Amazon hat eine Bilanz seines deutschen Direct Publishing Programms gezogen. Seit 15 Monaten können Nutzer via Amazon relativ einfach eigene E-Books auf der Kindle-Plattform veröffentlichen. Top-Seller ist demnach Jonas Winner, der von der Thriller-Reihe “Berlin Gothic in zehn Monaten über 100.000 Kindle-E-Books verkauft hat. Die Kindle-Bestsellerliste für das erste Halbjahr 2012 führt die hauptberufliche Flugbegleiterin Martina Gercke mit ihrem Roman “Holunderküsschen” an.
Laut Amazon stammen 2012 sieben der bisherigen Top 10- und 49 der Top-100-Kindle-Beststeller von Autoren, die das Direct Publishing Programm nutzen. Hier die Top Ten der Kindle-Bestseller für das erste Halbjahr 2012:
1. Martina Gercke: Holunderküsschen, Kindle Direct Publishing, 2,99 Euro
2. Jonas Jonasson: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand, Carl's Books, 11,99 Euro
3. Fulvio Di Luca: Der Junge, der Träume schenkte, Lübbe, 8,49 Euro
4. Michael Linnemann: Rachezug: Thriller (Teil 1 von 2), Kindle Direct Publishing, 2,99 Euro (zusammen mit Teil 2)
5. Michael Linnemann: Rachezug: Thriller (Teil 2 von 2), Kindle Direct Publishing, 2,99 Euro (zusammen mit Teil 1)
6. Roswitha Hedrun: Die Hexenköchin (Historischer Roman), Kindle Direct Publishing, 0,99 Euro
7. Catherine Shepherd: Der Puzzlemörder von Zons, Kindle Direct Publishing, 2,99 Euro
8. Charlotte Link: Der Beobachter, Blanvalet, 8,99 Euro
9. B.C. Schiller: Freunde müssen töten, Kindle Direct Publishing, 2,68 Euro
10. Mathias Frey: EXCESS, Verschwörung zur Weltregierung, Kindle Direct Publishing, 2,99 Euro
Die Dominanz der verlagsunabhängigen Autoren in der Kindle-Bestseller-Liste ist durchaus beeindruckend. Der Erfolg der Unabhängigen zieht auch die Aufmerksamkeit der Verlage auf sich. “Holunderküsschen” wurde vom mvg Verlag mittlerweile auch als gedrucktes Taschenbuch (8,99 Euro) herausgebracht. Und Jonas Winners’ “Berlin Gothic”-Reihe wurde über Amazon Crossing in die USA verkauft.
Die von Amazon veröffentlichte Kindle-Bestsellerliste ergibt ein ganz anderes Bild, als die E-Book-Bestsellerliste von Media Control, bei der klassische Verlags-Bücher dominieren. Der Grund liegt in den Filtern, die Media Control anwendet. Für deren Liste werden alle Bücher unter 2,60 Euro und alle Bücher, die nur auf einer einzigen Plattform veröffentlicht werden, aussortiert. 99-Cent-E-Books und Kindle Direct Publishing E-Books werden dort gar nicht erfasst.
gefunden via buchreport.de
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Die taz wirft in einem Artikel eine interessante Frage auf: Was geschieht mit Literatur, wenn das Leserverhalten bei E-Books von Unternehmen genau festgehalten, statistisch erfasst und analysiert wird? Technisch ist es ohne weiteres möglich, bei E-Readern umfangreiche Daten über das Leser- und Leseverhalten in bislang nie gekanntem Ausmaß zu sammeln. Die US-Buchhandelskette Barnes & Noble will bei Sachbüchern aus den Daten bereits erste Konsequenzen ziehen.
So habe die Auswertung von Leserdaten gezeigt, dass Sachbücher selten am Stück gelesen werden und schneller wieder weggelegt werden, je länger sie sind. Das ist zunächst nicht überraschend. Gerade Sachbücher werden von vielen Lesern nicht zur zusammenhängenden Lektüre genutzt, sondern bei einzelnen Fragen zielgenau konsultiert. Mit Hilfe von Leserdaten können Verlage nun aber herausfinden, an welchen Stellen genau die meisten Leser aussteigen. Die taz zitiert einen Washington-Post-Artikel, in dem Jim Hilt von der E-Book-Abteilung von Barnes & Noble sagt, dass man an Stellen, an denen sich Leser langweilen, ein Video, einen Link oder “sonst irgendwas Multimediales” einfügen könne.
