06.12 14:05

Ingo Krüger Web-Site

Hallo Stefan, also nenn mich altmodisch oder so, aber ich bleibe lieber bei der Hardcover-Version. Da brauche ich keine Batterie und kann das Ding verkaufen wenn ich es gelesen habe.

24.06.12 16:28

Steffen Meier Web-Site

"Zwar bemüht sich die Buchbranche in Deutschland mit allen Mitteln, die Attraktivität von E-Books klein zu halten und zu reden"...ach herrje. Das klingt nach Vorsatz, nach dämlicher, rückwartsgewandter Buchbranche.

Für mich klingt das aber ehrlich gesagt eher nach einem in Unkenntnis der Binnenlage geschriebenen Bonmot der selbsternannten digitalen Bohème. Hier wäre es vielleicht sinnvoll, einmal die Kollegen aus den Verlagen zu befragen, die gerade massivst in das Thema investieren und sich durchaus innovativ über neue E-Book-Modelle Gedanken machen.

Zudem ist der Blick über den Teich als direktem Vergleich schlicht Unfug, da die Standortfaktoren komplett andere sind. Und die Zahlen der AAP würde ich, der ich mich in letzter Zeit sehr intensiv mit dem Thema valide Marktzahlen auseinandergesetzt habe, mit größter Vorsicht genießen.

22.06.12 08:35

Eva Klaus Web-Site

Die Entwicklung wird auch in Europa nicht aufzuhalten sein. Je mehr Endgeräte herauskommen, desto schneller wird sich das auch hier entwickeln. Die Frage bleibt nur, wie sich die Branchenstrukturen da anpassen werden. Können klassische Verlage sich so schnell an diese Entwicklung einstimmen oder werden neue Player (wie amazon mit dem Kindl) diese überrollen? In den USA hat amazon ja begonnen auch Bestseller-Autoren als Verlag zu bedienen. Da werden langsam ganze Zwischenstufen vom Autor zum Endkunden einfach übersprungen. Eine spannende Zeit kommt auf uns zu.

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Stefan Winterbauer ist Medienjournalist und schreibt für MEEDIA über Print, TV, Internet und den digitalen Wandel.

 

 

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