Das klingt zunächst beliebig. Aber die Möglichkeiten, die sich auf lange Sicht aus der Auswertung von Leser-Daten ergeben, sind immens. Vor allem dann, wenn man solche Erkenntnisse nicht auf Sach- und Fachbücher, sondern auf fiktionale Stoffe ausweiten würde. Amazon und andere Großhändler des digitalen Lesestoffs können viele Daten über einen Leser sammeln, der mit einem E-Reader und Kundenkonto ausgestattet ist. Das Unternehmen weiß, wie lange jemand liest, an welchen Stellen die Lektüre abgebrochen wird, ob ein Buch vom E-Reader entfernt wird. Man könnte sogar tracken, in welchen Situationen man unterwegs liest, da man auch über Smartphones Zugriff auf die E-Books hat. Der Leser wird zum gläsernen Leser.
Leser haben die Möglichkeit, Textpassagen in E-Readern zu unterstreichen und mit Kommentaren zu versehen. Der Schluss liegt nahe, dass eine Stelle, die besonders oft unterstrichen oder kommentiert wird, eine besondere Bedeutung für die Leser hat. Für jeden einzelnen Leser ist das noch wenig aussagekräftig. Aber nimmt man zig tausenden Kundendaten zusammen, lassen sich mit Hilfe von Algorithmen womöglich Aussagen über den typischen Geschmack des “Mainstream-Lesers” treffen. Und womöglich auch Aussagen, welche Art von Lektüre der “Mainstream-Leser” in Zukunft bevorzugen würde. Bereits heute ist Amazon bei der Vorhersage von Kundenwünschen durch die Analyse des Kauf-, Surf- und Kommentier-Verhaltens beängstigend gut.
Für Verlage wären solche Daten Gold wert. Denn kaum etwas treibt Verlage mehr um, als die Frage nach dem nächsten Bestseller. Bisher war ein Bestseller immer ein Treffer nach einem Blindflug. Der Economist schrieb zum Thema Bestseller-Prognosen jüngst zurecht: “Wer hat die Popularität eines Zauberer-Jungen vorhergesehen (Harry Potter) oder von soziopathischen Skandinaviern (Millenium-Trilogie)? Die einzig sichere Wette ist, dass ein Hit Nachahmer anlockt.” Daher auch die Flut an romantischen Vampir-Schmonzetten im Gefolge der erfolgreichen “Twilight”-Serie. Der Economist sagt aktuell eine Flut an “Mommy Porn” voraus, die sich an den Erfolg des Sadomaso-Bestsellers “Shades of Grey” hängen wirkt.
Ausgearbeitete Daten des Leserverhaltens von E-Book-Konsumenten könnten Verlagen künftig wesentlich präzisere Instrumente zur Prognose von Bestellern an die Hand geben. Mit der Gefahr, dass es statt einer großen, künstlerischen Vielfalt immer mehr vom Gleichen geben könnte.
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Es gibt mal wieder aktuelle Zahlen, die den Buchmarkt in den USA betreffen und die einige interessante Erkenntnisse über den Trend hin zum E-Book liefern. Die New York Times berichtet über die jährliche BookStats-Befragung, bei der rund 2.000 US-Verlage verschiedenster Größen zu ihren Verkäufen 2011 befragt wurden.
Dabei lassen sich drei Trends erkennen:
1. E-Book-Umsätze wachsen weiter. Die Umsätze mit E-Books von US-Verlagen haben sich im vergangenen Jahr laut BookStats mehr als verdoppelt. und sind von 869 Mio. US-Dollar in 2010 auf 2,07 Mrd. US-Dollar angewachsen. Insgesamt machten E-Books 15,5% der Gesamt-Umsätze der US-Buchverlage aus.
2. Die Buchbranche befindet sich stabil auf hohem Niveau. Die Verkäufe von gedruckten Büchern gingen zwar von 12,1 Mrd. US-Dollar auf 11,1 Mrd. US-Dollar zurück - bezieht man aber alle Arten der Veröffentlichung ein, gewann die Branche sogar leicht an Umsätzen, und zwar 0,5% von 13,9 auf 13,97 Mrd. US-Dollar. Mit verantwortlich für den anhaltend hohen Umsatz war u.a. der Erfolg der Jugendbuchreihe “The Hunger Games” (“Die Tribute von Panem”), deren erster Teil auch erfolgreich verfilmt wurde.
3. Stationärer Buchhandel bleibt wichtig. Obwohl die große US-Buchhandelskette Borders pleite ging, haben sich Befürchtungen von einem Massensterben der Buchläden nicht bestätigt. Buchläden waren in den USA auch in 2011 der größte Vertriebskanal von Büchern, vor E-Book-Plattformen und Online-Stores. Der Anteil des E-Commerce bei den Buchverkäufen wächst aber.
Was können wir daraus lernen? Vielleicht, dass es in Sachen E-Books und gedruckte Bücher ebensowenig ein Entweder-Oder geben muss wie bei Online-Läden und stationären Buchläden. Die Buchbranche in den USA scheint mit einem Sowohl-Als-Auch gut zurechtzukommen.
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Das in katholischer Hand befindliche Buchhandelsunternehmen Weltbild verkauft nach wie vor den gehypten Sadomaso-Bestseller “Shades of Grey” von EL James. Allerdings mit ganz spitzen Fingern. Im Online-Shop von Weltbild wurde eine Art Begleittext zu dem Buch veröffentlicht, mit dem sich Weltbild von dem Inhalt von „Shades of Grey“ distanziert. “Wir sehen das Buch als sehr problematisch an”, so Weltbild. Ganz schön igitt also. Aber das Bestseller-Geschäft will man sich nicht entgehen lassen.
Weltbild weiter: “Es ist jedoch darauf hinzuweisen: Die hier beschriebene Unterwerfung der Frau widerspricht dem Welt- und Menschenbild, von dem wir uns als Buchhändler leiten lassen.” Darunter veröffentlicht der Buchhändler eine ganze Reihe von “Finger-weg”-Zitaten aus Besprechungen zu dem Buch. Das Ganze wirkt unfreiwillig komisch, da Buchhändler normalerweise mit euphorischen Zitaten aus positiven Besprechungen ja den Verkauf eines Buches ankurbeln wollen. Weltbild dagegen windet man sich öffentlich und geißelt sich selbst, was da für einen Schmutz auf der virtuellen Ladentheke anbieten: Aber, ihr Sex-süchtigen Leser, wenn ihr diesen Schmuddelkram unbedingt lesen müsst und uns dafür Geld geben wollt - dann kauft es halt!
So etwas nennt man wohl bigott. Vor kurzem war schon bekannt geworden, dass Weltbild “Shades of Grey” zwar verkauft, das hoch gelobte und durchaus seriöse Aufklärungsbuch “Make Love” dagegen nicht. Und zwar, wegen der Art und Weise, wie dort das Thema Abtreibung behandelt wird. Die katholischen Bischöfe wollen sich wegen dem Sexbuch-Dilemma, das Weltbild ja schon länger umtreibt, eigentlich von dem Buchhändler trennen, man hat aber offenbar noch keinen adäquaten Käufer gefunden. Auch der Papst hat, bevor er sich in seinen Rechtsstreit mit der Satire-Zeitschrift Titanic stürzte, die Schweinigeleien, die bei Weltbild verkauft werden, schon gegeißelt.
Und so lange niemand Weltliches Weltbild kauft, windet man sich eben und kassiert trotzdem. Der Herrgott wird’s schon verzeihen. Und eine gewisse Übung in Sachen Doppelmoral kann man der katholischen Kirche ja nun auch nicht absprechen. Insofern passt der Titel “Shades of Grey” ja ganz gut.
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Das rund 2.000 Seiten stark E-Book zum 50. Jubiläum der Rolling Stones ist mittlerweile erhältlich. Das E-Book enthält Artikel und Interviews über und mit der Band seit den 60er Jahren. Für das Projekt wurde eigens der Verlag The E-Book People ins Leben gerufen. MEEDIA verlost ein Exemplar des ersten Teils des Rolling-Stones E-Books, das die ersten 25 Jahre der Band-Geschichte abdeckt. Hinter dem Projekt stecken Mathias Würfl sowie Michael und Uli Karg von theinterviewpeople.org.
Um das Monster-E-Book zu gewinnen, müssen Sie nur folgende Frage korrekt beantworten und ein wenig Losglück haben:
Wie nannten Mick Jagger und Keth Richards ihre erste gemeinsame Band?
Anworten bitte bis zum 13. Juli an stefan.winterbauer[at]meedia.de. Der Gewinner wird dann hier bekanntgegeben. Wer das E-Book kaufen will: erhältlich ist es bei The E-Book People für 14,99 Dollar.
Viel Glück!
Vorbei, vorbei, die Verlosung ist vorbei!
Die korrekte Lösung lautete:
"Little Boy Blue and the Blue Boys"
So hieß die erste gemeinsame Band von Mick Jagger und Keith Richards. Viele wussten es, wir haben über 300 korrekte Einsendungen erhalten. Gewinnen konnte aber nur einer und das Losglück hatte ...
Thomas Jacob-Rüdiger aus Bremen
Viel Spaß mit dem E-Book!
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Neue Zahlen zum Buchmarkt in den USA belegen mal wieder, wie fundamental unterschiedlich sich E-Books dort und hierzulande entwickeln. Während das E-Book in Deutschland ein Nischendasein führt, floriert das Geschäft in den USA. Laut aktuellen Zahlen des US-Verlegerverbandes haben die Umsätze mit E-Books in diesem Jahr erstmals die Umsätze mit gedruckten Hardcover-Büchern überholt. Marktführer Amazon hatte bereits 2011 verkündet, dass er mehr E-Books als gedruckte Bücher verkauft.
Die neuen Zahlen der Association of American Publishers sind wichtig und beeindruckend, weil sie nicht nur die Mitteilung eines einzelnen (wenn auch sehr großen) Markteilnehmers wie Amazon sind, sondern für die gesamte Buchbranche in den USA gelten. Demnach wurden mit Hardcover-Büchern in den USA 2012 bis dato 229,6 Mio. Dollar umgesetzt, ein Plus von 2,7% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Mit E-Books wurden im gleichen Zeitraum 282,3 Mio. US-Dollar umgesetzt, ein Plus von 28,1%.
Mit Paperbacks (Taschenbüchern) wurde ein Umsatz von 299,8 Mio Dollar gemacht - ein Minus von 10,5% im Vergleich zum Vorjahr! Wohin führt diese Entwicklung? Drei Thesen hierzu:
1. E-Books werden in relativ kurzer Zeit in den USA mehr Umsatz machen als Hardcover und Taschenbücher zusammen.
Das ist abzusehen. Marktführer Amazon hat mit dem Kindle diese Entwicklung in der Gesamtbranche vorweggenommen. Im Juli 2010 hat Amazon in den USA erstmals mehr Kindle E-Books verkauft als Hardcover. Im Januar 2011 überholten die Kindle E-Book-Verkäufe die Paperbacks und im Mai 2011 hat Amazon mehr Kindle E-Books verkauft als Hardcover und Paperbacks zusammen. Dies wiederholt sich derzeit mit Zeitverzögerung für den gesamten Buchmarkt in den USA.
2. Paperbacks sind die großen Verlierer des digitalen Wandels der Buchbranche.
Günstige Paperbacks haben es in Konkurrenz zu E-Books noch einmal schwerer als Hardcover. Dies zeigt die Umsatz-Entwicklung in den USA deutlich. Paperbacks verlieren zweistellig, während Hardcover-Umsätze sogar noch leicht zulegen. Das E-Book ist prädestiniert für den Konsum von Unterhaltungs-Literatur, E-Book-Käufer sind preisbewusst. E-Books sind extrem mobil. Man könnte auch sagen: Das E-Book ist so etwas wie das Taschenbuch/Paperback der Zukunft. Hardcover haben dagegen als Geschenk- und Bildbände oder Sammlerstücke immer noch eine ureigene Existenzberechtigung in gedruckter Form.
3. Die Entwicklung bleibt nicht auf die USA beschränkt.
Zwar bemüht sich die Buchbranche in Deutschland mit allen Mitteln, die Attraktivität von E-Books klein zu halten und zu reden - die Vorteile von E-Books bei “Alltags”- und Unterhaltungsliteratur sowie bei Schul-Literatur sind aber derart bestechend, dass sich das E-Book mit einer gewissen Zeitverzögerung auch hierzulande durchsetzen wird.
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Stefan Winterbauer ist Medienjournalist und schreibt für MEEDIA über Print, TV, Internet und den digitalen Wandel.
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